Bowl Season 2018/19 Preview: Worin sind Miami und Wisconsin trotzdem grandios?

Die gestrige First Responder Bowl zwischen Boise State und Boston College musste wegen Tornadowarnung und Blitzgefahr erst unterbrochen, dann abgesagt werden. Die Bilder über der Cotton Bowl in Dallas ließen Weltuntergangsstimmung vermuten. Das Spiel wird nicht nachgeholt.

Die Bowl Season geht heute weiter mit drei Bowls – unter anderem dem Power-5 Duell zwischen den Miami Hurricanes und Wisconsin, die sich letztes Jahr noch in den „New Year’s Six“ gegenübergestanden waren.

  • 19h30  Independence Bowl: Temple – Duke
  • 23h15  Pinstripe Bowl: Miami/FL – Wisconsin
  • 03h00  Texas Bowl: Baylor – Vanderbilt

Die Antworten auf meine Fragen geben wie immer Christian Schimmel (@Chris5Sh) und Jan Weckwerth (@giannivanzetti / Triple Option Blog).

Independence Bowl

#1 Duke-QB Daniel Jones gilt in manchen Kreisen als 1st-Rounder, wenn er sich für die NFL entscheidet. Ich kannte den Namen bis eben nicht. Was habe ich übersehen?

Jan Weckwerth: Was du wohl vor allem übersehen hast, ist der kurzfristige Hype um einen College-Quarterback, wie er jedes Jahr mindestens eins-zwei Mal vorkommt – einfach, weil die Position nunmal so entscheidend ist für den Erfolg in der NFL. Jones ist dafür ein ziemlich klassischer Fall: idealtypische QB-Maße, hervorragende Armstärke und ziemlich mobil. Dazu wird er eben von Dukes HC David Cutcliffe trainiert, der als QB-Guru gilt (entwickelte im College unter anderem die beiden Mannings).

Doch zeigte Jones leider auch 2018 inkonstante Leistungen, insbesondere was Genauigkeit, Processing (Reads) und auch Pocket Presence angeht.

Jones hat definitiv einige sehr nette Tools, mit denen man arbeiten kann, für mich wäre er nach aktuellem Stand aber kein 1st Rounder. Was nicht heißen muss, dass er nicht doch in der Region gedraftet wird. Ein paar Ähnlichkeiten zu einem kürzlich in der ersten Runde gepickten Quarterback existieren zweifelsohne.

Pinstripe Bowl

#2 Das Duell der Versager: Miami/FL und Wisconsin, letztes Jahr noch Gegner in der wesentlich prestigeträchtigeren Orange Bowl, hatten sich wesentlich mehr ausgerechnet als ihre 7-5 Bilanzen und einen Trip ins Yankee Stadium. Warum ist die Saison für beide derart in die Binsen gegangen?

Christian Schimmel: Was Miami betrifft, muss man zunächst schon sagen, dass sie vor dieser Saison unglaublich viel Talent in die NFL verloren haben. Insgesamt sechs gedraftete Spieler, davon alleine aus der Defensive Line waren schon ein Substanzverlust. Richt rekrutiert zwar besser als sein Vorgänger, aber das Team konnte die Abgänge nicht kompensieren.

Dazu kommt teilweise unterirdisches Play auf Quarterback von Malik Rosier und später N’Kosi Perry. Trotz aller erklärbarer Umstände waren sie in der ACC eine wirkliche Enttäuschung.

Bei Wisconsin ist die Überraschung über die 7-5 Bilanz vermutlich noch größer. Die Niederlage gegen ein bestenfalls durchschnittliches BYU-Team Mitte September war rückwirkend schon Wegweiser für den weiteren Saisonverlauf. Speziell von der sehr erfahrenen und eingespielten Offense hätte in den Spielen gegen die guten Gegner deutlich mehr kommen müssen.

Jan Weckwerth: Zu den Gründen für Wisconsins enttäuschender Saison habe ich schon einmal ausführlicher Stellung genommen. In kurz: Das Passspiel als Ergänzung des dominanten Laufspiels litt unter wechselhaftem QB Play (und später auch Verletzungen). Die größere Überraschung war für mich jedoch der Leistungsabfall der Defense. Vom NT und den ILBs abgesehen verkauften sich alle Units unter Wert. Insbesondere konnten die Badgers die Abgänge in der Secondary nie ersetzen.

Bei Miami war die Diskrepanz zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen beinahe noch gravierender. Die unterirdischen Vorstellungen der QBs Rosier und Perry legten die Offense komplett lahm, hinzu kam das verletzungsbedingte Karriereende von Top-WR Richards. Die Defense spielte auf hohem Niveau, konnte die Fehler der Offense jedoch nicht dauerhaft ausbügeln. Die Passverteidigung gehört zu den besten des Landes, sowohl was den Passrush als auch die Coverage angeht. Hier tummeln sich eine Menge ausgesprochen spannender Prospects für die NFL.

Grundsätzlich finde ich es immer ein wenig schade, wenn wirklich überragende Leistungen (in diesem Fall: Wisconsins Running Game, Miamis Pass Defense) aufgrund anderweitiger Defizite derart untergehen.

#3 Für Mark Richt steht der Durchbruch bei Miami auch nach dem dritten Jahr noch aus. Was fehlt, dass Richt nicht mehr an seine Erfolge bei Georgia anknüpfen kann, obwohl er zahlreiche NFL-Prospects vor allem in der Defense ausbildet?

Christian Schimmel: Es ist eine Frage des Anspruchs – und Richt galt bei Georgia als der Unvollendete, auch wenn er sehr regelmäßig zehn Spiele und mehr gewinnen konnte. Miami ist von der großen sportlichen Landkarte seit Anfang der Zweitausender verschwunden.

Die Jahre nach Larry Coker waren geprägt Mittelmäßigkeit auf gutem Niveau, aber eben nicht mehr. In den AP Polls waren sie zwischen Coker und Richt genau einmal am Ende der Saison in den AP Top 25 vertreten, 2009 als #19.

Insofern waren die ersten beiden Jahre schon ein gewaltiger Erfolg und ich denke Richt wird, auch weil er gut rekrutieren kann, Miami wieder in die sportliche Relevanz führen. Ob sie in der ACC auf Dauer Clemson und Florida State angreifen können, bleibt eine spannende Frage.

#4 Welche Offense Line Hünen schickt Wisconsin diesmal in den NFL Draft?

Jan Weckwerth: Ich stehe damit möglicherweise alleine da, doch glaube ich, dass diese O-Line zumindest in Sachen Runblock die beste Unit ist, die Wisconsin in den letzten Jahrzehnten aufgeboten hat. Natürlich profitierte man von Star-RB Jonathan Taylor, aber auch die Yards pro Lauf-Werte der Backups geben darüber Aufschluss, wie exzellent da durchgängig geblockt wurde – und das quasi ohne Entlastung durchs Passspiel.

Vier O-Liner sind sichere Draftpicks, nur der etatmäßige LT wurde von einem talentierteren Underclassman verdrängt. Vor der Saison galten die beiden OGs Deiter und Benzschawel als die besten Prospects, mittlerweile würde ich RT Edwards und insbesondere C Biadasz noch ein wenig höher einordnen. Aber hier steht eine genaue Evaluation natürlich noch aus.

Texas Bowl

#5 Baylor gegen Vanderbilt, 6-6 gegen 6-6. Kannst du mir Gründe dafür liefern, dass Baylor-Coach Matt Rhule immer wieder als prädestiniert für höhere Aufgaben genannt wird?

Christian Schimmel: Ich gebe zu, dass es schwer fällt für das Programm große Sympathien zu finden, auch wenn ich überrascht bin, dass Ex Head Coach Art Briles so verbrannt war, dass er 2019 nun in Italien zusammen mit Ex Baylor und GFL Running Back Silas Nacita (Marburg, Frankfurt) bei den Guelfi Firenze in Italien agieren wird.

Ich glaube kaum, dass es schwierigere Startbedingungen für einen Head Coach vorfinden kann, als Rhule bei Baylor. Das Programm ist nach dem erwartbaren Exodus der Spieler 2017 wieder relevant und früher in einem Bowl Spiel, als ich es vermutet hätte. Rhule macht auf mich tatsächlich den Eindruck, als wenn er mit seiner Persönlichkeit genau im richtigen Job ist.

Die BIG12 war 2018 keine einfachere Conference und die Ergebnisse gegen Texas und Oklahoma State zeigen, wie nah er diesen Teams schon gekommen ist. Unter den Voraussetzungen hat er einen tollen Job gemacht und wird trotz seines langfristigen Vertrages ein heißer Name im Coaching Karussell bleiben

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3 Kommentare zu “Bowl Season 2018/19 Preview: Worin sind Miami und Wisconsin trotzdem grandios?

  1. Pingback: Schüsselspiele / Schlüsselspieler V – Triple Option

  2. Und damit haben wir unseren QB bei dem alle sagen werden „er ist vom Talent her kein 1st Rounder aber weil er ein QB ist, wird er dort gedraftet.“

    Daniel Jones.

  3. Verblüffende Entwicklung bei den Miami Hurricanes: Mark Richt hat seinen Rücktritt eingereicht. Nachfolger wird der bisherige DefCoord Manny Diaz, der eigentlich schon bei Temple als neuer Headcoach unterschrieben hatte:

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