NFL Championship Games 2018/19 – Preview

Football!

Heute in der aufwendig gestalteten Collector’s Edition aus dem obersten Regal: Die vier besten Mannschaften des Power Rankings, die vier Mannschaften mit den meisten Punkten – und vor allem vier der besten Head Coaches aktuell (oder ist Andy Reids Clock Management still a thing?)

21.05Uhr: LA Rams (14-3) @ NO Saints (14-3)

00:40Uhr: NE Patriots (12-5) @ KC Chiefs (13-4)

Rams @ Saints

Viel wird geredet über LAs Konzentration auf 11 personnel und wie so eine “simple” Eintönigkeit auch erfolgreich sein kann und ob McVay nicht lieber flexibler sein sollte. Der Trick ist aber ein ganz anderer. Das besondere ist, daß vieles gleich aussieht – aber unterschiedlich ist. Er hat ein Basic Element von seinem ehemaligen Vorgesetztem Kyle Shanahan mitgenommen: mach, das für den Gegner pre-snap alles gleich aussieht. Shanahan hatte es in der legendären 2016er Saison bei den Falcons zur Perfektion gecoacht: Jeder Spieler hat bei jedem Laufspielzug die ersten zwei Sekunden genauso gehandelt wie beim dazugehörigen Play-action Pass. Es ist kein Zufall, daß die Rams eines erfolgreichsten Teams mit Play-action sind und auch mit am häufigsten Play-action spielen.

Ein zweites Element sieht man auch bei Belichick und Brady. Es stehen zwar die gleichen Spieler auf dem Feld, aber sie stehen ständig woanders. Bei den Rams ist es 11-personnel. Immer die geichen Spieler, aber es gibt tight formations; es gibt empty sets, bei denen der RB als WR spielt. Es gibt Spielzüge, da steht der Tight End an der Seitenlinie; es gibt bunch und stack formations, viel Motion und pre snap movement. Wenn man nur nach “personnel” geht, ist McVay wenig flexibel, wenn man sich die “tatsächlichen” Aufstellungen anschaut, ist er extrem vielseitig.

Das interessanteste an McVay ist tatsächlich, daß er kaum neue Ideen hat, aber es sehr gut versteht, andere Ideen zu übernehmen, in sein Playbook zu integrieren und seinen Spielern beizubringen. Ein anderes Beispiel sind noch die häufigen Aufstellungen von allen Receivers sehr nach an der Offensive Line, diese condensed formations hat Bruce Arians in seiner späten Zeit ins Extrem getrieben. Der Vorteil ist dabei offensichtlich:  ein Receiver, der in der Mitte des Feldes startet, kann nicht nur zu einer Seite abbiegen, sondern zu zweien, WRs an der Seitenlinie ist notwendigerweise eine Seite versperrt. Wenn es logisch ist und funktioniert, wer tut es dann auch? Belichick, Reid, Payton. Belichick hat die Pats-O 2007 auf ein neues Level gehoben mit Wes Welkers Juke-Route aus dem Slot.

Payton hat diese Idee dann genommen und mit Marques Colston einfach tiefer laufen lassen. Nicht fünf Yards down the field, sondern zehn bis zwölf. Mit einem sehr großen WR wie Colston hat man dann noch die zusätzliche Option, auch so weit hinter der Line of Scrimmage einen Jump Ball in die Mitte werfen zu können. Bruce Arians hat das dann noch weitergetrieben und sich gefragt: warum nur ein Receiver in der Mitte mit vier Optionen (rechts, links, umdrehen, tief laufen). Und so hat er vier WRs/TEs zwischen Offensive Tackles und den auf dem Feld aufgemalten Nummern aufgestellt, in der Regel sehr nah beieinander („bunch”, „stack“), die sich dann erst tief in alle Winde zerstreut haben. Und Andy Reid hat einen ganz speziellen Spieler in Tyreek Hill, der nicht nur rechts, links und umdrehen kann – sondern auch mit Lichtgeschwindigkeit ganz tief gehen.

Nochmal zurück zum gleichen Personnel. Auch das gibt es ja schon länger, nämlich vor allem bei Belichick. Bellys Fetisch sind vielseitige Spieler. Cordarelle Patterson kann sowohl als Receiver Routen laufen (wenn auch nicht besonders viele); als Jet-Sweep- oder End-Around-Ballträger um alle Verteidiger herumlaufen oder sogar als Running Back spielen. James White kann laufen, aus dem Backfield heraus Paßrouten laufen als auch direkt als WR aufgestellt werden. Hernandez war sogar noch extremer: Tight End, Slot Receiver, Wide Out, oder auch RB. Derzeit kann New England mit White, Develin und Patterson auf dem Feld jede erdenkliche Aufstellung vom 5-wide-empty set bis hin zum 21-power rushing play alles mit den selben Spielern laufen. McVay spielt zwar meist ohne Fullback, kann aber auch mit seinem 11-personnel locker ein Dutzend verschiedene Formationen spielen. Zumal zu in den letzten Wochen nur noch 90% aus 11 spielt und neue Spielergruppierungen aufs Feld schickt.


Man kann es aber auch umdrehen: es sieht unterschiedlich aus, ist aber das gleiche. Sean Paytons Offense sieht unfaßbar vielseitig aus: sehr viele verschiedene Spieler, die sich immer sehr unterschiedlich aufstellen. Allerdings gibt es dann dabei oft die gleiche Handvoll Spielzüge.

Drew Brees gefährlichste Waffen, Alvin Kamara und Michael Thomas, müssen gar nicht fürchterlich viele Dinge können, sie müssen es nur an sehr viel verschiedenen Orten und aus verschiedenen Positionen heraus beherrschen.

Anfang November haben Brees, Thomas & Co die Rams abgeschossen mit 35 Punkten in der ersten Halbzeit. Die Rams-D ist schon etwas besser geworden, vor allem ist CB Talib wieder dabei, aber es ist einfach keine besonders gute Defense. Man kann gegen sie durch die Mitte laufen (auch wenn da Aaron Donald steht) und gegen sie passen können gute Quarterbacks auch. Letzte Woche gegen Dallas sah diese Defense auch erschreckend passiv aus – und wo war eigentlich Aaron Donald? Die Rams-O hatte den Ball für 37 Minuten, dadurch ist es nicht so aufgefallen. Und vor allem ist es nicht aufgefallen, weil Dallas’ Offense so lächerlich vorhersehbar war.

Rams’ DC Wade Philipps hatte immerhin eine freche Idee: er hat bei 1st- & 2nd-Downs und 11 Personnel, auch bei langen Downs, konsequent mit seiner Base Defense gespielt. Wenn dann auf der anderen Seite jemand aus dem Trottelheimer-Clan den Gameplan festlegt, ist es für die Defense einfach. Base Defense können die Rams heute nicht bei 1st Down gegen 11 Personnel spielen. Sie brauchen einen anderen Plan.

Nochmal zurück zum “passiv”: die Defensive Backs haben beim Snap sehr weit weg gestanden von den Wide Receivers (“off coverage”). Philipps spielt mit seinen Rams regelmäßig lockere Zonenverteidigung in der Hoffnung, daß durch den Druck vorne (Donald) die Cornerbacks (Talib, Marcus Peters) überhastet geworfene Bälle abfangen können. Insgesamt ist das eine Defense, die nach allen Metriken von zugelassenen Punkten über Yards bis zu DVOA an der Grenze zum unteren Drittel der NFL ist. Es sieht hier schlecht aus für die Rams gegen die Saints.

Hoffnung gibt den Rams vielleicht die angeschlagene Offensive Line der Saints. Letzte Woche hat ein verletzter Fletcher Cox in den wenigen Snaps, die er spielen konnte, ständig den Durchbruch ins Backfield der Saints geschafft. LG Andrus Peat wird wahrscheinlich spielen, obwohl er eine gebrochene Hand hat; und diese Woche ist nun auch Center Max Unger angeschlagen (Knie), nachdem er letzte Woche der einzige Linienspieler ohne Verletzung war. Eventuell auch Hoffnung machen könnte, daß die Saints in Kamara und Thomas nur zwei wirklich gefährliche Spieler haben. Da nun Deep Threat Ted Ginn zurück ist, wird man nicht beide doppeln können, aber mindestens einen muß man schematisch rausnehmen. Den Rest dann safe vor sich halten, nichts großes zulassen und hoffen, daß vorne der Pass Rush schnell genug durchbricht. Oh. Ok. Jetzt merke ich es auch: vielleicht ist der Ansatz von Phillips doch gar nicht der schlechteste. Es wird aber ganz, ganz schwer für LAR, denn heute spielen sie nicht gegen Jason Garrett und Scott Linehan (jetzt gefeuert als Bauernopfer für Garret), sondern Sean Payton und Drew Brees. Das ist ein Unterschied wie zwischen Physiklehrer an einem Gymnasium in Mecklenburg versus Physik-Nobelpreisträger am MIT.



Die andere Seite ist auch bekannt: die Rams-O basiert auf dem Laufspiel, hat sehr viele Play-Action-Elemente und versucht gerne Shot Plays mit Max Protection. Wie aber weiter oben geschrieben: McVay ist flexibel und klug genug, seinen Plan zu ändern, wenn der ursprüngliche nicht funktioniert. Sie können mit Jared Goff genauso No-Huddle-Drives spielen, bei denen häufig aus der Shotgun gepaßt wird. Sie können auch mit ihrer guten Protection in Ruhe deine Zonenverteidigung angreifen. Und sie können auch deine Schwachstellen in der Secondary mit maßgeschneiderten Routenkombinationen entblößen. Zumindest können sie das theoretisch, auf der Taktiktafel. Auf dem Spielfeld bleiben leider viele gute Ideen liegen, weil Goff einfach nicht gut genug ist. Goff ist ein solider Typ, der theoretisch alle Würfen machen kann – sie aber zu oft nicht macht. Ein Kirk Cousins in dieser Offense oder vielleicht sogar ein Andy Dalton wären hier ein Upgrade. Immerhin ist Goff jung genug, daß er sich da noch hinentwickeln kann.

Es ist mit dieser Offensive Line, diesen Skill Position Players und diesem Coaching Staff eine wirklich luxuriöse Situation für jeden Quarterback. Goff macht zu wenig draus.

Wer aus dieser Situation mehr macht, ist natürlich Todd Gurley. Da Gurley aber schon seit mehreren Wochen Wehwehchen im Knie plagen, ist sein Ersatzmann C.J. Anderson die dicke Überraschung der letzten Wochen. Unter Vertrag genommen am 18. Dezember, seitdem in drei Spielen mehr als 60 Carries für mehr als 400 Yards und vier Touchdowns. Er sieht zwar nicht aus wie ein Muscle Hamster, sondern eher wie eine Speckmaus, aber es funktioniert. Er profitiert natürlich von der starken O-Line, aber bei ihm kann man vor allem sehen, was Scouts meinen, wenn sie von Balance bei einem RB schwärmen: “Contact” von rechts und links gleicht er instinktiv aus wie ein erfahrener Discogänger in der Zappelbude morgens halb vier und verhindert das schnelle Stürzen.

Das Laufspiel sollte hier gute Chancen haben, vor allem vor dem Hintergrund der Verletzung von Sheldon Rankins. Auch die anderen Elemente wie das Play-Action werden die Saints nicht vollständig stoppen können. Die Frage wird nur sein, wie gut oder schlecht Goff aussieht, wenn er passen muss.

NO hat den besseren Quarterback, NO hat die bessere Defense, NO hat den Heimvorteil im lauten Dome. Will LA hier mithalten, muß entweder Sean McVay sein Meisterstück abliefern oder Aaron Donald Drew Brees auffressen. Wettbüros und korsakoffs Power Ranking sehen NO mit 2,5 bis 3,5 Punkten vorne – das fühlt sich zu wenig an.

Patriots @ Chiefs

New England wird hier viele Punkte machen müssen (#deepanalysis). Auf dem Papier sieht das auch ganz gut aus. Denn sie sind sehr vielseitig. Sie haben Plan A und Plan B obenauf liegen, Plan C griffbereit. Und der Kitchen-Sink-Plan ist auch im Gepäck.

Wir haben da letzte Woche drüber geschrieben: New England hat eine sehr moderne Offense. Eine Offense, die die Verteidigung in die Breite ziehen kann, aber auch hinter dem Fullback durch die Mitte laufen kann (außer den Rams haben alle Mannschaften heute einen recht häufig genutzten Fullback im Kader). Das Laufspiel der Patriots hatte schon immer viele Power Blocking Elemente im Repertoire, vor allem Pulling Guards. Aber mittlerweile spielen sie fast genauso häufig zone blocking schemes. Sie haben drei vielseitige Running Backs mit Sony Michel, Rex Burkhead und James White. Sie haben eine hervorragende Interior Offensive Line mit Thuney, Andrews und Shaq Mason. Mit Trent Brown und Marcus Cannon haben sie zwei monströse Tackles, die stark im Laufblocken sind. Und sogar der Invalide Gronkowski hat letzte Woche mit seinem bärenstarken Run Blocking gezeigt, daß er noch nützlich sein kann, wenn die Sterne richtig stehen.

Das Paßspiel basiert stark auf Play-Action, vielen Pässen zu den Running Backs, den kurzen Klassikern zu Edelman, und maßgeschneiderten tiefen Routen zu Dorsett und Hogan, die ermöglicht werden durch Max-Protection (also ein oder zwei TEs/FBs/RBs blocken mit gegen den Pass Rush). Das ist alles bekannt und wenig neu. Je nachdem, was funktioniert, wechseln sie die Pläne oder ziehen einfach Plan A durch, wenn er funktioniert, so wie letzte Woche gegen die Chargers.

Was hat Kansas Citys Defense? Erstmal einen guten Pass Rush mit Justin Houston, Dee Ford und Chris Jones. Allerdings helfen dir gute Edge Rushers wie Houston und Ford selten gegen New Englands Offense, das hatten wir letzte Woche auch schon. Gefährlicher schon ist da ein guter Pass Rusher durch die Mitte, wie #95 Jones einer ist. Viele Jahre war der blueprint gegen Brady: Druck durch die Mitte. Das ist mittlerweile schwieriger geworden, weil da neben 10$-Million-Dollar-Man Shaq Mason auf RG auch auf LG und C mit Joe Thuney und David Andrews zwei starke Bullen stehen.

Was hat Kansas Citys Defense noch? Im Grunde nicht viel, wenn der Pass Rush per Playdesign eliminiert werden kann. Interessant ist #91 Derrick Nnadi, Rookie Defensive Tackle. Wenn der zusammen mit #95 Jones Läufe im Ansatz stopppen kann, muß New England in lange Passing Downs und dann kommt auch der Pass Rush über die außen wieder zu tragen.

Was noch? DC Bob Sutton läßt gegen Kurzpaßartisten wie Brady gerne acht oder gar neuen Spieler in Coverage droppen. Das funktioniert manchmal, gerade weil ein Brady sehr immobil ist und sich auch mit viel Platzt nicht zu laufen traut; aber wenn nur zwei oder drei Verteidiger auf den Quarterback gehen, hat dieser manchmal alle Zeit der Welt und irgendein Receiver ist früher oder später frei.


Da aber auch Bill Belichick mit vielen Punkten durch KCs Offense rechnen muß, erwarten hier viele People of Patriots Nation ein sogenanntes Kitchen-Sink-Game (sinngemäß: alle nur erdenklichen Teile, “everything but the kitchen sink”).  Also ein Spiel, in dem auch die wildesten und seltensten Spielzüge ausgepackt werden. Der Flea-Flicker-Pass ist auf jeden Fall dabei; End Arounds & Jet Sweeps auch; Double Pass? Komische OLine-Formationen? Cordarelle Patterson? Letzte Woche hat Brady sogar einen dieser neumodischen shovel passes gespielt. Letztes Jahr im Super Bowl sollte Brady sogar einen Paß fangen! Die Pats haben alles im Arsenal, was irgendjemand in den letzten 30 Jahren mal auf einem Footballplatz gezeigt hat. Und wenn sie viele Punkte scoren müssen, zeigen sie davon auch viel.

Zur Legende geworden ist das 2014er Divisional Playoff Game, als die Pats im dritten Viertel mit 14 Punkten gegen die Ravens zurücklagen und erst angefangen haben, RB Shane Vereen als Offensive Lineman aufzustellen, der inelligible ist, und den Hoo-Man, Michael Hoomanwanui, als Left Tackle, der eligible ist; bevor Julian Edelman einen Touchdownpaß geworfen hat. Wenn die Pats nicht über die Chiefs drüberlaufen wie letzte Woche über die Chargers, dann würde mich überraschen, gäbe es keine Trickspielzüge.

Die Patriots werden Punkte machen, keine Frage. Je nachdem, wie gut die Pläne A-C funktionieren und vor allem je nach Spielstand, werden sie auch die Spielzüge zeigen, die es nur einmal pro Jahr gibt.


Also: wie viele Punkte macht die andere Seite. Und vor allem: Was tun mit Mahomes? Blitzen! Und Du willst Hill oder Watkins 1-on-1 verteidigen? Nicht blitzen! Und du willst dir von Mahomes deine Zonen zerlegen lassen? Mannverteidigung! Und du willst Mahomes durch die Mitte scramblen lassen? Blitzen! Da waren wir doch schon. Also nicht blitzen! Du willst Mahomes ohne Pressure den offenen Mann suchen lassen?

Mahomes als Spieler und Reid als Playcaller sind so grandios talentiert, daß jeder Ansatz der Defense, eine bestimmte Schwäche zu attackieren, gleichzeitig der Offense neue Möglichkeiten eröffnet. Auch hier wieder: die Vielseitigkeit der Offense macht es so undankbar für die Defense.

Wenn man vor so einem im wahrsten Sinne des Wortes vielseitigem Problem steht, hilft im Leben immer nur eins: Komplexitätsreduktion. Also die ein, zwei großen Brocken anpacken; ein, zwei strategische Leitlinien festlegen – und den ganzen Detailscheiß erstmal ignorieren.

Numero uno dürfte relativ sicher sein. Mobile Quarterbacks versucht Belichick immer, in der Pocket zu halten. Auch wenn dafür der Pass Rush geschwächt wird. Er will hier Schulhoffootball verhindern, wo alle Spieler wie wilde Hühner rumlaufen. Zumal die Chiefs hier den großen Gockel haben. Im Super Bowl XLIX war das gegen Russel Wilson auch das Ziel. In einer Doku, ich glaube bei Do Your Job Pt.1, hat einer der Trainer auch die coaching points erläutert. Wichtig ist vor allem, nicht hinter den Quarterback zu geraten, wie es so oft bei Edge Rushers passiert, aber nicht weiter schlimm ist, weil man von dort aus auch weiter fighten kann – außer der QB kann laufen wie Wilson oder Mahomes. Also nicht wie aus der Kanonenkugel geschossen am Offensive Tackle vorbeilaufen, sondern lieber erstmal zögern, gucken, und den QB vor sich behalten statt sich zuvörderst auf den OT zu fokussieren.

Nummer zwei: Big Plays verhindern, auch um den Preis, viele First Downs abzugeben. Größte Big-Play-Gefahr hier sind eben Mahomes “on second reaction plays” und die tiefen Routen von Schallbrecher (und KCs einzigem verbliebenen Frauenschläger) Tyreek Hill.

Die Post-It Version:

  1. Nicht an Mahomes vorbeilaufen.
  2. Hill nicht vorbei laufen lassen.

Klingt simpel – soll es auch sein. Die Spieler sollen klar wissen, was die eine große Verantwortung ist. Klar: es gibt auch noch viele kleine. Aber bevor unser Verteidiger an die vielen kleinen denkt, soll und muß er erstmal an die eine goße Denken. Ein oder zwei Spieler werden dafür verantwortlich sein, daß Tyreek Hill unter keinen Umständen nur noch Gras vor sich sieht (ob mit Ball oder ohne). Und kein Pass Rusher darf Mahomes’ Rückennummer sehen.

Das macht den Rest schonmal simpler – wenn auch immer noch schwierig. Denn natürlich ist auch Travis Kelce eine Gefahr, und auch Sammy Watkins, und auch das Laufspiel. Aber damit muß man einfach leben.

Ein vielversprechender Ansatz könnten auch mit diesen zwei focal points die Amoeba-Fronts von New England sein. Dabei spielen sie nur mit einem oder zwei Defensive Linemen (Trey Flowers, in Kürze dutzendfacher Millionär, wird immer einer von ihnen sein) und vier oder fünf Linebackers und Safeties and der Line of Scrimmage. Alle bewegen sich vor dem Snap viel hin und her, und bei keinem ist vorher klar, ob er auf den QB geht oder sich in Coverage zurückfallen läßt. Ziel dabei ist, Mahomes vor dem Snap im Unklaren zu lassen, von wo der Pass Rush kommt und wie die Coverage nach dem Snap aussieht.

Bei diesen Amoeba-Fronts kann es nach dem Snap alles sein vom 3-Man-Rush mit vielen Zonenverteidigern knapp hinter der LOS bis hin zum Cover-0-Genickbruchblitz. Man darf nicht vergessen: Mahomes ist (fast) ein Rookie, er hat erst 18 Spiele in der NFL gemacht. Ihm fehlt die Erfahrung. In der Regular Season gegen NE hat er mehrere Bälle geworfen, bei denen er offenbar Verteidiger übersehen hat. Zwei wurden auch abgefangen (Hightower, Harmon), andere wurden nur knapp von den Verteidigern verfehlt.


Was Mahomes nicht fehlt, ist Selbstvertrauen. Und das ist erstmal eine sehr gute Eigenschaft für einen NFL-QB. Aber manchmal übersteigert er es wie Brett Favre an seinen schlechten Tagen und hält sich selbst für feuerfest und kugelsicher. Da muß er dringend besser werden und einfach mal den Ball wegwerfen. Stattdessen versucht er auch noch die verrücktesten Bälle zu werfen, die bei “normalen” Quarterbacks umgehend zur Zwangsauswechslung führen würden. Seine schlimmste Marotte sind die blinden Pässe zurück in die Mitte. Beim Scramblen gegen die Laufrichtung zurück Richtung Spielfeldmitte zu werfen ist dumm, dumm, dumm. Das ist auch dumm, wenn du Patrick Mahomes III. bist. Ja: es hat mehrmals funktioniert in dieser Saison. Aber das sind false positives, wie der trockene Statistiker sagen würde. Wenn er diese Unart nicht aus seinem Spiel verbannt, wird er Spiele verlieren, die er nicht verlieren müßte. Live by the sword, die by the sword. Das muß aber bei Mahomes nicht sein, denn während andere QBs nur ein Schwert haben (und viele sogar nur einen krummen Säbel), hat Mahomes das Schießpulver in die NFL gebracht. Pat, Du hast die Anlagen, ein nie dagewesenes Level an Quarterbacking zu zeigen – also wirf gefälligst nicht Pässe wie Mark Sanchez! (Fun Fact: seit Jake Plummer 2005 ist Mark Sanchez der einzige Quarterback ohne Super-Bowl-Ring, der die Patriots in den Playoffs geschlagen hat. Damals, Divisional Playoffs 2010, im Staff von Rex Ryans Jets: KCs heutiger Defensive Coordinator Bob Sutton).

In der Regular Season Woche 6 haben die Chiefs 40 Punkte gemacht; aber 17 davon kamen nach einem Kickoff-Return bis an die Endzone, einem Brady-Fumble tief in der eigenen Hälfte und einem Hill-Big-Play nach coverage breakdown. Eliminiert man diese drei Fehler, macht KC 23 und NE ist damit mehr als zufrieden.

Zwei andere Punkte noch: Wetter und playin’ from the front. Wie korsakoff das schon gestern angesprochen hat, wäre es keine Überraschung, würde New England den Ballbesitz wählen bei gewonnenem Münzwurf. Den Chiefs punktemäßig hinterherlaufen ist die Hölle. Da würde Bellly entgegen seiner Gewohneit des “deferren” wohl lieber versuchen, direkt in Führung zu gehen.

Wetter: Es wird kalt werden. Zum Kickoff 17.40Uhr Ortszeit soll schon Frost sein, -1°C bis -3°C. Naturgemäß wird es dann noch kälter im Verlauf des Spiels. Eventuell gibt es auch eisige Winde. Kälte beeinflußt Spiele weniger als Regen oder Schnee, aber Spieler sagen gerne, daß der Ball sich bei Frost anfühlt wie ein Backstein, er also schwieriger zu werfen und zu fangen ist. Das gilt nicht so sehr für die kurzen RB-Routen und die tiefen Bomben, die locker aus dem Himmel in die Hände von Tyreek Hill gleiten, aber umso mehr für die hart geworfenen mitteltiefen Bälle und vor allem Bälle, die umkämpft in traffic gefangen werden wollen.

Durch New Englands Stärke, die Ketten konstant auf verschieden Arten bewegen zu können zusammen mit dem Mahomes’ Fehlerpotential, würde ich hier NE knapp vorne sehen. Wettbüros und korsakoffs Power Ranking gehen hier Hand in Hand und sehen KC mit den drei Punkte Heimvorteil vorne.

4 Kommentare zu “NFL Championship Games 2018/19 – Preview

  1. Deine exzellent geschriebene Vorschau gibt mir bezüglich eines Saints Sieg wieder etwas Hoffnung. Danke dafür!

  2. Pingback: NFC-Championship 2018/19: New Orleans Saints – Los Angeles Rams im Liveblog | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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