Akademische Viertelstunde – Woche 11

Ein College-Football Wochenende, an dem nicht die Topmannschaften für das Aufsehen sorgten. Das sieht man u.a. daran, dass der höchstgerankte Verlierer des Tages #11 Kentucky war, das gegen Tennessee 7-24 unterging. Und Kentucky war ein Team, bei dem wir wussten, dass es an #11 qualitativ überschätzt war.

Die Top-10 verfuhren mit ihren Gegnern nach Protokoll.

#1 Alabama standesgemäß 24-0 gegen #16 Mississippi State.

#2 Clemson relativ schnell problemlos beim 27-7 auswärts gegen Boston College.

#3 Notre Dame gewinnt klar 42-13 gegen FSU, das tatsächlich indisponiert ist.

#4 Michigan locker 42-7 bei Rutgers.

#5 Georgia mit einem am Ende deutlichen 27-10 gegen #24 Auburn, wobei die Partie in der 1ten Halbzeit relativ knapp geblieben war. Georgia zog mit einer quicken Sequenz vor der Pause auf 20-10 davon – damit war der Drops gelutscht. Doch Georgia wirkte auch in dieser Partie nicht durchgängig so dominant wie z.B. Alabama.

#6 Oklahoma mit einem faszinierenden 48-47 Sieg im „Bedlam“ gegen Oklahoma State. Die Cowboys versuchten dabei mit 63 Sekunden auf der Uhr eine 2pts-Conversion zum Sieg, die scheiterte. Für Oklahoma ist das „von der Schippe gesprungen“: Am Ende glücklich über den Sieg, aber solche Vorstellungen von der Defense impfen mir nun auch nicht wirklich Vertrauen ein, dass Oklahoma tatsächlich mit den Top-5 mithalten kann.

#7 LSU 24-17 gegen Arkansas. Aber LSU gebe ich genau null Playoff-Chance, hohes Ranking oder nicht.

#8 Washington State locker 31-7 bei Colorado. QB Minshew wieder mit 335 Pass-Yards, ließ hinterher seinem Chefcoach Mike Leach einen Schnauzbart wachsen. Für jedes Yard einen Zentimeter, oder so.

#9 West Virginia fegt 47-10 über ein dezimiertes TCU drüber.

#10 Ohio State mit einem 26-6 Sieg bei #18 Michigan State. Typischer kann Big-Ten Football nicht sein: Kalter, windiger Novembertag, an dem du lieber in der warmen Stube geblieben wärst. Viel Laufspiel und wenig Holladjo-Football. 9-6 Anfang des letzten Viertels, ehe ein Turnover die Partie zu Gunsten von Ohio State entscheidet.

Im Playoff-Rennen hat sich damit so gut wie nichts geändert. Die Ungeschlagenen – Alabama, Clemson und Notre Dame – sind ihrem Ziel näher gekommen, während es gleich fünf One-Loss Teams gibt, die sich Hoffnungen auf den letzten Platz (oder die letzten beiden Plätze, wenn noch jemand stolpert) machen können.

Ich würde es momentan so sehen, dass das Komitee im Zweifelsfall die 1-Loss Teams so reihen würde (ja – und ich weiß, dass es dafür wohl einen Georgia-Upset über Alabama im SEC-Title Game braucht).

  1. Georgia (hätte dann wohl Alabama im Head-to-Head geschlagen)
  2. Alabama (total dominant, aber dann ohne Conference-Titel)
  3. Clemson (nicht der schwerste Schedule, aber „Mini-Dynastie“ Bonus)
  4. Notre Dame (Michigan geschlagen)
  5. Michigan (gegen Notre Dame verloren)
  6. Ohio State (hohe Pleite, aber Big-Ten > Big 12)
  7. Oklahoma (wäre ein überzeugenderer Big-12 Champ als WVU)
  8. West Virginia (nicht dominant genug)
  9. Washington State (zu lachhafter Schedule, Pac-12 hat null Reputation)

Liege ich damit komplett falsch? Oder sind all die Spekulationen sowie für die Fische, denn Bama, Clemson und Notre Dame werden locker durch-cruisen und der vierte Platz gehört dem Sieger Michigan vs. Ohio State?

Was wäre überhaupt die größte Kontroverse, die uns diese Saison noch bringen kann? Oklahoma vs. Ohio State? Oder Michigan/Oklahoma vs. Notre Dame?

Was die Zahlen sagen

Die wahrscheinlichsten Szenarien hat Seth Walder (bekannt vom ESPN SOR) via Twitter gepostet:

Einige Erkenntnisse aus den Spielereien mit dem ESPN-Playoff Predictor:

  • Wenn Alabama, Clemson, Notre Dame, Michigan und Oklahoma jeweils alle restlichen Spiele gewinnen, hat Michigan die höhere Playoff-Wahrscheinlichkeit (65%) als Oklahoma (40%).
  • Gelingt Georgia der Upset gegen Alabama und gewinnen Clemson, Notre Dame, Michigan und Oklahoma alle restlichen Spiele, wären Clemson, Notre Dame und Georgia sicher drin – Michigan fast. Verlöre Notre Dame in dem Szenario ein Spiel, wäre Notre Dame fast sicher draußen. Alabama und Oklahoma würden dann in die Playoffs gewürfelt.

Also sagt ESPN im Prinzip: Michigan wäre bei gleichem Record fast sicher über Notre Dame gestellt – trotz verlorenem Head to Head.

So langweilig das Rennen heuer wirkt, so gibt es also doch noch etliche Möglichkeiten. Hier der Blick auf den Spieltag am Samstag:

  • #1 Alabama vs. The Citadel (18h, SEC)
  • #2 Clemson vs Duke (1h, ESPN)
  • #3 Notre Dame vs Syracuse (20h30, NBC – in New York)
  • #4 Michigan vs Indiana (22h, FS1)
  • #5 Georgia vs UMass (22h, SEC)
  • #6 Oklahoma vs Kansas (1h30, FOX)
  • #7 LSU vs Rice (1h30, ESPN)
  • #8 Washington State vs Arizona (4h30, ESPN)
  • #9 West Virginia @Oklahoma State (21h30, ESPN)
  • #10 Ohio State @Maryland (18h, ESPN)

Wer für Chaos rootet, rootet am Wochenende also für Syracuse.

Syracuse ist keine einfache Aufgabe für Notre Dame: Die Orangemen haben in den letzten Wochen durchaus massiv aufgespielt und am Sonntag via Kantersieg einen alten Bekannten dem Arbeitsmarkt zugeführt: Bobby Petrino.

Petrino wurde nach der 54-23 Pleite seiner Louisville Cardinals gegen Syracuse als erster prominenterer Coach des Jahres gefeuert. Petrino ist eine ganz besondere Trainerfigur in den USA. Ein Coach, der Atlantas Umkleidekabinen zeitlebens nicht mehr ohne Knochenbrüche verlassen wird, nachdem er 2007 einen holländischen Abgang als Chefcoach der Atlanta Falcons hingelegt hatte.

Aber am College hatte er oft spektakuläre, teilweise recht erfolgreiche Mannschaften unter seinen Fittichen: In den 2000ern schon einmal bei Louisville, was ihn erst interessant für die NFL machte. Dann nach seinem Falcons-Debakel bei Arkansas, die er bis hoch auf ein zwischenzeitliches #3 in den Rankings führte.

Doch dann wurden ihm Lügengeschichten über sein Privatleben und Affären mit leichten Damen zum Verhängnis. In Western Kentucky rehabilitiert, war Petrino die letzten 5 Jahre erneut Cheftrainer in Louisville. Er brachte dort u.a. Heisman-Trophy Gewinner QB Lamar Jackson hervor. Doch die letzten eineinhalb Jahre waren abgesehen von Jacksons Individualvorstellungen sportlich grausam.

Mit Petrino wurde fast seine gesamte Entourage gefeuert, u.a. einer seiner Söhne. Sie alle naschten fleißig am Topf mit für inkompetentes Coaching. Diese Daddy-coacht-da-und-dort-also-coache-ich-mit Vetternwirtschaft erinnert mich immer an die Zustände in Rom, wo ebenso Söhne, Neffen und Großcousinen der Parlamentarier mit Posten und fetten Gehältern bedacht werden und dafür nix anderes als ihren Namen hergeben müssen.

Lass Petrino ein Mahnmal sein dafür, den Coaching-Staff nach Qualifikation, nicht nach Sippe, aufzustlelen.

Die Randgeschichte zum Beobachten

Alabama – Bama demolierte am Samstag problemlos Mississippi State. Doch es gibt Grund für Besorgnis in Tuscaloosa: QB Tua Tagovailoa plagt sich mit Knieproblemen durch die Saison. Es hat sich eingebürgert, dass gegnerische Passrusher besonders hart gegen Tua vorgehen, um ihn, den so fragil Erscheinenden, subtil auszuknocken.

Tagovailoa wird fast sicher Heisman-Trophy Gewinner 2018. Er wäre der Topfavorit auf den #1 Draftpick 2020. Er ist Alabamas bester Trumpf im College-Meisterrennen – und Stand jetzt würde ich nicht drauf wetten, dass Tua ohne weiteres die komplette nächste Saison durchspielen wird. Zu wertvoll ist seine NFL-Zukunft.

Alabama spielt am Samstag gegen Sparringspartner The Citadel. Wenig wahrscheinlich, dass Tua viel Einsatzzeit bekommen wird. Backup Jalen Hurts ist ebenso verletzt – es läuft also auf third stringer Mac Jones hinaus.

 

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Ein Kommentar zu “Akademische Viertelstunde – Woche 11

  1. Ohne das Spiel gesehen zu haben (nur dann die Highlights), muss ich das hier verlinken, es ist unglaublich was Pitt vs. VT gemacht hat letztes Wochenende, etwas das normal nicht passiert zwischen 2 Power5-Teams:
    Pitt:
    654 yards of offense on 47 plays (13.9)
    492 rushing yards on 36 carries (13.7)
    162 passing yards on 7-of-11
    „Pitt’s 13.9 yards per play weren’t just the most in recent times. They were almost a half-yard better than anyone’s done since Reggie Bush’s Heisman year.“

    Unglaublich! Im artikel sind dann all die verschiedenen Plays der Panthers Offense gezeigt… Alle sind aufgegangen 😮!
    https://www.sbnation.com/college-football/2018/11/12/18078620/pitt-virginia-tech-2018-results?fbclid=IwAR065kyeWUDMQgQCkPbloIjgHfvHA_M8lh6lfnxwsIAT4McTQO9_20uwNwk

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