NFL-Playoff Preview 2018/19: Der Blick auf die Formkurven

Ein Blick auf die Formkurven der einzelnen Playoff-Mannschaften in der NFL-Saison 2018/19.

Wie schon im letzten Jahr verwende ich dabei die Werte im Power-Ranking, die jede Mannschaft zwischen Woche 7 und Woche 17 aufwies, aufgeteilt nach Total, Offense und Defense. Wichtig: Raumstrafen und Special Teams sind nur in der Wert der Total-Rankings enthalten!

Power Ranking

Hier die Aufstellung der AFC-Teams über die Saison:

AFC Total 2018

Wir sehen, dass sich Chargers und Chiefs über den Großteil der Saison als AFC-Topteams etabliert hatten, wobei – und ich schrieb einige Male darüber – nicht die Chiefs, sondern die Chargers bis kurz vor Saisonende die Oberhand gegenüber den Chiefs hatten. Ich fand das insofern bemerkenswert, weil ganz Amerika stets nur die Chiefs mit ihrem Sensations-QB Mahomes und ihrer famosen Offense im Fokus gestanden hatten, während ex-San Diego selbst mit zwischenzeitlicher 7-2 Bilanz kaum wahrgenommen wurde.

Ironie der Geschichte: Just, nachdem die Chargers Kansas City im direkten Duell geschlagen hatten, leisteten sie sich einen zwei Spieltage andauernden „Slump“ und sind mittlerweile nur nach das Team #3 hinter Chiefs und Patriots!

Jene Patriots schlingelten sich zwischen dem dritt- und viertbesten AFC-Team durch die Saison. Gefühlt fliegt New England diese Saison unterm Radar. Einiges kann man dabei an den Umständen festmachen: Man hat nur eine 11-5 Bilanz – zuletzt hatten die Patriots 2009 (!) eine schlechtere Saisonbilanz mit… 10-6. Und dann gab es so viele Geschichten rund um Chiefs, QB-Tausch Ravens oder Colts-Aufstieg, sodass New England als Story von nebenan betrachtet wurde.

Dabei ist aufzupassen, denn New England ist am Ende dieser Saison die #4 im Power-Ranking und das zweitbeste Team der AFC – und New England ist ein Team, das historisch die sicherste Wette war, dank exzellentem Situational-Coaching die Quoten in diesem Power-Ranking zu schlagen!

Houston ist relativ klar nur das fünftbeste Playoffteam der AFC, während man an den Colts den klarsten Trend festmachen kann: Indy war nach 1-5 Bilanz nach Woche 6 noch bei einem Power-Ranking Wert von .360, verbesserte sich dann über die Saison beständig und beendete das Jahr schließlich auf #12. Wesentlich im Aufstieg der Colts war die Verbesserung des Passspiels von QB Andrew Luck, der in der frühen Saisonphase noch kaum tief ging (oder gehen konnte?) – und natürlich der Fakt, dass ich bis Woche 8 noch Werte aus der Vorsaison mitnehmen musste um die Testmenge des Rankings zu verbessern.

Die Ravens sind ein weiterer guter Case-Study für die vielen Zufälle, die in NFL-Saisons mitspielen: Nach einer zwischenzeitlichen 4-5 Bilanz galt Headcoach Harbaugh schon als Kandidat für eine Entlassung, aber ich schrieb schon zu dem Zeitpunkt darüber, dass ich Baltimore durchaus den Umschwung zutraue. Zu gut waren die Effizienz-Stats der Ravens. Zu viel Pech hatte im Zustandekommen der 4-5 Bilanz mitgespielt (u.a. 0-3 Bilanz in One-Score Games).

Und siehe da: Obwohl Baltimores Formkurve auch nach QB-Wechsel relativ stabil blieb – ja sogar nach unten ging!, gewannen die Ravens die letzten sechs ihrer letzten sieben Spiele (2-1 Bilanz in One-Score Games und deutlich einfacherer Schedule).


In der NFC sieht die Formkurve wie folgt aus:

NFC Total 2018

Wir sehen, dass Saints und Rams sich das ganze Jahr über deutlich vor ihren NFC-Playoffkollegen halten konnten, aber sich die Schere mit zunehmendem Spielverlauf immer weiter schloss. Vor allem im November zwischen Woche 11 und Woche 13 schienen Saints und Rams die absoluten „World-Beater“ zu sein, die gegnerische Mannschaften gleich reihenweise in Schutt und Asche legten. Doch mittlerweile sind beide Teams vor allem in der Offense etwas entzaubert und es besteht zumindest eine realistische Chance auf mehrere Upsets in den Playoffs.

An den Cowboys als dem mutmaßlich schwächsten NFC-Playoffteam (ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass Dallas zweimal Philadelphia relativ souverän schlagen konnte) kann man einen relativ stabilen Saisonverlauf erkennen. Die Cowboys waren in Woche bei 3-4 Bilanz, hatten aber den fast identischen Power-Ranking Wert (0.547) als am Ende der Saison (0.539).

Der Unterschied? Dallas war zu diesem Zeitpunkt 2-2 in engen Spielen. In den Wochen danach gingen die Cowboys 6-0 in den One-Score Spielen. Die Leistung dabei war einen Tacken besser als in der frühen Saisonphase, aber dass Dallas gleich alle One-Score Games gewinnen konnte, war dann auch wieder sehr großes Glück und ist die wichtigste Erklärung für den Divisionssieg und die 10-6 Bilanz von Dallas.

Die Bears waren für meine Metriken nie das ganz famose Team, zu dem man es machte – und das es auf dem Win/Loss und Point-Spreadsheet war (z.B. #1 im Pythagorean). Einer der Gründe: Chicagos Offense war selbst in den besten Momenten nur Mittelmaß, während die Defense zwar superb war, aber auch extrem von Turnovers lebte (die sehr volatil sind und deshalb vom Power-Ranking nur mäßig geschätzt werden). Mit so vielen Turnovers ist natürlich einfacher, ein exzellentes Punktverhältnis hinzukriegen.

Philly dagegen ist auch ein interessanter Case-Study: Die Eagles waren nach Woche 7 bei 3-4 Bilanz, aber nach Advanced-Stats durchaus ein Team, das hätte eine bessere Bilanz aufweisen können.

In den folgenden drei Wochen ging Philly 1-1 gegen Jacksonville und Dallas (plus eine Bye-Week dazwischen) und es schien, als wäre Philly trotz einiger Verletzungen nicht weit davon entfernt, doch noch den Durchbruch zu schaffen. Doch dann wurden die Eagles von den Saints 48-7 abgeschlachtet, fielen entsprechend im Ranking tief und schienen nach Woche 12 mit 4-6 tot.

Am Ende ist es beeindruckend, wie sich die Eagles doch noch zurück in die Playoffs kämpften. Es brauchte natürlich Glück und Schützenhilfe der Bears, aber die Eagles haben es als Titelverteidiger gegen einen knackigen Schedule, mit fünf Spielen vom Backup-QB Foles und trotz kaputter Secondary zurück in die Playoffs geschafft. Gefährlich an Philly dabei: Die Formkurve zeigt in den letzten Wochen steil nach oben. Favorit sind natürlich die Bears, aber die Eagles sind trotz aller Probleme „legit“.

Offenses

Hier die AFC:

AFC Offenses 2018

Ich mache es kurz: Die beiden Top-Offenses der AFC-Saison sind klar erkennbar, auch wenn wir bei den Chargers einen leichten Einbruch zum Ende hin erspähen können. Die Patriots schienen sich nach harzigem Saisonstart (nach dem man aber immer noch über 0.600 war und die drittbeste Offense der AFC-Playoffteams hatte! Wir stellen gewaltige Ansprüche an New England…) um Woche 13-15 herum gefunden zu haben, aber in den letzten Spielen v.a. gegen die Bills war das weniger überzeugend als man hoffen würde.

Bei den Texans kann man relativ stabile Saison sehen. Die Colts haben sich in der Offense nach oben beschriebenem schwachem Saisonstart massiv gesteigert – und wie man nachher im Defense-Graph erkennen kann, war die Steigerung der Offense der Hauptgrund für Indys Rebound von 1-5 Bilanz auf 10-6 Bilanz (die Defense blieb relativ stabil).

Baltimore? Natürlich schreibt nun alles über QB Lamar Jackson und den Erfolg seiner Einwechslung für den indisponierten Flacco. Aber im Prinzip blieb Baltimores Offense seit Woche 8 relativ gleich effizient. Jackson bringt im Prinzip vor allem den Vorteil, dass sich Gegner auf eine völlig andere Art an Offense einstellen müssen. Wesentlich effizienter als der mäßige Flacco ist die Offense mit ihm freilich nicht.


Hier das Formkurven der NFC:

NFC Offenses 2018

Saints und Rams in einer eigenen Liga – und der Absturz der beiden Offenses sieht in meinem Graph wesentlich weniger dramatisch aus als man es „fühlen“ würde.

Dallas bliebt mehr oder weniger komplett stabil, Chicago hatte zur Saisonmitte mal eine kurze Blüte, fiel dann wieder ab ins Mittelmaß und ist am Ende die schwächste Offense im NFC-Playofffeld.

Bei Philly entschied im Prinzip die Formkurve der Offense über die Formkurve der ganzen Mannschaft, denn die Defense blieb – wie wir weiter unten sehen können, relativ unverändert gleich, trotz vieler Verletzungen.

Die große Geschichte ist Seattle: Die Seahawks waren nach Woche 7 die schwächste Offense im späteren NFC-Playoff Feld, doch sie verbesserten sich im Saisonverlauf massiv und sind nach Effizienz-Zahlen mittlerweile die drittbeste Offense im NFC-Feld. Damit nicht genug: Würde OffCoord Schottenheimer endlich seinen Rushing-Wahn im 1st Down aufgeben, könnten die Seahawks noch deutlich mehr Kapital aus ihrer guten Offense ziehen.

Defenses

AFC Defenses 2018

AFC-Defenses? Baltimore blieb ziemlich stabil und ist mit großem – sehr großem! – Abstand die beste Defense im AFC-Feld.

Dahinter haben wir ein Feld mit vier nahezu gleichwertigen Defenses in Houston, New England, den Chargers und Indianapolis.

Die Chiefs gehen mit der schwächsten AFC-Defense in die Playoffs – aber Vorsicht: Die Unit von DefCoord Bob Sutton ist nicht mehr ganz der Prügelknabe der ersten Wochen. Es mag 25 bessere Defenses in der NFL geben, aber zumindest braucht es nicht mehr eine MVP-reife Vorstellung von Patrick Mahomes um nicht von vorne herein chancenlos zu sein.


NFC?

NFC Defenses 2018

Analog der AFC haben wir auch in der NFC eine ganz klar dominierende Defense: Die Bears. Doch bei Chicago war es nicht von Anfang der Saison an klar, dass wir es mit einer Mega-Defense zu tun haben: Chicagos Monster-Defense setzte sich erst nach Woche 9 klar vom Rest der NFC ab.

Das Gegenstück sind die Saints: Zu Beginn der Saison eine Lachnummer, ging es nach Woche 9 steil bergauf. New Orleans hat weiterhin eine unterdurchschnittliche Defense, aber das ist mit einer Top-Offense im Petto und dem Heimvorteil im Rücken vielleicht schon gut genug um sich für die Superbowl zu qualifizieren.

Relativ stabil: Die Rams-, Cowboys- und Eagles-Defenses. Mit zunehmendem Saisonverlauf immer weiter abfallend: Die Seahawks-Defense. Man möchte das nicht glauben, aber Seattle war in der Erstausgabe meines Rankings noch eine Top-5 Defense, ehe sie immer weiter und weiter zurück ins Mittelfeld fiel.

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