Two Point Conversion: Wie schlimm war es bei Jason Garrett wirklich?

Die Entscheidung der Dallas Cowboys, am Samtag mit 2:11 Minuten nach dem Verkürzen des Rückstands auf 21-30 nicht auf Two-Point Conversion zu gehen, wurde von FOX-Kommentator Troy Aikman mit Beifall beklatscht – ein für gewöhnlich recht sicheres Zeichen, dass es sich um die falsche Entscheidung handelt.

Tat es auch – statistisch. Meine Live-Gedanken dazu…

Dallas geht danach nicht auf 2pts Conversion. Aikman sagt richtig. Also ist es falsch. Aber in Wahrheit ist es wegen der geringen verbleibenden Zeit eigentlich völlig wurscht. Zu viel Zeit hat Dallas den Bach runtergehen lassen.

Quelle: Liveblog vom Samstag

sorgten bei Twitter für Diskussionen. Tenor: Man wollte mich überzeugen, dass Dallas in dieser Situation unbedingt auf 2pts gehen hätte müssen. Ich argumentierte dagegen. Auf Bitte eines Lesers die Begründung für meinen „anti-analytischen“ Take.

Also: Warum war Garretts Entscheidung wurscht?

Wie der Twitter-User Moo in einem ergiebigen Threat aufschlüsselt, wäre die richtige Entscheidung beim Verkürzen auf 9 Punkte Rückstand, die Two-Point Conversion auszuspielen (ich stimme zu, Scott Kacsmar/FO nicht).

Einen ergiebigen Artikel zu diesem Thema hat Chase Stuart vor Jahren geschrieben – Fazit: Teams sollten in der Situation zwingend ausspielen.

Doch die treibende Kraft hinter dieser Entscheidung ist weniger ein klarer statistischer Vorteil wie etwa beim Verkürzen auf 8 Punkte (immer vor dem Extrapunkt/Conversion), sondern viel mehr etwas anderes: Information. Wenn sie die 2-pts Conversion ausspielen, wissen sie früher wie sie das restliche Spiel strategisch angehen müssen, anstatt sich auf eine eventuelle Alles-oder-Nichts Situation in letzter Sekunde zu verlassen.

Nach dem TD, der auf 9 Punkte Rückstand verkürzt, gibt es folgende Szenarien:

  • Bei erfolgreicher Conversion sind es 7 Punkte Rückstand: Du braucht TD + PAT zum Ausgleich.
  • Bei misslungener Conversion sind es 9 Punkte: Du brauchst mehr als einen Scoring-Drive.
  • Bei PAT sind es (im Normalfall) 8 Punkte: Du brauchst TD + Conversion, also zögerst du die Entscheidung bis zum Ende hinaus.

Doch: Gerade weil es in der Jason-Garrett Situation „nur“ um Information geht, ist der Zeitpunkt von 2:11 Minuten vor Schluss trotz der Verfügbarkeit aller drei Timeouts zu spät für Dallas, um Jason Garrett aus dieser Entscheidung einen Strick zu drehen.

Garrett hätte sowieso keine zwei weiteren Possessions mehr bekommen. Ergo bleibt die Entscheidung zwar statistisch suboptimal, aber sie ist für den weiteren Spielverlauf so gut wie ohne Konsequenz. Das sah auf Twitter schließlich auch der Stats-Überguru Brian Burke so:

Die Frage 2pt oder nicht? bei Verkürzen auf 9 Punkte Rückstand hat wohl spätestens mit ca. 4:30, vielleicht mit 4:00 Minuten, und allen drei Timeouts auf der Uhr überhaupt noch Relevanz. Alles hinterher erlaubt dem Gegner keine zwei Drives mehr.

Also, um die Titelfrage zu beantworten: Es war nach seinem Trödel-Clock Management ohnehin zu spät für Garrett, aus dem Ausspielen der 2-pts Conversion noch ausreichend Information zu ziehen, als dass seine analytische Verfehlung Konsequenzen nach sich gezogen hätte.

Doch hätten wir uns noch fünf Minuten vor Schluss bewegt, wäre es für Garrett sehr wohl eine dramatische Entscheidung gewesen und er hätte sich mit einer Entscheidung zu kicken verbale Prügel anhören müssen.

3 Kommentare zu “Two Point Conversion: Wie schlimm war es bei Jason Garrett wirklich?

  1. Also mit anderen Worten: Garrett/Linehan haben zwar einen riesigen Fehler gemacht, aber der Fehler war das Clock Management und nicht die Entscheidung, den PAT zu kicken?

  2. Der Link zu Chase Stuart führt einen nur auf Twitter.
    Ich würde sagen bei sowenig Zeit und nur noch 1 Drive ist es besser auf den PAT zu gehen, da du so dein Team motivierter hältst. Bei misslungener 2pt hast du garantiert verloren.

    Clock-Management:
    Ist irgendwie immer noch nicht wirklich auf einem hohen Niveau. Irgendwer hat sein TO bei 2:07 im 4ten Quarter genommen, also nur 7 Sekunden gewonnen.
    Es sieht bei zurückliegenden Teams nicht gut aus, aber auch einige führende Teams gehen mir in der 2ten Hälfte zu sehr auf Uhr runterspielen und nicht mehr auf erfolgreich spielen. Klar ist es sinnvoll die Uhr runterlaufen zu lassen, nur ist es genauso wichtig auch weiter zu scoren.

  3. Zur Motivation : das ist meines Erachtens nach eine Coaching Aufgabe . Überzeuge die spieler, das dein Weg der richtige ist.

    Ansonsten habe ich den Eindruck, dass sich bei vielen Teams der gameplan geändert hat. Weg von Entscheidungen die das Spiel eng halten hin zur Idee von wir wollen ganz schnell drei Scores in Führung sein und killen den Gegner dann mit Passrush und blitzes bis er Fehler macht. – den Gegner eindimensional machen um es der eigenen Defense zu erleichtern

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