Silvestervorschau 2018

Letzter Tag des Jahres 2018. Ein gutes Jahr, was den US-Football anging. Heute ist neben dem College Football der Fokus vor allem auf den „Black Monday“ in der NFL gerichtet: Mehrere Head Coaches werden ihren Job verlieren.

Auf dem Feld gehört der Tag natürlich dem College Football: Nach dem doch sehr erwartungskonform verlaufenen Playoff-Halbfinale am Samstag gibt es heute wieder sechs Bowls im Freundschaftsspiel-Modus.

  • 18h00  Military Bowl: Virginia Tech – Cincinnati
  • 20h00  Sun Bowl: Pitt – Stanford
  • 21h00  Redbox Bowl: Oregon – Michigan State
  • 21h45  Liberty Bowl: Oklahoma State – #23 Mizzou
  • 01h00  Holiday Bowl: #17 Utah – #22 Northwestern
  • 01h30  Gator Bowl: #19 Texas A&M – NC State

Antworten auf meine Fragen liefern wie immer Christian Schimmel (@Chris5Sh) und Jan Weckwerth (@giannivanzetti / Triple Option Blog).

Redbox Bowl

#1 Oregon gegen Michigan State – das beste heutige Duell leider nicht im ESPN Player zu sehen. Aber lass uns trotzdem kurz über Oregon sprechen: Was war im Jahr 1 von Mario Cristobal noch von der alten Chip-Kelly Oregon-Offense zu sehen?

Jan Weckwerth: Cristobal hat zwar ein paar Grundprinzipien übernommen, wie etwa den Fokus auf Inside Zone Running, ansonsten aber die Ausrichtung der Offense ein wenig modifiziert. Während Kelly seinen kleinen schnellen Skillplayern den Ball schnell in Space zukommen lassen wollte, hat Cristobal mehr vertikale Elemente implementiert.

Die Offense ist vielleicht nicht mehr ganz so schnell (sowohl was die einzelnen Spieler als auch das hurry-up angeht), verfügt dafür über etwas mehr Size und Physis. Ganz über den Haufen geworfen hat er Kellys Ansätze allerdings nicht.

#2 QB Justin Herbert soll angeblich trotz Schulterverletzung heute spielen. Ein Zeichen dafür, dass er nächstes Jahr noch am College bleibt? Geht dem NFL-Draft 2019 damit der mutmaßlich beste QB des Jahrgangs verloren? (NB: Herbert hat seit der Fragestellung seinen Verbleib am College für 2019 bestätigt)

Jan Weckwerth: Justin Herbert hat ja mittlerweile bekannt gegeben, nach Eugene zurückzukehren, unter anderem, weil er dadurch 2019 mit seinem Bruder Patrick (einem Tight End-Recruit der Ducks) zusammenspielen kann. Herbert wäre in dieser insgesamt schwachen QB Class mit großer Wahrscheinlichkeit ein früher Erstrundenpick geworden und hätte wohl mit Ohio States Dwayne Haskins (sollte der declaren) darum konkurriert, wer als erster Quarterback gepickt worden wäre. Seine Entscheidung ist sicherlich risikoreich, macht Oregon aber instantan zu einem Favoriten in der Pac-12 – auch weil HC Cristobal weiterhin seinem Ruf als hervorragender Recruiter gerecht wird. Für Talent ist jedenfalls reichlich gesorgt.

Liberty Bowl

#3 Mizzou-QB Drew Lock: Ich höre keine Lobeshymnen ob seiner Draft-Aussicht mehr. Was ist passiert?

Christian Schimmel: Aktuell ist er definitiv in der Debatte für Runde eins, aber der Draftprozess ist och so lange, dass da noch sehr, sehr viel passieren kann. Drew Lock wird eine harte Evaluation werden. Für die NFL Teams genauso, wie für die Medien und den Draftnerd an sich.

Vermutlich würde er von Bil Parcells gedrafted werden, denn er erfüllt sechs seiner sieben Kriterien, lediglich die komplettierten Pässe liegen mit eine Karriereschnitt von 56,8% liegen unter den geforderten 60%. Immerhin liegt er in seinem Senior klar darüber und er hat sich in jedem Jahr um mindestens drei Prozent gesteigert, was für eine Entwicklung spricht.

 Lock hat eine gute Release und kann das komplette Feld attackieren. Seine Maße sind in Ordnung, daran wird ein abrutschen nicht scheitern. Die Frage ist, wie konstant trifft er seinen zweiten Read und wie sehr überdeckt die Missouri Spread etwaige Schwächen. Gegen die Schwache Cowboys Defense sollte er sich jedoch noch einmal gut auszeichnen können.

#4 Oklahoma State, ewiger Underachiever: 2018 verpasste man wieder den Sprung zum Big-12 Titel. Trotzdem sägt niemand ernsthaft an Mike Gundys Stuhl – zurecht?

Christian Schimmel: Es ging zuletzt sogar eher in eine andere Richtung, dass Gundy mit einigen Jobs, die vom Renommee über dem von Oklahoma State in Verbindung gebracht wurde.

Ich weiß auch nicht, ob ich bei Gundy von einem Underarchiever reden würde. Oklahoma State ist in der BIG12 maximal die klar dritte Geige hinter Texas und Oklahoma. Die Verfolger wechseln, jedoch gibt es dort West Virginia, TCU, Baylor und seit neuestem Iowa State harte Konkurrenz. Dazu kommt, dass die Cowboys historisch gesehen alles andere als ein Powerhouse sind und in den 90ern genau ein Bowl Spiel erreicht haben.

Erst unter Les Miles und Gundy haben sie recht konstant gewonnen und der 2011er Saison als Höhepunkt. Gundy wird seinen Stiefel nicht ändern, seine Offenses werden weiter produzieren und in einem guten Jahr kann mach auch mal um den BIG12 Titel mitspielen.

Holiday Bowl

#5 Utah gegen Northwestern, zwei Power-5 Durchschnittstrupps mit durchaus passablen Saisons. Bei beiden fällt auf, dass ihre Coaching-Staffs seit vielen Jahren stabil bleiben. Beide haben nicht die Ressourcen, dauerhaft ganz oben mitzuspielen – also lautet meine Frage: Wie lange können sie mit dem aktuellen Mannschaftskern in ihren Conferences wettbewerbsfähig bleiben?

Jan Weckwerth: Ganz einfach: Solange Kyle Whittingham (Utah) und Pat Fitzgerald (Northwestern) an der Seitenlinie stehen. Beide Coaches holen aus ihren nicht übermäßig von Talent gesegneten Teams extrem viel raus. Selbst Verletzungen der Schlüsselspieler (NW: RB Larkin, Utah: QB Huntley, RB Moss) führen nicht dazu, dass die Mannschaften auseinanderbrechen. Fitzgerald halte ich nicht einmal für einen besonders guten in-game Coach, doch ist er in Sachen Teambuilding, Talententwicklung und Scheming ganz weit oben einzuordnen.

Ich gehe davon aus, dass Utah und Northwestern in den nächsten Jahren wettbewerbsfähig bleiben und in Schwächephasen der größeren Programme durchaus erneut ihre jeweiligen Championship Games erreichen könnten. Bei den Wildcats bin ich besonders gespannt, da sie sich mit Clemson-Transfer (und ehemaligem 5-star Recruit) Hunter Johnson ein riesiges QB-Talent geangelt haben, das normalerweise weit außerhalb ihrer Reichweite läge.

Gator Bowl

#6 Jimbo Fishers Debütsaison bei Texas A&M – erwartungskonform oder eine Enttäuschung? Wo muss Fisher als nächstes ansetzen um am schnellsten zu Alabama aufzuschließen?

Christian Schimmel: Wenn A&M das Bowl Spiel gewinnt, stehen sie bei neun Siegen, eine Zahl, die das letzte Mal 2011 erreicht worden ist und das mit Partien gegen Alabama, Clemson und LSU. Von daher ist die Saison positiv zu werten zumal man die Niederlage gegen Clemson als äußert unglücklich bewerten muss.

Fisher macht nun das, was er bei Florida State schon gemacht hat. Er rekrutiert. Aktuell liegt er nach der Early Signing Period laut den Rankings von 247 mit seinem Programm auf Rang drei, mit OT Kenyon Green und DT DeMarvin Leal haben auch schon zwei 5 Star Recruits unterschrieben.

Wenn eines eine Jahr Zahl gibt, die den Erfolg von College Mannschaften ansatzweise vorhersagen kann, dann sind es die Recruiting Rankings und Fisher hat bei Florida State gezeigt, dass er das kann, insofern scheint er prädestiniert für die Aufgabe in Texas, dass mit die meisten Topspieler im College Football hervorbringt.

Sportlich sollte er sich von Programmen wie Alabama, LSU und Georgia abgrenzen. Das A&M in den guten Jahren unter Sumlin immer für Geschwindigkeit stand. Du wirst Alabama nicht mit Alabama Methoden schlagen, aber wenn Fisher auf Athletik, Speed und eine etwas offenere Offense setzt, dann sollte er in College Station Erfolg haben.

Jan WeckwerthFisher hat ein fremdes Roster übernommen und zu acht Siegen geführt. Zwei der vier Niederlagen gab es gegen die beiden Finalteilnehmer Alabama und Clemson, und das Spiel gegen die Tigers wurde lediglich mit zwei Punkten Differenz verloren. Von daher würde ich keinesfalls von einer enttäuschenden Debütsaison sprechen. Vielmehr ist der Grundstein gelegt.

Zu Alabama aufschließen wird allerdings unfassbar schwer, schließlich reden wir hier von einer der dominantesten Dynastien der College Football-Historie. Fisher setzt zumindest genau an der richtigen Stelle an, nämlich der Talentdifferenz. Seine 2019er Recruiting Class ist aktuell landesweit an #3 gerankt (hinter Alabama und Georgia). Wenn es ihm gelingt, dieses enorme Potenzial in den kommenden Jahren auf den Rasen zu bringen – wer weiß…


Und damit: Guten Rutsch. Macht keine Blödsinne und schaut, dass ihr euch keine wertvolleren Extremitäten runtersprengt.

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2 Kommentare zu “Silvestervorschau 2018

  1. Fitzgerald soll ja nun bei Green Bay als neuer HC im Gespräch sein. Ist das mehr als ein Smokescreen? Wenn ich das richtig verstanden habe, war Fitzgerald schon ein Spieler bei NW, dann zum HC aufgestiegen, ein echtes Urgestein.

    Das klingt für mich nach einem sehr großen Sprung von einem mittelmäßigen College Team zu den PACKERS.

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