College Football – Saison 2018/19 Roundup

Die Saison 2018/19 im College Football ist gelaufen – Clemson ist der große Champion, Alabama die besiegte Dynastie. Doch ist damit eine Zeitenwende eingeleitet, oder wird das Imperium zurückschlagen?

Was war die prägende Geschichte, mit der diese abgelaufene Saison 2018/19 in Erinnerung bleiben wird? Welche waren die großen Überraschungen, welche die großen Enttäuschungen?

Der Roundup zur College-Football Saison – heute noch einmal als Gemeinschaftswerk mit Christian Schimmel (Der Draft.de / @Chris5Sh) und Jan Weckwerth (Triple Option Blog / @giannivanzetti), mit denen ich gemeinsam noch einmal auf die abgelaufene Saison zurückblicke. Wie viel Einigkeit herrscht ob der großen Storylines?

Unter welchem Schlagwort/Motto würdest du die abgelaufenen College Football Saison zusammenfassen?

korsakoff – Der Fokus auf das Playoffrennen. 2018 war das fünfte Jahr unter dem aktuellen System, und mit jedem Jahr zeigt sich deutlicher, wie sehr das Rennen um die vier Halbfinalplätze das Geschehen dominiert. Es gibt natürlich die vielen Geschichten von nebenan, die UAB Blazers und UCF Knights und alle feel good und feel bad Geschichten. Aber machen wir uns nichts vor: Alle großen Colleges entscheiden nur noch nach dem einen Kriterium: Wie kann ich mich vom überholten Conference-Championship lösen und mich mit Verve ins Playoffgeschehen einmischen?

Jan Weckwerth –  Same old, same old. 2018 wird sicherlich nicht als die spektakulärste Saison aller Zeiten in die Annalen eingehen. Es gab vergleichsweise wenig Upsets, selten wirkliche Dramatik und kaum Spiele, die dauerhaft in Erinnerung bleiben werden – und wenn, dann überraschte vor allem deren Deutlichkeit (beispielsweise The Game oder auch das National Championship Game). Drei Power 5-Teams ohne Niederlage sowie zwei weitere mit nur einer Niederlage unterstreichen diesen Eindruck. Letztlich hat sich die hohe Qualität fast immer durchgesetzt.

Christian Schimmel – Die Lücke wird größer – Die Ära der Favoriten. Recruiting + Coaching = Winning. Die Unterschiede, auch unter den guten Programmen werden immer größer. Immer weniger Teams haben eine realistische Chance auf den Titel.

Deine Überraschung der Saison?

korsakoff – Notre Dame nein, denn alles, was mich an Notre Dams Aussichten im Sommer skeptisch machte, war die Aussicht auf einen brutalen Schedule (der dann nicht kam). Michigan wäre meine Aussage zur Saisonhälfte gewesen, doch Michigan brach am Ende ein. So wäre am Ende UCF zu nennen: Nicht mehr so stark wie 2017, aber mit neuem Head Coach erneut ungeschlagen durch die Regular Season zu kommen, scheint mir das überzeugendste Argument für diese Frage zu sein.

Jan Weckwerth – Große Sensationen blieben Mangelware, daher würde ich hier am ehesten UCF nennen. Dass die Knights mit einem komplett neuen Coaching Staff unter HC Josh Heupel erneut ungeschlagen durch die reguläre Saison gehen, hatte ich definitiv nicht erwartet. Das Team war so gefestigt, dass es sogar die fürchterliche Verletzung von Star-QB McKenzie Milton halbwegs verkraften konnte. Trotz eines beträchtlichen Rückstands im AAC Championship Game gegen Memphis in der folgenden Woche zerbrachen die Knights nicht, sondern inszenierten mit ihrem Backup-QB ein großartiges Comeback.

Christian Schimmel – Zunächst die Tatsache, dass es in Summe so wenig Überraschungen gab. Ansonsten Notre Dame. Ich hätte niemals vermutet, dass sie mit den Abgängen auf einem derartigen Niveau spielen. Brian Kelly hat durch die Anpassungen in seinem Coaching Stab eine wirkliche Wende bewirkt. Was man Kelly geben muss, war der Mut den Quarterback früh im Jahr zu wechseln und diesem zu vertrauen. Weiterhin über meinen Erwartungen haben gespielt: Kentucky, Northwestern und Utah.

Deine Enttäuschung der Saison?

korsakoff – Wisconsin war einer meiner Playoff-Tipps, eine kolossale Fehleinschätzung. Doch es führt nichts an FSU vorbei, das im Debütjahr von Willie Taggert komplett auseinander fiel.

Jan Weckwerth – Aus meiner persönlichen Fanperspektive ganz klar die Niederlage von Buffalo im MAC Championship Game. Eine 29-10 Führung gegen Northern Illinois zu verspielen, obwohl die Huskies deutliche Limitationen im Passspiel hatten, werde ich so schnell nicht vergessen oder verdrängen.

Davon abgesehen denke ich beim Wort Enttäuschung zuerst an Wisconsin. Eine überragende Kombination aus O-Line und RB Jonathan Taylor, das talentierteste Receiving Corps seit einigen Jahren sowie ein zumindest erfahrener Quarterback – dafür war der offensive Output viel zu gering (was vor allem am Passspiel lag). Zudem spielte die Defense längst nicht auf dem Niveau vergangener Jahre und offenbarte eine Menge ungewohnter Schwachstellen (Passrush, Secondary, Contain). So kamen die Badgers lediglich auf eine 7-5 Bilanz in der regulären Saison, anstatt überlegen die Big Ten West zu gewinnen (wie eigentlich alle Experten prognostizierten) und eventuell sogar eine Outside-Chance auf die Playoffs zu haben. Immerhin gelang ein versöhnlicher Abschluss durch einen Bowlsieg gegen Miami, eine der anderen großen Enttäuschungen.

Christian Schimmel – M&M Michigan und Miami. Für Michigan war 2018 das Jahr in dem es bis ganz nach oben gehen müssen. Auch die Art und Weise wie chancenlos man über weite Strecken der Partie gegen Ohio State war, kam für mich letztlich sehr überraschend. Klar es waren auch sehr gute Partien dabei, der Blowout gegen Penn State nur mal als Beispiel, aber es ist schon bemerkenswert, dass der letzte Schritt nicht gelingt.

Bei den Hurricanes hat es mich überrascht, wie sehr die Mannschaft eingebrochen ist, gleichwohl eine leichte Verschlechterung zu erwarten war. Dazu dann noch das in meinen Augen sehr komische Timing vom „Rücktritt“ von Mark Richt. Definitiv kein gutes Jahr für die Canes.

Rein schematisch: Das was die Offense von Kevin Sumlin mit Khalil Tate und dem Angriff der Arizona Wildcats gemacht hat. Es geht mir nicht in den Kopf, wie ein eigentlich durchaus fähiger Coach so am Potential seines vermeintlich besten Spielers vorbei coacht.

Dein Spiel der Saison?

korsakoff – Kein Jahr für überwältigende Thriller, also gehe ich mit dem denkwürdigsten Spiel der Saison. Und das war das National Championship Game: Clemson 44, Alabama 16. Es ist nicht der Sieger, der überrascht – aber die Art und Weise, wie die Dynastie Alabama an die Wand genagelt wurde, macht diesen Final-Upset zum größten aller Zeiten.

Jan Weckwerth – Hier bin ich ganz konservativ und wähle das SEC Championship Game zwischen Alabama und Georgia. Dieses Spiel hatte fast alles: hohe individuelle Qualität der beiden Teams, großartige offensive und defensive Spielzüge, Hochspannung bis zur letzten Sekunde, fragwürdige Coaching-Entscheidungen und als Sahnehäubchen das Comeback des Jalen Hurts, das bei mir immer noch Gänsehaut hervorruft, obwohl ich mit Alabama eigentlich nichts anfangen kann.

Das verrückteste Ende gab es übrigens beim wenig prestigeträchtigen Duell zwischen Western Kentucky und Old Dominion. Wer mal schauen will:

Christian SchimmelSEC Championship Game Alabama vs. Georgia. Auch wenn es letzten Endes ein Gefühl des NCGs 2018 hatte, war das alles in allem ein fantastisches Football Spiel und ich habe Jalen Hurts diesen Moment sehr gegönnt.

Trevor Lawrence oder Tua Tagovailoa?

korsakoff – Tua ist die coolere Geschichte, aber Lawrence wirkt auf mich wie der bessere Spieler. Ich werde bestimmt etwas übersehen, aber ich habe den Tua-Hype nie ganz verstanden: Ein famoser QB ja, aber dass Tua zum komplettesten Paket ever hochgejazzt wird? Call me not entirely convinced.

Jan Weckwerth – Die Frage ist: In welcher Hinsicht? Aktuelle Leistung? Heisman 2019? Draft? NFL-Karriere?

So oder so, die Entscheidung zwischen den beiden muss eng ausfallen. Lawrence ist der abgezockteste true Freshman QB, den ich je erlebt habe. Seine Pocket Presence, sein Pocket Movement sowie sein Decision Making sind bereits jetzt besser als von einigen NFL Quarterbacks. Hinzu kommen die prototypische Größe und ein starker Arm, der ihm Würfe in kleinste Fenster erlaubt.

Tua ist schon allein aufgrund seiner geringeren Größe ein anderer QB-Typ. Er besticht vor allem durch extrem schnelles Processing (klappert also seine Reads in nullkommanix ab) und ein beinahe perverses Ball Placement, insbesondere bei Slants und Crossing Routes. Tua lässt schwierige Plays oft wahnsinnig einfach aussehen. Ihn könnte ich mir mit seiner Genauigkeit und Mobilität später übrigens gut in einer auf West Coast-Elementen basierten Offense vorstellen. Leichte Sorgen macht mir allerdings die Häufung der Verletzungen.

Kurz: zwei Quarterback-Talente, die einem nicht alle Jahre über den Weg laufen. Da ich hier aber (leider) wählen muss, entscheide ich mich knapp für Lawrence.

Christian Schimmel – Als College Quarterback: Tagovailoa, als NFL-Prospect: Lawrence. Tua, mit seinen Improvisationskünsten stehen für viel, was für mich College Football ausmacht. Lawrence ist vielleicht jetzt schon besser und mit Sicherheit, stand heute, der bessere Pro Prospect, aber sein Stil ist insgesamt nüchterner.

Wohin geht Alabama mit Saban?

korsakoff – Straight in die nächsten Playoffs 2019/20. Die Frage wird dann sein, ob Tua sie spielen oder aussetzen wird. Letzteres wäre ein Dolchstoß für den College Football.

Jan Weckwerth – Alabama bleibt auch in der kommenden Saison ein ganz heißer Titelanwärter. Man darf nicht vergessen: Die Tide hat die dominanteste regular Season ihrer langen und erfolgreichen Geschichte gespielt. Der gefürchtete Passangriff um Tua und seinen hochtalentierten Receivern kehrt (mit Ausnahme von TE Irv Smith) 2019 zurück, und auf RB braucht man sich traditionell eh keine Sorgen zu machen (da kommt mit Trey Sanders wieder ein Riesentalent hinzu). In der Defense müssen wie jede Saison ein paar Schlüsselspieler ersetzt werden, bei den Coaches sieht es ähnlich aus. Doch wenn einer solche Verluste auffangen kann, dann Nick Saban. Zudem hat er erneut die beste Recruiting Class an Land gezogen mit einigen Top-Spielern für die aktuell neuralgischen Positionen O-Line und Passrush. Würde mich also nicht wundern, wenn ein paar Freshmen sofort einschlagen.

Christian Schimmel – 2019 zunächst mal ins SEC Finale, in die Playoffs und dann mal schauen was kommt. Clemson und Georgia werden an der Spitze bleiben. Oklahoma, Ohio State, vielleicht Texas oder Notre Dame können vielleicht schon einstoßen. Ansonsten geht Nick Saban mal wieder neue Coaches suchen, die ihm Jahr für Jahr abhandenkommen. Der Einzige, der bei Alabama entscheidet, was mit Nick Saban passiert, ist Nick Saban. So lange er da ist, wird Alabama in der Spitze sein.

Saison 2019 – wer ist deine beste Wette: Clemson, Alabama, Georgia?

korsakoffAlabama, wie immer.

Jan Weckwerth – Ohne das Finale zu stark zu gewichten, fällt meine Wahl dennoch auf Clemson. Die Offense stellt wohl das beste Set an Skill Playern (QB Lawrence, RB Etienne, WRs Higgins & Ross), und die Defense hat trotz des Abgangs der kompletten D-Line meiner Meinung nach weniger Fragezeichen als die von Alabama. Als weiterer Faktor sollte darüber hinaus die hohe Stabilität des Coaching Staffs der Tigers nicht unterschätzt werden.

Georgia verlor viele Skill Player, besitzt aber aktuell die beste O-Line unter den Favoriten. Ich hoffe, dass der Nachfolger von OC Jim Chaney die Offense ein wenig mehr öffnen wird. Wenn QB Jake Fromm sich weiterentwickelt und die Defense ihre Problemzonen (insb. Passrush) verbessert, könnten die Bulldogs überraschen.

Christian Schimmel – Meine Jetons liegen auf der Crimson Tide. Für ein Alabama Team verlieren sie verhältnismäßig wenige Spieler. Dazu sehe ich in der SEC West noch keinen der sie wirklich fordern kann.

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