NFL Power Ranking 2018 – Woche 10

Power-Ranking nach Woche 10 – diesmal mit einem kurzen Ausflug in das MVP-Rennen.

Die Aufsteiger

Die Mannschaften mit dem größten Aufstieg diese Woche sind die Pittsburgh Steelers (von 9 auf 5) und die Chicago Bears (von 13 auf 8). Beide haben fette Siege eingefahren.

Pittsburgh scheint nach dem fetten 52-21 Sieg über Carolina schön langsam mächtig in Fahrt zu kommen. Die Steelers, die einen eher verheerenden Saisonstart hinter sich haben, laufen die letzten Wochen heiß. Skeptisch bin ich aber noch ob ihrer Defense: Sie ist die #3 in meinem Ranking, aber nur, weil das Ranking die Strafen noch nicht sauber Offense und Defense zuordnet – Pittsburghs Defense hat extrem viele DPI kassiert.

Pittsburgh wird nun auch den Rest der Saison ohne RB LeVeon Bell spielen müssen, der die letzten Woche aussetzt. Bells Ausfall als Allround-Waffe wird dann auffallen, wenn die Steelers RB Conner mit Verletzung verlieren sollten.

Chicago spielt eine interessante Saison: Bis auf den Downer in Miami waren die meisten Partien wirklich sauber durchgespielt. Die Bears-Defense finde ich durchaus begeisternd und ist mutmaßlich neben Baltimore die einzige Defense der Saison, die wirklich überzeugen konnte.

Spannend ist aber die Offense. Das Play-Design dort ist unter Matt Nagy fantastisch und der junge QB Trubisky scheint sich darin immer wohler zu fühlen. Voll überzeugt bin ich von Trubisky natürlich noch trotz der 7.1 NY/A (8t-bester Wert der Saison) nicht – aber immerhin: Die schwächeren Defenses im Schedule, Detroit oder Tampa, hat Trubisky böse auseinander genommen.


Auffällig diese Woche: Philadelphia klettert trotz der bitterbösen Niederlage gegen Dallas einen Platz. Die Eagles haben lt. Power-Ranking zwar keine ausgemachte Stärke, aber als #10 Offense und #10 Defense sind sie auch nirgendwo wirklich schwach.

Du wirst nach dem Debakel gegen Dallas sagen: Bitte?

Doch tatsächlich ist die Philly-Defense mit 6.3 NY/A gegen den Pass die #8 der NFL und auch in der Run-Defense zumindest Mittelmaß. Problematisch für die Eagles ist allerdings die schwache INT-Quote: Philly fängt dieses Jahr nur 1.1 Interceptions auf 100 Versuche – nur drei Teams strahlen weniger Turnover-Gefahr aus. Aber bitte: Das ist die volatilste Statistik der NFL.

Problem an der Eagles-Offense: Sie macht zwar relativ gut Yards (9t-meiste Yards nach Drive), aber relativ wenige Punkte. Mitschuldig daran ist die 4t-schlechteste Starting-Fieldposition. Nur ein einziges Mal hat die Eagles-Offense diese Saison mehr als 24 Punkte gemacht – eigentlich unfassbar in einer Saison, in der in der das durchschnittliche Team 24 Punkte/Partie scort.


Wie gewaltig ist also die Saison 2018 für die Offenses? Hier ein Vergleich von Joe Montana, der für viele als GOOT (bester QB ever) gilt, mit dem durchschnittlichen NFL-QB von 2018:

Zwei nette Zahlen vom Wochenende noch:

  • Washington ist nach 9 Spielen 6-3. Die Redskins haben in den 6 Partien, in denen sie zuerst scorten, 6x gewonnen. In den 3 Partien, in denen der Gegner zuerst punktete, verloren sie 3x. Nicht nur das: Sie haben noch keinen einzigen Führungswechsel in ihren 9 Spielen erlebt! Mehr Alex Smith geht nicht: Führung verwalten = großartig. Rückstände aufholen = Unmöglich.
  • Aber nicht so unmöglich, wie Cody Parkeys geschlagene vier Stangentreffer am Sonntag gegen Detroit. Das schaffst du in 10.000 Versuchen nicht mehr!

Damit hier das Ranking. Unten habe ich noch einige Splittern aufgegriffen.

NFL Power Ranking 2018 - Woche 10.png

Und so liest sich das ganze: Die erste Sektion (WP | E16) beschreibt die Stärke der jeweiligen Mannschaft. WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16). Die zweite Sektion (SOS | Rs) beschreibt die Stärke des Schedules und die Platzierung des Schedules. OFF ist die Platzierung der Offense, DEF die Platzierung der Defense.

Einige weiterführende Übersichten

 

Splittern

Rams – Verletzung WR Cooper Kupp. Kupp fällt nach seinem Kreuzbandriss vom Sonntag für den Rest der Saison aus. Für die Rams ist das insofern bitter, weil sie 95% ihrer Snaps aus 11-Personnel mit 3WR spielen – mit WR Brandin Cooks, WR Robert Woods und Kupp als dem Stamm-Trio, das fast alle Snaps darin bestreitet. Kupp ist ein WR im zweiten Jahr. Er machte sich nie als weltgrößter Athlet einen Namen, hat aber seine Rolle als #3 in der famos designten Rams-Offense nahezu bis zur Perfektion ausgefüllt und war ein integraler Bestandteil der McVay-Offense.

Ich gehe konform, dass Los Angeles eines der Teams ist, das qua Play-Calling am ehesten mit solchen personellen Ausfällen umgehen kann, aber zwei Punkte sprechen dafür, dass Kupps Ausfall doch harzig wird:

  1. Es sind eben fünfundneunzig Prozent an 3WR-Formationen. WR sind wichtig für die Rams!
  2. Als Kupp gegen die Packers vor drei Wochen schon einmal für eine Partie ausfiel, brauchten die Rams mehr als eine Halbzeit um mit WR Reynolds halbwegs wieder in Schwung zu kommen. Immerhin: Sie sind wieder in Schwung gekommen.

NFL-Teams müssen mit Verletzungen leben. Aber ich hatte schon im Sommer darüber geschrieben, dass die „top-heavy“ Rams nur in ihrem ersten Anzug die Liga-#1 sind. Und dass sie wahrscheinlich einen schnelleren Qualitätsverlust erleiden als anderen Top-Contender, wenn sich erst einmal die ersten Leistungsträger auf die IR verabschieden.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Rams samt ihrem Mega-Playcalling vor allem dank des deutlich größeren Verletzungsglücks gegenüber Falcons und Eagles 9-1 sind und die Kollegen aus der NFC South und NFC East jeweils 4-5?


Eagles – Ein Contender, der jetzt schon brutal mit Ausfällen zu kämpfen hat, sind die Eagles. Sie sind nach der verblüffenden Heimpleite gegen Dallas nur noch 4-5, zwei Spiele hinter den Redskins.

Philly musste die Partie ohne die drei Top-CBs Darby/Mills/Sidney Jones bestreiten. FS McLeod ist auf IR. Das merkte man. Vor allem der 4th-String CB Rasul Douglas wurde mehrfach böse verbrannt. Kein Wunder. Im Passrush fehlt zudem DE Barnett, einer der jungen hohen Draftpicks in diesem Team.

In der Offense macht man die season ending injury von RB Ajayi mitverantwortlich für die harzigen Vorstellungen. Da würde ich nicht mitgehen. Ajayi fehlt schon länger und man merkte es – wie bei vielen Runningbacks – kaum.

Das größere Problem sind die laufenden erzwungenen Änderungen in der Offensive Line, die mit zahlreichen Verletzungsproblemen nicht zur Ruhe kommt. Am Sonntag musste RT Lane Johnson ersetzt werden. Backup Vaitai war für mehrere QB-Pressures verantwortlich.

Darby fällt nun mit Kreuzbandriss die komplette restliche Saison aus. Geht die Saison der Eagles nun tatsächlich früher als geglaubt den Bach runter? Am Sonntag muss man in den Superdome – dort, wo sogar die mächtigen Rams in nahezu Bestbesetzung abgeschossen wurden…


Dallas Cowboys – Wichtiger Sieg für die Cowboys am Sonntag in Philadelphia. Zumindest, wenn man auf die Playoffs schielt: Dallas ist nun 4-5 und hat durchaus noch Außenseiterchancen auf eine Wildcard. Das ist die eine Sicht.

Die andere? Ist meine: Kein guter Sieg, da er einmal mehr beweist, wie das Phänomen „Jason Garrett“ tickt: So grundmittelmäßig, dass er immer genau soviel macht, dass er nicht entlassen wird. Ich habe schon einige Schwachstellen von Jason Garrett im Playcalling aufgezeigt. Das war nur das Playcalling. Dass Dallas‘ Spielzugdesign aus einer anderen Epoche stammt, wird in anderen Foren deutlich hitziger diskutiert.

Was macht der Cowboys-Sieg in Philly also? Er bestätigt Jerry Jones, mit Garretts Beförderung vor etlichen Jahren und mit den permanenten Vertragsverlängerungen für Garrett über die Jahre, doch wahrscheinlich richtig gelegen zu haben. Zumindest in Jerrys Welt. Er bestätigt Jones, doch ein starker GM zu sein!

Er wird Jones am Ende Gründe liefern, ein weiteres Mal mit Garrett (und Prescott, und Linehan, und anderen) weiterzumachen. Auf die nächsten fünf Jahre 8-8 in Dallas.


Detroit Lions – Ein ähnliches Problem haben die Detroit Lions an der Backe. Ähnlich – nicht gleich. In Detroit ist es natürlich zu früh, den erst jüngst eingestellten Headcoach Matt Patricia an die Wand zu nageln. Doch zu Patricia gleich mehr.

Die großen Probleme in Detroit habe ich am Sonntag bereits zur Pause aufgelistet. Sie sind so eklatant, dass alle Passivität der Lions-Führung auf diesen Gebieten in der nächsten Offseason von mir aus Inkompetenz ausgelegt wird.

  1. Offensive Coordinator: Jim Bob Cooter ist überholt. Das wussten wir schon lange. Vielleicht war Cooter nie modern. Doch wen interessiert das noch? Detroits Offense ist ideenlos und statisch. Sie ist ähnlich antiquiert wie jene in Dallas, obwohl sie personell mit einer teuren Offense Line, mit QB Stafford und WR Golladay durchaus höherklassiges Personal hätte. Doch in Detroit gibt es kaum Motions. Es gibt kaum Play-Action. Es gibt kaum RPO. Cooter muss am Saisonende ausgetauscht werden – oder die Lions werden den Anschluss verpassen. Doch wen nehmen? Die Innovatoren in der NFL sind mit McVay, Shanahan, Reid/Nagy oder Pederson längst vergeben. Findet GM Bob Quinn einen übersehenen Rohdiamanten – oder müssen sich die Lions am College umschauen?
  2. Pass Rush
  3. Defensive Backfield: Angesichts der Präsenz Patricias können wir ewig über das Defense-System in Detroit sprechen, aber Fakt bleibt: Die Lions-Defense ist schlicht personell nicht auf der Höhe. Man kann natürlich argumentieren, dass in der NFL von 2018 keine Defense mehr auf der Höhe ist – aber das Problem der Lions ist, dass sie auch von durchschnittlichen Offenses an die Wand gespielt werden. Es gibt in Ansah nur einen Passrusher von Format – und Ansah hat sich seit 3 Jahren nicht entwickelt, und vor allem keine Konstanz entwickelt. Es mangelt an Physis an der Anspiellinie, und wenn im Defensive Backfield wie am Sonntag CB Slay ausfällt, ist sogar gegen einen Durchschnitts-QB wie Trubisky Land unter. Und LAND UNTER kann man getrost in Großbuchstaben schreiben.

Detroit bekommt nächstes Jahr vermutlich die höheren Draftpicks (Region Top-10) und hat mit dem Tate-Verkauf noch einen zusätzlichen Mid-Rounder akquiriert. Wichtige Munition, um die Mannschaft umzubauen.

Oder ist doch Patricia das Problem? Das Mantra des „Baby-Belichick“ schleift Patricia schließlich seit Jahren mit sich – und die Fragen sind seit der Superbowl mit ihrer 41-33 Pleite nur noch lauter geworden. Doch wie die aktuelle Saison zeigt: Die Superbowl 2017 war keine spielerische Ausnahme. Sie war nicht der Untergang der Welt. Sie war schlicht der Vorbote dessen, wie die NFL in der Gegenwart operiert. Dass ausgerechnet Patricias Defense vor dem allergrößte Publikum an die Wand gespielt wurde? Passiert. Die Defense auf der „anderen“ Seite des Platzes (Eagles) kassierte noch mehr Yards und fast genauso viele Punkte.

Ich höre Stimmen, die Patricia bereits mit Steve Mariucci vergleichen – einem anderen hoch gehandelten Coach, der Anfang der 2000er in Detroit nicht aufsteckte. Ich würde bei Patricia auf Zeit plädieren.

Fest steht momentan nur: Quinn/Patricia machen sich schuldig, wenn sie in den Punkten 1, 2 und 3 (und zwar in allen dreien!) nichts unternehmen.

MVP-Diskussion

Die Quarterbacks Brees und Mahomes scheinen sich in der MVP-Diskussion vorerst abgesetzt zu haben und den Titel unter sich auszumachen. Der sehr aktive Stats-Twitterer Moo (übrigens deutscher Muttersprache!) hat dazu eine vielsagende Grafik zusammengestellt: Auf der x-Achse die Pass-Success-Rate, auf der y-Achse die Pass-EPA/Passspielzug. Brees setzt sich hier relativ klar gegenüber Mahomes ab:

Wer übrigens glaubt, dass Brees dabei vor allem von seinen patentierten Checkdowns profitiert: Brees ist auch bei tiefen Pässen jenseits der 15 Air-Yards deutlich vor Mahomes angesiedelt – bei allerdings nur etwas mehr als halb so vielen Pässen.

Wahrscheinlichkeiten für Woche 11

Woche 10 war die Woche der Blowouts: Nur 4 von 14 Spielen blieben am Ende innerhalb eines Scores. Das Power-Ranking sagte 9 Sieger richtig voraus und ist damit über die Saison jetzt 51-18, was 74% richtige Siegertipps sind.

Nächste Woche wartet mit einigen absoluten Spitzenspielen auf: Saints vs. Eagles, Bears vs. Vikings und natürlich das Armageddon in der Nacht auf Dienstag: Rams vs. Chiefs.

Das Spiel findet nicht wie geplant im Estadio Azteca statt – zu schlechte Bedingungen am Spielfeld. Mehrere Spieler hatten mit Streik gedroht, hätten sie sich dem Verletzungsrisiko aussetzen müssen. Die Partie wird stattdessen ins Coliseum von Los Angeles verlegt. Damit steigen auch die Siegchancen der Rams von 56% auf 63% – so viel zählt der Heimvorteil.

Die Partie hätte man auch eine Woche verschieben können – Rams und Chiefs hätten in Woche 12 spielfrei gehabt. Doch: ESPN würde den Teufel tun und dieses phänomenale Matchup herschenken.

Rams vs. Chiefs hat in den Wettbüros ein Over/Under von 62 Punkten – das höchste Over/Under der Wettgeschichte. Mit dem „gewohnten Spielfeld“ in L.A. würde ich an der Stelle erneut auf ein OVER plädieren.

Dass aber der NFL-Punkterekord für eine Partie fallen wird, ist unwahrscheinlich: Er liegt bei 113 Punkten (Giants-Redskins 72-41 in den Sechzigern). Über 100 Punkte wurden in den letzten 15 Jahren nur zweimal erzielt: 2015 bei Saints-Giants 52-49 und 2004 bei Cincinnati-Cleveland 58-48).

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2 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2018 – Woche 10

  1. Ist Rollrasen in Mexico City unbekannt? Damit ist man in der Lage „in den großen Stadien auch mitten in der Saison zwischen zwei Spielen einen neuen, sofort bespielbaren Rasen zu verlegen“. Oder gibt es im Falle Estadio Azteca technische Details, die das verhindern? (Am Geld dürfte es der NFL nicht mangeln)

  2. Kupp ist auf IR, ja. Dafür ist Pharoh Cooper wieder im Team. Der kann sicher den Verlust etwas abfangen.

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