Akademische Viertelstunde – Woche 10

Der Spieltag der Wahrheit kann unter einem Schlagwort zusammengefasst werden: Statements!

So viele Kantersiege!

#3 Louisiana State 0, #1 Alabama 29. Bäm. Das “alte” Alabama ist zurück – nur besser, kompletter als je zuvor. Die Partie in Baton Rouge erinnerte ein wenig an das BCS-Title Game 2012: Die LSU-Offense war so hoffnungslos, sie hätte kein Wässerchen trüben können.

Auf der anderen Seite warf QB Tagovailoa seine erste INT des Jahres, aber es war nicht mehr als ein Schönheitsfehler angesichts von keinen 30 Rushing-Yards (Sack-bereinigt) für LSU. Vielmehr hatte Tagovailoa mit einem 44-Yards Rush zum TD auch gleich seinen „Heisman-Moment“.

Wie dominant Alabama war? 29 vs. 13 First Downs. 576 zu 196 (!) Yards. Alabama machte 7.5 Yards/Play, LSU deren 3.2. Alabama vermasselte zudem zwei PATs und DT #92 Quinnen Williams machte mit mehreren Tackles for Loss und QB-Sacks das Spiel seines Lebens. Schon eingangs des Schlussviertels leere Ränge im riesigen Tiger-Stadium – eine Seltenheit im College Football.

LSU wurde sogar dafür abgestraft, als es ein Fieldgoal gegen den Shutout versuchte anstelle die kleinen Comeback-Chancen zu wahren – und verschoss. Man kann angesichts der Dominanz von Alabama noch nicht mal sagen it was one of these days

LSU kann sich einzig auf die Fahnen schreiben, dass es als erstes Team in dieser Saison schaffte, Tagovailoa zu einem Pass im 4th Quarter zu zwingen. Ansonsten Tristesse. Ed Orgeron konnte am Ende dem Gegner nur mehr ehrfürchtig zuschauen.

Alabama hat eine Aura des Unvermeidlichen. Wenn dieses Team ungeschlagen durchkommt und weiter solche Kantersiege feiert, ist durchaus möglich, dass sich dieser Jahrgang unter den Größten ever wiederfindet, zumal als Titelverteidiger. Die Liste der Alabama-Herausforderer ist jedenfalls kurz.


#2 Clemson 77, Louisville 16. Clemson als #2 ist einer der Challenger. Louisville war kein Gegner, doch ein 77-16 ist gegen jedes Team eindrucksvoll. QB Lawrence musste nur 12 Pässe werfen, ehe ihn Dabo Swinney getrost auswechseln konnte. In Louisville wird dagegen Headcoach Petrino schön langsam unhaltbar, zumal die Kritik an seiner Freunderlwirtschaft wächst.


#5 Michigan 42, #14 Penn State 7. Vielleicht Michigan? Ein brutales Spiel von Michigan gegen ein total überfordertes Penn State, das erst zwei Minuten vor Schluss seine ersten Punkte machte. Oder besser: Vor diesem letzten Drive hatte Penn State 111 Offense-Yards. Total-Yards! Dazu 3 Turnover für Penn State gegen Don Browns Defense.

Michigan dagegen mit einer souveränen Offense-Vorstellung: Wenig Spektakel, aber QB Patterson fühlt sich als Verwalter, der hie und da nach einem Big-Play gefragt wird, sichtlich wohl, und wenn die Runningbacks sich durch die Defense wuseln wie am Samstag, ist Michigan ein legitimes Top-4 Team.

Worin beide, Michigan und Penn State, Top-5 sind? Im Marschieren:

#9 Kentucky 17, #6 Georgia 34. Oder ist Georgia ein Anwärter auf Alabamas Herausforderung? Die Bulldogs waren wieder etwas schlampig in Kentucky (2 Turnovers), aber am Ende ungefährdet. Hätte Kentucky nicht im Schlussviertel einen Freak-TD gefangen, wäre die Sache noch deutlicher geendet.

Ein SEC-Finale Alabama vs. Georgia ist damit unvermeidlich – es steht schon fest. Alabama dürfte nach derzeitigem Wissensstand mit mindestens 10 Punkten favorisiert sein, was sich angemessen anfühlt. Aber nicht vergessen: Georgia ist physisch am ehesten gebaut, Crimson Tide zu schlagen.


Texas Tech 46, #7 Oklahoma 51. Yup – das Endergebnis ist mit 5 Punkten knapp und lässt nicht unbedingt einen Blowout vermuten, doch Oklahoma fuhr zwischen einem schnellen 14-0 Rückstand und einem Last-Minute Kosmetik TD eine ultradominante 51-25 Serie an Punkten durch, in denen die Offense um QB Kyler Murray schlicht nicht zu stoppen war. Kein Feuer, keine Kohle brennen so heiß wie Murray in Hochform.

Pech für Texas Tech: Bei einem Freak-Unfall in der Aufwärmphase zur zweiten Halbzeit wurde QB Bowman von einem Ball getroffen und musste sofort ins Krankenhaus. Bowman blieb dort sogar über Nacht.


Am wenigsten dominant fühlte sich noch #3 Notre Dame an, das in Northwestern „nur“ 31-21 gewann. Aber auch hier: Notre Dame mit voller Kontrolle über die Partie ab spätestens Mitte zweitem Viertel.

Wo es knapper war

# 8 Washington State: Gewinnt nur 19-13 gegen Cal – und das in allerletzter Minute. QB Minshew und seine Offense hatten lange Probleme, eh er im letzten Viertel noch rechtzeitig in Gang kam und zwei lange Drives orchestrierte (einmal FG verschossen, dann der entscheidende TD).

#10 Ohio State 36, Nebraska 31. Obwohl das Ergebnis am Ende nur geschönt wurde durch einen Last-Minute TD von Nebraska, so fühlt sich Ohio State zu diesem Zeitpunkt nicht wie ein ganz großes Spitzenteam an: Zu viele Fehler, zu oft müssen Einzelaktionen den Tag retten.

Überhaupt sind die Vibes aus Columbus eher bescheiden. Das Stadion war erneut nicht ausverkauft, die Stimmung schien sehr bescheiden zu sein. So geht das, wenn ein Münchhausen dein Programm anführt.

#13 West Virginia: Gewinnt einen sensationellen Thriller 42-41 bei Texas. Die entscheidende Szene spielte sich 16 Sekunden vor Spielende ab, als WVU auf 40-41 verkürzte und Headcoach Holgorsen auf 2pts-Conversion geht. Pass, TD – aber Timeout von Texas-Coach Herman! QB Grier stellt sich wieder in Shotgun in den Huddle, nimmt den Ball und rennt links raus zum entscheidenden TD.

Doch wir wissen, dass Texas kein absolutes Spitzenteam ist. West Virginia ist eine spektakuläre Geschichte, aber die Defense bleibt nicht wirklich überzeugend.

Power 5 Conference-Rennen

SEC: Georgia (6-1 SEC) vs. Alabama (6-0 SEC) als Conference-Finale am 03.12. steht bereits fest.

ACC: Clemson (6-0 ACC) ist mit einem Sieg am Samstag bei Boston College (4-1 ACC) durch. Bei Eagles-Sieg hält Boston College den Tie-Breaker. In der Coastal-Division führt Pitt (4-1) vor Virginia (4-2) und Virginia Tech (3-2). Alle anderen haben drei oder mehr Niederlagen.

Big 12: Oklahoma und West Virginia sind jeweils 5-1, treffen in zwei Wochen aber noch aufeinander. Dahinter sind Texas und Iowa State 4-2. Iowa State hält den direkten Tie-Breaker mit Texas, aber West Virginia hat gegen Texas gewonnen.

Big Ten: Im Osten läuft es auf den Sieger von Michigan (6-0 B10) @ Ohio State (5-1 B10) hinaus. Finalgegner aus dem Westen könnte Northwestern (5-1 B10) sein, das beide direkten Duelle gegen Wisconsin und Purdue (jeweils 4-2 B10) gewonnen hat.

Pac-12: Im Norden läuft es auf den Sieger des Apple-Cups, Washington State (5-1 P12) vs. Washington (5-2 P12) hinaus. Alle anderen Teams haben drei oder mehr Conference-Niederlagen. Gegner aus dem Süden ist wie jedes Jahr bis zum letzten Spieltag komplett offen: Utah, USC und Arizona sind alle 4-3, Arizona State 3-3, Colorado und UCLA 2-4. Also noch alles offen.

Wie sieht das Rennen um die Playoffs damit aus?

Das Playoff-Ranking ist noch nicht raus, daher hier nur der Verweis auf den SOR (Strength of Record) von ESPN:

#1 Notre Dame (9-0)
#2 Alabama (9-0)
#3 Clemson (9-0)
#4 Georgia (8-1)
#5 Michigan (8-1)
#6 LSU (7-2)
#7 Kentucky (7-2)
#8 Oklahoma (8-1)
#9 West Virginia (7-1)
#10 Ohio State (8-1)

Die besten Playoff-Chancen für ESPN haben: Clemson 92%, Alabama 86%, Notre Dame 73%, Michigan 50%, Georgia 40%, Oklahoma 34%, Ohio State 16%, West Virginia 5%, LSU 3%, Washington State <1%.

Für Clemson gilt: Win out und du bist drin. @Boston College wird das große Spiel am nächsten Wochenende.

Notre Dame ist mit 9-0 der Perfect-Season einen Schritt näher. Drei Spiele noch: FSU diesen Samstag zuhause, dann Syracuse auf neutralem Platz in New Yoek (Yankees Stadium), ehe ein Auswärtstrip zu USC am Saisonende ansteht. Drei Siege und man ist in den Playoffs. Doch schon ein Stolperer wird zu viel sein. Ein 11-1 Notre Dame war zu wenig überzeugend mit seinen vielen eher knappen Siegen gegen durchschnittliche Gegner.

Alabama und Georgia werden im SEC-Finale aufeinander treffen. Gewinnt dort Alabama, ist es natürlich Playoff-Fixstarter. Die Frage bleibt, was geschieht, sollte Georgia den Upset schaffen: Ein 12-1 Georgia mit SEC-Titel kannst du fast nicht draußen lassen, doch was passiert dann mit einem 12-1 Alabama, das alles andere in Grund und Boden spielte – wird das Komitee so eine Mannschaft draußen lassen? Vor allem, wenn es ein knappes Finalresultat wird?

Was würde dann aus der 20-Punkte Pleite von Georgia gegen das Team, das Alabama so dermaßen diskussionslos an die Wand spielte und 29-0 gewann?

Klar ist nur: Jenes LSU ist draußen.

Michigan hat noch eine große Prüfung: Zwei Tage nach Thanksgiving @Ohio State. Ein Sieg dort – und der Drops ist fast gelutscht. Doch sollte Michigan verlieren, könnte wieder das Hintertürchen für Ohio State aufgehen, das zwar nicht überzeugt, aber das Komitee hat schon gezeigt, dass es immer gewillt ist, einen nicht überzeugenden 12-1 Big Ten Champ Ohio State einzuladen.

Die besten Wetten also momentan: Clemson, Alabama, Notre Dame, Michigan. Was einen weiteren Blue-Blood draußen ließe: Oklahoma.

Was passiert mit den Sooners? Eigentlich möchte ich Oklahomas Offense gegen Alabama in den Playoffs sehen. Einfach nur, weil keine andere Offense die nötigen PS zu haben scheint um mit High-Scoring Tagovailoa mitzugehen. Aber Oklahoma ist selbst als 12-1 Big Ten Champ nur ein Außenseiter – es sei denn, Notre Dame stolpert noch einmal.

Dann schlüge die große Stunde Oklahomas – natürlich nur, wenn die Sooners unbeschadet durchkommen. Oklahoma ist auf alle Fälle die bislang bessere Mannschaft. Sie wäre auf neutralem Platz mit 5.5 Punkten gegen Notre Dame favorisiert.

Washington State? Hat nur eine Pleite, aber ich glaube weiterhin nicht dran. Weder, dass die Cougars nicht mehr verlieren. Noch, dass sie im Fall der Fälle genügend Argumente hätten.

UCF (noch ungeschlagen)? Leider nein. 2018 scheint kein Jahr zu sein, in dem es maximal ein 1-Loss Team gibt. Im Weltuntergangsszenario wird das Komitee ein 11-1 Notre Dame über ein 13-0 UCF stellen und alle Argumente finden, die es sonst in die andere Richtung dreht (z.B. Pitt als der eine gemeinsame Gegner im Schedule, der gegen Notre Dame sehr viel besser aussah als gegen UCF).

Next Up

Der Spielplan für die Playoff-Hoffnungsvollen für Woche 11:

  • Alabama vs Mississippi State
  • Clemson @ Boston College
  • Notre Dame vs FSU
  • Michigan @ Rutgers
  • Georgia vs Auburn
  • Oklahoma vs Oklahoma State (Bedlam)
  • Ohio State @Michigan State
  • Washington State @Colorado
  • UCF vs Navy

Die knackigste Aufgabe hat Clemson, das bei den Boston College Eagles mit ihrem famosen RB A.J. Dillon antreten muss. Vorteil Clemson allerdings: Seine Run-Defense ist monströs.

Mississippi State ist theoretisch keine schlechte Mannschaft, doch gegen Alabama hatte sie in den letzten Jahren nie den Hauch einer Chance.

Vorsicht für Georgia, das letztes Jahr im ersten Auburn-Spiel böse abgeschossen wurde. Diesmal hat man Heimvorteil und Auburn ist ungerankt, bleibt aber gefährlich: Letzte Woche wurde z.B. Texas A&M geschlagen.

FSU sieht für Notre Dame momentan wie ein besserer Sparringspartner aus, ist aber noch immer zehnmal gefährlicher als das, was Rutgers für Michigan ist. Upset-Chance im letzten Fall = 0.

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6 Kommentare zu “Akademische Viertelstunde – Woche 10

  1. Ich kann die Argumente ja verstehen, finde es aber doch schwierig ein ungeschlagenes UCF im zweiten Jahr in Folge draußen zu lassen.
    Klingt blöd, trifft es aber irgendwie für mich: das steht irgendwie allem entgegen, was College Football ausmacht.

  2. Wieder vielen Dank für die famose Zusammenfassung, das geht immer runter wie Öl. Sehr schön v.a. das Gedankenspielchen mit einem Upset von UGA im SEC Finale unter der Prämisse, dass die anderen auch weiterhin heil durchkommen, das gefällt mir sehr 😁!
    Gefühlt ist Ohio draußen (besonders auch wegen der massierten Niederlage gegen Purdue), selbst mit einem Sieg gegen Michigan, da müssten noch sehr viele andere Steine gut fallen, damit das denkbar wäre… Imho! …und… Alabama ist unheimlich, das Spiel gegen LSU war ein Wahnsinn.

  3. Gibt es Informationen darüber, ob Kyler Murray angesichts seiner famosen Spiele evtl. doch dem American Football erhalten bleibt, respektive sich für den NFL-Draft anmeldet?

  4. @alexanderbrink

    Das Problem ist das System. Quasi die Hälfte aller FBS-Teams hat von Anfang an so gut wie keine Chance, um den Titel zu spielen. Das sollte so nicht sein. In dem jetzigen System aber ist es richtig, dass UCF nicht ganz oben dabei ist: Sie haben einen der schlechtesten Schedules im Land und sahen nicht immer überzeugend aus. Letztes Jahr waren sie besser als dieses Jahr. Aber dass sie letztes Jahr ungeschlagen waren, sollte keine Rolle spielen (tut es in der Realität aber, denn Wahrnehmung und Markengröße spielen leider eine Rolle). Aber wie gesagt, die Krux liegt im System, da kann UCF nicht viel dafür, da muss was getan werden.

    @500

    Stand jetzt geht er nächstes Jahr in die Minor League und spielt Baseball. Ist auch die empfehlenswerteste Option: Sicheres Geld, weniger Verletzungs- und vor allem CTE-Risiko. Es ist schon bemerkenswert, dass er diese Saison überhaupt noch Football spielt.

  5. UCF ist die #25 nach SRS (mit dem #111 Schedule) und die #32 im ESPN FPI (mit dem #89 Schedule), um die Qualität der Mannschaft von UCF mal in Relation zu setzen.

    Natürlich ist es trotzdem schade, wenn so ein Mid-Major mit evtl. zwei ungeschlagenen Saisons 2x en suite nicht mal in der Diskussion um die Playoffs steht. Aber so ist das System designt.

    Auch wenn ich Artikel wie diesen (wohl mit Augenzwinkern) geschriebenen von Rodger Sherman beim Ringer durchaus nachvollziehen kann:
    https://www.theringer.com/2018/10/30/18043602/playoff-rankings-alabama-clemson-notre-dame-ucf

    Spannend wäre es im Nachhinein zu wissen, ob TCU/Boise State von 2010 oder Boise State von 2011 Chancen auf die Playoffs gehabt hätten. Boise von 2010 war z.B. im FPI die #2 und bei Bill Connelly die #1.

    Aber so gut diese Boise-Mannschaften waren, die wären vermutlich selbst in der Blütezeit nicht eingeladen worden:
    Boise 2009 #4 im SOR
    Boise 2010 #11 im SOR
    Boise 2010 #9 im SOR
    Boise 2006 #4 im SOR

    Diese TCU/Boise Mannschaften waren qualitativ in einer anderen Kategorie als das gegenwärtige UCF.

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