Thanksgiving-Preview 2018

Heute wird in den USA Thanksgiving gefeiert, der größte Feiertag des Landes. Traditionell spielt die NFL an diesem Festtag Football in Detroit und Dallas – plus dem seit ein paar Jahren eingeführten Nachtspiel. Eine kurze Vorschau auf einen Spieltag mit drei Divisionsduellen.

Detroit Lions – Chicago Bears

18h30 – CBS

NFC-North Divisionsduell zwischen den 4-6 Lions und den 7-3 Bears. Sportlich ist die Partie aufgrund der minimalen Playoff-Chancen der Lions nur bedingt interessant. Chicago dagegen stürmt scheinbar unaufhaltsam in Richtung Divisionssieg in der NFC North, der den #3 Seed bedeuten könnte: Am Sonntag schlugen die Bears mit einer dominanten Defensiv-Vorstellung den ärgsten Verfolger Minnesota (nunmehr 5-4-1), der erst gegen Spielende Ergebniskosmetik betreiben konnte.

Detroit gegen Chicago gab es vor erst 10 Tagen schon einmal – es endete in einem Gemetzel: QB Trubisky konnte schalten und walten wie er wollte, und Trubisky, nicht der höchstentwickelte Quarterback unserer Zeit, zerpflückte die Lions-Defense als wären sie Schulbuben.

Damals spielten die Lions allerdings ohne den lebenswichtigen CB #23 Darius Slay. Slay ist jetzt wieder zurück – am Sonntag machte er mit einem fulminanten „Catch me if you can“-Sprint einen spielentscheidenden TD-saving Tackle. Mit Slay im Backfield sieht Detroits Defense das Land, das sie ohne nicht sieht.

Es ist davon auszugehen, dass die Lions-Defense heute besser gegenhalten kann – zumal noch nicht ganz klar ist ob Trubisky überhaupt spielen kann: Seit Sonntag plagt er sich mit Zipperlein. Chicagos Trainerstab will im Zweifelsfall Vorsicht walten lassen und Backup Chase Daniel spielen lassen.

Doch böse Zungen behaupten, Trubisky oder Daniel – das ist keine spielentscheidende Frage. Zumindest solange nicht, solange das „andere“ Sorgenkind der Lions bestehen bleibt: Die Lions-Offense.

Diese funktioniert aktuell nur dann, wenn die zum Teil großartigen Individualisten ihr Genie aufblitzen lassen. Wenn Stafford einer seiner patentierten rattenscharfen Bomben in engste Deckungen glückt. Oder wenn dem sehr explosiven RB Kerryon Johnson ein entscheidender Move gelingt. Oder wenn WR Kenny Golladay einen Ball in Doppeldeckung runterpflückt. Heute wird es mindestens ohne Johnson gehen müssen – der Rookie-Runningback fällt mindestens zwei Wochen mit Knieverletzung aus.

Schematisch hilft OffCoord Cooter seinen Spielern kaum – die Unterschiede zwischen der Offense von Lions und Bears sind auch für Laien problemlos erkennbar: Chicago arbeitet mit Motions, Sweeps, Bubble-Screens, mit vielfältigen Routen-Kombinationen. Detroit spielt statisch. Die Lions spielen wie früher die Colts-Offense: Viel 11-Personnel, Spieler müssen mit superiorer „Execution“ den Gegner schlagen. Was Manning 15 Jahre lang gelang, ist heute überholt, ganz abgesehen, dass Stafford kein Peyton ist.

Und ganz abgesehen davon, dass Stafford seit einigen Wochen einen Horror von Pocket aushalten muss und ohne Notnagel-Anspieloption konstant 5-10x/Spiel gesackt wird. Gegen eine Bears-Defense, bei denen jetzt wieder DE Khalil Mack in absoluter Hochform agiert (Mack verpasste zwei Spiele, ist trotzdem ein DPOY-Kandidat), verspricht das ganze, nicht viel einfacher zu werden.

Dallas Cowboys – Washington Redskins

22h30 – FOX

NFC-East Duell mit plötzlich hoher sportlicher Relevanz – denn die NFC East präsentiert sich nach den jüngsten Ergebnissen in spektakulärer Manier:

  1. Washington Redskins 6-4
  2. Dallas Cowboys 5-5
  3. Philadelphia Eagles 4-6
  4. New York Giants 3-7

Weil die Redskins nach der grausamen, Albträume verursachenden Schien- und Wadenbeinverletzung von QB Alex Smith am Sonntag nun mit Backup-QB antreten müssen, ist der Ausgang der Division völlig offen. Smiths Ausfall ist tragisch, eröffnet aber die Chance für eine ganz neue Storyline heute: Colt McCoy, der als Quarterback am College in Texas zu einer Legende wurde, bekommt nach Jahren als NFL-Bankdrücker heute wieder eine Chance als Starter – ausgerechnet in Dallas, Texas! Das Publikum dürfte Kopf stehen.

Doch McCoy ist eine wandelnde Gehirnerschütterung, vor allem gegen den Cowboys-Passrush (#1 nach QB Pressure Rate) – und leisteten sich die Redskins den Spaß, kurzfristig Mark Sanchez als Backup-QB zu verpflichten. Es wäre nicht unwitzig, wenn Sanchez heute zum Einsatz käme – genau sechs Jahre nach seinem „Butt-Fumble“ Debakel in der Thanksgiving-Nacht.

So viele Stories, sie könnten glatt davon ablenken, dass heute Nacht auch noch ein Spiel stattfindet. Das wird relativ schwer zu prognostizieren: Dallas spielt zwar den immergleichen, eher konservativen Stiefel (viel Fokus auf RB Elliott, zu hohe Lauf-Quoten in 1st und 2nd Downs, dafür aggressiver Passrush in der Defense), doch die Ausführung ist nicht immer konstant gleich – und Washington hat in CB Josh Norman einen Manndecker, der theoretisch den #1-WR der Cowboys, Amari Cooper, aus dem Spiel nehmen könnte.

An den Cowboys fällt auf, dass sie mehr als 12-Personnel spielen sollten (aktuell nur 16% der Snaps): 58% Pass-SR und 52% Lauf-SR vs. nur 62% Pass-SR und 50% Lauf-SR aus 11-Personnel.

Auf der anderen Seite weiß man bei den Redskins überhaupt nie, was man bekommt. Sie stellen eine leicht unterdurchschnittliche Offense aus 11 und 12 Personnel, sind aber mit 62% Pass-SR und 52% Lauf-SR exzellent aus 13-Personnel. Also tendenziell schwereres Personal, das zum Erfolg führt. Aber HC Jay Gruden sieht 13-Personnel mehr als Tempowechsler für zwischendurch: Nur jeder 10te Offensiv-Snap kommt aus dieser Formation.

Gewinnt Dallas, übernimmt es die Divisionsführung. Gewinnen hingegen die Redskins, erspielen sich sich erstmal zwei Spiele Vorsprung auf Cowboys und eventuell Eagles (falls diese am Sonntag überhaupt erst wieder in Spur zurückfinden) – ein relativ beruhigendes Polster.

New Orleans Saints – Atlanta Falcons

02h15 – NBC

NFC-South Duell zwischen den 9-1 Saints und den 4-6 Falcons. Atlanta ist nach zwei überraschenden Pleiten in Cleveland und zuhause gegen Dallas wohl aus allen Playoff-Träumen gerissen. Die einzige Chance, noch träumen zu dürfen, wäre für die in der Defense geschwächten Falcons, heute im Superdome gegen die Saints den Upset zu schaffen. Gegen die Saints-Offense!

Deren Punkteausbeute in den letzten Wochen?

  • 30 @Minnesota
  • 45 gegen die Rams
  • 51 @Bengals (Q4 nur mehr 6 Punkte)
  • 48 mit angezogener Handbremse gegen die Eagles

Über die ganze Saison? 38 Punkte. Pro Spiel. Viel Spaß.

Atlantas Defense muss mit FS Neal, S Allen und LB Deion Jones wesentliche Bausteine hergeben und kassierte schon in den letzten Wochen immer wieder lange Drives und viel zu viele Punkte. Warum man ausgerechnet heute dem seit Wochen „on fire“ spielenden Brees Einhalt gebieten sollte, ist nicht ganz klar. Die Saints-Offense sieht so leicht aus! Selbst unbekannte third-string WR wie #10 TreQuan Jones dominieren gegnerische Defensive Backs, sind immer frei.

So kann man davon ausgehen, dass die Partie zwar für Atlanta „Spiel des allerletzten Funken Hoffnungs ist, doch vor allem für die Saints interessiert: Diese sind unterwegs zum Top-Seed. Der ist wertvoll. Denn stell dir vor, du bist Saints-Fan: Wo willst du im Jänner lieber spielen: im Soldier Field – oder im Superdome?

Werbeanzeigen

3 Kommentare zu “Thanksgiving-Preview 2018

  1. Pingback: Thanksgiving 2018: Detroit Lions vs. Chicago Bears im Liveblog | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.