New Year’s Six Bowls 2018/19 in der Rückblende

Ein Rückblick auf den Verlauf der großen New Year’s Six Bowls im College Football.

Halbfinals

Zwei nur mäßig spannende Halbfinalspiele – aber das hatte man anhand der Pregame-Spreads (Alabama Favorit mit 14, Clemson mit 11.5) auch erwarten können. In beiden Spielen setzten sich die Favoriten auch entsprechend deutlich durch.

Während allerdings Alabama nur ein Viertel brauchte um die Partie gegen Oklahoma zu entscheiden, lief es bei Clemson vs. Notre Dame umgekehrt: Notre Dame konnte nur ein Viertel lang mithalten, ehe die Tigers zeigten, wer Herr im Haus ist.

Cotton Bowl: Clemson 30, Notre Dame 3. Es muss für Notre Dame eine deprimierende Partie gewesen sein, denn eigentlich machten die Fighting Irish im ersten Viertel vieles richtig:

  • Sie machten die Flat-Zonen dicht ohne Clemsons Laufspiel über die Mitte aufkommen zu lassen.
  • Sie gewannen die Special Teams (Clemson verschoss einen PAT und fumbelte einen Kickoff)
  • Brian Kelly erwischte die richtige Dosis an Risiko, spielte ein 4th&3 in Clemsons Spielhälfte aus und versuchte sich an Trickspielzügen

Notre Dame sah nach dem ersten Viertel wie ein ebenbürtiger Gegner aus – und man musste fast Mitleid haben mit dem einstigen Giganten, der Pech in einigen knappen Situationen hatte (u.a. wurde ein Clemson-Fumble um Haaresbreite nicht recovert und man hatte Pech mit knappen Referee-Entscheidungen).

Doch dann fiel CB Julian Love aus – und Clemson bekam die Sekundenbruchteile mehr Zeit um seine tödliche Offense zu entfalten. Folge: Clemson führte nach zahlreichen Big Plays und 40+ TD-Pässen im zweiten Viertel von QB Trevor Lawrence zur Pause schon 23-3 und hatte die Partie uneinholbar im Sack. 260 zu 55 Yards Offense pro Clemson im zweiten Viertel – zur Halbzeit gab es praktisch keine Chance mehr auf ein Comeback.

Natürlich hatte Notre Dame im ersten Viertel auch Pech, hätte anstatt 3-3 Zwischenstand auch führen können. Doch mutmaßlich hätte der Unterschied in der Gewichtsklasse dieser beiden Mannschaften – vor allem in Power und Speed – über kurz oder lang auch mit einer 10-3 Führung irgendwann in einem Clemson-Sieg geführt.


Orange Bowl: Alabama 45, Oklahoma 34. Ein Spielstand, der am Ende viel knapper aussieht als man nach 18 Spielminuten gedacht hätte – denn Baby: Alabama führte dann schon 28-0. Achtundzwanzig zu null.

Hinterher bekamen Oklahoma und vor allem dessen famoser QB Kyler Murray viel Lob für ihren Kampfgeist, für ihre mehr als 500 Yards Offense und ihr 34-17 „Comeback“ nach dem schnellen, aussichtslosen Rückstand. Und es mag stimmen, dass Oklahoma in sechs seiner insgesamt neun wesentlichen Offense-Possessions scorte. Doch das alles war nur Ergebniskosmetik, so brutal wie man eingangs an die Wand genagelt wurde.

Sooners-QB Tagovailoa ging 24 für 27 mit 318 Yards und 4 Touchdowns. Die drei Incompletions waren allesamt Drops. Oklahomas Defense hatte null Zugriff auf diese perfekte Alabama-Offense, die im Sinne der „Watchabiliy“ dieser Partie mit zunehmendem Spielverlauf immer mehr Laufspiel einstreute um Oklahoma nicht mit 60 Punkten abzuschießen.

Kritisierenswert an der Partie war das Play-Calling von Oklahoma-Headcoach Lincoln Riley, der sich absurd konservativ zeigte – als hätte er in den vergangenen Offseasons stets Nachhilfeunterricht bei Mike McCarthy genommen. Riley disqualifizierte sich damit erstmal für höhere Aufgaben (obwohl – die NFL ist in manchen Bereichen noch nicht viel weiter…).

Auch Alabama-Coach Saban hatte Gründe, sich aufzuregen. Vielleicht nicht so viele, dass sie Sabans Zerstörungswut bei seinen Head-Sets gerechtfertigt hätten, aber Alabama leistete sich eine Serie an Einzelfehlern und Penaltys, die gegen Clemson weit schlimmer ausfallen als gegen ein nach 18 Minuten begrabenes Zombie-Oklahoma.


Am Montag im Endspiel als zum vierten Jahr hintereinander Alabama vs. Clemson, zum dritten Mal als Finalausgabe – und die beiden „Final-Vorgänger“ waren epische Kracher. Das Big-Play Feuerwerk von Januar 2016 deutete Clemsons Ankunft auf der Bühne der Großen nur an (Alabama gewann auch dank eines Onside-Kicks 40-35), aber ein Jahr später holte sich Clemson mit dem atemberaubenden QB Deshaun Watson finally den Titel.

Letztes Jahr siegte Alabama gegen Clemson, das unter QB Kelly Bryant keine Big-Plays zustande brachte. Doch Clemson 2018/19 ist eine Big-Play Offense mit einem wesentlich kompletteren QB als es Kelly Bryant je war. Und: In allen vorangegangenen Duellen setzte sich jeweils das niedriger gerankte Team durch. Diesmal ist Alabama die #1. Clemson ist die #2.

Die „anderen vier“ Bowls

Peach Bowl, Fiesta Bowl, Rose Bowl, Sugar Bowl – alles große Namen, aber ebenso alles nur noch Freundschaftsspiele ohne große Relevanz.

Peach Bowl: Florida 41, Michigan 15. Langweilige Bowl-Ansetzung, überraschendes Ergebnis. Floridas Sieg hatte man nicht erwarten können. Dass es noch dazu ein Blowout würde, kann als Sensation gelten. Für Floridas Headcoach Dan Mullen ist es ein willkommenes Ende nach einer wechselhaften Debütsaison, die mit 10-3 Bilanz auf dem Win/Loss Sheet besser aussieht als es sportlich über weite Strecken war.

Für Michigan wirft die Pleite noch mehr Fragezeichen auf, als man nach dem verblüffenden Debakel im Derby bei Ohio State zu Thanksgiving zugeben wollte: Ist Jim Harbaugh vielleicht doch nicht der richtige Headcoach mit seiner etwas antiquierten Sicht von Offense? Kann man allein mit Defense im Jahr 2018 noch was reißen, wo selbst Alabama und Oklahoma Heisman-würdige Quarterbacks aufbieten und der LSU-Quarterback fast 400 Yards wirft?


Die drei Bowls am Neujahrstag hatten allesamt knappere Endstände als es der Spielverlauf hergab:

Fiesta Bowl: LSU 40, UCF 32. UCFs Erfolgslauf wurde nach 25 Siegen in Serie gestoppt – und es war ein viel deutlicheres Ende als man nach einer 8-Punkte Niederlage beim Blick auf den Score-Sheet meinen würde.

LSU überfuhr UCF mit 555 Yards Offense. UCF ergatterte weniger als die Hälfte davon: 250. UCF gab zwar nie auf und gewann zumindest die Faustkämpfe in der Partie, aber am Ende brauchte es schon einen Garbage-Time TD um überhaupt noch in sowas wie „Nähe“ zu kommen und es wenigstens auf dem Endstand halbwegs gut aussehen zu lassen.

UCF machte es in der Run-Defense noch ganz gut (unter 4.0 YPC für die LSU-Runningbacks), aber LSU-QB Joe Burrow hatte fast 400 Passing-Yards gegen eine waidwunde UCF-Secondary. Und UCF hatte ohne seinen famosen QB McKenzie Milton zu wenig Feuerpower in der Offense, um eine ernsthafte Chance zu haben.

Damit hat es sich natürlich auch mit den Playoff-Rufen des lieblichen Mid-Majors UCF. Dennoch sind eine 14-0 und dann eine 13-1 Saison hintereinander nichts, wofür sich eine Mannschaft mit den Mitteln von UCF grämen müsste.


Rose Bowl: Ohio State 28, Washington 23. Was vom Spiel hingen blieb: Washington konnte das Resultat in der Rose Bowl nur am Ende mit ein paar Garbage-Time TDs schönen, während Ohio State im letzten Spiel von Urban Meyer einen souveränen Sieg einfuhr.

Besonders beeindruckend war dabei der QB Dwayne Haskins, der eine Partie hinlegte, die unweigerlich Rufe von wegen „künftiger #1 Draftpick“ heraufbeschwören wird. Ebenso unweigerlich sind im Nachhinein die Gedanken von wegen „hätte Ohio State Alabama einen besseren Fight liefern können als Oklahoma?“


Sugar Bowl: Texas 28, Georgia 21. Da war er wieder – der Underdog-Coach Tom Herman! Herman ist wie sein ex-Chef Urban Meyer ein Coach mit einer hervorragenden Bilanz, wenn seine Mannschaft als Außenseiter ins Spiel geht – und das #15 Texas war deutlicher Außenseiter gegen #5 Georgia, das eigentlich in den Playoffs spielen wollte, und sich nach der Performance von Oklahoma gegen Alabama im Nachhinein bestätigt fühlen durfte (Spoiler: Oklahomas Einberufung war gemäß der Richtlinien trotzdem richtig).

Was man beim Endstand beachten muss: Georgia musste mit CB Baker, LB Walker und DL Davis auf drei wesentliche Leistungsträger verzichten. Und Georgia verlor sehr nahe an der eigenen Goalline einen Fumble, der zum texanischen Überraschungssieg beitrug.

Doch es war nicht nur das. Texas wirkte feuriger, aggressiver. QB Sam Ehlinger lieferte eine Partie, die für die nächste Saison Großes erhoffen lässt.

Mit Georgia war immer schon – egal vom Verlauf der Sugar Bowl – für 2019 zu rechnen. Die Bulldogs von Kirby Smart sind gebaut um eine Macht zu bleiben. Bei Texas war das weit weniger sicher. Texas wird zahlreiche Starter für 2019 zurück bringen – und nach dem Verlauf dieser Saison werden die Erwartungen für 2019 riesig sein. Wie kann Texas damit umgehen? Wie kann Herman damit umgehen, wenn er seine Jungs nun darauf einstellen muss, in fast jedem Spiel als klarer Favorit in die Partie zu gehen?

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