Super Bowl LIII Preview: Rams-D gegen Pats-O

Seit vielen Jahrhunderten geht die Sage, daß man gegen Tom Brady Druck durch die Mitte machen muß. Pressure über außen kann er recht gut entkräften durch sein ruhiges Manövrieren in der Pocket, schnelle und genaue Pässen und vor durch die Klugheit, schon vor dem Snap zu wissen, zu wem er im Ernstfall schnell den Ball werfen kann.

Pressure up the gut dagegen zwingt ihn, sich aus der Pocket heraus bewegen zu müssen. Brady ist einer der wenigen guten Quarterbacks, die schlecht on the run sind. Das, was Rodgers, Wilson und Mahomes am meisten Spaß macht, ist für den wohl besten QB aller Zeiten ein Alptraum.

Enter Aaron Donald.

Der DROY macht den gegnerischen Offenses so viel Angst wie niemand sonst seit Peak-J.J.-Watt. Donald hat zwar nicht die Vielseitigkeit von Watt, aber zumindest auf der Defensive-Tackle-Position muß er sich nicht vor Watt verstecken.

Donald ist ein eher kleiner Defensive Tackle. Er hat das Profil, das Gino Atkins vor bald zehn Jahren so populär gemacht hat, zur Perfektion gebracht: nur 1,84m und damit ein Körperschwerpunkt, der unterhalb der meisten Linemen liegt; eine ungesehene Explosivität beim ersten Schritt; und hervorragende Technik, vor allem sein Swim Move ist nicht aufzuhalten.

Das System von DC Wade Philllips bringt dabei Donalds Stärken zur vollen Entfaltung. Unter Phillips spielen die Rams eine aggressive 1-gap technique. Das heißt, jeder Linienspieler ist verantwortlich für genau eine Lücke zwischen zwei zwei Offensive Linemen (“gap”) und attackiert diese sofort nach dem Snap.

Der Vorteil dabei: Verteidiger stehen schnell im Backfield der Offense und zerstören das Play schon im Ansatz, sei es durch Sacks, erzwungene Throwaways oder Tackles for Loss gegen die Running Backs. Da Donald regelmäßig gedoppelt wird, haben die anderen Linienspieler wie Ndamukong Suh und Michael Brockers meist nur einen Gegenspieler.


Was fehlt ist ein guter Edge Rusher. Ein oder zwei gute Edge Rushers helfen zwar gegen die Patriots nicht viel (siehe Bosa/Ingram, Ford/Houston), aber kombiniert mit Donald könnte diese Defense noch ein anderes Level erreichen. Der beste Edge Rusher derzeit ist wahrscheinlich sogar Suh, wenn er außen aufgestellt wird. Auch Brockers mit seinem riesigen Körper spielt oft außen. Der einziger “echte” Rushing End ist Dante Fowler, der als No. 3 Overall Pick eine Enttäuschung ist und erst während der Saison aus Jacksonville gekommen ist.

Der Fokus ist ganz klar: Druck machen gegen das Paßspiel. Dafür kann man das Laufspiel vernachlässigen. Das paßt sehr gut gegen die “moderne” paßlastige NFL. Nur sind die Patriots von heute der NFL schon wieder einen Schritt voraus.

Mit dem aggressiven 1-gap scheme und den schmalen Linebackers Corey Littleton und Mark Barron, beide kaum 100kg, sind sie ein recht einfaches Opfer für Power Running Schemes, vor allem, wenn diese auch noch mit einem Fullback laufen.



Das Power Running Scheme haben die Patriots seit Urzeiten in ihrem Arsenal, ob mit oder ohne Fullback. Logan Mankins ist zur Legende geworden mit seinen Pull Blocks und Rob Gronkowski macht nichts mehr Spaß als mit Wham Blocks überraschte Linemen zu demolieren.

Mehr zum Angriff der Patriots haben wir hier zum Divisional Playoff Game gegen die andere Mannschaft aus Los Angeles geschrieben. Die kurze Version lautet: die Patriots haben das vielfältigste Laufspiel der Liga: Power und Zone; mit Fullback und ohne; aus I-Formation und aus Shotgun – sie können alles. Sie ziehen aber auch ganz modern die Verteidigung in die Breite, beispielsweise mit Jet Sweeps zu Patterson. Ganz stark und auch extrem vielseitig sind das Play-Action- und das Screen Game.

So lange der Gegner das Laufspiel nicht stoppen kann, zieht New England das auch durch. Was macht Wade Phillips dagegen? Die Chiefs haben es im Championship Game in der zweiten Hälfte ganz gut geschafft mit Bear Fronts, also drei eng aufgestellte Defensive Tackles. Das könnte Phillips hier auch machen, mit Brockers, Suh und Donald hat er das Personal dafür.

Gegen Dallas in der Divisional Round hat Phillips recht frech Base-D gespielt bei so gut wie allen 1st und 2nd Downs. Das wird er sich gegen die Pats wohl nicht häufig trauen, denn hier spielen sie nicht gegen einen unflexiblen Betonkopf wie Garrett und einen schwächeren QB wie Prescott, sondern gegen das wohl anpassungsfähigste und talentierteste Trio der Liga mit Brady, Belly und McDaniels. Versuchst du auf Teufel komm raus den Lauf zu stoppen, werden sie werfen. Und andersrum.


Was bei den Rams in den letzten Wochen auch aufgefallen ist, sind die großen Abstände der Cornerbacks zu den Wide Receivers vor dem Snap. Marcus Peters und Aqib Talib stehen regelmäßig 10-12 Yards entfernt. Das kann man sich gegen die Patriots auch nicht erlauben. Stehen die Verteidiger so weit weg, dann wirft Brady ununterbrochen Pässe für fünf Yards und ist damit zufrieden.

Es wird sehr schwierig für die Rams, weil sie sich anpassen müssen und nicht ihren gewohnten Ansatz spielen können. Im Championship Game gegen die Saints ist dann noch ein neues Problem aufgetaucht: Running Back Alvin Kamara hat vor allem in der ersten Hälfte einen Ball nach dem anderen gefangen. Das können sich die Rams hier überhaupt nicht erlauben, neben der Baustelle Laufspiel auch noch James White auf Paßrouten freidrehen zu lassen.

Gute Chancen werden sie haben in obvious passing situations. Aaron Donald ist der erste Spieler, den man in einer Draft für das beste Anti-Brady-Team ziehen würde. In diese Situationen müssen die Rams häufig kommen – und die Patriots umgekehrt vermeiden.

Der Plan für NE ist relativ klar: Versuchen zu Laufen; versuchen, White im Paßspiel einzubinden; kurze Pässe an die Seitenlinie, wenn die Cornerbacks weit weg stehen.  Was von diesen drei Optionen funktioniert, wird NE durchziehen.



Was nicht funktioniert, wird eingestellt und flexibel etwas neues ausprobiert. Möglichkeiten wären zum Beispiel den manchmal undisziplinierten Cornerback Marcus Peters tief zu attackieren mit Hogan und Dorsett; oder auch Gronk stärker im Paßspiel einzubinden, die Rams haben keinen Verteidiger, der es im 1-on-1 mit ihm aufnehmen kann (vielleicht Talib?) und Gronk sah zumindest gegen die Chiefs noch einmal so aus wie der gefährlichste Tight End der Liga.

Wenn Donald hier nicht MVP wird – und die Pats werden schon schematisch alles tun, das zu verhindern – müssen die Rams hier vor allem selber punkten, um im Spiel zu bleiben. Da kommt es dann auch darauf an, ob Hasenfuß McVay endlich aus dem Jeff-Fisher-Gedächtnismodus herauskommt und vierte Versuche ausspielt.

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