Defensive Interior im NFL-Draft 2019

Heute in der Verlosung: Die Interior-Defensive Linemänner, kurz zusammengefasst: Defensive Interior. Zusammengefasst werden in dieser Aufstellung die traditionellen Nose Tackles, 4-3 Defensive Tackles und 3-4 Defensive Ends, die weithin für „inside Pressure“ und für die Gaps zwischen den Offensive Tackles zuständig sind.

Interior-Defender sind für gewöhnlich ca. 40-60 Pfund schwerer als ihre Kollegen an den Flanken: Wo der typische Edge-Rusher in der heurigen Klasse zwischen 250 und 280 Pfund wiegt, bringen die Kollegen innen mit 290 bis 340 Pfund doch beträchtlich mehr Pfunde auf die Waage.

Das bedeutet nicht, dass die Tackles von heute noch Nachfolger echter fetter Säcke à la Ted Washington sind – damit bist du in der gegenwärtigen NFL fast wertlos. Wichtig für solche Interior-Verteidiger ist immer mehr die Beweglichkeit und der Antritt – nur noch wer auch wirklich schnell in ein Gap schießen kann, hat den Wert eines höheren 1st-Ronuders.

Die Klasse von 2019 gilt diesbezüglich als gespickt mit exzellenten Prospects, von kompletten Paketen wie Quinnen Williams über explosive Gap-Shooter wie Ed Oliver bis hin zu athletischen Nose-Tackles wie Dexter Lawrence.

Quinnen Williams / Alabama

Die Frage nach dem größten Talent im NFL-Draft führt noch immer über zwei Namen: Nick Bosa und eben Quinnen Williams. Williams habe ich auf diesem Blog vor ein paar Tagen schon vorgestellt – es gibt die eine Fraktion, die ihn als episches Talent anpreist, und die andere, die Quinnen Williams eher als eine Art „neuen Leonard Williams“ sieht. Was natürlich ein richtig starker Spieler wäre. Aber eben kein Allzeit-Talent.

Punkt bleibt: Quinnens Spielweise ist sehr prägnant, ästhetisch ein Traum. Er mag nicht der antrittsschnellste Defensive Tackle unter der Sonne sein, aber Williams war in seinem einzigen Jahr als Starting-DT in Alabama ein hyper-produktiver Spieler nach Advanced-PFF Metrics:

  • #1 nach Pass-Rush Productivity mit 10.0
  • #1 nach Run-Stop-Percentage mit 14.2%

Theoretisch klingt das nach einem Top-5 bis Top-10 Pick. Doch wenn Williams‘ Upside tatsächlich „nur“ irgendwo vergleichbar ist mit jener eines Leonard Williams, ist eine überraschende Entwertung von Quinnens Aktien am kommenden Donnerstag nicht ausgeschlossen.

Ed Oliver / Houston

Obwohl die möglichen Knackpunkte bei Quinnen Williams nun bekannt sind, gilt der athletisch atemberaubende Ed Oliver auf den allermeisten Big-Boards noch immer „nur“ als #2 Defensive Tackle. Die Gründe dafür sind schnell genannt: Oliver ist nicht ganz so komplett, er hat relativ kurze Arme (31 ¾ Inch), ist etwas kleiner gebaut als man für einen Defensive Tackle gerne hätte (6‘2, 287 Pfund) und spielte nicht gegen SEC-Konkurrenz, sondern gegen Mid-Majors.

Oliver ist seit Jahren eine bekannte Größe im College-Football: Er war 2016 der erste 5-Star Recruit in den Vereinigten Staaten, der sich nicht für eine große Uni entschied, sondern für ein Mid-Major Programm (Houston). Seit seinem allerersten Spiel am College, als er als 18-jähriger wie ein „Mann unter Jungs“ die großartige Offensive Line der Oklahoma Sooners terrorisierte und im Prinzip seither als next big thing gilt.

Bloß: Oliver rieb sich in den letzten Jahren auf Nose Tackle gegen Double- und Triple-Teams auf und brachte damit „nur“ 13 Sacks und die #18 Passrush-Productivity unter den Defense Tackles zustande. Vorteil Oliver: Man ist sich im Scouting-Prozess einig geworden, dass er damit nicht ideal eingesetzt war.

Für die NFL gilt er als Parade 3-tech und mit einer 4.19 im Short-Shuttle Drill bewies er auch die entsprechende Elite-Athletik für diese Position. Oliver hat das Potenzial, sich zum besten Interior-Passrusher der Klasse zu entwickeln – er muss dabei hie und da allerdings gedrosselt werden, gilt er doch als Aggressor, der gerade gegen Laufspiel hie und da Suh-like überpowert dem Gegner damit ins offene Messer läuft. Und wovor die Auguren noch warnen: Oliver mit einem Aaron Donald zu vergleichen. Donald galt seinerzeit als wesentlich besserer Pass-Rusher. Oliver soll mindestens eine Stufe unterhalb von Donald einzuordnen sein, auch wenn die NFL nicht mehr die Probleme hat, einen tendenziell kleineren Defensive Tackle zu ziehen wie 2014 bei Donald.

Jeffery Simmons / Mississippi State

Möglicherweise geht Jeffery Simmons als dritter Defensive Tackle vom Tablett, obwohl es an ihm zwei absonderliche „Red-Flags“ gibt:

  1. Er riss sich im Februar das Kreuzband, konnte somit an keinem Offseason-Workout teilnehmen und ist zum Start der Trainingslager im Juli noch nicht einsatzbereit
  2. Er wurde vor einem Jahr dabei erwischt, eine Frau zu verprügeln und gilt seither als möglicher Streichkandidat auf Roger „Ich statuiere Exempel“ Goodells Listen

Am Tape gilt Simmons unbestritten als Top-3 Defense Interior: Er ist eine ebenso wuchtige wie zerstörerische Kraft, ist vielleicht in Punkto Antritt eine Kombination aus Quinnen und Oliver und hat den besten Bull-Rush der heurigen Klasse. Die Hauptkritik an seinem Tape fokussiert sich auf gelegentlichem „Freelancing“.

Mit Blick 2019 könnte Simmons wegen Verletzung ein verschenkter Draftpick sein, aber das Team, das über den Jahreswechsel hinausschaut, dürfte ein Juwel von Prospect bekommen. Die Frage ist: Wird jemand einen 1st Rounder opfern?

Das Clemson-Trio

Die Clemson Tigers schicken neben den beiden gestern vorgestellten Edge-Rushern gleich drei weitere Defensive Tackles in den Draft. Einer von ihnen, Albert Huggins, soll maximal ein Mid-Round Prospect sein. Doch zwei andere gelten wie die oben Genannten als potenzielle 1st Rounder.

Der auffälligere Athlet ist Dexter Lawrence, eine 6‘4 Maschine mit satten 342 Pfund. Lawrence eilt zwar nach zwei Jahren ohne steile Entwicklung (2016 als Freshman war er eine Augenweide) der Ruf eines ewigen Talents voraus, doch mit seinem massigen Körper gilt als 2-Gap Spieler, als idealer Counterpart zu einem kräftigen 3-tech. Ein kein prototypischer Passrusher ist er mit seinen Goliath-Körpermaßen allerdings nicht.

Möglicher weiterer Grund zum Zweifeln: Zuletzt schrieb er negative Schlagzeilen, als er beim Titel-Run der Tigers wegen Dopingsperre draußen bleiben musste. Allerdings: Doping in der NFL? Null problemo – und weil Lawrence auch als Leadertyp über jeden Zweifel erhaben ist und die Leute ihn mit seinen Voraussetzungen mit DT-Monstern wie Vita Vea oder Dontari Poe vergleichen, ist eine Top-20 Einberufung nicht ausgeschlossen.

Wo Lawrence das physische Monster war, gilt der „andere“ Clemson-Starter als fertigerer Spieler: Christian Wilkins – der #2 DT sowohl nach Passrush-Productivity als auch nach Run-Stop%, ist das höher eingestufte Prospect. Wilkins ist sowas wie das „Interior-Pendant“ zum gestern vorgestellten Clelin Ferrell: Er fällt nicht sofort mit absurder Athletik auf, aber je mehr seiner Snaps man studiert, umso höher stuft man ihn ein – denn es gibt auffällig wenige „schwache Snaps“.

Wilkins ist mit 315 Pfund um einiges schlanker als Lawrence und gemessen an seinem Körper ein äußerst fluider Spieler. Er ist erstaunlich beweglich, mit vielen von explosivem Antritt getriggerten Snaps.

Wilkins ist mit seiner Beständigkeit nicht nur ein relativ „sicherer“ Pick. Er ist auch brutal vielseitig. Er gewinnt viele 1-vs-1 Duelle, ist relativ konstant, hat einen breiten Aktionsradius um die Anspiellinie herum und gilt als Athlet, bei dem nur einige wenige Moves kultiviert werden müssen, damit er sich zu den besten Interior-Passrushern zählen darf.

Jerry Tillery / Notre Dame

Der Hüne unter den Defensive Interior-Spielern ist Notre Dames Tillery: 6‘6, 295 Pfund. Tillery ist ein Top-10 Passruher nach Pass-Rush Productivity, aber ebenso sagenhaft schlecht gegen den Lauf: Nach Run-Stop% geht er als #128 in der heurigen Klasse raus – unter Defensive Tackles, nicht unter allen Verteidigern! Run-Defense ist nicht mehr kritisch – doch dermaßen schwache Werte werden die eine oder andere Stirn zum Runzeln bringen!

Tillery ist auch sonst ein relativer Ausreißer im Vergleich zu den bislang vorgestellten Prospects: Er spielte am College mehr 5-tech in den B-Gaps, was einem 3-4 DE in der NFL gleichkommt, und er geht als Senior mit nur einem wirklich produktiven Jahr am College in die NFL. Talent-Evaluatoren bescheinigen ihm Potenzial für idealerweise die späte 1te Runde, doch weil er so lange für seinen Breakout brauchte, könnte Tillery auch ganz schnell ein paar Dutzend Plätze im Draft fallen.

Die Prototypen

Grob schätzt der Common-Sense die Defensive Interior Propects in dieser Saison zusammenfassend so ein:

  • Übergreifend einsetzbar: Quinnen Williams, Jeffery Simmons, Christian Wilkins
  • 0/1-techs: Dexter Lawrence, Khalen Saunders, Daylon Mack
  • 3-techs: Ed Oliver, Tre‘Mont Jones, Michael Dogbe, Gerald Willis III
  • 5-techs: Jerry Tillery, Armon Watts

Im Prinzip sind Williams, Oliver und Wilkins als recht sichere 1st Rounder zu erwarten. Bei Simmons hängt viel davon ab, wie die NFL seine Verletzung beurteilt, bei Lawrence geht e um „Positional Value“ – aber beide haben durchaus gute Aussichten auf einen 1st-Round Pick. Spannend wird auch Tre’Mont Jones, den einige in Olivers Klasse als Passrusher sehen, der aber ebenso etwas schmächtig ist.

Ein Kommentar zu “Defensive Interior im NFL-Draft 2019

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