Play-Action Passing in der NFL

Der Play-Action Pass ist erfolgreicher als das „normale“ Passspiel. Teams wie New England oder die Los Angeles Rams haben das verstanden und beherzigen den Einsatz des Play-Action Passspiels seit Jahren. Sie haben es kultiviert – im Fall von Sean McVay ist er sogar die Basis der ganzen Offense.

Lass uns heute mal global auf den Play-Action Pass blicken.

In der letzten Saison 2018/19 hat die NFL im Schnitt 22% ihrer Offensiv-Passspielzüge als Play-Action Pässe ausgespielt. Dabei war der Play-Action Pass wesentlich erfolgreicher als der Passspielzug ohne den Fake:

  • 7.4 NY/A mit Play-Action
  • 6.2 NY/A ohne Play-Action

Teams mit der höchsten Play-Action Quote waren die Rams (34%), Seahawks (32%), Eagles (30%), Patriots (29%) sowie Panthers, Titans und Chiefs (je 28%).

Die Teams mit der niedrigsten Play-Action Quote? Steelers (12%), Buccs (16%), Raiders und Jaguars mit nur 17% sowie Lions, Cardinals und Saints mit jeweils 19% Play-Action Fakes.

Das erfolgreichste Play-Action Team? New England mit 9.5 NY/A gefolgt von Falcons (8.7 NY/A), Chargers und Rams (je 8.6 NY/A).

Nur drei Teams ligaweit waren im Passspiel ohne Play-Action erfolgreicher als mit dem Fake:

  • Bears: 6.7 NY/A normales Passspiel, 5.3 NY/A Play-Action
  • Packers: 6.5 NY/A normal, 5.8 NY/A Play-Action
  • Jaguars: 5.6 NY/A normal, 5.2 NY/A Play-Action

Zum aktuellen Erkenntnis-Stand

Ben Baldwin, auf Twitter bekannter Analytics-Journalist, hat bei Football Outsiders mehrere Artikel über die Effizienz des Play-Action Passings veröffentlicht:

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, liste ich die wesentlichen Erkenntnisse zum Play-Action Passing hier auf:

#1 Play-Action Passspiel ist effizienter nach Yards/Pass, EPA/Pass und Pass Success-Rate als normales Passspiel ohne den Fake.

#2 Play-Action Passspiel ist am effizientesten dann, wenn die Bedrohung durch Laufspiel am größten ist (was man erwarten würde, schließlich reagiert die Defense dann noch aggressiver auf den Fake).

  • Es ist effizienter, wenn der Quarterback vom Center aus startet und weniger effizient aus Shotgun (die Rams z.B. spielen fast nur vom Center aus).
  • Play-Action ist effizienter in 1st und 2nd Down als im 3rd Down.
  • Play-Action ist effizienter, wenn die Offense bereits in Führung liegt.

#3 Coaches spielen „run to set up play action”: Teams, die mehr laufen, tendieren dazu, den Play-Action Pass häufiger zu verwenden. Doch das ist ein Trugschluss, denn es gibt keine erkennbare Korrelation zwischen der Häufigkeit von Laufspiel bzw. der Effizienz des Laufspiels und der Effizienz vom Play-Action Pass.

In anderen Worten: Allein die Möglichkeit von Laufspiel vorzugaukeln ist viel wichtiger für den Erfolg von Play-Action Pässen als effektiv häufig oder erfolgreich zu laufen. Man muss kein Laufspiel implementieren um erfolgreiches Play-Action Passing zu erreichen.

#4 Play-Action Passing bleibt auch bei erhöhtem Einsatz erfolgreich, und wird auch nicht ineffizienter, wenn wir ins Schlussviertel gehen. Anders: Teams könnten noch häufiger den Play-Action Pass verwenden – die Defense beißt auf den Fake auch bei erhöhtem Einsatz an.

#5 Am effizientesten ist der Play-Action Pass, wenn man das Passspiel zwischen 10 und 20 Yards downfield kultiviert: Linebacker werden mit dem Fake nach vorne gezogen – dahinter entsteht die entscheidende Lücke.


Es gibt weitere Erkenntnisse, die man aus den vielen Einträgen ziehen kann. Es scheint mir wichtig zu betonen, dass „Establish the Run“ nicht zu erhöhter Effizienz des Play-Action Passes führt. Wir können daraus zwei wesentliche Nachteile der Philosophie „establish the run“ ziehen:

  1. Laufspiel früh im Spiel und in den 1st & 2nd Downs ist ineffizienter und führt zu schnellem Rückstand der Mannschaft.
  2. Weil Play-Action Passspiel aber keine Korrelation zu Häufigkeit und Erfolg des Laufspiels hat und erfolgreicher ist, wenn die Offense bereits in Führung liegt, hat „establish the run“ doppelt negativen Effekt.

Es führt zu baldigem Rückstand und somit indirekt zu ineffizienterem Play-Action Passspiel! Die Offense gibt dadurch also zwei potenzielle Vorteile auf!


Baldwin betont, dass wir mit verfügbarem Zahlenmaterial langsam an die Grenzen dessen stoßen, was wir an Schlüssen ziehen können. Die Analysen zeigen eindeutig in die Richtung, dass Play-Action Vorteile bringt, dass die NFL den Fake noch häufiger nutzen sollte und dass er auch ohne effizientes Laufspiel funktioniert.

Doch den nächsten Schritt in der Analyse des Play-Action Passings können wir erst dann machen, wenn die NFL die Tracking-Daten freigibt, sodass wir Laufwege und Routen analysieren können: Wie verhalten sich die einzelnen Spieler in Bezug auf den Play-Action Fake? Baldwin schließt nicht aus, dass es dann neue Erkenntnisse gibt, die die bisherigen infrage stellen.

Doch mit momentanem Wissen können wir recht zuversichtlich behaupten, dass die klugen Offenses Play-Action Passspiel häufiger nutzen um ihre Effizienz zu steigern.

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8 Kommentare zu “Play-Action Passing in der NFL

  1. Ich stelle mal die extreme Frage: Warum spielt man nicht einfach bei jedem Down Play Action? Die einzigen beiden (potentiellen) Nachteile so wie ich das sehe:

    1) Man muss jemand im Backfield aufgestellt haben.

    2) Das Play braucht etwas länger um sich zu entwicklen bzw. der QB, sofern er under center startet, hat weniger Zeit auf das Feld zu schauen.

    Klingt eher untergeordnet für mich, angesichts der potentiellen Vorteile.

  2. Ich stelle mal die extreme Frage: warum spielt man nicht einfach bei jedem einzelnen Down PA? Die einzigen (potentiellen) Nachteile aus meiner Sicht:

    1) Man muss jemand im Backfield stehen haben.

    2) Der QB hat, wenn er under center startet, weniger Zeit das Feld zu studieren.

    Klingt für mich eher unproblematisch angesichts der Vorteile, die man sich damit erarbeiten würde.

  3. Der Play-Action Pass ist immer noch ein Fake – und die Defense muss darauf reagieren. Spielt eine Offense immer den Fake, wird die Defense schnell lernen, darauf zu reagieren.

    Bei 538 hat Josh Hermsmeyer allerdings einen Artikel geschrieben, der andeutet, dass Teams tatsächlich noch deutlich mehr Play-Action als momentan spielen können. Denn: Es gibt keine nachweislichen Anzeichen, dass Linebacker auf erhöhten Einsatz von Play-Action reagieren.
    https://fivethirtyeight.com/features/can-nfl-coaches-overuse-play-action-they-havent-yet/

    Ein weiterer Nachteil könnte sein: Play-Action braucht einen Moment länger in der Entwicklung und ist immer mit etwas längeren Routen verbunden. Nicht jedes Team kann permanent Deep-Ball spielen.

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