Quick-Recap: Wildcard-Samstag

Vercoacht.

Das ist der Stichwort, mit dem man den Auftritt der Seattle Seahawks in Dallas beschreiben muss. Dallas gewinnt 24-22 gegen die Seattle Seahawks, die die Partie nicht gewinnen wollten. Oder wollten sie gewinnen?

Eine Rückblende in den Mai letzten Jahres.

Ich zitiere mich mal selbst:

Das Üble für Seattle: Schottenheimer ist kein Dampfplauderer. Er hält seine Versprechen. Er wird versuchen, Gegner zu überlaufen, wenn der Gegner weiß, dass der Lauf kommt. Er wird versuchen, ihn zu „out-toughen“. Denn Offenses wie New England, Pittsburgh und New Orleans brillieren nicht durch ihre Unberechenbarkeit, sondern durch den Längeren beim Schwanzmessen.

Schottenheimer war als OffCoord bei den Jets und Rams verhasst für seine kreativlosen Play-Designs und sein monotones Play-Calling. Er hatte zugegeben nur selten brauchbares Quarterbacking, aber auf der anderen Seite tat er auch wenig um Leute wie Mark Sanchez zu entwickeln. Schottenheimer brachte es sogar zustande, am College innerhalb eines Jahres die Offense der Georgia Bulldogs von #8 auf #84 runterzucoachen – trotz Runningbacks wie Nick Chubb oder Sony Michel (die Georgia zwei Jahre später ins National Champinoship Game trugen).

Wer sich Schottenheimer schönreden will: Das hatten wir schon. In Georgia zum Beispiel, wo sich die Fan-Base auch monatelang im Status „Denial“ befand („so schlimm ist er gar nicht“). Bis der erste Snap gespielt wurde. Acht Wochen später war Schottenheimer ein Hasswort.

Das als Kontext und fürs Verständnis, sollte hier oder anderswo Spott, Häme oder anderweitige Kritik an Brian Schottenheimers Bestellung zum OffCoord der Seattle Seahawks gefallen sein.

Es ist mir bewusst, dass man mir zu viel Negativität mit Blick auf Schottenheimer unterstellte. Doch keine Angst: Ich weiß, wenn ich mich weit aus dem Fenster lehnen kann. Die Seattle Seahawks und ihr Headcoach Pete Carroll bekamen gestern die Rechnung präsentiert.

Russell Wilson Passspiel: 8.1 NY/A
non-Russel Wilson Laufspiel: 2.8 YPC

Und trotzdem trieb Schottenheimer bei ausgeglichenem Spielstand 24x Laufspiel (bei 27x Passspiel) das Spielfeld runter. Sieben von 12 Seahawks-Drives führten zu einem 3&out, fünf davon im RRPP (Run/Run/Pass/Punt)-Stil. „Retardiert“ ist die beste Vokabel dafür.

Wer denkt, ich bin wieder zu negativ, kann sich bei Warren Sharp schlauer machen.

Ich glaube nicht, dass Seattle drei 1st Rounder haben wollen. Sie würden einfach den Franchise-RB der Giants gegen Wilson eintauschen. Bestimmt.


Houston Texans 7, Indianapolis Colts 21. Eine Partie, die nach der schnellen Führung der Colts nie in Zweifel war und keine tiefgründige Analyse braucht. Es war eine dominante Vorstellung der Colts, die in der ersten Halbzeit jedes einzelne 3rd Down verwerten konnten (7 von 7) und nach vier Drives mit 3 TD und einer INT gegen eine harmlose Houston-Mannschaft führten

Die Texans hatten mit ihrer Cover-1 Defense keine Chance, auch, weil vorne der Passrush nicht zündete. Die Partie lief nach dem Skript „Colts-Lines dominieren“. Houston konnte nach der Pause besser gegenhalten, doch die Kombination aus zu eindimensionaler Pass-Offense (QB Watson hatte im Prinzip nur WR Hopkins und konnte nie erfolgreich tief gehen) und einer auf blanker Fehlerminimierung ausgerichteten Colts-Offense war zu viel: Indianapolis lief die Partie sicher nach Hause.

Houstons Offseason wird nun interessant: Der Kern ist mit zahlreichen Superstars intakt und QB Watson hat noch zwei Jahre unter dem Rookie-QB Deal (plus ein drittes mit Option-Vertrag). Die beiden großen Kaderlücken sind Offensive Line (HOU ohne Top-40 Pick in der OL / IND hatte deren 4) und ein zweiter Wide Receiver, der die Defense strecken kann. Den hätte man theoretisch im Kader gehabt: Will Fuller. Doch der war verletzt.

Auf der anderen Seite: Houstons Big-Four waren diese Saison gesund, und trotzdem reichte es nicht. Kann man noch einmal darauf vertrauen? Im Prinzip müssen die Texans in der Offseason alle verfügbaren Ressourcen in die Verbesserung der Offensive Line stecken.

15 Kommentare zu “Quick-Recap: Wildcard-Samstag

  1. Bist du verliebt in den Typ?;-)
    Ich mag ihn auch, aber halte es heute eher mit den Chargers.

    @Korsakoff: Klar, Houstons O-line ist nicht gut, aber mir ist aufgefallen, dass Watson auch oft zu lange braucht um den Ball los zu werden. Denke, da kann er noch smarter werden.

  2. Pingback: AFC Wildcard-Playoff 2018/19: Baltimore Ravens – Los Angeles Chargers im Liveblog | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. @Napoleon: Keine Frage – Watson war gestern durchaus enttäuschend. Aber die ganze Offense wird „out of sync“, weil ganz einfach kein Vertrauen darin besteht, dass die Offense Line gegenhalten kann.

    Ich denke, unter dem Gesichtspunkt ist Watsons Nervosität verständlich. Vermutlich reicht bereits eine Verbesserung von sagen wir, der schlechtesten OL auf die 20t-beste der NFL für einen Entwicklungssprung bei Watson.

    Mehr Vertrauen in die OL -> mehr Vertrauen in die eigene Spielweise.

  4. Wie kann man lamar jackson nicht lieben.
    Ich stehe totall auf mobile QB lamar ist für mich der messi des footballs hoffe das er verletzungsfrei bleibt dann wird er einer der besten.

  5. Momentan nimmt die D# eher Lamar auseinander… bzw der lässt den Ball aktuell ja öfter ohne gegnerische Kontakt fallen als ihn in der Hand zu halten oder zu werfen…

  6. Hasst du irgendwie die Cowboys? Du schreibst etwas über die Samstag Spiele, aber nicht ein Wort zum verdienten Siegerteam??? Aber machst Dallas ja auch jede Woche in deinen Rankings schlechter als sie sind.

  7. Zu den Cowboys gibt es halt nicht mehr zu sagen, als dass sie gewonnen haben weil die anderen Coaches inkompetenter waren als die eignen.
    Da war wenig eigene Leistung dabei, daher muss da auch nicht drüber reden.

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