Date am Donnerstag – Woche 15

Frostigen Morgen.

Genau das richtige Wetter für die Schlussphase der NFL-Saison, denn heute Nacht treffen in einem der wichtigsten Partien der Regular Season die Kansas City Chiefs (11-2) und die Los Angeles Chargers (10-3) im Arrowhead Stadium aufeinander. Auf dem Spiel steht der Top-Seed das AFC.

Kansas City hat dabei die Pole-Position: Ein Spiel Vorsprung auf die Chargers, zwei auf Patriots und Texans, Hinspiel bereits gewonnen, Heimrecht heute Nacht – ergo reicht heute Nacht ein Sieg zum Eintüten des #1 Seeds.

Die Chargers dagegen brauchen heute ein Upset und müssen hoffen, dass bei folgenden eigenen Siegen gegen Baltimore und in Denver die Chiefs noch einmal stolpern. Restspielplan der Chiefs: @Seahawks, vs. Raiders.

Du glaubst nicht, dass der #1 Seed ein erstrebenswertes Ziel ist, weil in der NFL eh nur das Erreichen der Playoffs zählt und dann die Karten neu gemischt werden? Nun – seit der Einführung der aktuellen Ligastruktur in der Saison 2002 gab es 16 Spielzeiten und somit 32 Superbowl-Finalisten. 24 von ihnen genossen eine 1st-Round Bye für die Playoffs, 17 von ihnen waren der Top-Seed ihrer jeweiligen Conference. Nur drei von ihnen schafften es ohne Divisionssieg über die Wildcardrunde und sämtliche Auswärtsspiele ins Endspiel (Pittsburgh 2005, Giants 2007, Packers 2010).

Nach den Metriken meines Power-Rankings ist Kansas City gegen Los Angeles das Aufeinandertreffen der #2 gegen die #4 der Liga – wobei es den einen oder anderen überraschen mag, dass nicht die seit vielen Wochen für Furore sorgenden Chiefs die #2 sind, sondern die schon lange unter dem allgemeinen Radar blitzenden Bolts, die das komplettere Team stellen, mit ähnlich starkem Passspiel, aber besserer Defense. Und: Die Chargers sind kein Zufallsprodukt. Sie waren schon Anfang Oktober in den Top-3 klassiert.

Trotz ähnlicher Qualität gibt es fundamentale Unterschiede im Design der beiden Offenses. Das Chiefs-Monster kennen wir bereits: QB-Jungspund Patrick Mahomes hat die Liga im Sturm erobert. Er begeistert mit seinen spektakulären Plays in einer spektakulär vielschichtig designten Offense, die viele moderne Elemente wie Jet-Sweeps oder Run/Pass Options einbaut, gern tief geht (23% der Pässe gehen weiter als 15 Yards) und den Quarterback hie und da auch selbst loslaufen lässt.

Wie Mahomes bringt auch Gegenüber QB Philip Rivers auf seine alten Tage hin (Rivers ist 36) über 8.0 NY/A Passspiel an den Mann. Rivers hat natürlich nicht den spektakulären Arm wie Mahomes und er ist längst nicht so mobil (kaum RPO). Aber Rivers ist extrem effizient über die Spielfeldmitte. Er wirft nicht mehr so häufig tief wie früher (nur 17% der Pässe gegen über 15 Yards), aber dafür ist er super-präzise im Deep-Passing: 56% Success-Rate bei Pässen über 15 Yards, und sensationelle 1.25 EPA/Pass!

Den Vergleich zwischen Mahomes und Rivers im Passspiel kann ich anhand dieser Grafik anbieten:

  • Links ist die Verteilung der Würfe in die Horizontale (links, Mitte, rechts) sowie in die Vertikale (short unter 5 Yards, intermediate 5-15 Yards, deep über 15 Yards). Wir sehen, dass die Chiefs eher „rechtslastig“ werfen und die Mitte relativ stark meiden, während die Chargers deutlich über NFL-Schnitt die Mitte attackieren.
  • In der mittleren Sektion sehen wir die Success-Rates der Würfe, Sacks natürlich ausgeschlossen. Wir sehen, dass Mahomes gar nicht so beständig im Deep-Passing ist, aber beide sind weit besser als der NFL-Schnitt, wenn es über die Mitte zu werfen gilt.
  • In der rechten Sektion sehen wir die EPA/Wurf – und dass Mahomes bei aller Unbeständigkeit ausreichend Big-Plays über die tiefen Distanzen macht – doch dass Rivers ein echter Gigant im Deep-Passing ist! Beide Quarterbacks sind in allen Phasen besser als der NFL-Durchschnitt.

Pass-Mappe KC vs LAC

Ein Kriterium heute Nacht wird nicht nur das Wetter sein, das kalt und regnerisch zu werden verspricht, sondern auch die Verletztensituation in beiden Mannschaften.

Die Chiefs müssen auf WR Sammy Watkins verzichten, und ob der jüngst neu eingekaufte WR Benjamin noch NFL-Speed hat, muss man abwarten. Letzte Woche wurde Benjamin beim Überqueren des Zebrastreifens von einer Oma überholt. Darüber hinaus ist RB Spencer Hill fraglich, weswegen wohl RB Williams starten wird. In der Defense soll SS Eric Berry erstmals seit vielen Monaten einsatzfähig sein, aber wohl nicht für mehr als eine Handvoll Plays.

Auf Chargers-Seite gilt es vor allem die Runningback-Situation zu beachten: Der sehr fangstarke Melvin Gordon ist fraglich, sein Backup Ekeler ist wohl out.

Die Partie könnte trotzdem ein Leckerbissen werden. Nicht bloß haben beide Pass-Offenses die Fire-Power für einen Shootout. Beide haben theoretisch genug Balance um die gegnerische Defense jederzeit ins Leere laufen zu lassen, wenn sie mit sechs Passrushern heranrauschen. Doch bei Passrush-Individualisten wie Jones/Ford/Houston (Chiefs), respektive Bosa/Ingram (Chargers) ist auch ein Sack&Fumble-Festival nie auszuschließen, zumal mit Regentropfen am Feld.

Der logische Tipp an dieser Stelle ist Chiefs – Heimvorteil und jüngste Historie gegen die Schönwetterfootballer aus Südkalifornien sprechen eine klare Sprache. Doch ich warne seit Monaten: Unterschätz die Chargers nicht! Sie mögen stigmatisiert sein als ewige Versager, doch sie spielen eine fantastische Saison.

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14 Kommentare zu “Date am Donnerstag – Woche 15

  1. Wie Dan richtig bemerkt, schreibe ich „Wildcard-Team ohne Divisionssieg“, also #5 oder #6 Seed, die ohne Heimspiele auskommen müssen. Hier gibt es nur 3 Beispiele aus einem Pool von 32 Finalisten.

    Die fünf Teams, die es in der 32-Team Ära von #3 oder #4 in die Superbowl geschafft haben, sind Carolina 2003, Indianapolis 2006, Arizona 2008, Giants 2011 und Baltimore 2012.

  2. Schöne Analyse, vor allem von Rivers und Mahomes. Umso überraschender, dass Korsakoff damit kein Geld verdient. (oder doch? Glaub nicht)

    Ganz im Gegensatz zu ihm hier… *rofl*

    video/1

  3. Vorentscheidend? Chargers erhalten die Chiefs durch 4 Penaltys zu beginn des Schlussviertels am Leben und werden durch diesen Drive bestraft durch einen 7 Min. Lauf mit abgeschlossenen TD, wodurch sie sich eine 2 Scores Rückstand einhandeln bei rund 8 Min. Restspielzeit.
    Dies war absolut nicht zwingend aus der Not heraus, sondern eher unbedachte Handlungen einzelner Defense Spieler.
    Auch wenn QB Philip Rivers scort bei seinem Drive, ob dadurch die Uhr eventuell genau den entscheidenden Punkt ausmacht im Rückblick?

  4. Ohne die vier Penalties der Chargers im letzten KC Touchdown Drive wäre dieser schon früher zu Ende gewesen. Meiner Meinung waren wieder mal paar Bolzen im Officiating dabei, gerade der erste Penalty im oben genannten Drive war ein Facemask bei 3rd Down – gegen den Passrusher, der Mahomes über die Facemask rutscht mit der Hand. Er greift nicht zu – bin ich falsch informiert oder war das dennoch ein Facemask Penalty?!
    Im selben Play wirft Mahomes den Ball innerhalb der Pocket weg – klare Intentional Grounding. Wird nicht gecallt. Selbst wenn die Facemask klar geht, dann wäre es Offsetting Penalties.

    Finde es generell als Fan (weder LAC noch KC) schade, dass Officiating diesen heftigen Einfluss haben kann. Solche Fehler halten Drives am Laufen und entscheiden Spiele…

    Bin glücklich für die Chargers dass es trotzdem geklappt hat – gab auch noch einige Calls in die andere Richtung also unterm Strich gleicht sich das wahrscheinlich aus.

  5. Bin auch der Meinung, dass das keine Facemask gewesen ist. Schade, dass man solche Calls nicht challengen kann. Bin mir sicher, dass sie es sonst zurück genommen hätten.

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