NFL-Transfermarkt: Welche Typen von Free Agents gibt es?

NFL-Free Agents werden in mehrere Klassen mit unterschiedlicher „Freiheit“ auf dem Arbeitsmarkt eingeteilt: Nicht jeder Spieler hat das gleiche Recht auf freie Arbeitssuche.

Dabei ist nicht dessen Position oder Qualität entscheidend, sondern die Dauer seiner NFL-Karriere up to date. Um diese Dauer zu berechnen, muss ein zentraler Punkt geklärt sein: Der Unterschied zwischen einer „accrued“ (angefallenen) Saison und einer „credited“ (gutgeschriebenen) Saison.

Accrued Season = Eine Saison wird einem Spiel als vollwertig „accrued“ (angefallen) anerkannt, wenn er sich mindestens sechs Wochen der Saison im Roster war. „Im Roster sein“ wird dabei als „full-pay“ (volle Bezahlung) bezeichnet, d.h. der Spieler muss im Active-Roster geführt werden, kann aber am Spieltag „inactive“ sein oder sich auf der IR (Injuried Reserve List) befinden.

Wichtig: Practice-Squad, PUP-Liste (Physically Unable to Perform), NFI-Liste (Non Football Injury) oder die Commissioner-Exempt List (vom Commissioner offiziell verstoßen) zählen nicht als „Full-Pay“ Status. Spieler, die zwar vertraglich an eine Mannschaft gebunden sind, aber sich auf einer dieser Listen befinden, bekommen für die Dauer in diesem Status keine accrued season anerkannt. Das war z.B. im Fall Josh Gordon immer wieder ein wichtiges Thema.

Credited Season = Um eine Saison als „credited“ gutgeschrieben zu bekommen, braucht es nur drei Spiele im „full-pay“ Status.

Für die verschiedenen Klassen der Free Agency (kommt jetzt gleich) ist die Anzahl der accrued seasons Seasons relevant (ausdrücklich müssen diese Saison nicht in Serie zusammenkommen, sondern werden einfach addiert). Spieler müssen schauen, so schnell wie möglich accrued seasons zusammenzubringen um schnellstmöglich den höchstmöglichen Free-Agents Status zu erlangen und selbst ihren Arbeitgeber wählen zu können. Die credited seasons Saisons sind nur relevant für die Minimal-Gehälter und verschiedene Fringe-Benefits.

Damit zu den Klassen der Free-Agency.

Exclusive Rights Free Agents (ERFA)

Exclusive Rights Free Agents (ERFA) sind die Spieler mit weniger als drei accrued seasons. Diese Spieler können nur mit ihrer aktuellen Mannschaft verlängern, wenn sie ein offizielles Preisangebot („Tender“) einer Mannschaft vor Start der Free Agency bekommen.

Deutlicher: Sie können von ihren Teams für ein Mindestgehalts-Tender gehalten werden, ohne dass sie dagegen etwas machen können. Platziert ein Team bis zum Start der Free Agency ein Mindesgehalt-Tender auf einen ERFA, hat dieser keine Möglichkeit, aus freien Stücken das Team zu wechseln. Platziert das Team hingegen keinen Tender, wird der Spieler auf den Transfermarkt („Free Agency“) gespült und hat völlig freie Wahl.

Es handelt sich bei solchen Spielern oft um späte Draftpicks oder ungedraftete Spieler. Wenn diese Spieler sehr schnell die Erwartungen zu übertreffen versprechen, versuchen Teams häufig, diesen Spielern schnell aus freien Stücken eine Vertragsverlängerung für 2-4 Jahre anzubieten um sie so lange es geht für einen respektablen Lohn an sich zu binden und erst so spät als möglich gegen den freien Markt bieten zu müssen. Damit geben Teams diesen armen Hunden ein paar Dollars als finanzielle Sicherheit, haben aber mittelfristig gespart, weil der Spieler in Jahr 3-4 des Vertrags unter Marktpreis spielen könnte.

Die klassischen JAGs (just a guy) aus den späten Runden dagegen werden nicht immer sofort mit Vertragsverlängerung belohnt und werden dann von ihren jeweiligen Teams so lange es geht gemolken: ERFA-Minimum Tag im dritten Jahr, RFA-Tag im vierten Jahr, dann Abgang auf die Free Agency – soll ein anderes Team überbezahlen…

Restricted Free Agents (RFA)

Restricted Free Agents (RFA) sind Spieler mit genau drei accrued seasons (offizieller Sprachgebrauch: „mehr als zwei, aber weniger als vier“). In diesem Schwebezustand kann er bei ausgelaufenem Vertrag mit anderen Mannschaften verhandeln, doch sein aktuelles Team kann jedes Vertragsangebot per Vorkaufsrecht matchen und den Spieler somit auch gegen dessen Willen an sich binden.

Das läuft dann meistens so: Die RFA bekommen eine „RFA-Tender“ übergestülpt, unter der sie zwar mit anderen Mannschaften verhandeln können, aber das aktuelle Team hält auf jeden Fall ein Vorkaufsrecht im Falle eines Vertragsangebots seitens Dritter. Es gibt verschiedene Kategorien an RFA-Tenders:

  1. Nur Vorkaufsrecht (right of 1st refusal only)
  2. Vorkaufsrecht + Pick in der ursprünglichen Draft-Runde des Spielers
  3. Vorkaufsrecht + 2nd Rounder
  4. Vorkaufsrecht + 1st Rounder

Diese vier Tender sind unterschiedlich teuer und gehen von ca. 1.8 Mio bis rund 4 Mio. Sie gelten für ein Jahr. Spieler, die diese Tag bekommen, können ca. einen Monat lang mit anderen Teams verhandeln, dann sind sie wohl oder übel an das beste Gebot gebunden. Sowohl das „Taggen“ mit in der optimalen Preisklasse sowie das Aushöhlen der Abwerbemöglichkeiten seitens Dritter gilt als gehobene Kunst und legte schon so manche Lücke im NFL-Regelwerk offen.

Einige dieser RFA-Tender führten in den letzten zwei Jahrzehnten zu spektakulären Wechseln und revolutionierten das Transfergebaren der NFL. Der vielleicht wichtigste Wechsel in diesem Zug war der „Transfer des Jahrzehnts“ von Seahawks-OG Steve Hutchinson nach Minnesota – er inkludierte eine dieser „Poison Pill“ Klauseln, die die NFL mit jedem weiteren CBA zu schließen versucht.

Unrestricted Free Agents (UFA)

Nach Abschluss des vierten Jahres accrued (also vier Jahre mit mindestens sechs Spielen im full-pay Status) ist ein Spieler ein Unrestricted Free Agent (UFA). Bei auslaufendem Vertrag können diese Spieler auf den freien Markt wechseln und mit jedem Team verhandeln – es sei denn, das aktuelle Team zieht die Option auf die „Franchise-Tag“ / „Transition Tag“ (oder im Fall von 1st Roundern: die „5th-Year Option“).

Unrestricted Free Agents können auf dem Markt tatsächlich frei entscheiden, welches Vertragsangebot sie annehmen – manchmal entsteht ein Wettbieten um die besten UFAs, das nur Verlierer hinterlässt. Für viele Profis ist es bereits ein Erfolg, überhaupt Free Agents zu werden, ist doch die durchschnittliche Karriere eines NFL-Profis noch immer kleiner als vier Jahre.

In jedem Jahr gehen einige starke Spieler auf den freien Transfermarkt, doch nur alle paar Jahre sind wirklich All-Pro Kaliber dabei – denn diese werden meistens schon vorab von ihren aktuellen Teams mit Vertragsverlängerungen langfristig gebunden, nach dem Motto: „Wir geben dir schon früher Geld, dafür halt etwas weniger als du in zwei Jahren auf dem freien Markt kriegen kannst. Dafür hast du finanzielle Sicherheit.“

Ein kleiner Kniff bei UFA ist auch noch enthalten: Spieler, die auf den Markt kommen und dort bis ca. Ende Juli (Deadline ist das späteste Datum zwischen 22.07. und Start der Trainingslager) ohne Vertrag bleiben, können nur noch dann zu ihrem alten Team zurückkehren, wenn dieses bis Mitte Mai eine schriftliche Erklärung eingereicht hat, dass es den Spieler in diesem Fall weiterverpflichten würde. Es kann den Spieler dann bis zum Start des 10ten Spieltags der Regular Season für mindestens 110% des Vorjahresgehalts binden.

6 Kommentare zu “NFL-Transfermarkt: Welche Typen von Free Agents gibt es?

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