Akademische Viertelstunde vor dem Rivalry-Wochenende

Das letzte Wochenende brachte nur eine Pleite einer Top-10 Mannschaft. Die Saison verläuft damit weiterhin erstaunlich erwartungskonform. Viele Chancen auf Chaos gibt es nicht mehr, aber dafür zwei ganz fette Ansetzungen an den nächsten beiden Wochenenden, die quasi eine „Play-in“ Funktion für die Playoffs übernehmen.

Die Spitzenteams am letzten Wochenende

Viele Blowouts, nur ein Upset.

#1 Alabama gewinnt 50-17 gegen The Citadel. Aber Achtung: Zur Pause stand es 10-10! Und Tagovailoa musste den größten Teil der Partie mitspielen.

#2 Clemson souverän 35-6 gegen Duke.

#3 Notre Dame ohne Probleme beim 36-3 gegen #12 Syracuse.

#4 Michigan glanzlos 31-20 gegen Indiana.

#5 Georgia natürlich problemlos 66-27 gegen UMAss.

#6 Oklahoma gewinnt 55-40 gegen Kansas, aber erneut zu wackelige Vorstellung der Sooners-Defense um richtig Vertrauen in Oklahoma zu gewinnen.

Das für die Playoffs wohl chancenlose #7 LSU gewinnt locker 42-10 gegen Rice. Eine Einladung in eine Big-Bowl wird für die Tigers damit immer wahrscheinlicher.

#8 Washington State mit einem famosen 69-28 Sieg gegen Arizona. Es bleibt extrem unwahrscheinlich, dass die Coogs im Playoffrennen wirklich mitreden können. Aber eine 10-1 Saison bislang ist über den Erwartungen. Eine der besten Spielzeiten in der Geschichte des Programms.

Ein Sieg fehlt für die Qualifikation für das Pac-12 Finale – gegen Utah. Eine Rose-Bowl Qualifikation ist denkbar – ein Traum für Washington State, 20 Jahre nach Ryan Leaf!

#9 West Virginia kassiert die Pleite, die es wohl aus allen Playoff-Träumen wirft (die aber noch alle Chancen auf das Big-12 Finale aufrecht erhält): 41-45 gegen Oklahoma State. West Virginia kann sich noch für das Big-12 Finale qualifizieren, wenn es nächste Woche Oklahoma schlägt. Aber selbst als 11-2 Big-12 Champ braucht es unvorstellbares Chaos um die Mountaineers in die Playoffs zu hieven.

#10 Ohio State wackelt erneut bedrohlich, gewinnt am Ende 52-51 nach Overtime bei Maryland. Es bleibt dabei: Die Buckeyes sind nicht überzeugend. Es ist nicht auszuschließen, dass sie selbst als Big-Ten Champ mit 12-1 Record vom Komitee nicht eingeladen werden.

#11 UCF feiert mit dem ESPN-Gameday und vielen TV-Ikonen am Campus einen souveränen 38-13 Sieg gegen #24 Cincinnati und bleibt weiter ungeschlagen. UCF bleibt im Playoff-Rennen weiter nur eine Freak-Erscheinung, aber die zweite Perfect-Season en suite ist greifbar.

Was bedeutet das alles?

Notre Dame lieferte mit dem brutalen Kantersieg über Syracuse seine wohl beste, kompletteste Vorstellung der Saison. Für die Playoff-Ambitionen von Notre Dame ist der Sieg wohl nicht kriegsentscheidend – Notre Dame muss weiterhin ungeschlagen bleiben, bei einer Pleite am Samstag bei USC wird Notre Dame wohl aus den Playoffs bleiben. Doch ich „fühle“ mich mit Notre Dame nun besser – vielleicht ist dieses Team doch besser als befürchtet, und kann den Giganten wie Clemson, Alabama und Co. sogar Paroli bieten.

Wir haben nun ein relativ klares Bild vom Playoff-Rennen. Zwei Spiele werden ganz massiven Impact haben:

  • „The Game“ am Samstag 24.11. zwischen Ohio State und Michigan
  • SEC Finale am Samstag 01.12. zwischen Alabama und Georgia

Gewinnt Michigan, hat es mit Northwestern den Conference-Sieg mit 12-1 Sieg auf dem Präsentierteller. Das reicht für die Playoffs, wenn Clemson, Alabama und Notre Dame ungeschlagen bleiben.

Doch es gibt ein „Armageddon-Szenario“: Michigan gewinnt die Big Ten und Alabama verliert (knapp) das SEC-Finale. Dieser Fall bleibt faszinierend, da wir den vierten Platz zwischen Michigan und Alabama quasi verlosen können:

  • 12-1 Michigan: Conference-Titel, Niederlage gegen Notre Dame, ansonsten viele klare Siege
  • 12-1 Alabama: Totale Dominanz, aber Niederlage gegen Georgia und kein Conference-Titel

In dem Fall hätten wir „besseres gegen verdienteres“ Team. Michigan, das sich einen schweren Out-of Conference Gegner in Notre Dame dazuzog und deshalb eine Pleite kassierte, gegen Alabama, das in der schwierigeren SEC spielt, aber „out of conference“ (überspitzt gesagt) The Citadel anstelle von Notre Dame spielte. Alabama ist nach fast allen Metriken die bessere Mannschaft als Michigan, aber Michigan hätte es wohl „mehr verdient“.

Das Playoff-Komitee zeigte in den letzten Jahren keine klare Linie zwischen den beiden Kriterien. Es schien, als würde im Zweifelsfall die größere Anhängerschaft entscheiden…

…doch selbst hier hätten wir zwei nominelle Schwergewichte – es gäbe kaum wirtschaftliche Interessen, den einen oder anderen draußen zu lassen. Würde das Komitee einen 12-1 Harbaugh in „seinem Jahr“ wirklich draußen lassen? Würde es ein Alabama, das viele als bestes Team der Saban-Ära bezeichnen, draußen lassen?

Doch mehr dazu, sollte es überhaupt dazu kommen.

Conference-Rennen

Viel Klarheit nun auch im Conference-Rennen, wo nur noch wenige Finalplätze zu vergeben sind:

  • SEC: Finale Alabama – Georgia
  • ACC: Finale Clemson vs. Pitt
  • Pac-12: Utah (Süd-Division) gegen den Sieger des Apple-Cups Washington/Washington State
  • Big Ten: Finale Northwestern gegen Sieger Michigan/Ohio State
  • Big 12: Die Szenarien sind in diesem Tweet aufgelistet:

Im Prinzip also der Sieger aus Oklahoma/West Virginia und Texas, sofern Texas gegen das am Boden liegende Kansas gewinnt. Ansonsten ist es Oklahoma vs. West Virginia.

Coaches

Zwei wesentliche Moves am Wochenende:

Colorado feuert Mike MacIntyre. Colorado trauert noch immer der großen Zeit um 1990 nach, als man sogar mal den Landesmeistertitel gewinnen konnte und mehrere Jahre lang um die 10 Saisonsiege holen konnte.

MacIntyre übernahm das Team aus tiefsten Tiefen. Ich habe Colorado kennengelernt als noch Dan Hawkins dort Coach war – ein schwierige Zeit, will Hawkins stets versuchte, seinen eigenen Sohn QB Cody Hawkins zu pushen, über die Ziele der Mannschaft hinaus.

Colorado holte sich dann den „Colorado-Man“ Jon Embree ins Boot, was erwartungsgemäß kolossal schief ging. Embree holte in zwei Jahren insgesamt vier Siege.

MacIntyre kam – und krebste mit Colorado lange am Boden. 2016 folgte der Befreiungsschlag, und die Buffs waren lange Zeit fett im Pac-12 Rennen dabei. 10-4 Siege in jener Saison bedeuteten die Job-Rettung für MacIntyre, aber eben auch erhöhte Erwartungen. Letztes Jahr der Absturz auf 5-7 nach vielen Abgängen.

Heuer sah Colorado eine zeitlang wie ein möglicher Pac-12 Contender aus. Nach 5-0 Bilanz zum Start war Colorado sogar gerankt – doch dann begann die Conference-Saison und seither hat Colorado jede Partie verloren: Viermal relativ knapp gegen USC, Washington, Oregon State und Arizona, zuletzt zweimal deutlich gegen Washington State und Utah.

Das war zu viel. MacIntyre kassiert 10.3 Mio. Buy-Out, wenn er keinen sofortig neuen Job in der NFL oder am College (jeweils als Headcoach) kassiert. Colorado möchte als neuen Coach jemanden mit HC-Erfahrung einstellen. Leute wie Jeff Tedford (Fresno State), Bryan Harsin (Boise State), Mark Helfrich (OffCoord Chicago Bears, früher HC Oregon) oder Dana Holgorsen (West Virginia ) sollen mögliche Favoriten sein.

Vielleicht wird es auch jemand wie Dino Babers, der aus Syracuse viel gemacht hat. Auf jeden Fall soll die Coach-Suche eine ambitionierte werden. Colorado kann mit einer treuen Fan-Base, einem famosen Stadion, einer fantastischen Studentenstadt (Boulder) und brandneuen, hervorragenden Facilities punkten. Das einzige Problem: Der Highschool-Football in Colorado produziert kaum hochwertige Recruits. Der neue Coach wird also auch außerhalb von Colorado recruiten müssen – keine einfache Aufgabe, nachdem die meisten jungen Football das Buffaloe-Programm nur als Loser-Truppe kennen gelernt haben.


Kansas verpflichtet Les Miles: Ideenlose Anstellung eines ideenlosen Coaches. Les Miles ist ein cooler Typ, der mit LSU nicht bloß den National-Title holte, sondern auch für zahllose Sprüche sorgte. Doch Miles verpasste es auch, mit der Zeit zu gehen – und so war LSU nach 2011 nur noch ein Mitläufer mit starker Defense, dessen Offensive schlicht nichts zustande brachte, wenn sein Laufspiel gestoppt war.

Und das alles, obwohl Miles einige der besten Talente unter seinen Fittichen gehabt hatte – WR Odell Beckham, RB Fournette, RB Guice, WR Jarvis Landry und andere. Solches Talent wird Miles bei Kansas nicht in seinen Träumen anlocken können.

Hofft Kansas darauf, mit viel Defense und ohne Offense in der Big-12 Conference zu bestehen? Ausgerechnet in der Big 12?

Ich hätte an Kansas‘ Stelle was völlig anderes versucht: Einen Triple-Option Coach. Triple-Option ist der beste Weg, um aus der Masse herauszustechen und mit inferiorem Talent für Furore zu sorgen, gerade in der Big 12, wo jeder Gegner nur noch auf Pass-Defense ausgerichtet ist.

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2 Kommentare zu “Akademische Viertelstunde vor dem Rivalry-Wochenende

  1. Danke dir wieder einmal für die tolle Zusammenfassung. Wie ich schon mal geschrieben habe finde ich die Überlegung mit einem Upset von Georgia im SEC Finale + gleichzeitig unveränderten Records der anderen spannend.
    V.a. auch die Frage, wieso matched man bei der Überlegung Michigan mit Alabama, man könnte ja auch Michigan mit Georgia matchen… beide dann theoretisch 12-1, beide Conference Champs. Georgia dann zwar mit einem Sieg gegen Alabama, aber einer massiven Klatsche gegen LSU. Michigan mit einem Sieg gegen OSU und nur einer 1-Score Niederlage gegen einen anderen Playoff Teilnehmer am ersten Spieltag. Ich will das gar nicht so sehr bewerten, ich finde die Überlegungen einfach sehr spannend :)! Beim SOR wäre Georgia derzeit knapp vor Michigan gelegen.

    Im Vorfeld der Veröffentlichung des CFP-Rankings (heute) gibt es Diskussionen ob Ohio State vor UCF gereiht wird oder nicht. Falls ja, gilt es als böse Respektlosigkeit, denn OSUs fragwürdiger Auftritt bei Maryland und UCFs Statement-Sieg gegen Cincinnati sollten eigentlich keine andere Möglichkeit zulassen… sagt man… spannend das alles ;)!

  2. Pingback: Akademische Viertelstunde – Woche 13: Lasset die Debatte starten! | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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