Nick Bosas Sollbruchstelle

Ohio States Nick Bosa galt monatelang als bester Draft-Prospect des Jahres 2019, der nur deswegen nicht an #1 gezogen wird, weil es in Kyler Murray einen potenziellen Top-Quarterback zu haben gibt. In den letzten Wochen schien dieses Bild Kratzer bekommen zu haben.

Nick Bosa wird oft mit seinem Bruder Joey verglichen, der 2016 von den Chargers an #3 gezogen wurde und bislang eine starke NFL-Karriere spielte. Die Vergleiche kommen nicht nur, weil beide als weiße Defensive Ends in Ohio States Abwehr spielen und die #97 trugen. Sie kommen auch, weil beide technisch ähnlich spielen und auch ähnlich gebaut sind:

Bosa-vergleich.png

Joey wie Nick sind keine Explosivitätsmonster mit ultra-schnellem Antritt. Sie gewinnen ihre Duelle mehr mit technischer Finesse, mit fantastisch eingesetzten, kräftigen Armen. Sie sind beide unglaublich beweglich auf engstem Raum. Sie sind also eher die Techniker als die athletischen Naturtalente – aber dank der hervorragenden Bandbreite ihrer Passrush-Moves und dank der hervorragend eingesetzten Beine, die hohe Hebelwirkung erzielen, sind sie trotzdem in der Lage, auf direktem Weg zum Quarterback durchzubrechen, ohne den Offensive Tackle zu überlaufen.

Persönlich fand ich Nick am College nie ansatzweise so dominant wie einst Joey, um den herum die Titel-Defense der Buckeyes 2014 und 2015 gebaut war. Doch dass Nick immer ein wichtiger Ankermann war, daran besteht kein Zweifel.

Der kritische Punkt

Doch vor ein paar Wochen veröffentlichte Brent Kollmann auf Youtube ein sehr aufschlussreiches Video, das den einen kritischen Punkt am Prospect Nick Bosa aufzeichnet, an den man eigentlich so schnell nicht denken würde: Flügelspannweite seiner Arme. Dort ist Nick Bosa mit 33‘‘ Zoll nur im 26ten Perzentil der in den letzten 20 Jahren in der Combine abgenommenen Passrusher.

Als Einordnung: 91% der Offensive Tackles hatten in den letzten 20 Jahren längere Arme als Nick Bosa. Für den, der solche Argumente als Korinthenkackerei abtun möchte, hat Kollmann etliche Snaps als Videoschnipsel parat, die zeigen, wie Nick Bosa schon am College von langarmigen Offense Tackles neutralisiert – man könnte auch sagen „kaltgestellt“ – wurde. Kollmann weist auch darauf hin, dass selbst Joey, dem man eine bis jetzt starke NFL-Karriere nachsagt, gegen Albatross-Offense Tackles häufig Probleme hatte und ganze Spiele abtauchte.

Wie kritisch ist dieser Punkt tatsächlich? Kollmann weist darauf hin, dass diese fünf Kategorien zentrale Elemente für Passrusher sind…

  1. Explosiveness
  2. Arm Length
  3. Hip Flexibility
  4. Power
  5. Technique

…und Bosa in Sachen Power und Technik atemberaubend gut sei, bei Hip-Flexibility immer noch stark und wenn nicht sensationell explosiv, dann immer noch funktional. Die Sollbruchstelle seien die kurzen Arme – doch diese kommen längst nicht gegen jeden Offense Tackles zum Tragen.

Ein so gutes Gesamtpaket wie Nick Bosa sei ein Wert für sich – es gibt relativ geringes Bust-Risiko in diesem grundsoliden Spieler. Doch andererseits ist bereits jetzt bekannt, in welchen Situationen Nick Bosa recht wenig beitragen wird – gegen langarmige Offensive Tackles. Die Frage ist nun, ob man mit diesem Wissen tatsächlich einen Top-3 Pick für einen Draft-Prospect ausgeben will.

3 Kommentare zu “Nick Bosas Sollbruchstelle

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