Eierei am Freitag: Dr. Z und D.J. Durkin

Gestern ist Paul Zimmerman gestorben, der in den USA als einer der größten Football-Journalisten galt. Zimmerman, genannt „Dr. Z“, hatte sich über Jahrzehnte als Chef-Schreiber der Sports Illustrated einen Namen gemacht, für die er schon in den 70er und 80er Jahren detaillierte Analysen schrieb, als es noch kein öffentliches All-22 und Internet für alle gab.

„Dr. Z“ habe auch ich noch in meiner Anfangszeit mitbekommen, denn Zimmerman nutzte von Anfang an auch das aufkommende Internet für sich und schrieb dort bis zu seinem Schlaganfall 2008 Kolumnen, die ich wöchentlich verspeiste.

Seit 2013 war Zimmerman bewegungsuntauglich. Gestern starb er 86-jährig. RIP.

Einen schönen Nachruf hat sein Schüler Michael Silver geschrieben. Ein Archiv mit Zimmermans besten Geschichten gibt es auf SI.com.

Maryland verkauft seine Seele

Die große Story im College Football spielte sich diese Woche in Maryland ab, wo Headcoach D.J. Durkin nach monatelanger Suspendierung erst wieder eingestellt und nach massivem öffentlichen Druck 24 Stunden dann doch endgültig gefeuert wurde.

Durkin war in der Offseason wegen des Todes eines seiner Offensive Linemen (Jordan McNair) während des Krafttrainings unter Beschuss geraten, konnte sich angesichts der Kombination aus Gehalt und Machtverteilung in der Universität (kompliziertes Getrüpp aus Boostern und Bürokraten, die ihren Job nicht verlieren wollten) jedoch am Job festklammern und war „nur“ temporär suspendiert worden.

Eine ESPN-Reportage hatte jedoch in der Zwischenzeit die demoralisierende Arbeitskultur im Footballteam der Maryland Terrapins aufgedeckt. Die Rede war von Einschüchterung und verbaler Erniedrigung der Spieler.

Obwohl immer mehr dieser Details ans Tageslicht gekommen waren, hatte die Uni Durkin am Dienstag begnadigt und wiedereingestellt. Doch die Offiziellen hatten sich damit brutal verschätzt: Vom Gouverneur bis zum Fußvolk wurde ein Shitstorm gegen die Universitätsleitung losgetreten, und ein Teil des Teams drohte mit dem sofortigen Rücktritt, sollte es wieder unter Durkin trainieren und spielen müssen.

Also dann doch Reißleine – aber erst, als es ganz keinen anderen Ausweg mehr gab. Typisch College Football.

Genau darüber schrieb Rodger Sherman beim Ringer einen ausführlichen, sehr erhellenden Artikel: Maryland sold its soul only to fire D.J. Durkin.


Ein interessantes Detail am ganzen: Head Coaches haben im College Football nicht ganzjährigen Kontakt zu ihren Spielern und Trainern um den Anschein des Amateursports aufrechtzuerhalten. Die einzigen Coaches, die ganzjährig mit den Spielern arbeiten, sind die Konditionstrainer.

Der Konditionstrainer in Maryland nutzte diese Macht aus um Spieler an und über die Grenzen hinaus zu strapazieren. Er ist vermutlich nicht der einzige im Lande.

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