Neujahrs-Vorschau 2019

Prost Neujahr.

Heutiger Spieltag mit fünf großen Bowls, darunter drei Bowls der Serie „New Year’s Six“ mit Fiesta Bowl, Rose Bowl und Sugar Bowl:

  • 18h00  Outback Bowl: Iowa – #18 Mississippi State
  • 19h00  Fiesta Bowl: #8 UCF – #11 LSU
  • 19h00  Citrus Bowl: #12 Penn State – #14 Kentucky
  • 23h00  Rose Bowl: #6 Ohio State – #9 Washington
  • 02h45  Sugar Bowl: #5 Georgia – #15 Texas

Experten für die Antworten auf meine Fragen sind auch im neuen Jahr wie immer Christian Schimmel (@Chris5Sh) und Jan Weckwerth (@giannivanzetti / Triple Option Blog).


#1 Neujahrstag ist seit einigen Jahren der Abschluss der Bowl-Season, nach dem nur noch das College Football Finale (kommenden Montag) kommt die „auf dem Höhepunkt hören wir auf“ Strategie – eine gute Entscheidung der Verantwortlichen?

Christian Schimmel: Jeder Sport tut daran gut einen Tag im Kalender zu haben, den jeder der sich für Sport interessiert mit ihm in Verbindung bringt. Die NFL hat Thanksgiving, die NBA die Weihnachtsspiele etc. College Football hat vor allem die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr und zudem den Vorteil, dass es dort an den Spieltagen keine herausragende Konkurrenz gibt. Insofern macht der Termin schon Sinn und ich denke die Verantwortlichen haben wenig Grund an diesem Datum zu rütteln.

Jan Weckwerth: Prinzipiell finde ich die Terminierung so okay. Wenn es nach mir ginge, sollten allerdings die Halbfinals und der Rose Bowl (solange der nicht selbst eines der Halbfinals ist) immer an Neujahr ausgerichtet werden.

Outback Bowl

#2 Mississippi State – nie in der Football-Elite, aber scheinbar immer an Silvester oder Neujahr mit von der Partie: Das unterschätzteste Programm im College Football?

Christian Schimmel: Sicherlich eines der Programme, dass man in dem Zusammenhang nennen muss. Man spielt in der schwersten Division und hat mit Ole Miss einen Erzrivalen, der einiges an Tradition mitbringt. Mississippi State hat unter Dan Mullen eine bemerkenswerte Nische gefunden und nun mit Joe Morehead einen vielversprechenden Nachfolger verpflichtet. Es ist in der SEC West ohnehin nicht leicht zu gewinnen, vor allem als Programm was in der Hierarchie nicht zu en Topadressen gehört. Morehead hat als Coach überall wo er war überzeugt, insofern darf man sehr gespannt sein, wohin er die Bulldogs in den kommenden Jahren führen wird.

Fiesta Bowl

#3 Wird LSU motiviert genug antreten um die UCF Knights an einer zweiten Perfect-Season en suite hindern zu können?

Christian Schimmel: LSU Head Coach Es Orgeron gilt ja gemeinhin als hervorragender Motivator und ich bin sicher, dass es viele bei LSU und auch innerhalb der SEC, es dem kleinen UCF gerne mal so richtig zeigen würden. Klar ist auch, dass Knights kein Team mit auch nur annähender Kragenweiter wie die Tigers gespielt haben. Die Offense von LSU macht allerdings auch niemandem Angst und wenn UCF in der Lage ist gegen die starke Defense Punkte aufs Board zu bringen, haben sie definitiv eine Chance auf den Sieg.

#4 Provokative Frage: Hat die nahtlose Fortführung des UCF-Märchens unter Josh Heupel den ex-Coach Scott Frost (jetzt Nebraska) entzaubert? Wie viele Steine wirfst du mir für diese Frage entgegen?

Jan Weckwerth: Eine ganze Menge Steine! Frost hat in zwei Jahren aus einem 0-12 Team umgekrempelt und zu einer ungeschlagenen Saison geführt. Das kann man gar nicht hoch genug bewerten und im Nachhinein auch nicht diskreditieren.

Dennoch gebührt Heupel für diese Saison jede Menge Respekt. Er hat der Versuchung widerstanden, das Team komplett nach seinen Vorstellungen umzukrempeln (ein Fehler, den insbesondere viele junge Head Coaches begehen), sondern drehte lediglich an einigen Stellschrauben. Die Ausrichtung der Offense blieb unter Heupel ähnlich. Seine Hurry-up Offense war allerdings noch einmal schneller als die von Frost, was eigentlich kaum vorstellbar ist.

Citrus Bowl

#5 Penn State gegen Kentucky – das beste Duell außerhalb der „New Year’s Six“?

Jan Weckwerth: Dem würde ich zustimmen. Leider findet das Spiel zeitgleich mit dem Fiesta Bowl zwischen LSU und UCF statt.

Entgegen des aktuellen Trends hat übrigens bisher kein Spieler auf beiden Seiten bekannt gegeben, freiwillig auf den Bowl verzichten zu wollen. Wir werden also alle Stars im Einsatz erleben. Mein besonderes Augenmerk wird auf dem Passrush liegen: Kentuckys Josh Allen gehörte in der abgelaufenen Saison zu einem der drei besten Defender des Landes und kann in der Draft auf einen sehr hohen Pick hoffen. Penn State hat neben dem erfahrenen Shareef Miller zwei hochtalentierte junge DEs mit Yetur Gross-Matos und Shaka Toney. Ich glaube, dass sich gerade Gross-Matos im kommenden Jahr zu einem der besten Verteidiger der Big Ten entwickeln wird.

Und auch wenn diese Saison im Passing etwas unspektakulärer verlief, freue ich mich auf das letzte College-Spiel von Lions QB Trace McSorley, der wohl alle Fans des Sports in den vergangenen Jahren begeistert hat.

Rose Bowl

#6 Urban Meyer gegen Chris Petersen. Wer ist für dich der bessere Head Coach?

Jan Weckwerth: So leid es mir für den Betreiber dieses Blogs tut und so wenig ich mit Meyer persönlich anfangen kann, fällt meine Wahl dennoch auf den Ohio State Coach. Meyer hat den College Football mit seiner Variante der Spread-Offense revolutioniert und hatte ausnahmslos an jeder seiner Trainerstationen großen Erfolg: Bei Bowling Green gelang ihm ein sofortiger Umschwung im ersten Jahr (sowie das erste Top 25-Ranking der Falcons seit knapp 20 Jahren), mit Utah – damals noch Mid-Major – ging er ungeschlagen durch die Saison (inklusive eines Blowouts gegen Big East-Champion Pitt im Fiesta Bowl), mit Florida holte er zwei National Championships und machte Tim Tebow zu einem Superstar, bei Ohio State gewann er mit 3rd string QB Cardale Jones seine dritte Meisterschaft. Meyer ist ohne Zweifel eine Legende, seine Winning Percentage von über 85% stellt sogar die von Nick Saban deutlich in den Schatten.

Nicht falsch verstehen, Petersen ist ohne Frage ein exzellenter Coach und seine Jahre bei Boise State sind wohl die erfolgreichsten eines Mid-Majors aller Zeiten, aber zu Meyer fehlt jedem (außer Saban) noch eine Ecke. Die menschlichen Defizite von Meyer stehen wiederum auf einem anderen Blatt.

#7 Meyer tritt nach dem heutigen Spiel zurück. Werden wir ihn noch einmal in Cheftrainerposition sehen – und wenn nein, was wird sein Vermächtnis sein?

Christian Schimmel: An dieser Stelle könnte vermutlich ein längerer Aufsatz stehen, denn zu viel gäbe es zu Urban Meyer und seinem nun angekündigten Rückzug zu schreiben. Zunächst gilt der alte Spruch „Coaches coach“. So sehr Meyer auch die TV Übertragungen bereichern wird, so sehr bin ich mir sicher, dass er, wenn er sich gesundheitlich wieder gut fühlt nochmal coachen wird. Die Frage ist, ob dies Head Coach sein wird, oder ob er gar in einer Rolle als Athletic Director wieder auf die Bühne kommt.

Sein Vermächtnis sind in aller erster Linie Titel. Das ist der Maßstab des Erfolges im Leistungssport und nichts anderes ist College Football. Schaut man sich die Entwicklung bei Florida nach seinem Abgang an wird deutlich, wie groß die Leistung war. Auch bei Ohio State hat er diesen geholt, zudem wird seine Bilanz gegen Michigan sicherlich in Erinnerung bleiben. Es ist unglaublich schwer, selbst bei einen True Blueblood wie Ohio State, permanent zu gewinnen und ganz nebenbei massig Spieler in die NFL zu bringen. Sportlich, auch im schematischen Sinne, ist Meyer einer der ganz Großen.

Aber es wäre in der Tat sehr verkürzt nur auf das Sportliche zu schauen. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, inwiefern er das in die Bewertung nimmt, ausblenden kann und sollte man es meiner Meinung nach jedoch nicht. Meyer hat bei Florida Spieler um jeden Preis im Team gehalten, so lange sie einen sportlichen Wert hatten. Vergehen wurden verdeckt, oder wenn überhaupt nur minimal sanktioniert. In letzter Konsequenz spielte es für ihn keine Rolle und das ist eine Sache, die er sich vorwerfen lassen muss. Das bei Ohio State nun ähnliche Probleme gab, dürfte niemanden überraschen. Sofern die Ergebnisse der Ermittlungen der Wahrheit entsprechen und Meyer tatsächlich über Jahre wusste, dass er einen Coach in seinem Stab hat, der seine Frau regelmäßig schlug, wirft das ein extrem schlechtes Licht auf ihn.

Meyer wollte gewinnen und hat gewonnen. Die Frage, ob sein Verhalten als Head Coach notwendig war um zu Siegen und ob das es Siegen am Ende wert war, wird sich Meyer wohl nur selbst beantworten können.

#8 Ohio State tritt heute mit QB Dwayne Haskins an. Ich träume davon, dass ihn die Detroit Lions im kommenden NFL-Draft in den Top-10 ziehen werden. Doch ist Haskins überhaupt schon bereit für die NFL?

Jan Weckwerth: Ich bin bei redshirt Sophomore-Quarterbacks, die dazu nur ein einziges Jahr Starter im College waren, in der Regel eher skeptisch. Haskins ist die große Ausnahme. Seine Würfe wirken sehr natürlich, über die Mitte ist er extrem akkurat, zudem hat er sich in einigen kritischen Bereichen im Laufe der Saison deutlich verbessert, insbesondere Verhalten bei Pressure und downfield (Touch) Throws.

An seinen Mechanics muss sicherlich noch ein wenig gearbeitet werden, aber er bringt wirklich alle Tools für einen erfolgreichen Starter in der NFL mit. Möglicherweise wird er eine gewisse Anpassungszeit von Meyers Spread an eine NFL-Offense benötigen, doch wird er in einer schwachen QB Class sehr gefragt sein. Ob nun ausgerechnet die Lions Stafford für ihn absägen, wirst du besser beurteilen können. Draft Pick #8 könnte dafür allerdings eh schon zu spät sein.

#9 Washington 2018/19 – eine krasse Enttäuschung. Warum bekommt Chris Petersen seine Offense nicht mehr in Schwung?

Jan Weckwerth: Ich mache es ungern an einem Spieler fest, aber die offensiven Probleme haben schon zu einem großen Teil mit QB Jake Browning zu tun, der nach seiner hervorragenden Sophomore-Saison 2016 ziemliche Rückschritte gemacht hat. Dazu kamen sicherlich auch ein wenig prominentes Receiving Corps sowie Verletzungen in der O-Line. Schade, dass der tolle Laufangriff um Myles Gaskin und Salvon Ahmed dadurch überhaupt keine Unterstützung erhielt.

Ich bin sehr gespannt auf nächstes Jahr, wenn Petersen mit dem Georgia-Transfer (und ehemaligen 5-star Recruit) QB Jacob Eason arbeiten kann, der seinen Starterposten bei den Bulldogs ja zunächst nur wegen einer Verletzung an Jake Fromm verloren hatte. Eason verfügt im Gegensatz zu Browning über einen extrem starken Arm, mit ihm sollte die Offense wieder wesentlich explosiver ausgerichtet werden.

Sugar Bowl

#10 Georgia gegen Texas: Wie hoch ist die Gefahr eines Blowouts?

Christian Schimmel: Hoffen wir mal im Sinne des Spiels, dass die Defense der Longhorns einen guten Tag erwischt, sonst könnte das in der Tat eine sehr lange Partie für Texas werden. Georgias massierte Offensive Line sollte dabei die größte Herausforderung darstellen, selbst Alabama hatte damit über 2 ½ Viertel massive Probleme. In der Offense gilt es vor allem darum, das Big Play Potential von Receiver Lil‘ Jordan Humphrey zu nutzen. Georgia ist allerdings nicht ohne Grund der große Favorit in diesem Spiel.

Jan Weckwerth: Ich tue mich bei Bowl-Prognosen wahnsinnig schwer, weil so viel mehr als in der regulären Saison hier die Motivation (sowohl der Coaches als auch der Spieler) den Ausschlag gibt. Nicht ganz umsonst weisen einige Coaches durchgängig eine hervorragende Bowl-Bilanz auf, egal wie erfolgreich die Saison zuvor im Einzelnen verlaufen ist.

Wenn Georgia mit Wut im Bauch antritt und der Footballwelt noch einmal nachdrücklich beweisen will, dass die Bulldogs ein verdienterer Halbfinalist gewesen wären als Notre Dame und Oklahoma, könnte es in der Tat recht deutlich werden. Aber eigentlich schätze ich die Defense von DC Todd Orlando nicht so ein, als ob sie hier mit angezogener Handbremse auftreten wird. tztlich hat nämlich auch Texas zu beweisen, dass sie zurecht in einem New Year’s Six Bowl stehen, da die Longhorns nur wegen des Big 12-Tie Ins (und nicht wegen ihres Rankings) in den Sugar Bowl gerutscht sind.

#11 Wir müssen uns keine Sorgen um Georgia machen, die auch nächstes Jahr unter den Top-Teams im Lande bleiben werden. Aber was ist mit Texas, die 2018 leise Ansprüche auf eine Rückkehr in die Elite des College Footballs angemeldet haben? Sind die Fortschritte unter Tom Herman groß genug, dass Texas schon 2019 einen wirklichen Playoff-Angriff unternehmen kann?

Christian Schimmel: Er ist auf einem guten Weg mit der Mannschaft, so viel scheint klar zu sein. Der Weg nach ganz oben ist mitunter sehr lange, vor allem da die Longhorns mit Oklahoma noch ein massives Programm in der eigenen Conference vor der Nase haben. Aber wenn Herman gewinnt, wird er auch recruiten können. Noch hat er längst noch nicht alle Spielertypen, die er für seine Offense braucht, entsprechend ist sie auch noch lange nicht da, wo er sie haben möchte. Die Defense ist schon auf einem sehr guten Weg und ließ nur in zwei Spielen mehr als 40 punkte zu. Die Chancen stehen gut, dass die Longhorns eher früher als später auf die große College Football Bühne zurückkehren.

#12 Schließlich und endlich: Welche sind die Spieler mit der besten Profi-Aussicht in dieser Sugar Bowl?

Jan Weckwerth: Ich beschränke mich auf Spieler, die erstens im Sugar Bowl auflaufen werden und zweitens für die kommende Draft in Frage kommen. Bei Texas wären dies in der Offense die beiden großen physischen Receiver Collin Johnson und Lil’Jordan Humphrey, in der Defense der unterschätzte (weil oftmals inside aufgestellte) DE Charles Omenihu und der aggressive CB Kris Boyd, der allerdings eine schwächere Saison spielte. Persönlich gefallen noch mir der S Brandon Jones und der LB Gary Johnson, gerade bei letzterem ist die Projectability für die NFL jedoch etwas fraglich.

Georgia hat ein recht junges Team, so dass einige Stars sich frühestens nächstes Jahr für die Draft melden können. 2019 haben von der Offense RB Elijah Holyfield (der Sohn von Evander Holyfield, ein unfassbar muskulöser Typ) und WR Riley Ridley (der Bruder von Alabama WR Calvin Ridley) wohl die besten Aussichten. Ich schätze zudem den Bulldogs C Lamont Gaillard sehr, der bei den Pros eventuell überraschen könnte. In der Defense sind die besten Kandidaten wohl 3-4 DE Jonathan Ledbetter sowie insbesondere OLB/Edge D’Andre Walker. Auch hier habe ich einen persönlichen Favoriten, S J.R. Reed: vielleicht nicht der spektakulärste Defensive Back, aber extrem sound in allen Bereichen.

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6 Kommentare zu “Neujahrs-Vorschau 2019

  1. Ja, ein wenig schade ist das. Aber allein für den Faustschlag müsste man so einen Spieler eigentlich für sehr sehr lange Zeit sperren, das ist doch kein Sport mehr… Dazu auch am Anfang die (nicht geahndete?) Attacke gegen den LSU QB, wo am Ende sein Hals blutet, das ist doch irgendwie nicht mehr normal.

  2. Der QB Hit würde ja als legal gewertet – wenn es auch Grenzwertüberschreitungen war und sicher nicht im Dinner von spielerischerer ist. Das ist aber genauso ein Play, dass vor 5 Jahren noch total normal war und immer noch in vielen Köpfen dein ist – das ist Immerhin die Art von Football, den die Spieler gesehen haben, als sie Kids waren.

    Faustschläge sind einfach dumm.
    Aber auch hier, dass ist für die Jungs nicht unbedingt einfach: in einem Moment voller Aggressivität zu sein (wie es die Coaches fordern) und im nächsten die ganze Aggressivität ablegen. Das überfordert manchen.

  3. Eigentlich ein sehr deutlicher Sieg für LSU in fast allen statistischen Kategorien. Nur der Endstand lässt das nicht vermuten.

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