Sonntagsvorschauer – Woche 10

NFL-Woche 10 begann mit einem Blowout allererster Güte. Doch so brutal die Pittsburgh Steelers die Carolina Panthers am Donnerstag auch abschossen (52-21 Sieg!), es war doch ein unterhaltsames Spiel mit vielen Highlights.

Pittsburgh spielte ungewöhnlich viel aus 01-Personnel mit 4 WR und 1 TE. Carolina schien gegen dieses Offensiv-Personal keine Antwort zu haben, versuchte zu lange in Nickel-Defense gegenzuhalten, doch mehr als einmal schien ausgerechnet ein Defensive Back gegen TE McDonald gematcht zu sein.

Carolinas Defense brachte auch extrem wenig Druck. Die Blitz-lastige Defense der letzten Wochen war diesmal ein laues Lüftchen, QB Roethlisberger hatte alle Zeit der Welt zum Operieren – und er zerlegte die Panther-Defense förmlich mit einem Touchdown-Drive nach dem anderen. Es war eines der Spiele, für das die Amerikaner das Wort „Teardown“ erfunden haben. In Deutschland nennt man es „totale Dominanz“.

Für Pittsburgh ebenso positiv: RB Conner macht gerade genug Plays um die Balance in der Offense zu behalten. Defenses können sich auch bei vielen Wide Receivern auf dem Platz nicht auf den Pass konzentrieren weil Connor nicht bloß über einen explosiven Antritt verfügt, sondern auch relativ „intelligent“ läuft: Er zögert oft einen Augenblick länger, schießt dann aber genau im rechten Moment durch die Lücke.

Und damit der fliegende Wechsel zum Wort zum Sonntag.

Frühschicht um 19h

  • Chicago Bears – Detroit Lions
  • Cincinnati Bengals – New Orleans Saints
  • Cleveland Browns – Atlanta Falcons
  • Indianapolis Colts- Jacksonville Jaguars
  • Kansas City Chiefs – Arizona Cardinals
  • New York Jets – Buffalo Bills
  • Tampa Bay Buccaneers – Washington Redskins
  • Tennessee Titans – New England Patriots

Bears (5-3) vs. Lions (3-5) – das erste von zwei Duellen zwischen diesen beiden NFC North Mannschaften innerhalb von 17 Tagen (Thanksgiving sieht das „Rückspiel“ im Ford Field). Beide haben spiegelverkehrte Records. Und natürlich kehrt just zu diesem Spiel nach wochenlanger Verletzungspause der Star-Passrusher der Bears, Khalil Mack, zurück.

Detroit kassierte letzte Woche vom bis dahin eher zahnlosen Vikings-Passrush insgesamt sage und schreibe 10 Sacks. Verantwortlich machte man dafür zum einen eine instabile Offense Line, zum anderen aber auch und vor allem den Verkauf von Lions-WR Golden Tate. Der Vorwurf an GM Bob Quinn: Ohne Tate habe Stafford keine „Quick Pass Anspielstation“ mehr gehabt. Ohne Notfalloperationen gab es dann eben eine Sack-Orgie gegen Stafford. Und ohne Tate habe Detroit nun keine realistische Playoffchance mehr.

Call me nicht überzeugt. Und selbst wenn der Tate-Verkauf allein das Problem für 2018 sein sollte: Er ist es wert. Detroit hat mit oder ohne Tate nicht die Klasse für einen ernsthaften Playoff-Run – zu wackelig ist die Defense, so uninspiriert auch die Offense.

Nicht Tates Verkauf ist das Problem, sondern die Tatsache, dass man WR Golladay seit mehreren Wochen nicht mehr richtig einsetzt (11 Targets in den letzten 4 Spielen) und dass man noch immer zu viel auf das eher ineffiziente 11-Personnel setzt (aus 12-Personnel mit 2 TE ist man erfolgreicher). In der Defense fehlt ganz einfach der Punch „vorne“ sowie die Tiefe „hinten“. Draftpicks jetzt zu sammeln ist besser als auf Druck einen Receiver zu behalten, mit dem man eh nicht verlängert hätte.

Detroit hat 2019 Cap-Space und braucht Picks um den Kader für die mittelfristige Zukunft aufbauen zu können. Für Headcoach Patricia ist im restlichen Saisonverlauf allerdings aufzupassen, dass ihm der Laden nicht um die Ohren fliegt: Eine Niederlagenserie könnte sich in der aktuellen Stimmungslage als reines Gift erweisen. 6-10 oder 7-9 wäre trotz der dann vermutlich schlechteren Draftpicks als Endresultat wünschenswert.

Die Bears? Trubisky-Watch. Ich halte das Gameplanning von Matt Nagy in Chicago für fantastisch gemessen an den limitierten Möglichkeiten des QBs. Aber es braucht nicht viel: Wenn sie Trubisky bis Ende Dezember in einen Groove bekommen, ist Chicago ein brandheißer NFC-Anwärter. Aber nur dann – denn ohne zumindest überdurchschnittliche Offense geht auch mit der gewaltigen Bears-Defense nix.


Cleveland (2-6-1) vs. Atlanta (4-4)? Viel Spannung ist wohl nicht zu erwarten, wenn wir an das Ergebnis denken. Aber spannend ist das Play-Calling auf beiden Seiten. Zum einen ist es das zweite Spiel von Clevelands interimistischen OffCoord Freddie Kitchens. Zum anderen hat sich in Atlanta Steve Sarkisian zu einer Play-Calling Maschine gemausert:

Hatten wir doch immer schon alle gewusst!

Doch im Ernst: Es ist schön zu sehen, wenn Sarkisian Konzepte umsetzt, die man lange gefordert hatte (ergo: die so offensichtlich richtig sind, dass man sie selbst als Laie als identifizieren konnte). Sarkisian hat aus dem College bereits Headcoach-Erfahrungen (Washington Huskies, USC Trojans) – wenn er nun weiter dominante Offense unter seinen Fittichen hat: Ein wie guter Cheftrainerkandidat wäre Sarkisian im Winter – selbst mit seinen Alkoholproblemen in der Vergangenheit?


Und schließlich Titans (4-4) vs. Patriots (7-2), das Duell der beiden Teams, die letzte Woche eindrucksvolle Primetime-Siege feiern konnten.

Tennessee ist personell ein kleines „Mini-Foxboro“ geworden: GM Jon Robinson ist ein ehemaliger Praktikant aus dem Hause Belichicks. Head Coach Mike Vrabel war einst Belichicks Lieblingsspieler: Nicht überaus talentiert, aber ein „Student des Spiels“, der Tackles & Sacks als Linebacker machte und als Teilzeit-Tight End Touchdowns in der Offense fing.

Dazu sind zwei der wesentlichen Offseason-Einkäufe der Titans einstige Patriots: RB Dion Lewis und CB Malcolm Butler (plus CB Logan Ryan, der seine zweite Saison in Nashville spielt). Vor allem das Wiedersehen Butlers mit Belichick ist natürlich eines der oft thematisierten Momente im Vorfeld des Spiels.

Wer es nicht weiß: Butler gewann den Patriots als ungedrafteter Rookie-Free Agent die Superbowl 2015, als er in quasi vorletzter Sekunde die entscheidende Interception an der Goal Line fing. Drei Jahre, einen Titel und eine All-Pro Einberufung später, ließ Belichick Butler in der dritten gemeinsamen Superbowl von der ersten bis zur letzten Minute an der Seitenlinie schmoren.

Und das, nachdem Butler 98% der Snaps in der Saison gespielt hatte und auch nachdem die Patriots-Secondary vom Backup-QB der Philadelphia Eagles (Nick Foles) so brutal zerlegt wurde, dass Foles hinterher zum Superbowl-MVP gewählt wurde.

Butler zog beleidigt von dannen und unterschrieb seinen 60 Mio-Vertrag in Tennessee. Butler spielt dort heuer nicht grausam schlecht, aber auch weit entfernt von dem Top-10 Niveau, das seinen Vertrag rechtfertigen würde. Insofern hatte Belichick im Nachhinein wohl wie so oft recht. Auch Butler hatte natürlich Recht: Zwei Superbowls geholt, den dritten ohne Verschulden verloren und nun endlich den Rentenvertrag unterschrieben. So kannste auch Karriere machen.

Sportlich sehe ich für Tennessee hier keine Chance. Das liegt zuallererst am ideenlosen Play-Calling von Titans-OffCoord LaFleur, der tausendundeinmal pro Spiel in eine Mauer läuft und seinen QB Mariota mit viel zu vielen langen 2nd und 3rd Downs kastriert. Wenn LaFleur glaubt, dass er ausgerechnet Belichick damit verarschen kann, bewegt er sich bereits jenseits von Optimist, mehr in Richtung Träumer.

Oder zaubert LaFleur nun doch endlich den genialen Game-Plan aus dem Ärmel und beweist, dass er doch zu Unrecht von allen kritisiert wird? Selbst wenn: Belichick wird ein Ass aus dem Ärmel ziehen um seinem Schüler Vrabel eine weitere Lektion zu verpassen.


Die anderen Spiele törnen mich jetzt nicht so an: Jets gegen Bills wird ohne die Rookie-QBs Allen/Darnold ablaufen (zumindest wird Darnold nicht starten).

Colts vs. Jaguars ist vielleicht interessant, weil Indianapolis mit seinen vielen Heady-Personnel Sets durchaus ausreichend Physis mitbringt um der Jaguars-Defense beizukommen. Die Colts sind in etlichen Advanced-Stats Rankings mittlerweile ein überdurchschnittliches Team (bei mir sind sie wg. #31 Schedule momentan noch auf #19 gerankt, aber ich verstehe, warum andere sie höher reihen).

Chiefs gegen Cardinals klingt wie ein Shootout, auch wenn es für Cards-QB Josh Rosen Gelegenheit gibt, sich gegen eine eher maue Defense zu beweisen. Und Buccs vs. Redskins ist so eine Sache: Was willst du noch über Tampa schreiben? Dass OffCoord Monken seine Offense schön designt? Vielleicht wahr, aber am Ende hängt alles davon ab, ob QB Fitzpatrick (oder wahlweise QB Winston) das präzise oder das lockere Abzugshändchen mitbringen. Im ersteren Falle hagelt es Touchdowns. Im letzteren Interceptions.

Spätschicht ab 22h

  • 22h05: Oakland Raiders – Los Angeles Chargers
  • 22h25: Los Angeles Rams – Seattle Seahawks
  • 22h25: Green Bay Packers – Miami Dolphins

Eher unspektakuläre Session nach zehn Uhr abends. Oakland gegen Chargers klingt wie eine 300-Yards Performance für QB Rivers zur Pause, und somit keine wirklich spannende Sache. Packers gegen Dolphins ist das Wiedersehen von Packers-OC Joe Philbin mit seiner ehemaligen Mannschaft. Aber sportlich bietet der Clash nicht allzu viel: Wir wissen mittlerweile, wie die Packers-Offense tickt (Rodgers macht – und wenn er nichts macht, läuft auch nichts), und Miami ist trotz akzeptablem 5-4 Record qualitativ weit von den ernsthaften AFC-Contendern entfernt.

Rams (8-1 nach der ersten Pleite letzte Woche) gegen Seahawks (4-4) dagegen klingt spannend. Vor ein paar Wochen hätten die Seahawks Los Angeles in zuhause fast geschlagen – doch eben nur fast. Es war ein wackerer Game-Plan, der Seattle damals im Spiel hielt: Viel Play-Action Passing und für ein Mal ultraeffizientes Laufspiel aus allen Formationen.

Die Partie war eine der spektakulärsten der Saison: Die Rams konnten Russell Wilsons Play-Action Passing und das Laufspiel nicht stoppen – und CB Peters wurde ein ums anderen Mal komplett für große Raumgewinne verarscht. Auf der Gegenseite hatten die Seahawks null Zugriff auf das Rams-Passspiel.

In der Crunch-Time versagten schließlich sogar bei Seattles MVP-Punter Dickson die Nerven und Dickson eierte einen 24-yds Punt in die Rams-Platzhälfte, ehe Rams-HC McVay mit seinem Eier-Move ein 4th&1 in der eigenen Platzhälfte ausspielen ließ – bei 33-31 Führung kurz vor Schluss! Heute das Rückspiel, und von einem Seahawks-Upset bis zu einem 30-10 Abschuss der Hawks halte ich alles für möglich.

Nachtschicht ab 02h20

  • Philadelphia Eagles – Dallas Cowboys

Sunday Night Game mit zwei sich in völlig konträre Richtungen entwickelnde Mannschaften: Philadelphia Eagles (4-4) vs. Dallas Cowboys (3-5), nur einen Sieg voneinander getrennt, aber während dich bei den Eagles schön langsam das Gefühl beschleicht, dass was zusammenwächst, hat bei den Dallas Cowboys am vergangenen Montag auch der letzte kapiert, dass es mit der aktuellen sportlichen Leitung nichts mehr wird.

Alle – bis auf Jerry Jones, der rein zufällig gleichzeitig Owner und Möchtegern-GM der Cowboys ist. Jones ist auch 25 Jahre nach der egobedingten Entlassung von Superstar-Headcoach Jimmy Johnson und dem daraufhin rapiden Versinken im Mittelmaß noch immer der Meinung, dass er das Zeug zum Top-GM hat. Wie passend fand ich den Vergleich, der in der Big Show vom Donnerstag mit der sportlichen Leitung beim FC Bayern gemacht wurde! Zumindest, wenn wir 35 Jahre Münchner Erfolgsgeschichte vor 2012 ausklammern…

Wie stark das Band zwischen Jones und „seinem“ auserwählten Headcoach Jason Garrett noch ist, ist nicht ganz klar. Zumindest öffentlich bekundet Jones weiterhin Treue zu Garrett, dessen Coaching schon die letzten Jahre als „äußerst konservativ“ wahrgenommen wurde – mit der Revolution von 2018 wirkt es plötzlich wie Steinzeit. Football in einer anderen Zeitrechnung. Garretts Playcalling war 1990 modern und wird vielleicht 2090 wieder modern sein. 2018 jedenfalls kannst du es in die Tonne kloppen.

Heute Nacht also Anschauungsunterricht für Garrett, denn auf der gegnerischen Seite coacht Doug Pederson, vielleicht der momentan progressivste Play-Caller jenseits von Belichick/McVay/Reid. Pedersons Offense hatte im ersten Saisonviertel noch unter dem etwas „rostigen“ QB Wentz und dem Verletzungsausfall von WR Jeffery sowie dem Fehlen eines gescheiten Slot-WR (Agholor nur 40% Success-Rate) zu knabbern.

Wentz ist jetzt wieder fit und spielt seit Wochen „on fire“ – einzige Schwäche bleibt das Downfield-Passing über die Mitte. Jeffery erwies sich nach seinem Comeback weiterhin als verlässliche #1. Und im Slot hat man in WR Golden Tate einen starken „yards after catch“ Receiver aus Detroit eingekauft. Misch dazu TE Ertz rein, der 55% Success-Rate macht und tief 5 von 7 Pässen gefangen hat – und schon klickt die Offense.

Philadelphia ist mit 4-4 ein Spiel hinter den 5-3 Redskins. Da Philly bei noch zwei ausstehenden direkten Duellen mit Washington den deutlich schwierigeren Restspielplan (u.a. @NO, @LAR, HOU) zu bestreiten hat, ist es heute Imperativ, das angeknockte Dallas zuhause zu schlagen.

Auch Dallas muss gewinnen, will es der Welt zeigen, dass Jerry Jones doch *vielleicht* Recht hat. Insofern ist es vielleicht nicht das nominelle Spitzenspiel und teilweise wird es schlampigen Football geben. Aber zumindest werden beide mit viel Eifer auftreten.

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Ein Kommentar zu “Sonntagsvorschauer – Woche 10

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