Bowl Season 2018/19 Preview: War Ed Oliver Erfolg oder Misserfolg?

(Update 12h45: Frage bzgl. Mike Norvell ist nun auch beantwortet.)


Guten Morgen. Wer die Vorschau auf die beiden NFL-Spiele sucht: Ich habe sie schon gestern online gestellt.

Der heutige Blogeintrag gehört wieder dem Kollegen Jan Weckwerth (@giannivanzetti / Triple Option Blog), der sich mit meinen Fragen bezüglich der heutigen Bowls im College Football beschäftigt.

Folgende Bowls stehen an:

  • 18h00 Birmingham Bowl: Wake Forest – Memphis
  • 21h30 Armed Forces Bowl: Army – Houston
  • 01h00 Dollar General Bowl: Troy – Buffalo
  • 04h30 Hawaii Bowl: Hawai’i – Louisiana Tech

Und nachfolgend das Interview.

Birmingham Bowl

Wake Forest – Memphis

#1 Wake Forest gegen Memphis ist ein Bowl-Spiel ohne Memphis-RB Darrell Henderson, der sich auf den Draft vorbereitet. Deine Meinung zu seinem Aussetzen? Hat Henderson 1st-Round Potenzial?

Jan Weckwerth: Ich kann Spieler, die auf ihre unbedeutenden Bowl Games verzichten, natürlich verstehen, wenngleich ich sie grundsätzlich gerne noch öfter oder länger im College gesehen hätte. Henderson lässt damit auch die Chance liegen, 2000 Rushing Yards in dieser Saison zu knacken.

Memphis wird im Laufspiel übrigens dennoch gut aufgestellt sein mit dem großen kräftigen Patrick Taylor und all-purpose RB/WR/RS Tony Pollard. Kein Mid-Major Team ist hier tiefer besetzt.

Running Backs sind meine Lieblingsposition in der Draftevaluation, doch habe ich mich noch nicht wirklich intensiv damit befasst. Von daher wage ich hier keine genauere Prognose. Henderson bringt auf jeden Fall ein sehr interessantes Skillset mit: kompakt gebaut mit niedrigem Schwerpunkt, guter Burst und vor allem eine hervorragende Kombination aus Contact Balance und Elusiveness mit starkem Footwork.

Je nach Leistung bei der Combine könnte er in einer RB Class ohne ganz großen Superstar noch ein wenig nach oben rutschen.

#1b Memphis-Coach Mike Norvell steht bei mir seit einigen Jahren auf der Short-List für einen Power-5 Job. Sein heutiger Counterpart Dave Clawson hat diesen Schritt bereits vor einigen Jahren gemacht – doch seine fünfjährige Amtszeit hat Clawson ein wenig entzaubert. Wie gut stehen die Chancen, dass Norvell in Bälde den Sprung in die Power-5 macht – und dass er erfolgreicher als Clawson sein wird?

Jan Weckwerth: Ich bin da ganz bei dir, Norvells Wechsel zu einem großen Programm ist eigentlich längst überfällig, obwohl er ja erst drei Jahre einen Head Coach-Posten innehat. Norvell ist ein extrem kreatives Offense Mind, der seine Spread-Philosophie jedoch nicht strikt durchzieht, sondern hervorragend an das vorhandene Talent des Rosters anpasst. Bei Memphis wird er für Mid-Major-Verhältnisse fürstlich entlohnt, weswegen er nicht jedes Angebot annehmen muss.

Ich schätze die Chancen hoch ein, dass Norvell in einem Power 5-Job mehr Erfolg haben wird als Dave Clawson aktuell. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass Clawson mit Wake Forest auch einen schwierigen Fall übernommen hat: Die Deacons sind historisch betrachtet das erfolgloseste Team der ACC und haben aufgrund der vergleichsweise hohen akademischen Anforderungen Nachteile im Recruiting.

Armed Forces Bowl

Houston – Army

#2 Der Superstar in der Armed Forces Bowl fehlt: Houstons DT Ed Oliver, der als 1st-Rounder gehandelt wird und das Verletzungsrisiko scheuend aussetzt. Inwieweit ist Olivers College-Karriere als Erfolg oder letztlich doch Misserfolg zu betrachten?

Jan Weckwerth: Ed Oliver kam seinerzeit mit riesigen Erwartungen nach Houston. Er war der erste 5-star Recruit, der sich jemals für eine Mid-Major-Uni entschied – und dann auch noch die seiner Heimatstadt. In den ersten beiden Saisons war er schlicht unblockbar und dominierte, wie man es selten zuvor von einem DT erlebt hatte. 2018 verlief sicherlich etwas weniger glamourös aufgrund der Verletzungen sowie einer beiderseitig unnötigen Auseinandersetzung mit HC Major Applewhite an der Sideline, weil er als Verletzter eine Teamjacke für aktive Spieler trug.

Seine Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache, und doch werden sie seinem Impact auf dem Spielfeld nicht einmal ansatzweise gerecht. Aus meiner Sicht muss seine College-Karriere daher als Erfolg gewertet werden. Enttäuschend ist sicherlich die Bilanz des Teams in diesen drei Jahren, gerade nachdem in der Saison vor der Ankunft von Oliver die AAC gewonnen und nur ein einziges Spiel verloren wurde. Aber letztlich kann ein einzelner DT – und sei er noch so gut – da halt weniger ausrichten als etwa ein QB.

#3 Auch kein QB D’Eriq King für Houston. Gibt es irgendwas, auf das man bei den Houston Cougars heute achten sollte?

Jan Weckwerth: Leider fällt King wegen eines Meniskusrisses weiter aus, doch können wir ihn ja immerhin noch nächste Saison bewundern. Die Cougars treten insgesamt ziemlich ausgedünnt an: CB Isaiah Johnson, meiner Ansicht nach ein sehr interessanter Sleeper-Kandidat, verzichtet ebenfalls wegen der Draft auf die Partie. Am ehesten achten würde ich auf OLB Austin Robinson, der seine Karriere als Quarterback bei San Antonio begann und bei den Cougars zu einem variabel einsetzbaren Linebacker umgeschult wurde, sowie auf das talentierte Receiving Corps um WR Marquez Stevenson.

#4 Zum Gegner Army: Deren Headcoach Jeff Monken ist nach dem Rücktritt von Paul Johnson der profilierteste Triple-Option Coach im College Football – doch der einzige potenzielle Power-5 Job Georgia Tech hat sich für eine Abkehr von der Triple Option entschieden. Ist für Monken damit das Ende der Karriereleiter erreicht – oder gibt es eine Chance, dass in naher Zukunft noch einmal ein Top-Job für einen Coach wie Monken aufgeht?

Jan Weckwerth: In Sachen profilierte Option Coaches sollte man trotz der schlechten Saison Navys HC Ken Niumatalolo nicht vergessen. Monken ist allerdings auch für mich der spannendere Kandidat, da er bei Army eine ziemlich variable Flexbone installiert hat (was sicherlich zum Teil mit seinem neuen QB Kelvin Hopkins zusammenhängt, der ein echter Option Wizard und kein reiner Runner ist).

Ob für Monken in Zukunft ein Power 5-Job möglich ist, vermag ich schwer zu beurteilen. Ich glaube, dass eine Option-Offense für kleinere Programme mit Nachteilen im Recruiting durchaus attraktiv wäre, insbesondere in einer ansonsten passlastigen Conference wie etwa der Big 12. Nur bedeutet ein solcher Schritt eben immer einen maximal großen Umbruch, vor dem viele Athletic Directors vielleicht zurückschrecken.

Dollar General Bowl

Troy – Buffalo

#5 Neal Brown von Troy ist einer der aufstrebenden Coaching-Sterne. Wie viele Dollars würdest du dagegen wetten, wenn ich behaupte, dass Brown in zwei Jahren in einer Power-5 Conference coacht?

Jan Weckwerth: Um auch mal eine kurze Antwort abzugeben: Nicht viele.

#6 Die Buffalo Bulls spielen mit QB Tyree Jackson eine der hübschesten Offenses im Lande. Wie viel Geld wären die NFL-Buffalo Bills bereit für einen Bills-Bulls Quarterback-Tausch zu zahlen?

Jan Weckwerth: So sehr ich die Skepsis bezüglich Josh Allen teile, glaube ich nicht, dass die Bills einen Tausch vornehmen würden, selbst wenn sie könnten. Ich mag Jackson als College-QB und habe mich über seine riesige Entwicklung in den letzten eineinhalb Saisons sehr gefreut. Sein deep Ball, gerade aus dem Lauf heraus, ist einer der besten des Landes. Leider hat er in anderen Bereichen noch einige gravierende Schwächen (insb. Footwork in der Pocket, Pocket Presence, Accuracy bei kürzeren Pässen), an denen er arbeiten muss. Ich würde ihm (ganz uneigennützig) dringend raten, sich auf College-Ebene noch eine Saison weiterzuentwickeln, glaube aber, dass er in den Draft gehen wird.

Hawai’i Bowl

Hawai’i – Louisiana Tech

#7 Der Hawaii-Bowl… früher Heiligabend-Nachtprogramm, jetzt auf den 22ten vorverlegt. Der Lackmus-Test für den College-Fan: Wie oft hast du an Heiligabend Hawaii-Bowl geschaut?

Jan Weckwerth: Die Anzahl kann ich nicht genau nennen, ist allerdings schon einige Male vorgekommen. Wenn ich ihn verpasst habe, lag das oft auch am wenig attraktiven Matchup. Letztlich finde ich doch fast jedes halbwegs relevante reguläre Saisonspiel spannender.

#8 Das Matchups lautet: Hawaii Warriors gegen Louisiana Tech Bulldogs. Hawaiis Run&Shoot Offense ist die Chance für den “Sack-Daddy” Jaylon Ferguson noch einmal zu glänzen. Ist Ferguson ein Draft-Prospect für die ersten Runden?

Jan Weckwerth: Zu genaueren Draftprognosen lasse ich mich wie gesagt aktuell noch nicht hinreißen. Zudem habe ich Ferguson diese Saison wenig verfolgt, meine Eindrücke von ihm stammen größtenteils aus 2017. Ferguson ist ein großer schwerer DE, der mehr mit Kraft und Handeinsatz als mit Speedrush gewinnt und nebenbei stark gegen den Lauf verteidigt.

Solche Spielertypen haben in den vergangenen Jahren ein wenig an Wert verloren und werden in den Scouting Reports meist als klassischer 4-3 LDE gelabelt. Wenn er nicht doch sehr athletisch testet, glaube ich eher nicht an eine der ersten beiden Runden – aber für solche Einschätzungen ist es letztlich noch zu früh.

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6 Kommentare zu “Bowl Season 2018/19 Preview: War Ed Oliver Erfolg oder Misserfolg?

  1. Sind in Amerika die Zuschauerzahlen der bisherigen Bowls Thema?
    Ich finde es erschreckend wie wenig (Frisco-Bowl 11k!) Zuschauer in den Bowls sind. Mir persönlich raubt das die Attraktivität.
    Das kann doch auch der NCAA nicht gefallen.

  2. Die Bowl-Zuschauerzahlen in den Stadien sind rückläufig, aber sie sind nicht das Thema. Bowl leben von TV-Geldern. ESPN zahlt die Zeche für den Sendeplatz in einer Zeit, in der es sonst nicht viel bringen kann.

    Für die Universitäten ist die TV-Präsenz wichtig. Kleine Unis wie North Texas kriegen 1.2 Mio TV-Zuschauer durch ihre Bowl, mehr als doppelt so viele wie im besten Regular Season Spiel.

    Dass die Stadien halbleer sind? Ist den Bowl-Veranstaltern wurscht, denn sie „zwangsverkaufen“ die Tickets an die Universitäten, die, wenn sie die Tickets nicht weiterverkaufen, auf den Kosten sitzen bleiben. Die Unis schlucken diese Verluste durch die TV-Präsenz.

    Dass das Gesamtprodukt ein halbgares ist, ist klar. Aber die kleinen Universitäten tun alles um die Aufmerksamkeit zu kriegen. Die Bowl-Veranstalter kassieren üppige Prämien. ESPN füllt Sendeplatz mit billigem Content.

  3. Pingback: Schüsselspiele / Schlüsselspieler III – Triple Option

  4. Pingback: Bowls am Stephanstag 2018/19 – Q&A | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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