Quarterbacks im NFL Draft 2019: Hände weg von Drew Lock und Daniel Jones!

Kaum jemand zweifelt mehr daran, Kyler Murray und Dwayne Haskins in der 1ten Runde des NFL-Drafts gezogen werden. Hinter diesem Duo wird es jedoch spannend: Manche gehen von vier oder bis zu fünf 1st-Round Quarterbacks aus. Andere sehen noch maximal einen dritten QB vor Ablauf des #32 Picks vom Tablett gehen.

Zwei noch immer häufig genannte 1st-Round Kandidaten sind Drew Lock (Mizzou) und Daniel Jones (Duke). Beide sind gebaut wie echte QBs: Lock ist 6‘3 und 228 Pfund, Jones ist schlaksige 6‘5 bei 221 Pfund.

Drew Lock

Lock hatte schon 2017 seinen kometenhaften Aufstieg in der SEC, als er 43 Touchdowns warf und zum potenziellen Top-Pick hochstilisiert wurde. Wegen seines monströsen Wurfarms gilt Lock bei den meisten Beobachtern als #3 QB am Board.

Nicht zuletzt der von mir geschätzte Adrian Franke (von SPOX) sieht viele Hoffnungsschimmer bei Lock: Armtalent, Field-Screening, Blitz-Awareness und Downfield-Passing seien bei Lock wirklich schon NFL-reif. Deshalb sei Lock auch trotz gelegentlicher Inkonstanz im Kurzpassspiel und ausbaufähiger Beintechnik ein gutes Prospect, das man locker in der 1ten Runde ziehen könnte.

Greg Cosell analysierte im RTFP von vor ein paar Wochen: Lock ist ein QB mit hohem Ceiling. Er ist ein natural football thrower, er hat alle Würfe drauf und kann alle Ecken des Spielfelds anpeilen. Viele physische Tools zum Top-QB sind vorhanden. Er muss allenfalls besser werden im Entscheidungsmanagement („decision making“) und im Ball-Placement – und er muss von Adrian Franke beschriebene unsaubere Beintechnik in der Pocket bereinigen.

Cosell sagt: Locks beste Würfe sind Marke Stafford. Sein tiefer Ball ist mit der schönste der Klasse 2019. Doch Locks Technik braucht in vielen Momenten noch etwas Feinschliff. So tendiert er in manchen Drop-Backs, vom hinteren Fuß aus zu werfen. Er tendiert überdies dazu, in seinen Dropbacks nicht zentral in der Pocket zu bleiben (also direkt hinter dem Center), sondern nach links und rechts hinauszutippeln – damit kreiere Lock seine eigene QB-Pressure.

Was beim Studium von Locks Tape auch noch auffällt: Er antrittsschnell genug um hie und da per Scramble Trubisky-like ein paar Yards zu holen und eine unachtsame Defense mit einem 1st Down abzustrafen, auch wenn man ihn nicht als „mobilen“ QB bezeichnen möchte.

Daniel Jones

Auch Daniel Jones von Duke bekommt noch immer 1st-Round Hype, obwohl er von vielen als reiner Kurzpass-QB der Marke Derek Carr abgeschrieben ist. Cosell vergleicht ihn in seiner Passtechnik mit einem Nick Foles und sagt, um in der NFL mit seinen Fertigkeiten erfolgreich zu sein, muss er sein Spiel um folgende Eigenschaften bauen:

  • Pre-Snap Understanding
  • Saubere, immergleiche Mechanics
  • Starke Pocket-Präsenz und Toughness
  • Quick Eyes
  • Präzises Ball-Placement
  • Genug Mobilität für 2nd-Reaction Plays

Das alles sind Skills, die für höherwertiges NFL-Quarterbacking reichen können. Weiterer Boost für Jones: Sein College-Coach war David Cutcliffe, der schon mehrere NFL-Quarterbacks (u.a. Eli Manning) ausgebildet hat.

Die großen Warnsignale

Vor ein paar Wochen veröffentlichte Josh Hermsmeyer bei 538 das CPOE-Profil der einzelnen Draft-Quarterbacks – das über die Spielweise der einzelnen Quarterbacks Auskunft gibt. CPOE = completion percentage over expected, die Completion-% der Spieler gemessen an der Tiefe der einzelnen Würfe und der durchschnittlichen CPOE der jeweiligen Conference.

Resultat:

  • Lock wie Jones waren unterdurchschnittliche College-QBs nach CPOE
  • Jones hat mit seinem Profil eine 17%ige Chance, durchschnittliche Yards/Attempt in der NFL einzufahren
  • Locks Chancen sind kleiner als 1% (!)
  • Kein Quarterback mit Locks Profil hatte seit 2011 auch nur durchschnittliche Yards/Attempt in der NFL

Auch Football Outsiders‘ QBASE-Modell, das versucht, statistische Profile nicht nur in den Kontext des Spielplans, sondern auch der Qualität der eigenen Teamkollegen zu stellen, sieht die NFL-Aussichten für unser heutiges Duo eher trüb.

Gemessen auf den Zeitraum des 3ten bis 5ten Profijahres gibt QBASE Lock eine 59%-ige „Bust“-Chance und nur in 14% der Fälle erwartet man von einem QB mit Locks statistischem Profil, zwischen 2022 und 2024 ein klar überdurchschnittlicher QB zu werden. Lock sei als Senior exakt Durchschnitt gewesen.

Jones bekommt auch vom QBASE-Modell eine minimal bessere Chance, in der NFL Erfolg zu haben: „Nur“ 56% Bust-Rate, dafür immerhin 19%ige Chance, ein überdurchschnittlicher Starting-QB zu werden.

Natürlich sind solche Modelle keine sichere Tüte. Ich würde auch sie weniger als Scouting-Tool für potenzielle Elite-QBs sehen – dafür mehr als Instrument, das beim „Aussortieren“ von Prospects hilft. Und wenn solide Modelle derart winzige Wahrscheinlichkeiten für mögliche 1st-Round QBs ausweisen, auch nur durchschnittliche QBs zu fabrizieren, wird man stutzig.

Enter Matt Waldmans Rookie Scouting Portfolio.

Dort läuft Lock als #6 QB raus.

Daniel Jones ist gar nur Waldmans #13 QB.

Welche sind die großen Knackpunkte an Lock und Jones?

Waldman gesteht Lock wie viele andere zu, physisch ein Supertalent zu sein und eindrucksvolle Würfe zu machen. Doch Waldman analysiert rattenscharf die Probleme, die er mit dem Prospect Lock hat:

  • Lock hat sich in seiner gesamten College-Zeit immer nur auf sein bloßes Talent verlassen. Er hat seine Stärken nicht kultiviert. Er ist in keinem Bereich seines Spiels verlässlich oder auch nur konstant.
  • Lock ist speziell Schrotflinte bei tiefen Pässen – ihm gelingen manchmal sensationelle Pässe, doch größtenteils strotzen seine Pässe vor Hybris und bergen häufig Katastrophenpotenzial
  • Lock ist leichtsinnig. Er wirft Pässe auf unvorbereitete Receiver und kassiert zu viele Sacks, weil er sich in der Pocket wie ein Betonklotz bewegt. Gegen Interior-Pressure reagiert er mit schweren Schritten nach hinten, was zu weiteren Problemen führt.
  • Lock ist lax. Er ist ein „Stimmungsspieler“. Wenn es läuft, zerlegt er Defenses. Doch wenn es hapert, hat er nicht die Eier oder den Willen, den Lauf der Dinge zu wenden, weil es ihm an Liebe zum Detail fehlt.

Man könne behaupten, dass Lock einfach nur den Schalter umlegen müsse um alle Qualitäten zu verfeinern und zu perfektionieren und zum „guten Lock“ zu werden. Doch das sei Theorie. Schalter umlegen funktioniert in der Praxis nicht. Perfektionieren sei eher mit einem Thermostat vergleichbar als mit einem Schalter.

Einen Vergleich mit Mahomes (dem Waldman 2017 die höchste Bewertung aller Zeiten gab) hält Waldman für gotteslästerlich. Eher sei Lock eine Art Cutler 2.0. 4th Rounder.


Waldmans Urteil über Jones fällt noch vernichtender aus: there’s something but I don’t care to invest. Jones sei ein QB für die Scouts der alten Schule: Alle vier Jahre am College gespielt, QB-Gardemaße und ein QB-Coach Cutcliffe, der Verbindungen mit dem Manning-Clan hat.

Doch eingestreut in zwischenzeitliche Andeutungen von höherem Potenzial ist Jones ein QB, der nur den 1-Step Drop konstant verlässlich bringt. Seine Beinarbeit in der Pocket sei mit „ausbaufähig“ gütlich beschrieben, „schlampig“ ist die viel bessere Vokabel – zu häufig muss Jones in quicken Spielzügen seine Beine in Ordnung kriegen, ehe er werfen kann, und dann ist der Spielzug schon über alle Berge.

Jones in Empty-Sets? Inexistentes Timing.

Jones unter Druck? Kollabiert unter fehlerhafter Beinarbeit.

Waldman macht viele Probleme in Jones‘ Spiel aus, die NFL-Coaches als „coachable“ zu negieren versuchen werden: Starrt zu lange in den Blitz/QB-Pressure, kaum ausgeprägtes Pre-Snap Verständnis, geht zu langsam durch die Progression-Reads und wartet bis er sich ob des Spielzugs sicher ist, schafft es deshalb nicht, Safetys mit seinen Augen zu versetzen – und hatte auffällig viele Mis-Comunications mit seinen Receivern.

Waldman kritisiert sogar Jones‘ Präzision: Zu viele Drops seiner Receiver seien tatsächlich Produkt von zu ungenauen Würfen gewesen, die die Catches zu schwierig gemacht hätten – das Tajh-Boyd Syndrom: Sammy Watkins lernte ich einst schon allein deshalb zu schätzen, weil er in jedem Wurf subtile Anpassungen machen musste um die eiernden Pässe seines QBs zu fangen (Boyd ging letztlich in der 6ten Runde oder so).

Waldman sieht Jones alles andere als Starter-ready. Er sieht ein Late-Round Project. Ich sehe Ryan Tannehill 2.0.

Conclusio…

Beide Quarterbacks werden höher gedraftet werden als 4te Runde. Vielleicht gehen beide tatsächlich in der 1ten Runde. Doch zwei durchaus ausgefeilte Advanced-Metrics malen düstere Bilder und Matt der Skill-Position Guru Matt Waldman rät zur absoluten Vorsicht.

Ich würde beide nicht anrühren.

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4 Kommentare zu “Quarterbacks im NFL Draft 2019: Hände weg von Drew Lock und Daniel Jones!

  1. Und dann gibt es doch wieder Coaches, dir gegen ihre eigene Entlassung spielen und eventuell mit einem QB-Talent ein weiteres Jahr zum Entwickeln einkaufen oder sich sonstwie unter Zugzwang sehen.

  2. Pingback: NFL-Draftvorschau 2019 für den Gelegenheitszuschauer | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. Pingback: Was ich an der Strategie der Gettleman-Giants schätze | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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