Bowls am Stephanstag 2018/19 – Q&A

Weihnachten neigt sich dem Ende zu – für den College Football das Startsignal für größere Bowls. Wir richten den Blick also auf die heutigen Bowls, die bereits fünf Teams aus den Power-5 Conferences sehen – plus den ultimativen Mid Major, Boise State.

19h30  First Responder Bowl: #25 Boise State – Boston College
23h15  Quick Lane Bowl: Minnesota – Georgia Tech
03h00  Cheez-It Bowl: TCU – Cal

Die Antworten auf meine Fragen geben wie immer Christian Schimmel (@Chris5Sh) und Jan Weckwerth (@giannivanzetti / Triple Option Blog), der auf seinem Blog ebenso ausführliche Vorschautexte auf zu beachtende Schlüsselspieler schreibt.

#1 Zu Beginn der Bowl-Season Mitte Dezember. sehen wir einige neue, weil sehr kleine Colleges aus niedrigen Conferences. An Neujahr spielen dann die erfolgreichsten großen Teams. Dagegen sind die ersten Tage nach Weihnachten meistens eher die Auftritte enttäuschter Power-5 Teams. Wie motiviert bist du, Teams wie Minnesota, Cal oder Boston College zuzuschauen?

Christian Schimmel: Ich gebe zu, dass sich bei derartigen Bowls tatsächlich Zeit und Gelegenheit vereinen müssen, damit ich mir sie live, oder Re-live ansehe. Oft sind das Teams, die im Saisonverlauf unter dem Radar gelaufen sind und man sich freut, sie zumindest einmal zu sehen.

Bei Minnesota z.B. bin ich sehr gespannt, wie sich das Programm unter P.J. Fleck entwickeln wird, daher ist das schon interessant. Manchmal ist es auch ein Draftprospect, der einen interessiert. Trotzdem fallen für mich die Spiele in die Kategorie „nice to have“, aber eben auch kein Pflichtprogramm.

Jan Weckwerth: Hängt immer von den verfügbaren Alternativen ab. Grundsätzlich schaue ich eigentlich alle Bowls mit Big Ten-Beteiligung, und gerade Minnesota unter HC P.J. Fleck könnte in den kommenden Jahren durchaus überraschen. Mit WR Tyler Johnson und Edge Carter Coughlin haben die Gophers zwei unterschätzte Spieler in ihren Reihen – auch im Hinblick auf die Draft. Johnson bringt meiner Ansicht nach Anlagen für einen vielversprechenden Possession WR mit.

First Responder Bowl

#2 Eine eher nichtssagende First Responder Bowl: Boise State vs. Boston College. Es ist das Duell zweier enttäuschter Mannschaften. Boise verspielte zuhause das MWC-Finale gegen Fresno State, Boston College verlor die letzten drei Saisonspiele und stürzte auf 7-5 ab. Wie hoch ist die Gefahr, hier zwei lustlosen Mannschaften zuzuschauen?

Christian Schimmel: Die Chance ist schon gegeben, auch wenn man immerhin im Cotton Bowl spielt, ein Stadion mit reichlich Tradition. BC war am Saisonende dann doch nicht so gut wie sie, in einer zugegeben schwachen ACC, zwischenzeitlich aussahen.

Bei Boise State wird die Enttäuschung noch größer sein, da sie vor den Championship Games noch die Möglichkeit hatten, in einem großen Bowl (New Year’s Six) zu landen. Das Matchup der Broncos Offense gegen die BC Defense könnte dennoch unterhaltsam werden.

#3 Wie rosig sind die NFL-Aussichten für Boise-QB Rypien und Eagles-RB A.J. Dillon?

Jan Weckwerth: Wie immer unter Vorbehalt: Brett Rypien hat sich nach seiner etwas enttäuschenden Junior-Season 2018 deutlich gesteigert. Er bringt körperlich nicht die idealen Voraussetzungen für die NFL mit (etwas zu klein, etwas zu leicht, durchschnittlicher Arm), aber wirft einen technisch sauberen und meist akkuraten Ball, auch downfield. Rypien ist ein Baller, der ab und an zu leichtsinnig agiert, doch könnte er mit seinem Skillset in einer insgesamt wohl schwachen QB Class eventuell ein Day 2-Kandidat sein.

AJ Dillon ist true Sophomore, wird also mindestens noch eine weitere Saison am College bleiben. In der 2020er Draft dürfte ein solch athletischer Big Back mit gutem Speed und unterschätzter Elusiveness sicherlich Interesse in den ganz frühen Runden hervorrufen. Die übernächste RB Class schätze ich eh als echtes Highlight ein.

Quick Lane Bowl

#4 Mir blutet das Herz: Paul Johnson, der Flexbone-Triple Option Coach, steht heute zum letzten Mal an der Seitenlinie von Georgia Tech. Sein Nachfolger (Geoff Collins) wird konventionelle Offense spielen – ein Fehler? Wird mit Johnsons Abgang die Triple-Option als Base-Offense aus den höchsten Gefilden der Footballwelt verschwinden oder gibt es Aussichten, dass wir in den Power-5 Conferences noch einmal diese Offense sehen werden?

Christian Schimmel: Mir auch. Weil ich einfach glaube, dass man damit auch in einer Power 5 Erfolg haben kann, speziell bei Programmen, die innerhalb ihrer Conference große Probleme im Recruiting haben, Stichwort Kansas, Vanderbilt, Rutgers, Iowa State etc. Solche Programme. Von daher denke ich, dass auch die reine Option nach wie vor ihren Platz hat, auch, weil etliche Elemente aus dem modernen Football in NFL College nicht wegzudenken sind.

Jan Weckwerth: Geoff Collins ist ein guter Coach, und dennoch finde ich die Aufgabe der Flexbone natürlich sehr schade. Man muss jedoch anfügen, dass Georgia Tech in den vergangenen Jahren ein wenig stagnierte, auch weil es Johnson und seinem Coaching Staff zu selten gelang, in einer solch talentreichen Region gute Defenses zusammenzustellen.

Die Frage nach der Zukunft der Triple Option in Power 5-Conferences habe ich in der vergangenen Preview bereits beantwortet. Ich glaube nach wie vor, dass sich kleinere Programme damit einen Vorteil verschaffen könnten, doch geht damit letztlich immer ein radikaler Umbruch einher.

Cheez-It Bowl

#5 TCU ist mit 6-6 Bilanz eine der großen Enttäuschungen der Saison – dabei war man zu Beginn der Saison noch richtig akzeptabel unterwegs und gegen Ohio State sogar die spielbestimmende Mannschaft, verlor nur durch unnötige Eigenfehler. Was ging danach schief? Muss Gary Patterson umdenken und mehr Fokus auf Offense setzen?

Jan Weckwerth: TCU hat in der Tat eine ziemliche Seuchensaison hinter sich. Die Defense hielt sich von wenigen Spielen abgesehen relativ gut, aber in der Offense ging es Stück für Stück bergab.

Nicht alles davon ist Patterson anzulasten: Auf QB verletzte sich erst Starter Robinson, dann Backup Collins, so dass die Frogs in den letzten Spielen mit 5th year Senior Muehlstein auflaufen mussten, der vor dieser Saison noch keinen einzigen Pass geworfen hatte. Das Laufspiel kam schwer in Gang, dazu schlug die Suspendierung von WR/RS Turpin hohe Wellen. Am Ende bestand die Offense fast nur noch aus dem sehr talentierten WR Jalen Reagor.

Es wird nun darum gehen, die Saison anständig zu Ende zu bringen und im Anschluss kritisch aufzuarbeiten. Nichtsdestotrotz halte ich Patterson für den richtigen Mann, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen.

#6 Cal verbesserte sich in Jahr 2 von Headcoach Justin Wilcox von 5-7 auf 7-5. Zufriedenstellendes Jahr oder muss da mehr kommen? Woran liegt’s, dass die Offense nicht in die Gänge kommt?

Christian Schimmel: Es gab keine Konstanz auf Quarterback und von der Position hat die Mannschaft mit Spielern wie Jared Goff und Davis Webb die letzten Jahre gelebt. Dazu ist das Skill Corps zwar sehr erfahren, genügt aber mit Ausnahme Running Back Patrick Laird keinen höheren Ansprüchen.

Insofern bin ich zufrieden. Im Norden sind Stanford, Washington und Oregon einfach mindestens einen Schritt weiter. Wilcox ist auf einem guten Weg und die Umstellung der Offense weg von der Air Raid Ära unter Sonny Dikes benötigt einfach etwas Zeit.

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Ein Kommentar zu “Bowls am Stephanstag 2018/19 – Q&A

  1. Pingback: Schüsselspiele / Schlüsselspieler IV – Triple Option

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