Sonntagsvorschauer – Woche 9

Spieltag 9 heute mit einem hervorragenden Spieltag, der einige hochwertige Matchups mit sich bringt.

Den Auftakt machten am Donnerstag die San Francisco 49ers, die gegen Oakland sensationell hoch 34-3 gewannen. Star der Runde war dabei natürlich QB-third stringer Nick Mullens, der in seinem Debüt 16/22 für 262 Yards und 3 TD ging.

Für Oaklands Jon Gruden gab es hinterher nur noch Spott. Gruden coacht längst nur noch für 2019, doch das beunruhigende war die Selbstaufgabe seiner Mannschaft in dieser Partie. Selbst die Detroit Lions von 2008 ließen sich nicht so willenlos abschlachten wie die Raiders am Donnerstag. Man kann nur hoffen, dass Gruden einen Plan hat, wie er die Scheiße aufräumen will.


Damit zum heutigen Tag – und aufgepasst: Wir kehren wieder zu den altbekannten Kickoff-Zeiten zurück: 19h, 22h05/22h25 und 02h20.

Frühschicht um 19h

  • Buffalo Bills – Chicago Bears
  • Cleveland Browns – Kansas City Chiefs
  • Miami Dolphins – New York Jets
  • Minnesota Vikings – Detroit Lions
  • Washington Redskins – Atlanta Falcons
  • Carolina Panthers – Tampa Bay Buccaneers
  • Baltimore Ravens – Pittsburgh Steelers

Da wäre zum einen Baker Mayfield vs. Patrick Mahomes bei Browns (2-5-1) vs. Chiefs (7-1) – die beiden QBs, die vor zwei Jahren am College ein 66-59 mit über 1700 Offense-Yards gegeneinander gespielt haben und nun in der NFL vielversprechenden Einstand gefeiert haben.

Mayfield tritt sein erstes Spiel unter neuem Headcoach/OffCoord an, nachdem die Browns unter der Woche Tabula rasa gemacht haben und das Horror-Duo Hue Jackson/Todd Haley rausgeworfen haben.

Interimscoach ist Gregg Williams geworden, alias „ich hatte 11 Headcoach-Anfragen, 4 davon wollten mir ohne Vorstellungsgespräch den Job geben“. Williams war in der NFL für kurze Zeit persona non grata, als seine Kopfgeldaffäre bei den Saints aufgedeckt wurde. Jetzt ist er zurück auf dem Cheftrainersessel – allerdings wohl nur bis Ende Saison.

Neuer OffCoord in Cleveland: Freddie Kitchens, ein angenehm bescheidener Mann. An ihm liegt es, Mayfield zu entwickeln. Gegen die Chiefs trifft er zum Debüt auf eine zu knackende Defense, deren größte Schwäche allerdings das Laufspiel ist.


Das wichtigste 19h-Spiel ist aber das ewige AFC-North Derby Baltimore (4-4) vs. Pittsburgh (4-2-1). Fokus der Ravens sollte dabei auf 12-Personnel in der Offense liegen:

  • BAL OFF aus 12: 53% SR, 8.6 NY/A (vs. 11: 47% SR, 7.0 NY/A)
  • PIT DEF aus 12: 52% SR, 10.0 NY/A (vs. 11: 56% SR, 6.8 NY/A)

Im „Hinspiel“ in Woche 4 beherzigten die Ravens dieses Motto exzellent, als sie nur 32% ihrer Snaps aus 11-Personnel spielten und 35% aus 12-Personnel. QB Flacco fühlte sich sichtlich wohl und mit zunehmendem Spielverlauf dominieren die Ravens damals Pittsburgh immer stärker.

Auf der Gegenseite wird es interessant, wer WR Antonio Brown bewacht: CB Jimmy Smith, jahrelang Baltimores bester Corner, hatte nach seiner Dopingsperre keinen guten Einstand und gibt fast 12yds/Target auf. CBs Humphrey und Carr sind wesentlich stabiler.


Bei Vikings vs. Lions sollte Minnesota trotz aller Probleme klar zu favorisieren sein. In Detroit bin ich gespannt, wie die Offense im Spiel 1 nach WR Golden Tates Verkauf aussehen wird: Setzt OC Cooter nun verstärkt auf die ohnehin erfolgreichere 12-Personnel Offense oder wird es weiterhin eine Latte an 3WR-Sets geben, die bislang nicht so wirklich funktionierten?

Bei Bills vs. Bears ist ein wiederholtes Mal QB Nathan Peterman im Einsatz. Am Donnerstag konnte ich nicht anders als zu denken: Wie würde Peterman in einer Kyle-Shanahan Offense aussehen? Mit vielen Motions und Crossing-Routes wie ein ganz normaler Backup-QB oder immer noch wie einer der schlechtesten Quarterbacks ever?

Carolina vs. Tampa: Wichtiges Divisionsduell. Fitzpatrick wird für Tampa auf QB starten, nachdem es teamintern eine Revolte gegen den Interception-König Winston gegeben haben soll. In der Panther-Offense muss man sehen, wie Norv Turner die Spielzüge designt: Tampa hat prinzipiell eine gute Run-Defense und seine Schwächen eindeutig in der Passverteidigung. Dabei spielt es für die Buccs keine Rolle, welches Personnel-Package sie verteidigen: Aus 11, 12 und 21 sind sie gleichermaßen indiskutabel, auch unter dem neuen Defensive Coordinator.

Spätschicht ab 22h

  • Denver Broncos – Houston Texans (22h05)
  • Seattle Seahawks – Los Angeles Chargers (22h25)
  • New Orleans Saints – Los Angeles Rams (22h25)

Spitzenspiel im Superdome in New Orleans: Saints (7-1 6-1) vs. Rams (8-0), einer der größten Stolpersteine auf dem Weg der Rams. Fun-Fact: Mit einem Sieg würden die Saints sogar die Führung im NFC-Rennen um den Top-Seed übernehmen, dem direkten Duell sei Dank. (edit: Noch nicht ganz die Führung, sondern nur das direkte Duell gewonnen und ein halbes Spiel Rückstand)

Es wird eine Partie, die sich Offense-Liebhaber reinziehen müssen. Eine Brees-Offense im Superdome gegen die McVay-Offense, die auf allen Belagen funktioniert. Letzte Woche schien es so, als hätten die Packers mit ihren diversen Blitz-Packages sowas wie ein Gegenmittel gefunden, aber als sich der WR3 Reynolds besser zurecht fand, groovten sich die Rams in die Partie zurück und spielten in der zweiten Halbzeit wieder Football vom Feinsten. Was die Partie aber auch zeigte: WR Cooper Kupp als WR3 ist für die Rams sehr wertvoll. Kupp soll heute wieder einsatzfähig sein.

Die Saints haben in CB Lattimore einen starken Manndecker, der einen der Rams-WR in Gewahrsam nehmen kann. Die Frage ist aber, ob CB2 Apple und CB3 Crawley dem Duo Woods/Kupp gewachsen sind. Denkbar sind einige Blitz-Packages und tief stehende Safetys.

Auf der Gegenseite funktionert in der Saints-Offense bislang das Laufspiel nicht so wirklich. Vor allem in 1st Downs schenken die Saints mit nur 26% Run-Success Rate und 4.1 YPC zu viele Plays her – Plays, die Brees hinterher in 2nd und 3rd Downs wieder reinholen muss. Vorteil Saints: Los Angeles hat keine wirklich gute Run-Defense. Kamara/Ingram sollten, richtig eingesetzt, hier zum Erfolg kommen.

Im Passspiel sehe ich in der Saints-OL einen ebenbürtigen Gegner für den Rams-Passrush um DT Donald/Suh. Ohne Passrush sah die Rams-Defense in dieser Saison schon des Öfteren extrem verloren aus – und wenn ein WR Thomas in Hochform gegen einen desorientierten CB Peters antreten darf und Brees Zeit bekommt, wird es hässlich.

Ein probates Mittel für die Saints könnte heute ein heuer eher selten eingesetzter Kniff sein: Play-Action Passing. Die Saints spielen dieses Jahr nur 19% ihrer Pässe als Play-Action (#24 der Liga), die Rams-Pass Defense gibt gegen Play-Action Pässe 10.7 NY/A auf – #32 der Liga!


Denver gegen Houston ist das Wiedersehen von WR Demariyus Thomas mit der Mannschaft, die ihn vor wenigen Tagen für einen 4th Rounder an die Texans verkaufte. Meine Probleme mit den Texans habe ich bereits dokumentiert:

Und das, obwohl die Texans das 7t-beste Team im Play-Action Passing ist (9.6 NY/A). Die Denver-Defense lädt auf der Gegenseite geradezu ein, sie mit Play-Action zu schlagen: Sie kassiert 8.8 NY/A gegen Play-Action, vs. 6.2 NY/A gegen alle anderen Pässe.

Doch gegen Denver muss man immer auch den Passrush mit einkalkulieren: Wenn Miller/Chubb über die Flanken kommen, wird Houstons Offense Protection-Schwierigkeiten offenbaren. QB Watson muss eine seiner besseren Partien spielen, wollen die Texans viele Punkte machen.


Seahawks (4-3) vs. Chargers (5-2) ist allein Eindrücken nach zu urteilen ein unterschätztes Duell. Seattle ist in den letzten Wochen massiv aufgekommen, obwohl sich OffCoord Schottenheimer weiterhin einigen essenziellen Details verweigert, z.B. mehr Passspiel im 1st Down.

Was man hier genau beobachten sollte: Die Chargers-Offense gegen Seattles unterschätzte Secondary. Es ist eines der besten Matchups am heutigen Sonntag.

Nachtschicht um 02h20

  • New England Patriots – Green Bay Packers

Aber nicht so gut wie das QB-Duell in der Nacht: Brady vs. Rodgers. Im Vorfeld überschlagen sich die Hymnen auf die beiden QBs als Duell GOAT (greatest of all time) gegen talentiertester QB ever. In einer Saison, in der die QB-Zukunft so hell leuchtet wie lange nicht, sind zwei der Top-3 QBs der NFL wohl immer noch der 41-jährige Brady und der 34-jährige Rodgers.

Beide sind auf ihre Weise Exzellenz in Reinform. Es ist nichts weniger als faszinierend, wie Brady seit Jahr und Tag jede erdenkliche Form von Offense effizient umzusetzen weiß. Brady hat die methodischen Offenses der Superbowl-Jahre 2001 bis 2004 geführt, ebenso die epische Highpower-deep ball Offense von 2007, hatte die 2TE-Offense um Gronkowski/Hernandez ab 2010 ebenso wie das Amendola/Edelman Kurzpassgewichse, bis hin zur letztes Jahr urplötzlich ausgepackten hopp/topp Offense. 2018 ist man noch auf Identitätsfindung, aber es zeichnet sich eine sehr Runningback-Pass lastige Offense an, die aber nur dann funktioniert, wenn Gronkowski/Gordon und Edelman am Feld stehen.

Brady ist Brady. Ich fand Peyton Manning in der Blütezeit immer noch den einen Tick kompletter, aber es sind Nuancen, und die Durchhaltefähigkeit spricht mittlerweile tatsächlich für Brady.

Wo aber weder Brady noch Manning einem Aaron Rodgers das Wasser reichen können: Ästhetik. Rodgers ist kein so strukturierter Quarterback wie die beiden letztgenannten – oder auch wie ein Brees – aber Rodgers ist in seiner Spielanlage ganz einfach noch spektakulärer. Er hat Würfe, die orgiastisches Wow! hervorrufen, denen man sich nicht widersetzen kann. In seinen Blütejahren 2010, 2011 oder 2014 war die Rodgers-Quarterback-Kunst unerreicht – vielleicht für immer.


Wenn nicht beide noch einmal zugleich im Superbowl stehen, ist das heute vermutlich das zweite und letzte Aufeinandertreffen der beiden Superstar-QBs unserer Zeit (2010 spielte Flynn). Und es ist ein Aufeinandertreffen, in dem die Packers (3-3-1) den Sieg dringender brauchen als New England (6-2), das in seiner AFC East relativ unangefochten ist.

Letzte Woche zeigte sich Green Bay durchaus kreativ in der Defense, als man über DT #97 Clark und LB #52 Matthews immer wieder Druck zustande brachte, oft verstärkt durch Blitzing. CB Alexander zeigte sich imstande, einen gegnerischen Top-WR im Alleingang zu kontrollieren. Ist es heute Gordon?

Auf der Gegenseite hat Green Bay erhebliche Probleme, 21-Personnel zu verteidigen: Nur 32% Defensive Success-Rate und 14.4 NY/A kassieren die Packers gegen das Personal, aus dem New England so viele Spielzüge designt wie kein anderes Team: Deren 28%.

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11 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer – Woche 9

  1. Gruden ist schon ein spannender Fall: mit Bruce Irvin der nächste Veteran geschasst.

    Und es wird immer wieder auch die Kommunikation kritisiert. Stelle ich mir schwierig vor, dieses Team nächste Saison zu motivieren

  2. Irvin ist aus meiner Sicht dem Cap Space zum Opfer gefallen und ein weiteres Indiz das diese und nächste Saison abgeschrieben sind. Laut SBNation spart man sich dadurch rund 8,5 Mio und es gibt kein dead money.

  3. Pingback: NFL-Woche 9 im Liveblog: Baltimore Ravens – Pittsburgh Steelers | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  4. Pingback: New Orleans Saints vs. Los Angeles Rams im Liveblog | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  5. Wenn Harbaugh nach dem Spiel (oder der Saison) entlassen wird, dann würde ich anstelle der Browns ein 10 Jahre/100 Mio Angebot auf seinen Tisch legen.

  6. Aber ob sich Harbaugh das antun würde? Hätte bestimmt bessere Job Openings wie z.B. Denver.

    Cleveland braucht ohnehin einen Offensiv Geist noch mehr als einen Organisator. Für Ruhe wird Dorsey sorgen, so man ihn lässt. Aber wenn man Dorsey nicht lässt, ist sowieso alles verloren…

  7. Ich denke nicht das Denver besser ist, da fehlt im Team viel zB der QB.
    Und ob man nun einem OC oder dem HC die Offense ueberlässt halte ich nicht für so wichtig, für beide Positionen braucht man andere Fähigkeiten. Beides in einer Person zu finden wird schwerer.

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