Notizen aus Greg Cosells Beobachtungen zur Superbowl 2019

Einige Goodies aus dem Ross Tucker Football Podcast mit dem NFL Film-Guru Greg Cosell. Ich konzentriere mich dabei nur auf die Patriots-Defense. Sehr interessante Vertiefung zu dem, was ich schon selbst über die Superbowl schrieb. Vor allem die ersten fünf Minuten sind „in wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht“. Ich habe mir mal die wichtigsten Kernaussagen notiert.

Cosell sagt…

Es gab einen Unterschied zwischen dem, was New England in den Early-Downs gemacht hat, und dem, was sie in 3rd Downs und klaren Passsituationen der Rams-Offense gezeigt haben.

Early Downs:

  • Vor allem Nickel-Defense (5 Defensive Backs), Aufstellung als 6-1 Front mit 1 „Stack Linebacker“ direkt dahinter (bis zu Chungs Verletzung war das Hightower). Grund dafür: Das machten sie um den Rams das Outside-Zone Run Game zu nehmen, denn wenn 6 Mann an der LOS (Line of Scrimmage) stehen, kannst du als OL nicht double teamen, also mit zwei Mann blocken – und damit ist eines der wesentlichsten Elemente des Outside-Zone Plays neutralisiert.
  • Außerdem hilft die 6-1 Aufstellung als Neutralisator von Jet-Sweeps, weil es nix mehr zu erkennen gab für die Offense: Kein Linebacker oder Cornerback, der überhaupt mit dem in Motion befindlichen Mann mitgehen konnte.
  • “Hinten” im Defensive Backfield spielte New England vor allem Quarters Coverage (Cover-4): Safetys in einer Position, dass sie beide Run Support leisten können und gleichzeitig Pass Defender sind. Safetys standen etwas weiter hinten als normale Deep Safetys um die Crossing Routen des Rams Play-Action Passing Games zu nehmen.
  • Patriots spielten etwas mehr Zone-Coverage als normal wg. Quarters Coverage, aber es ist nicht immer ganz einfach zu trennen zwischen Mann/Zone, weil Quarters-Coverage einige Matchup Man-Coverage Elemente beinhaltet.
  • Nickel-Defense: Jonathan Jones als Slot-CB, spielte in Cover-4 Aufstellungen eine der beiden Safety-Positionen neben Devin McCourty.

3rd Downs / Passing Downs

  • Viel Dime-Defense (6 Defensive Backs) und etwas Dollar-Defense (7 Defensive Backs) der Patriots in diesen Situationen.
  • Pats spielten mehr Man-Coverage, aber eingestreut auch ein bisschen Zone-Defense.
  • CB Gilmore 1-vs-1 gegen WR Cooks, WR Cooks gewann dabei ein paar Duelle gegen Gilmore, der nach Cosell gar einige Wackel-Downs spielte / WR Woods wurde von CB Jones und einem wechselnden Safety in die Doppeldecker-Zange genommen
  • Gegen die anderen eligible Receivers in der Aufstellung gingen sie 1-vs-1
  • Als die Patriots Cover-1 spielten, hatten sie 5 Leute zum Passrush verfügbar und waren dabei hyper-effizient mit Slants/Stunts gegen die Rams OL. Für viele, die die Rams OL heuer gesehen haben, muss das überraschend erfolgreich gewesen sein.
  • Van Noy / Hightower spielten beide fantastisch. Beide sind eigentlich off-ball LB, erwiesen sich aber auch als superbe Pass-Rusher. Vor allem das direkte Duell Hightower vs. Havenstein hob Cosell als fantastisch hervor.

Cosell über das kritische Play mit dem Cooks-vs-McCourty Duell in der Endzone:

  • Busted Coverage der Patriots vs. WR Cooks, CB Jason McCourty kam eigentlich von der Rückseite des Spielzugs und hätte eigentlich qua Design/Aufstellung keinen Einfluss auf das Spiel haben dürfen.
  • Es war ein Play-Action Pass, und Goff brauchte zu lange um den Pats-Switch in Coverage von pre-snap zu post-snap zu interpretieren, weil er sich im Moment der Defense-Umstellung gerade mit dem Rücken zum Geschehen befand (eben in Play-Action Move).
  • McCourty war der Backside-CB er hätte gar keinen Einfluss haben sollen, aber er machte ein sensationelles Play. Cosell betont dabei, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger Goff versagte als vielmehr McCourty einen überragenden Moment hatte.

Noch ein Goodie zum Terminus „minus-split WR“

  • Minus-split WR: Ein Begriff aus der Terminologie der Aufstellungen an der LOS. Wide Receiver der Rams stehen tighter to the formation („minus-split“ oder auch “nasty split”), also eben: WR stehen sehr eng beisammen.
  • Der Outside CB ist in dem Fall zuständig für die tiefe Route des äußersten WR. Wenn dieser äußerste, aber eben wegen der engen Aufstellung eigentlich gar nicht so weit außen startende WR nach innen zu einer Crossing-Route zieht, muss die Defense entscheiden, ob der CB dran bleibt oder der Safety übernimmt, was oft Schwierigkeiten macht.

Das ganze Interview ist hörenswert. Auch Andy Benoit von SI hat in einigen knackigen Passagen das Treiben beider Defenses zusammengefasst. Ohne sich überanstrengen zu müssen mit haufenweise Freak-Jargon kann man bei Benoit einige wesentliche Elemente zum Spiel mitnehmen. Wie ich schon in den letzten Tagen schrieb: Es war kein spektakulärer Superbowl, was Offense anging. Aber die Defenses machten ihn spieltaktisch trotzdem interessant.

2 Kommentare zu “Notizen aus Greg Cosells Beobachtungen zur Superbowl 2019

  1. Würdest du sagen der SB war Spielerisch gut? Spieltaktisch, keine Frage, aber haben die Defenses überragend gespielt oder war es der Gameplan bzw. einfach schlechtes Play der Offense?

  2. Die Defense-Gameplans waren beide überzeugend bis hervorragend.

    Die Offenses waren trotzdem beide enttäuschend, wobei New England noch wesentlich besser funktionierte, weil es auch viel mehr Dinge probierte.

    Die Rams-Offense war ein glatter Ausfall. Plan A aus dem Spiel genommen, nicht einmal einen Plan B im Petto gehabt. Die Rams haben wenig neue Dinge versucht, haben ihre potenziellen Matchup-Vorteile (ich schrieb darüber in anderen Einträgen) nicht einmal versucht auszunützen.

    Von daher: Superbowl interessant ja, begeisternd nein. Dafür haben beide Angriffsreihen zu wenig zustande gebracht. Die Rams müssen in der Offseason neue Wege beschreiten, denn ihnen wurden hier klar Grenzen aufgezeigt. New England kann immerhin auf jede Situation reagieren und dir im Zweifelsfall etwas Neues zeigen, mit dem du nicht gerechnet hast.

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