Samstagsvorschauer – Woche 10 | Der Spitzenspielsamstag

Heute ist Großkampftag im College Football! Eine Vorschau auf die wesentlichen Partien von heute. Und Achtung: Kickoff ist heute eine Stunde früher als gewohnt, um 17h, dann 20h30 usw.

#9 Kentucky Wildcats – #6 Georgia Bulldogs

20h30, CBS

Das “Endspiel” um den Gewinn der SEC East Division, wo derzeit Kentucky und Georgia bei einer Niederlage stehen und im Nachgang nur noch jeweils ein Spiel zu bestreiten haben. Georgia hat sich in den letzten beiden Jahren unter Head Coach Kirby Smart zu einer landesweiten Macht entwickelt, die im Jänner erst in der Verlängerung des Landesmeisterschaftsfinals gegen Alabama verlor.

Kentucky dagegen ist in den USA als Basketball-Uni bekannt, die im Football für gewöhnlich nichts reißt. 2018 erleben wir einen Ausreißer nach oben: Es ist das sechste Jahr von Mark Stoops als Chefcoach – in den letzten vier Jahren bewegte sich Stoops jeweils zwischen 5-7 und 7-6 Bilanzen. Stoops‘ Markenzeichen ist eine knackige Defense, aber eher maue Offense.

So spielt Kentucky auch 2018: Disziplinierte Abwehrarbeit gegen den Lauf, dank vieler erfahrener Verteidiger passieren kaum Fehler. Im Passrush vertraut man auf den famosen LB Josh Allen (10 Sacks, 15 Tackles for Loss) und in der Offense darauf, dass man nicht zu weit in Rückstand gerät und so wenig wie möglich Verantwortung in die Hände von QB Terry Wilson legt.

Seit letzter Woche weiß man in Kentucky aber, dass Wilson im Zweifelsfall auch durchstarten kann: Wilson brachte den Drive zum Sieg-TD beim 15-14 in Missouri in letzter Minute durch – mit etwas Glück zwar, aber er kollabierte nicht wie befürchtet unter dem Druck.

Heute wartet jedoch die ungleich schwierigere Aufgabe mit Georgia, das Kentucky in allen wesentlichen Belangen auf dem Papier überlegen ist. Die Wettbüros sehen Georgia selbst als Auswärtsmannschaft mit 9 Punkten vorn.

#17 Texas Longhorns – #13 West Virginia Mountaineers

20h30, FOX

Eine Big-12 Partie, die bei uns erst im Tape zu sehen sein wird. Texas ist nach der knappen Niederlage gegen Oklahoma State letzte Woche erstmal aus allen Playoff-Träumen gerissen, kann aber noch aus eigener Kraft das Big-12 Conference Championship Game erreichen.

Dafür ist ein Sieg heute gegen West Virginia unbedingt notwendig. Man geht davon aus, dass sich das interessanteste Matchup zwischen Mountaineers-QB Grier und der Texas-Defense abspielt. West Virginia hat mit Grier eine der explosivsten Offenses, die in dieser Saison erst einmal wirklich eingebremst wurde – von Iowa State, das mit konstant 6 Defensive Backs spielte und immer zwei tiefe Safetys aufs Feld stellte. Texas spielt im Regelfall anders, mit nur einem tiefen Safety.

Die Wettbüros sehen Texas als Heimteam nur mit 1.5 Punkten vorn.

#5 Michigan Wolverines – #14 Penn State Nittany Lions

20h45, ESPN

Ein Spiel der unterschiedlichen Ausgangslagen: Michigan (7-1) spielt noch ganz laut im Playoff-Rennen mit, während Penn State (6-2) im Prinzip nur noch versucht, die Saison anständig zu Ende zu bringen und mit etwas Glück eine Neujahrs-Bowl anstrebt.

Ein Schlüssel der Partie wird sein, wie gut Penn State in dieser Partie werfen kann: Die Nittany Lions sind mit 6.9 NY/A im Passspiel heuer nur die #50 im Lande, und sie treffen heute auf die #1 Pass-Defense im College-Football (3.6 NY/A). Letztes Jahr konnte Penn State einen ähnlichen Matchup-Nachteil kaschieren, weil man zwischen hartem Laufspiel immer wieder tiefe Bomben von QB McSorley einbaute – doch heuer hat McSorley kaum verlässliche Anspielstationen.

Michigan dagegen ist personell theoretisch auch in der Offense stark genug aufgestellt um die schwächelnde Penn-State Defense auszuspielen. QB Shea Patterson hat im Lauf der Saison immer besser zu sich gefunden und ist auch mobil genug um im Alleingang seine Yards zu machen. Doch Vorsicht: Penn State hat eine massierte Defensive Line, die als gut genug gilt um Michigan komplett seines regulären Laufspiels zu berauben.

Wenn Penn State also Michigans Running-Game komplett kontrollieren kann, braucht es offensiv vielleicht erneut nur einige lichte Momente von QB McSorley um den Upset aus dem Big-House mitzunehmen. Wahrscheinlicher ist aber ganz sicher, dass Michigan das relativ trocken gewinnt.

Northwestern Wildcats – #4 Notre Dame Fighting Irish

0h15, ESPN

Ein gefährliches Spiel für das noch ungeschlagene Notre Dame, dessen Erfolg in dieser Saison schon mehrmals am seidenen Faden hing (u.a. Ball State und Pitt nur sehr knapp geschlagen). Northwestern dagegen ist nur 5-3 und eigentlich nicht dafür aufgestellt, neben seinen Conference-Partie auch noch im „Freundschaftsspiel“ gegen Notre Dame mit voller Power durchzuziehen, doch Vorsicht: Die Wildcats sind relativ unberechenbar (u.a. Michigan State, Wisconsin und Purdue geschlagen, gegen Michigan nur knapp verloren, aber auf der anderen Seite viel zu knapp gegen Rutgers gewonnen und gegen Akron und Duke verloren).

Northwestern hat eine eigentlich schlechte Offense: #130 nach Yards/Carry im Laufspiel, #99 nach Yards/Pass. Notre Dame hat theoretisch die Defense um den Gegner in dieser Partie komplett zu kontrollieren, und dann sollten einige Plays von QB Ian Book und RB Dexter Armstrong ausreichen um die Partie nach Hause zu schaukeln.

#3 Louisiana State Tigers – #1 Alabama Crimson Tide

1h, CBS

Das Spiel der Spiele – vermutlich das beste Matchup der gesamten Regular Season. LSU gegen Alabama ist seit einem Jahrzehnt das Duell, in dem College-Football am ähnlichsten der NFL aussieht – zumindest war es das bis zu dem Moment, als die NFL begann, wie die Big 12 Conference auszusehen.

LSU gegen Alabama ruft in mir immer sofort die Erinnerungen an das grandiose 9-6/OT von 2011 hervor, eine Schlacht von epischen Ausmaßen, die in den USA letztlich das Ende der BCS-Ära und somit den Beginn des Playoff-Systems einläutete.

Man darf sehr gespannt sein, was heute Nacht passiert. Alabama ist 8-0, LSU ist 7-1. Beide haben nach dem heutigen Spiel noch einige Conference-Prüfungen zu bestehen, aber man kann davon ausgehen, dass der Sieger dieser Partie die Qualifikation für das SEC-Endspiel schaffen wird. Insofern geht es sportlich um viel.

Das Alabama von 2018 ist nicht zwingend das Alabama, das wir aus der Vergangenheit kennen: Die Pass-Defense ist mit 4.8 NY/A „nur“ die #9 im Lande, die Rushing-Defense mit 4.6 YPC sogar nur die #55. Nach aufgegebenen Big-Plays ist diese Defense sogar nur die #108 im Lande!

Warum Alabama dennoch mit satten 15 Punkten (!) im Auswärtsspiel bei LSU favorisiert ist? Die Antwort lautet: QB Tua Tagovailoa. Tagovailoa, der MVP des Landesmeisterschaftsfinals im Jänner, spielt bislang eine atemberaubende Saison: 12.7 NY/A im Passspiel (#1 im Lande), 25 TD, 0 INT – die von ihm angeführte Offense macht im Schnitt 54 Punkte pro Spiel – das führt dazu, dass Tua noch nicht einen einzigen Snap im Schlussviertel spielen musste!

Diese krasse Dominanz musste Alabama bislang jedoch nur gegen zweitklassige Mannschaften unter Beweis stellen. Eine Defense vom Schlage LSU hat man bis jetzt noch nicht gesehen. Zwar verfügen die Tigers nicht mehr über einen gefürchteten Passrush, doch das Defensive Backfield um den imposanten CB Greedy Williams und FS Grant Delpit ist in Spitze und Breite theoretisch stark genug besetzt um Tuas Receiving-Corp beizukommen (WR Jeudy, WR Waddle, TE Smith jr).

Denn: Alabama hat keine physisch starken Receiver. Jeudy, Waddle und Smith lassen sich alle nur allzu einfach von kräftiger Press-Coverage an der Anspiellinie aus dem Konzept bringen – eine Spezialität von Greedy Williams und Co.

Doch selbst wenn Alabamas Offense eingebremst wird, muss LSU erstmal genug Offense aufbringen um auf gegen eine, sagen wir, 24-Punkte Offense von Alabama mitzuhalten. QB Joe Burrow spielt bis jetzt eine gute Saison, doch das LSU-Laufspiel ist nur noch Mittelmaß (#77 im Lande mit 4.9 YPC).

X-Faktoren in der Partie werden die Special Teams sein, bei denen LSU traditionell deutlich besser besetzt ist als Alabama, wo Nick Saban seit Jahren brauchbare Kicker sucht. Ein kleiner Vorteil für Alabama auf der anderen Seite ist die Suspendierung von LSU-Linebacker Devin White, der wegen „Targetings“ für die 1te Halbzeit gesperrt wurde.

Texas Tech Red Raiders – #7 Oklahoma Sooners

01h, ESPN

Das Spiel, das vor zwei Jahren Unkenrufe von wegen Untergang der Neuen Welt hervorrief, als sich Texas Techs QB Patrick Mahomes und Oklahomas QB Baker Mayfield in einem epischen 66-59 (Sieg für Oklahoma) mit über 1700 (eintausendsiebenhundert) Offense-Yards bekämpften. Mahomes und Mayfield haben mittlerweile damit begonnen, Big-12 Football in die NFL zu transferieren – zufälligerweise treffen sie genau morgen bei Browns vs. Chiefs erneut aufeinander.

Sie haben am College jedoch Spuren hinterlassen – und ihre Nachfolger sind nicht weniger potent: Heute treffen Tech-QB Alan Bowman und der extrem mobile Sooners-QB Kyler Murray aufeinander, und alles geht davon aus, dass dieses Duell der Air-Raid Offenses wieder an die 100 Punkte und über 1000 Yards fabrizieren wird.

Für Texas Tech geht es dabei um wenig: Sie sind mit 5-3 längst aus allen Träumen gerissen. Oklahoma mit seiner 7-1 Bilanz dagegen muss alle verbleibenden Spiele gewinnen, am besten deutlich!, will es im Playoff-Rennen mit dabeibleiben.

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2 Kommentare zu “Samstagsvorschauer – Woche 10 | Der Spitzenspielsamstag

  1. Irgendwie scheint mir diese Saison dass alle interessanten Spiele bei FOX/CBS live zu sehen sind. Schon schade dass hierzulande mit DAZN, ESPN und Sport1 alle sich nur aus dem ESPN/ABC Pool zu bedienen dürfen/können/wollen. 😦

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