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NFL Power Ranking 2018 – Woche 15

Guten Morgen zum Power-Ranking von Woche 15.

Der Offensiv-Wahn in der NFL ist vorerst zu Ende. Die Passing-Offenses, zur Saisonhalbzeit noch in allen Stratosphären der NFL unterwegs, haben sich in den letzten Wochen gen Mittelmaß entwickelt und mit einem durchschnittlichen Raumgewinn von 6.4 NY/A über die Saison wieder irdische Maße angenommen.

Ist es der Einfluss der „Match-Coverage“? Oder natürliche Regression? Oder spüren ganz einfach Monster-Offenses wie Saints oder Patriots das Alter ihrer QBs und die Rams die ersten Verletzungsausfälle?

Am eindeutigsten ist der Einbruch bei den Los Angeles Rams, der Power-Offense der ersten Saisonhälfte: Sie haben drei ihrer vier schwächsten Offensivspiele in den letzten drei Wochen geliefert:

LA Rams - Offense

Wir sehen: Die Rams-Offense, die in den ersten Wochen um die 10 NY/A Passspiel an den Mann brachte ist vor allem in den letzten drei Wochen zu einer sehr deutlich unterdurchschnittlichen Wurf-Maschine degeneriert. In drei der letzten vier Spiele hatte Los Angeles zudem über 75% Pass-Quote – bedingt auch durch mehr Rückstände als in der ersten Saisonhälfte gewohnt.

Hauptproblem bleibt dabei die 1st-Down Offense, in der ersten Saisonhälfte noch der Killer, der für die vielen schnellen Führungen verantwortlich war: 9.0 Yards/1st Down in den ersten 10 Spielen. Seit dem enthemmten Chiefs-Spiel, als die Rams trotz 54 Punkten gar nicht mal mehr eine soooo effiziente Offense spielten, sind es nur noch 6.2 Yards/1st Down.

Folge: Die Rams führten in nur einem der letzten vier Spiele zur Pause (die anderen drei waren remis gestanden) – und mussten somit mit zunehmendem Spielverlauf immer passlastiger werden. In den ersten 10 Wochen hatten sie 7x geführt, 6x davon mit mehr als 7 Punkten. Folge: Keine Gefahr, zu eindimensional zu werden.

Wo liegen die Probleme? Ist es Goff, der eine Sinnkrise durchmacht? Ist es der Ausfall von Cooper Kupp, der durch Reynolds nicht 1:1 ersetzt werden kann? Ist es der ineffiziente Einsatz von Brandin Cooks? Oder ist alles nur verfrühte Panikmache und die Rams können sich erfangen?

Was zu denken gibt: Die letzten Defenses waren bis auf Chicago keine Wundermannschaften. Doch Vorteil Rams: Ihre eigene Defense hat sich gesteigert zu einem Punkt, dass sie schon die #7 in meinem Power-Ranking ist.

Weitere zusammenhangslose Gedanken

Wie ich schon am Sonntag schrieb: Gut, dass die Chargers die Eier hatten, die 2pts-Conversion am Ende in Kansas City auszuspielen. Extrapunkt hätte auf Overtime spielen bedeutet – gegen die Mahomes-Offense ein Spiel mit dem Feuer. Und selbst ein Remis (in der nur noch 10 min langen Verlängerung wahrscheinlicher als früher) hätte den Chargers kaum geholfen.

Denver: 17-13 Rückstand Mitte Schlussviertel, 4th Down in der gegnerischen Redzone – und Vance Joseph lässt ein Fieldgoal schießen? WTF. Joseph hatte in der frühen Saisonphase einige brauchbare „Analytics-Kommentare“ von wegen „Passspiel gewinnt in der heutigen NFL, nicht Laufspiel“, aber im entscheidenden Moment den Schwanz einzuziehen und die Saison wegzuschmeißen, wird Joseph den Kopf kosten.

Die Brown im gleichen Spiel mit 4th&1 und Laufspiel aus Jumbo-Formation. Verdientermaßen gescheitert.

Carolina ebenso mit 4th&1 und Jumbo-Formation – und einen angetäuschten Lauf per Halfback-Pass zum TD geworfen! Einer der besten Plays des Wochenendes – ich dachte im ersten Moment intuitiv „der WR steht im Abseits!“ So weit war Martinez der komplett überraschten Defense enteilt. Wenn schon Jumbo, dann muss sie so gespielt werden.

Zu beobachten bleibt die Situation bei den QB-Oldies Brady und Brees: In den letzten Wochen sind beide Offenses merkwürdig ineffizient. Vor allem der 41-jährige Brady leistete sich in den letzten Wochen verblüffende mentale Fehler.

Ähnliche Bolzen fielen in der Endphase von Peyton Manning auf – krasse Entscheidungsfehler, als man sich fragte: Was geht in diesem Kopf vor, der jetzt so lange so perfekt funktionierte? Sollte der Kopf nicht noch fit genug sein – und sich bloß auf den langsam erodierenden Körper einstellen?

Die Antwort lieferte der ex-QB Warren Moon am Wochenende bei ESPN. Moon war selbst ein QB, der mit 42 Lenzen noch in der NFL spielte. Moon sinngemäß: Es kommt der Zeitpunkt, an dem QBs merken, dass sie nicht mehr 100%ig präzise sind. Das ist der Moment, in denen sie zu zweifeln beginnen. Was früher automatisch war, braucht plötzlich Arbeit. Die eine Zehntelsekunde mehr Zeit zum Überlegen. Das ist genau die Zehntel, in denen die NFL-Coverage zuschlägt und der Passrush durchbricht.

Peyton Manning war Ende Saison 2014 quasi über Nacht unbrauchbar geworden – ein Jahr, nachdem er alle Passrekorde in der Saison 2013 gesprengt hatte. Ein Brett Favre spielte 2009 mit 40 die Saison seines Lebens – ein Jahr später war er shot. Ähnlich erging es Moon selbst.

Brady hat bereits länger auf Top-Niveau operiert als alle QBs vor ihm. Er wurde schon des Öfteren tot geschrieben – und bewies immer wieder das Gegenteil, belehrte seine Kritiker eines Besseren. Doch die aktuellen Signale sind die bis jetzt deutlichsten, dass Gevatter Zeit schön langsam an Brady zu knabbern beginnt. Kann sein, dass Brady noch ein letztes Mal das Ruder herumreißt – immerhin ist Brady bei allem Selbstbewusstsein auch der möglicherweise selbstkritischste QB in der NFL. Wenn ich jemanden zutraue, sich selbst körperliche Defizite einzugestehen und seine Denkens- und Herangehensweise an die NFL dadurch umzustellen – dann Brady.

Der Superbowl-Topfavorit 2020…

…rangiert in meinem Power-Ranking diese Woche auf #22. Es sind die Cleveland Browns. Die Sache ist ganz einfach: Die Browns könnten in der kommenden Free Agency bis zu 95 Mio. Cap-Space haben. Sie werden 2019 erneut 12 Draftpicks und 2020 Stand jetzt weitere 9 Picks haben – also alles weitere Munition, nach oben zu traden – Sashis Vermächtnis.

Der Kern in Cleveland scheint bereits zu passen. 2020 sind QB Mayfield, DE Garrett oder CB Ward alle auf Rookievertrag unterwegs. Mit zwei weiteren Drafts und unendlich Kohle sowie einem GM, der was von Scouting versteht, wird Cleveland einen phänomenalen Spielerkader 2020 aufbieten.

Fehlt nur noch der Trainer.

Traumszenario: Rückkehr von Bill Belichick nach Cleveland. Belichicks war in den 1990er in Cleveland an seiner ersten Headcoach-Station gescheitert, weil er keinen Quarterback fand. Es ist vielfach dokumentiert, dass Belichick als großer Fan von Baker Mayfield gilt – die Patriots wollten dem Vernehmen nach im April zwei 1st-Rounder opfern um Mayfield zu draften.

Eine Belichick-Rückkehr nach Cleveland wäre für den großen Zampano die Chance, die größte Scharte seiner epischen Laufbahn auszuwetzen. Alles, was es dafür braucht, sind zwei 1st Rounder der Browns und etwas guter Wille – die Patriots können gleichzeitig McDaniels zum Chefcoach befördern um seinen drohenden Abgang nach Green Bay zu verhindern.

Völlig neben den Schuhen? Möglich. An John Dorseys Stelle würde ich alles unternehmen um die Sache durchzuziehen.

NFL Power Ranking 2018 - Woche 15

Und so liest sich das ganze: Die erste Sektion (WP | E16) beschreibt die Stärke der jeweiligen Mannschaft. WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16). Die zweite Sektion (SOS | Rs) beschreibt die Stärke des Schedules und die Platzierung des Schedules. OFF ist die Platzierung der Offense, DEF die Platzierung der Defense. Fett gedruckte Teams stehen schon in den Playoffs.

Hier noch einige erklärende Grafiken mit den Statistiken hinter dem Power-Ranking und weiteren Zahlen:

 

 

Wahrscheinlichkeiten für Woche 16

Letzte Woche erneut eine 9-7 Bilanz für das Power-Ranking. Damit ist die Saison-Quote auf 68% korrekte Tipps gesunken (98-47 Bilanz). Die Wahrscheinlichkeiten für die anstehende Woche der Wahrheit:

Wahrscheinlichkeiten für Woche 16.PNG

 

 

 

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7 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2018 – Woche 15

  1. Zu VJ Denver spielt die Nummer 4 Defense laut deinem Ranking, darauf zu vertrauen das sie Cleveland stoppt stoppt ist nicht so falsch. Und hat auch funktioniert.
    Danach hätte Denver nur ein weiteres FG gebraucht zum Gewinn, was in Denver aus ziemlich weiten Entfernungen geht.
    Ich sehe die Entscheidung nicht als so katastrophal an.

    Und 2 1st Runs Picks für BB würde ich nicht machen. Kommt mir nach zu viel Draftkapital Verschwendung vor.
    Die Browns haben den Vorteil das sie mit Kitchens ihren OC gefunden haben, man sollte Mayfield keinen 3 OC geben.
    Es sind also alle Coaches mit ST/D# Background eine Alternative für Cleveland, sofern sie mit Kitchens arbeiten wollen. Alle anderen werden eher nach einem Offensiven Coach suchen.
    Ich denke da an zB John Harbaugh.

  2. Beachtlich aus meiner Sicht: die Patriots rangieren in diesem Powerranking auf Platz 5… wenn ich mich richtig erinnere, waren sie selten höher gerankt in den letzten Jahren. Und trotzdem scheint dies, nicht nur nach dem Record betrachtet, eine der schlechteren Saisons dieses Teams zu sein… unabhängig davon: schon auch erstaunlich, welch Maßstäbe man an dieser Franchise inzwischen (zurecht?) anlegt: klar auf Playoff Kurs, Division so gut wie im Sack, im Rennen um den #2 Seed, an Position 5 in diesem Powerranking und alle schreiben über den Niedergang einer Dynastie. Und ja, auch als Fan, fühlt es sich tatsächlich nicht gänzlich falsch an, dass man heutzutage diese Schlagzeilen liest. Nebenbei bemerkt: als Laie hat man dieses Jahr zum ersten Mal auch wirklich den Eindruck, dass, vor allem in der Offense (die Defense gegen den Run ist zwar erschreckend schwach, aber Defense war jetzt nicht unbedingt die absolute Stärke der Pats in den letzten Jahren, und zumindest die Pass Defense sieht mir doch recht stabil aus), während dem Spiel kaum adjustments auf den Gegner positiv umgesetzt werden können…

  3. Es war ja auch schon einige Male Thema hier, wie Bill Belichick mit seinem Coaching die Ratings in diesem Power Ranking schlägt, zB. mit gutem 4. Down Coaching (wobei er darin eher konservativer wird) oder mehr Pass-Quoten als gewöhnliche Teams. New England schlägt seine Win Prognosis konstant um zirka 2 Siege pro Saison.

    2018 fühlt sich in der Tat anders an. Das liegt sicher v.a. an Brady der ungewöhnliche Fehler macht. Zusätzliche Schwierigkeit für die Pats: Josh Gordon zieht sich anscheinend sofort vom Football zurück.

  4. Würde Belichick nicht als reinen offense Coach einsortieren – würde mich nicht wundern, wenn er in Zukunft den Fokus auf Defense verlegt – antizyklisches arbeiten. Außerdem hatten die Pats in seiner Anfangszeit durchaus eine beachtliche Defense und auch die letzten Jahre immer wieder spannende Gameplans. Auch sind die pats durchaus Innovativ in der Defense, man denke an die Hybrid dline, in der two gap und ohne gap Control gemischt werden

  5. Mooooment: Belichick „reiner Offense-Coach“?

    Belichick ist der Defense-Mind schlechthin! Sein Defensive-Gameplan der Giants-Superbowl gegen Buffalo ist in der Hall of Fame, und er hat zahllose Defense-Innovationen in die NFL gebracht, die von Leuten wie Rex Ryan kopiert und verfeinert wurden.

    Belichick und Offense ist erst seit einem Jahrzehnt ein Thema, weil Belichick nach dem AFC-Finale 2006 erkannte, dass die NFL sich zur reinen Offense-Liga entwickelt. Also brachte er die Spread-Offense in die NFL.

  6. Ich habe nur Pats-Steelers in der vollen Länge gesehen, aber da war Brady beileibe nicht der einzige Patriot der unter seinem Niveau gespielt hat. Klar, ein paar Pässe waren off. Aber dafür waren andere Pässe sowas von präzise, dass man sich fragen muss, wie professionelle WR diese Bälle fallenlassen können.
    Vielleicht ist grad teamintern Sand im Getriebe, aber wenn es ein Team gibt, das daraus Energie zieht um in den Playoffs wieder voll da zu sein, dann die Pats.

  7. Ich würde Belichick für 2 First Rounder mit Kusshand nehmen! 🙂
    Vielleicht erkennt Belichick ja, dass er in New England an das Ende eines Zykluses kommt und wer weiß, wenn Bob Kraft von Tom Brady nicht loslassen kann und Bill seinen QB der Zukunft nicht draften kann, vielleicht erinnert sich Bill ja an den einzigen schwarzen Fleck in seiner legendären Trainerlaufbahn….

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