Rams vs. Cowboys-Nachklapp: Nur Sean McVay nutzt seinen Plan B

Keine Sorge, es gibt keine Spoiler der gestrigen Sonntagsspiele.

Der Blick auf das Play-Calling Sheet offenbart: Die Los Angeles Rams, für gewöhnlich eines der aggressiveren Teams in den „Early Downs“ (1st und 2nd Down), gewannen diese Partie mit einem für sie ungewöhnlichen Gameplan: Mit Laufspiel. Die nackten Zahlen lassen das zumindest vermuten:

Laufspiel: 48 Rushes für 273 Yards, 5.7 YPC
Passspiel: 15/26 für 186 yds, 6.6 NY/A

Der genauere Blick auf das Stat-Sheet offenbart, dass Sean McVay von Anfang in 1st und 2nd Downs auf Laufspiel getrimmt war – und damit Erfolg hatte (nur 1st und 2nd Down):

  • Erstes Viertel: 12 Runs, 5 Pässe
  • Zweites Viertel: 10 Runs, 11 Pässe
  • Drittes Viertel: 6 Runs, 3 Pässe
  • Schlussviertel: 11 Runs, 2 Pässe

Eine Pass-Quote von nur 35% für die Rams in den frühen Downs! Und das Krasse: Er hatte damit so viel Erfolg: 59% Run Success-Rate gegen eine der besseren Run-Defenses in der NFL, 6.3 Yards/Carry in 1st und 2nd Down. Die genaue Aufstellung können wir hier erfassen:

lar-dal playcalling

Play-Calling 1st&2nd Down pro Quarter

Was hat McVay dazu bewogen, einen derart lauflastigen Gameplan einzuschlagen, noch dazu mit einem angeschlagenen RB Gurley (die meiste Zeit stand eh der erst im Dezember von der Straße aufgeklaubte Backup-RB CJ Anderson am Feld) und gegen eine Defense, die erst letzte Woche einen ähnlich schiefen Gameplan von Seattle komplett zerstört hatte.

Es wäre in der Tat ein Fall für den Film: Was hat McVay gesehen?


Ein paar zusammenhangslose Inputs dazu kann ich schonmal liefern:

  • Die Dallas-Defense hatte ihre Schwächen in Run-Defense vor allem bei Läufen über Right Guard und Right Tackle (jeweils 50% Defensive Run Success Rate) – doch McVay lief vor allem über Center und die linke Seite! Über RG und RT gingen nur insgesamt 7 der 48 Runs.
  • 76 Snaps in totale für die Rams, 35x mit Pre-Snap Motions/Shifts. McVay wollte wohl die Augen der Dallas-Linebacker testen. Hatte das den entscheidenden Einfluss auf den Erfolg im Laufspiel?
  • QB Goff hatte mit seinem Play-Action Passing alle Chancen der Welt, doch er nutzte sie völlig unzureichend: Obwohl in fast jedem Play-Action Pass eine Station weit offen war, ging Goff nur 8/13 für 104 Yards. Ohne Play-Action Passing war Goff noch schlechter: 7/15 für 82 Yards. Konnte McVay seinem Quarterback einfach nicht vertrauen?
  • Die Rams führten 20-7, doch das allein war nicht der Grund für die lauflastige Offense, denn schon auf dem Weg dorthin war Los Angeles stärker auf Lauf denn auf Pass fokussiert gewesen.
  • Eine interessante Theorie: Die Rams konnten anhand winziger Details die Vorhaben der Cowboy-DL lesen und waren deshalb so dominant im Running:

Was McVay auf alle Fälle bleibt: Sein Team zeigte sich wandlungsfähig. Nach zwei Jahren, in denen McVay zu den aggressivsten Pass-Playcallern in den frühen Downs gehört hatte, überraschte er Dallas mit einer Orgie an trockenen North/Run Runs über die Offensive Line drüber. McVay hatte seinen Plan B.

Gegner Dallas hatte den nicht – die Cowboys kommen nur über das Laufspiel. Man hatte Hoffnungen gehegt, dass man gegen die wackelige Run-Defense der Rams ankommen könnte. Doch die Hoffnung zerschlug sich schnell: Nur 28% Run-Success Rate in den Early-Downs (1st + 2nd Down), nur 2.1 Yards/Carry.

Es wäre also Zeit gewesen, in den Pass-Modus zu schalten, doch das traute sich das Trainergespann Garrett/Linehan nicht: Obwohl das Passspiel in den frühen Downs 9.8 NY/A einbrachte, wesentlich mehr als der Lauf, vermied es Jason Garrett bis spät ins letzte Viertel hinein krampfhaft, eine alleinige Pass-Offense aufzuziehen.

Er bliebt bei roughly 60% Pass-Quote in den frühen Downs – viel zu niedrig! Zu viele eingestreute Runs sorgten dafür, dass Dallas viele 3rd Downs ausspielen musste – und dort war Garrett dann ganz alte Schule: 10x Third Down, 9x Passspiel.

Ein einziges 3rd Down führte zum Erfolg.

Hätte Garrett auf die Hälfte seiner Runs in 1st und 2nd Down verzichtet und dafür Passspiel angesagt, die Cowboys hätten sich die Hälfte der 3rd Downs erspart und hätten am Ende eine realistische Chance auf das Weiterkommen gehabt.

Taten sie nicht – und daher mussten die L.A. Rams auch nie aus ihrer Comfort-Zone. McVay legte in dieser Partie kaum Karten auf den Tisch, bleibt für das NFC-Finale ein Dark-Horse. Wir wissen nur zwei Dinge:

  1. McVay ist in der Lage, seinen Gameplan radikal anzupassen, was schlechte Nachrichten für den Gegner sind.
  2. Auf der anderen Seite bleibt die Hoffnung, dass McVay den Gameplan anpassen musste, weil er Goff nicht mehr über den Weg trauen kann.

In dem Fall kann der NFC-Finalgegner vom Sonntag jubilieren.

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4 Kommentare zu “Rams vs. Cowboys-Nachklapp: Nur Sean McVay nutzt seinen Plan B

  1. Zitat: „Konnte McVay seinem Quarterback einfach nicht vertrauen?“
    Dies war das Augenfälligste an diesem Spiel. Turn Over vermeiden.

  2. Wenn wir schon spekulieren, dass es ein Problem mit Goff geben könnte: gibt es vielleicht Ideen, was das Problem beispielsweise sein könnte? Er wird ja nicht über Nacht erblindet sein…

    Wobei ich die andere These auch einleuchtend finde: in den Playoffs einen langweiligen Gameplan zücken, wenn er zum Sieg zu reichen scheint. Keine originellen, komplex geschemeten, starken Spielzüge. Die wären sonst verballert, wenn New England, Chiefs oder Saints sie einmal gesehen haben. Wenn man es sich leisten kann…?

  3. Ob diese These stimmt, werden wir spätestens am Sonntag sehen – dann wird Sean McVay seinen Plan B mit Goff im Zentrum offenlegen müssen.

  4. Pingback: NFL Power Ranking 2018 – Divisional Playoffs | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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