Passspiel im 1st Down in der NFL 2018

Ein Blick auf das 1st&10-Playcalling der einzelnen Mannschaften zur Saisonmitte – Donnerstagsspiel von Woche 9 noch nicht berücksichtigt!

Das Spielchen läuft wie gewohnt: Wir schauen uns alle Offense-Snaps in der 1ten Halbzeit an. Wir analysieren, welche Mannschaften wie häufig laufen und werfen und wie erfolgreich sie dabei sind. Als „Success“ wird dabei jeder Versuch mit positiver EPA gewertet.

Pass-Mappe - Woche 8.png

Wir sehen: Die NFL behält auch zur Saisonmitte ihre 53%-Passquote bei. Diese Quote ist um 5% höher als in den letzten Jahren – das Aufkommen des Passspiels im 1st & 10 scheint damit stabil zu sein. Und es ist massiv.

Die beiden aggressivsten Teams spielen in der AFC North: Pittsburgh und Baltimore. Sie werfen in 65% bzw. 62% der Fälle – und bei beiden kann man Argumente aufbringen, dass sie noch häufiger werfen sollten:

  • PIT: 8% höhere Pass-SR und +2.0 Yards/Play
  • BAL: 21% höhere Pass-SR und +4.2 Yards/Play

Das dritte passlastige AFC-North Team, die Bengals, hatte ich schon am Mittwoch in der Analyse, als ich feststellte, dass die Bengals mit ihrer hohen Wurfintensität in den frühen Downs entscheidend mithelfen, ihre ansonsten mittelmäßigen Effizienz-Stats in eine erstaunliche 5-3 Bilanz umzumünzen.

Es gibt derzeit nur ein einziges Team in der NFL, bei dem ich argumentieren würde, dass es im 1st Down zu passlastig ist: Die Carolina Panthers. Dort ist bekanntlich seit dieser OffCoord Norv Turner am Werk – und Turners Gameplanning für QB Cameron Newton gilt schon jetzt als eine der großen Erfolgsgeschichten der Saison – ich gebe zu, das hatte ich nicht kommen sehen.

Zur Quartalsrundschau hatte ich auch Carolinas relativ extremen Run/Pass Split hingewiesen. Seither sind die Panthers nur noch „wurflastiger“ geworden. Anführungszeichen deshalb, weil die Panthers nur die 23t-meisten Pässe der NFL im 1st Down werfen – aber sie sind das einzige Team, das damit im Laufspiel die insgesamt besseren Werte einfährt als im Passspiel:

  • Pass: 46% Success-Rate, 6.6 NY/A
  • Lauf: 48% Success-Rate, 7.7 YPC

Man muss dabei anmerken, dass der Erfolg des Laufspiels zumindest nicht direkt den Scrambling-Künsten von Cam Newton zuzuschreiben ist, denn Newton (33% SR, 7.3 YPC) ist weniger erfolgreich als seine Kollegen RB C.J. Anderson (50% SR, 6.5 YPC) und RB Christian McCaffrey (45% SR, 7.3 YPC).

Es hat sich aber oft gezeigt, dass mobile Quarterbacks (oder auch: Scramble-QBs) einen äußerst positiven Einfluss auf den Erfolg des „regulären Laufspiels“ hat. Und: Carolina hatte durch WR Moore und WR Wright zwei lange Run-Fakes (vermutlich durch End-Arounds).

Bitte mehr werfen!

Diese Aufforderung gilt im Prinzip für fast alle Mannschaften – daher hier nur einige besonders extreme Fälle herausgepickt.

Ich habe mich schon damit abgefunden, dass die Tennessee Titans in dieser Rubrik noch einige Zeit bleiben werden: Die Titans bringen nur 1 von 5 Läufen erfolgreich durch und machen keine 3 Yards/Carry, aber trotzdem lässt OffCoord Matt LaFleur in 57% der 1st Downs laufen. Ich kann es eigentlich noch immer nicht fassen, dass LaFleur, der unter Shanahan und McVay lernen durfte, so komplett versagt.

Die Houston Texans haben sich zwar gebessert, aber ihre 38% Pass-Quote ist noch immer viel zu gering: Ihr Passspiel bringt 58% Success-Rate und 7.6 NY/A durch, während Laufspiel mit 44% Success-Rate und 4.8 YPC zwar durchaus respektable Zahlen einfährt, aber eben doch deutlich unterhalb der Effizienz des Passspiels bleibt.

Auch Dallas ist zu lauflastig – was man angesichts eines RBs Ezekiel Elliott gar nicht meinen würde. Doch Elliott und Co. bringen nur 37% Run-SR% durch. Der Pass ist mit 48% Erfolgsquote und satten 9.5 NY/A deutlich erfolgreicher.

Man möchte dem Cowboys-Trainerstab durchaus zurufen, sich mehr auf Passspiel zu konzentrieren, nachdem sich die Gegner der Cowboys viel zu sehr auf das Stoppen des Laufspiels zu konzentrieren scheinen. Vielleicht hilft der Einkauf von WR Amari Cooper und der dadurch entstandene Wunsch, den (viel zu hohen) Preis für Cooper zu rechtfertigen. Das könnte sich durch die Hintertür also auch auf das Playcalling auswirken – mehr als 40% Pass-Quote für Dallas bedeutet relativ sicher auch mehr Offense-Effizienz.

Die Los Angeles Chargers sind vermutlich das beste oder zweitbeste 1st-Down Team der NFL. Sie bringen 47% Run-SR und 6.7 Yards/Carry durch – und trotzdem muss man angesichts von 60% Pass-SR und 13.3 NY/A für QB Rivers argumentieren, dass die Offense mit nur 46% Pass-Quote zu lauflastig ist.

Doch auch die wurflastigeren Teams wie Saints (56% Pass-SR bei 26% Run-SR!!), Raiders, Chiefs, Vikings, Bengals, Falcons und etliche andere wären durchaus gut beraten, sich noch stärker auf den Luftweg zu konzentrieren!

Ich bin zur Hälfte der Saison 2018/19 allerdings zum ersten Mal positiv gestimmt, dass die Mannschaften auf diese Schwachstellen im Play-Calling reagieren werden. Sie haben bereits innerhalb weniger Wochen von 48% auf 53% Pass-Quote geschraubt – nachdem sie jahrelang in der immergleichen Quote verhangen geblieben waren, obwohl die Zahlen seit Jahren mehr Passspiel verlangt hatten.

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3 Kommentare zu “Passspiel im 1st Down in der NFL 2018

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