Power Ranking Beitragsbild

NFL Power Ranking – Woche 8

Power-Ranking von Woche 9 mit einem kurzen Blick auf die Trades zu NFL-Trade Deadline.

Gutes und schlechtes Coaching

Ein Team mit einem kräftigen Satz nach vorne diese Woche waren die Seattle Seahawks. Sie springen von #14 hoch auf #8. Die Defense der Seahawks war schon in den letzten Wochen stets bemerkenswert, aber den wahren Satz nach oben hat die Offense gemacht, die nun – gecoacht von Brian Schottenheimer! – schon als 11t-beste Offense in der NFL gilt:

  • Mit 7.0 NY/A die #9 Passing-Offense
  • Mit 38.7% Run Success Rate auch schon die #20 im Laufspiel

Seattle ist dabei weiterhin ein lauflastiges Team, das in 1st und 2nd Down zu wenig wirft, aber dafür sind die Würfe, die kommen, erfolgreich:

  • 1st Down: 39% Pass-Quote, 50% Pass-SR, 7.1 NY/A (vs. 34% Run-SR und 4.0 YPC)
  • 2nd Down: 43% Pass-Quote, 52% Pass-SR, 8.1 NY/A (vs. 38% Run-SR und 4.2 YPC)
  • 3rd Down: 74% Pass-Quote, 36% Pass-SR, 6.0 NY/A (vs. 55% Run-SR und 6.4 YPC)

Das Power-Ranking schielt dabei nicht auf die Run/Pass-Verteilung, sondern schaut allein auf die Effizienz in Lauf und Pass. Unter anderem die Seahawks dabei exzellente Effizienz im Passspiel einfahren, aber viel zu wenig werfen, sind sie nach Win/Loss Record mit 4-3 Siegen bislang ein „Underachiever“.

Es ist eine Schande, wie Brian Schottenheimer die Seahawks nach unten coacht. Ihre Pass-Offense um QB Russell Wilson wäre eine der potenteren in der NFL und trotzdem ist Schottenheimer in 1st und 2nd Down – in den wichtigen Downs! – ein extrem konservativer Coach, der in das 6 von 10 Fällen laufen lässt. Diese Läufe gehen zu oft in eine Mauer.

Die Seahawks hätten mit ihrer Passing-Offense durchaus Playoff-Qualität, aber solange Schottenheimer Wilson erst in den bereits viel zu langen 3rd Downs von der Leine lässt, hält er das Team massiv zurück.


Im Umkehrschluss ist eine hervorragende Run/Pass Balance eine Möglichkeit, die Sieg-Erwartung dieses Power-Rankings zu schlagen. Ein Beispiel dafür sind interessanterweise die Cincinnati Bengals vom eigentlich als besonders konservativ bekannten Marvin Lewis: Sie sind 5-3 nach Siegen, obwohl sie nach den Metriken dieses Power-Rankings bislang nur die Performance eines 7-9 Teams hinlegen und obwohl sie bislang den drittschwersten Schedule gespielt haben:

  • 1st Down: 55% Pass-Quote, 52% Pass-SR, 7.1 NY/A (vs. 36% Run-SR und 4.5 YPC)
  • 2nd Down: 70% Pass-Quote, 51% Pass-SR, 7.0 NY/A (vs. 45% Run-SR und 4.7 YPC)
  • 3rd Down: 81% Pass-Quote, 38% Pass-SR, 4.2 NY/A (vs. 53% Run-SR und 4.5 YPC)

Cincinnati wirft weit überproportional viele Pässe in 1st und 2nd Down. Man ist dabei nicht hyper-effizient, aber das Passspiel ist wesentlich besser als das nur durchschnittliche Laufspiel – und somit verschaffen sich die Bengals einen letztlich mitentscheidenden Vorteil in den frühen Downs. Sie müssen damit keine atemberaubenden individuellen Werte erzielen. Es reicht, ganz einfach überdurchschnittlich häufig die erfolgreichere

Besser: Die Seahawks sind theoretisch ein Klasse-Team. Aber in der Praxis nutzen sie ihren Vorteil zu selten. Die Bengals sind theoretisch ein unterdurchschnittliches Team. Aber weil es das beste aus seinen Mitteln macht, steht es trotz schweren Gegnern bislang besser da als auf dem Papier.

Also – ein Grund mehr, Schottenheimer kritisch zu sehen.

Battle of Pennsylvania

Eine kuriose Situation sehen wir zwischen den #10 Eagles, die trotz schlechterer Offense und Defense vor den #11 Steelers gerankt sind. Als Erklärung kann ich folgendes liefern: Die Steelers haben die undisziplinierteste Mannschaft der NFL mit 0.42 Penalty-Yards pro Spielzug. Das allein reicht um im Ranking hinter die Eagles zu fallen.

An dieser Stelle sei betont, dass meine Daten noch immer nicht sauber genug sind, dass ich die Penalty-Yards eindeutig Offense und Defense zuordnen kann. Ich möchte eigentlich gerne Penaltys wie False-Starts oder Offensive-Holding eindeutig der Offense zuweisen und Penaltys wie DPI oder Defensive-Holding, die eindeutig der Defense zuzuordnen sind, besser zuordnen.

Beispiel: Eine 25-yds Defensive Pass Interference würde ich gerne als 25-Yards Pass-Gain der Offense und negativen 25-Yards Play der Defense zuschreiben. Bislang habe ich jedoch noch keine zufriedenstellende Methode um diese Yards nach Offense und Defense zuzuteilen bzw. um die Stabilität dieser Kennzahlen besser zu parametrieren.

Trade-Deadline

LeVeon Bell wurde erwartungsgemäß nicht getradet und dürfte somit in dieser Saison ab Woche 10 doch noch für die Steelers auflaufen (wohl ab Woche 10). Ob Pittsburgh damit angesichts des eigentlich effizienten RB Connor glücklich ist? Vermutlich ja – denn mehr Tiefe und ein weiterer Pass-Catching Runningback ist besser als keiner.

WR Golden Tate (DET nach PHI, 3rd Rounder). Die Öffentlichkeit in den USA scheint überrascht zu sein, aber ich hatte diesen Trade noch letzte Woche erhofft (obwohl ich Tate als Spieler im Lions-Dress liebte). Tate hat auslaufenden Vertrag in Detroit. Detroit ist nicht im Win-Now Modus und kann einen Pick für die Zukunft abstauben – mit einem 3rd Rounder auch gar keinen ganz schlechten.

Für die Eagles ist Tate eine willkommene Erweiterung im Passspiel auf die Wide Receiver, das bislang lahm war: Nur 44% der Eagles-Pässe gingen in dieser Saison auf die Wide Receiver – kein Team hat weniger WR-Targets. Und mit nur 48% Success-Rate (#26 der Liga) und 7.8yds/Target (#19) weiß man auch, warum.

Agholor mit 43% Success-Rate in 61 Targets war bislang ein Ausfall. Jeffery (57% Success-Rate in 44 Targets) kann nicht alles im Alleingang machen – und vor allem war auch Jeffery bislang tief keine Waffe.

Für Detroit bietet der Tate-Verkauf auch kurzfristig eine Chance: Weg vom eher ineffizienten Passspiel in 11-Personnel und mit 4 WR am Feld (48% Success-Rate, 7.1yds/Pass), hin zu mehr 2-WR Sets aus 12 und 21 Personnel, das bislang 66% Success-Rate und 7.8yds/Pass einbrachte. Golladay und Marv Jones sind gute Waffen.

WR Demariyus Thomas (DEN nach HOU, 4th Rounder). Houston verlor unter der Woche WR Fuller mit Kreuzbandriss für den Rest der Saison und wollte eigentlich den in Tampa rebellierenden DeSean Jackson als Ersatz. Doch sie bekamen Jackson nicht und holen sich somit Thomas, der in Denver seit einigen Jahren nur noch die #2 hinter Sanders ist. Thomas war diese Saison in Denver allerdings auch noch kein gutes deep threat, ist aber eine zweite physische Präsenz neben Nuk Hopkins.

FS Ha-Ha Clinton-Dix (GB nach WAS, 4th Rounder). Interessanter Trade, der sich unter der Woche abgezeichnet hatte. Dix hat wie Tate auslaudenden Vertrag und die Packers hatten wohl keine Lust auf eine Verlängerung. Sie wollten mit dem Compensatory-Pick nicht auf 2020 warten und bekommen somit schon nächstes Jahr einen Draftpick in Runde 4.

Ty Montgomery (GB nach BAL, 7th Round 2020). Montgomery war der Sündenbock in der Packers-Niederlage bei den Rams am Sonntag – insofern riecht es nach Bauernopfer. Doch Montgomery ist in der Gunst der Packers als Ballträger längst hinter einen Aaron Jones zurückgefallen. Erstaunlich ist auch, dass GM Gutekunst damit auch den letzten Packers-Draftee von 2015 verliert:

Auf der Gewinner des Rams-Packers Spiels wurde noch einmal tätig: Die Rams kauften sich für einen 3rd Rounder DE Dante Fowler aus Jacksonville (plus geben einen 2020 5th Round an die Jags). Der Move ist nachvollziehbar, wenn wir die Brille der Rams aufsetzen:

Ihr Inside-Rush mit Suh/Donald und Brockers ist fantastisch, aber über außen waren sie äußerst mau mit völlig unbekannten Leuten. Fowler, #3 Overall Pick vor ein paar Jahren, war bislang kein kompletter Bust, aber zu wenig konstant. Mit diesem Inside-Rush sollte er Möglichkeiten bekommen, über außen seine Karriere neu zu beleben und 2019 einen guten Vertrag abzustauben.

Was wir auch sehen: Die wesentlichen Käufer der letzten Tage – Houston (QB Watson), Rams (QB Goff), Eagles (QB Goff) und Cowboys (QB Prescott) sind allesamt Teams mit einem Rookie-QB Vertrag im Roster. Sie nutzen schlicht ihr „Fenster zum Erfolg“ um ihre Mannschaften dank der billigen QB-Verträge aufzubolstern. Warum auch nicht?

Power Ranking nach Woche 8

NFL Power Ranking 2018 - Woche 8

Und so liest sich das ganze: Die erste Sektion (WP | E16) beschreibt die Stärke der jeweiligen Mannschaft. WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16). Die zweite Sektion (SOS | Rs) beschreibt die Stärke des Schedules und die Platzierung des Schedules. OFF ist die Platzierung der Offense, DEF die Platzierung der Defense.

Hier noch einige erklärende Grafiken mit den Statistiken hinter dem Power-Ranking und weiteren Zahlen:

Wahrscheinlichkeiten für Woche 9

Letzte Woche 11-3 Bilanz für das Power-Ranking, das damit dieses Jahr 21-7 (32-10, wenn wir Woche 6 mitnehmen) ist. Die Tipps für den kommenden Sonntag sind folgende:

Wahrscheinlichkeiten - Woche 9.png

Werbeanzeigen

5 Kommentare zu “NFL Power Ranking – Woche 8

  1. Ich habe eine Frage zu den Wahrscheinlichkeiten ganz unten auf der Seite: Wie berechnest du den Spread? Wenn du das schon mal erklärt hast, würde ich mich über einen Link freuen.

  2. Pingback: Passspiel im 1st Down in der NFL 2018 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. Danke für die Erklärung. Heißt das, dass der Heimvorteil in deinem Spread schon eingepreist ist? Oder muss ich die 2-3 Punkte noch addieren?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.