College Football Finale 2018/19 – Vorschau auf Alabama vs. Clemson IV

Abschluss vom großen Footballwochenende heute mit dem Endspiel um die Landesmeisterschaft im College Football (02h – live DAZN und ESPN Player) zwischen den #1 Alabama Crimson Tide (14-0) und den #2 Clemson Tigers (14-0) – das vierte Aufeinandertreffen der beiden Teams in den letzten vier Jahren in den Playoffs. Das dritte Mal im Endspiel.

Es ist sozusagen Alabama gegen Mini-Alabama, und das nicht nur, weil beide Universitäten im Bible-Belt zuhause sind. Gerade wegen des immer wiederkehrenden Duells zweier ähnlich gepolter Teams ist in den Vereinigten Staaten auch eine gewisse Müdigkeit zu vernehmen. Schon wieder Alabama gegen Clemson? Gähn. Die gedeckelte Vorfreude manifestiert sich auch im schleppenden Kartenvorverkauf: Das seelenlose Stadion in Santa Clara am anderen Ende der USA wird zwar nach letztem Stand voll werden, doch atmosphärisch dürfte uns ein eher steriles Finale bevorstehen.

Der sportpolitische Aspekt

Dass es schon wieder Alabama und Clemson im Finale sein würden, ist freilich keine Überraschung. Die beiden Teams hatten schon in der Preseason die #1 und #2 in den meisten Rankings besetzt und sich über die Saison kaum Blöße gegeben. Bama vs. Clemson IV ist auch die logische Konsequenz der Entwicklung im College Football, der seine Meisterschaft ja noch gar nicht so lange tatsächlich auf dem Spielfeld ausspielt:

  • Früher entschied eine Abstimmung nach der Bowl-Season über den Landesmeister – und in der Bowl Season traf nur selten die #1 auf die #2.
  • Erst in den 1990ern entwickelten die Conferences die „Bowl Alliance“, einen Zusammenschluss einiger großer Conferences mit dem Ziel, ihre jeweiligen Meister am Ende der Saison gegeneinanderspielen zu lassen.
  • Doch erst in der ab 1998 formierten BCS (Bowl Championship Series) waren wirklich alle großen Conferences Teil eines Syndikats, das am Saisonende ein Endspiel zwischen der #1 und der #2 der Abstimmungen und Rankings garantierte. Die BCS war nicht perfekt, aber sie war der Türöffner der Büchse der Pandorra. Von nun an interessierte nur noch das Rennen um die #1 und #2.
  • Auf die BCS folgte seit 2014 das Playoff-System, das vier Mannschaften die Möglichkeit gibt, sich in Halbfinale und Finale auf dem Platz den Titel auszuspielen. Doch da es fünf große Conferences gibt und nur vier Playoff-Plätze, wird immer mindestens eine Liga bedröppelt aus der Wäsche schauen. Und so sind die Rufe nach einer Erweiterung bereits laut. Playoffs mit 6 oder 8 Mannschaften sind unvermeidlich.

Freilich trägt eine Öffnung des Playoff-Zirkels weniger zu einer Öffnung der Meisterschaftskandidaten bei, sondern bringt vielmehr noch mehr Konzentration auf eine oder zwei Handvoll Mannschaften, die den Großteil des Kuchens unter sich ausmachen. Wir sehen es in der Champions League im Fußball. Wir sehen dasselbe Phänomen seit gut zehn Jahren auch im College Football. Alabama und Clemson sind dem Rest der Welt enteilt, und da sie sich nun auch einen Stolperer leisten können und in einem schlechten Jahr trotzdem als #4 in die Playoffs rutschen (wie Alabama in der letzten Saison), wird die Anhäufung der Macht nur noch krasser werden, wenn die Teams bis runter auf #8 im Playoff mitmischen dürfen.

Der sportliche Aspekt

Auf dem Feld besteht kein Zweifel, dass wir die besten beiden Mannschaften der Saison sehen. Dabei ist Alabama nicht mehr das gewohnte Defense-Monster aus den letzten Jahren, sondern definiert sich zum ersten Mal in der Ära von Nick Saban (seit 2007, 5 National Titles) tatsächlich über die Offense. Der große Trigger ist dabei QB Tua Tagovailoa, ein Linkshänder, den man die immergleichen Spielzug-Konzepte das Feld runtertreiben lässt.

Auf der anderen Seite hatte Clemson-Coach Dabo Swinney vor 5-6 Jahren die Chupze, Sabans Erfolgsmodell zu kopieren – mit der Folge, dass Clemson heute in Speed und Power fast wie eine Alabama-Kopie aussieht, und die mutmaßlich beste Defensive Line im College Football aufbietet. Eine Defense Line, die mit Laufspiel nicht zu bezwingen ist.

Doch Swinneys Garant, mit dem Giganten Alabama mithalten zu können, ist der junge QB Trevor Lawrence, ein Freshman, der erst nach einem Saisonviertel eingewechselt wurde. Lawrence ist nicht bloß mobil – er ist vor allem tödlich präzise und eine ständige Bedrohung für tiefes Passspiel.

Nicht vergessen: In den beiden Erstausgaben von Alabama vs. Clemson im Jänner 2016 und 2017 spielten die Tigers auf Augenhöhe mit Alabama, weil es einen Quarterback hatte, der die Spread-Offense zur Perfektion ausfüllen und Big Plays generieren konnte: Deshaun Watson.

Letzte Saison flog Clemson dagegen chancenlos gegen Alabama im Semifinale raus, weil der Watson-Nachfolger QB Kelly Bryant zu limitiert im tiefen Passspiel war. Bryant wurde Anfang Oktober von Lawrence abgelöst – und seither bestand nur noch in einem einzigen Moment (als Lawrence gegen Syracuse verletzt vom Feld musste) kurz Grund für Nervosität in Clemson.

Bill Connelly hat es in seiner Preview aufgezeichnet: Beide Offenses ticken im Prinzip ähnlich. Beide laufen in Spread-Offense auf. Beide sind brandgefährlich vor allem im Intermediate- und tiefen Passspiel. Doch beide Offenses vermeiden es, das Laufspiel zu vernachlässigen. Alabamas RB #8 Josh Jacobs ist ein ebenso guter NFL-Prospect wie der flinke Clemson-RB #9 Travis Etienne. Beide Backs würden gegen 9 von 10 Gegnern reichen um das Spiel im Alleingang einzutüten.

Doch in diesem Spiel treffen beide auf wuchtige Defensive Lines. Clemson muss in diesem Spiel auf seinen besten Mann, DT Dexter Lawrence, verzichten, und hat trotzdem mit DT Austin Bryant, DT Clelin Ferrell und DE Christian Wilkins drei Kandidaten für die 1te Runde im NFL-Draft 2019 im Kader! Auf Alabamas Seite gilt DT #92 Quinnen Williams, der sich wie ein Aal durch die Offensive Liner schlängelt, als größter Trumpf.

Beide Defensive Lines gelten als so stark gegen Laufspiel und Kurzpassspiel, dass Clemson und Alabama „nur“ überdurchschnittliche (keine total dominanten) 1st und 2nd Down-Erfolgsquoten einfahren. Doch beide Passspiele sind gefährlich genug um selbst aus langen 3rd Downs Kapital zu schlagen und ein Big Play nach dem anderen aus dem Gelenk zu schütteln um die Drives am Leben zu halten.


Wir wissen also, wo der Bartel seinen Most holt. Und so ist es nicht vermessen, ein Endspiel zu erwarten, das der Güteklasse der beiden Deshaun-Watson Finals nahekommt. Clemson ist eine von nur 2-3 Mannschaften, die auch mit einer gut aufgelegten Alabama-Mannschaft mithalten kann – und da sie den entsprechenden Quarterback besitzen, ist durchaus möglich, dass Dabo Swinney heute Nacht seinen zweiten Landesmeistertitel gewinnt.

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9 Kommentare zu “College Football Finale 2018/19 – Vorschau auf Alabama vs. Clemson IV

  1. Danke für die Vorschau. Ich freue mich sehr auf das Spiel und hoffe, dass meine Tigers Alabama niederringen können.
    Als CFB Fan sehe ich mir nur selten die Spiele der NFL an. Hab ich dieses Wochenende gemacht. Das kam mir steril vor. Mir fehlen dabei die Marching Bands, die Begeisterung der jungen Leute, die häufigen Überraschungen, usw. und ich fühl mich bestätigt, dass der begeisterndere Football am Samstag läuft.
    Go Tigers.

  2. Bama in den Wettbüros mit -5.5, was mir wie eine sehr hohe Quote aussieht. Lawrence & Co. haben genügend Big Play Potenzial und Tua hat beim einzigen Mal bei dem er Pressure gesehen hat (Georgia) nicht gut ausgesehen. Clemson wird eher noch mehr Pressure bringen…

    Bama vs. Clemson Müdigkeit verspüre ich eigentlich keine obwohl ich gerne auch andere Conferences im Final sehen würde. Solange die Endspiele aber so spannend bleiben wie bei den letzten 4 Malen, sei es mir recht!

  3. die NFL ist immer noch das bessere Produkt als College Football.
    wenn man sich die zwei Dramas gestern angesehen hat.

  4. Von der Atmosphäre und dem Spektakel her ist College Football unschlagbar. Go Tigers! #Allin

  5. Roll Tide
    das wird ein enges Ding wie immer die vergangenen Jahre -hoffentlich mit dem besseren Ende für Bama

    tolle Vorschau wie gewohnt und stark, dass Du auch Werbung für triple option machst

  6. Pingback: Alabama vs. Clemson IV im Liveblog | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  7. @cashman: Play-Calling 1st Down Passing-Rate war natürlich der Horror, aber Tennessee hatte auch mit die höchste Play-Action Rate (#6 der NFL).

    Auf Basis von 2015-2017 würde man sagen: Super Einstellung.
    Auf Basis von 2018: Was haben sie wohl zum 1st-Down Playcalling im Interview gefragt und als Antwort bekommen? Haben sie überhaupt gefragt?

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