Seahawks verkaufen Frank Clark nach Kansas City – Gedanken zum Trade

Monster-Trade zwischen den Seattle Seahawks und den Kansas City Chiefs: Die Chiefs kaufen DE Frank Clark aus Seattle. Gegenwert: 1st Rounder 2019 (#29 Pick), 2nd Rounder 2020 (der niedrigere der beiden KC 2nd Rounder) und ein Tausch von 3rd-Round Picks.

Clark bekommt überdies einen 5-Jahresvertrag über 105 Mio. Dollar (genaue Vertragsdetails sind noch nicht bekannt). Es ist ein Monster-Deal, zu dem ich folgendes Gedankencluster anbieten kann:

  • Clark kommt nach Kansas City, nachdem die Chiefs vor wenigen Wochen Dee Ford ziehen ließen (und nur einen 2nd Rounder von den 49ers bekamen). Im Prinzip sieht der Deal in der Vogelperspektive aus Chiefs-Sicht so aus: Clark für Ford und einen 1st Rounder geholt.
  • Dee Ford war in Passrush Win-Rate die #5, gilt aber als schwächerer Run-Defender. Kansas City hatte eine desaströse Run-Defense 2018.
  • Chiefs haben damit in dieser Saison das Passruher-Duo Houston/Ford abgegeben und Clark, FS Tyrann Mathieu, DE Alex Okafor, DE Emanuel Ogbah und CB Breeland Sie stehen ohne 1st Rounder da und haben mit DT Chris Jones noch einen Vertragsstreit in the making im Kader.
  • Die Seahawks waren die Poster-Boys für die Mannschaft, die einen billigen Rookie-QB Vertrag zum Superbowl umwandelte (mit Russell Wilson 2013/14). Danach mutierten sie zu Poster-Boys, wie der „Win-Now“ Modus Schaden anrichten kann (Percy Harvin und Jimmy Graham kosteten 1st Rounder). Jetzt holen sie sich alles Draftkapital zurück um nach der teuren Vertragsverlängerung für QB Wilson den Kader wieder mit billigem Talent aufzufrischen: Zwei 1st Rounder dieses Jahr plus 4 Compensatory-Picks und einen zusätzlichen 2nd Rounder im nächsten Jahr – und sie müssen keinen ausufernden Vertragsstreit mit Clark eingehen und haben den anderen potenziell teuren Verteidiger Earl Thomas ohne Umstände ziehen gelassen.
  • Trades für Veterans sind oft billiger als man meinen würde, weil die kaufende Mannschaft nur einen Teil des Vertrags mit schluckt. Der Clark-Deal ist keiner davon.
  • Aus Chiefs-Sicht gefällt mir der Deal nicht wirklich: Mahomes scheint eigentlich kein QB zu sein, für den man Haus und Hof verkaufen muss um das „Fenster“ auszunutzen. Mahomes wirkt vielmehr wie der Trigger für die „neue NFL“. Kansas City verkauft mit diesem Trade einiges Draftkapital mit dem Trade, muss überdies einen fetten Vertrag schlucken.
  • Die Seahawks dagegen verbleiben mit einem ultra-billigen Passrushing-Roster. Sie testen damit unsere jüngst aufgestellte These von wegen „Passrush ist überbewertet“. Ausgerechnet die Seahawks.
  • Interessant sind die Vergleiche (auch in den Reaktionen!) mit dem Khalil-Mack Trade von letztem Sommer, in dem wir die Raiders unisono verprügelten. Mack kostete die Bears in „Adjusted Salary-Cap“ ca. 25 Mio/Jahr, brachte den Raiders im Verbund mit dem Verkauf eines 2nd Rounders insgesamt zwei 1st Rounder ein. Clark kostet 21 Mio/Jahr und bringt einen 1st und einen 2nd Rounder ein. Mack war zum Zeitpunkt des Trades 27. Clark ist 25. Mack war einmal Defensivspieler des Jahres und mehrfach All-Pro.
  • Wer den Trade nun kritisiert, wird dann auf die Fresse kriegen, wenn Pat Mahomes die Superbowl-Trophäe in den Himmel reckt.
  • Nach Trades/Contracts wie Ford oder Clark, oder Vertragsverlängerungen wie Demarcus Lawrence in Dallas sieht der 18 Mio/Jahr Einkauf von Trey Flowers bei den Lions gar nicht mehr so übel aus wie noch vor ein paar Wochen. Hast du lieber Clark oder Flowers plus 1st und 2nd Rounder?

Die NFL entwickelt sich weiter. Wo vor einigen Monaten die Raiders für einen ähnlichen Trade brutal auf die Fresse bekamen, wird heute unisono das verkaufende Team gelobt. Mack war ein besserer Spieler als Clark, aber die beiden Moves sind so verschieden nicht.

Es wäre nicht unwitzig, wenn die Seahawks sieben Jahre nach Ausloten des „Rookie-QB Fensters“ nun die Vorreiter der nächsten Ineffizienz werden: Coverage > Passrush. Die Chiefs dagegen wetten auf ein Mahomes-Fenster, das sowieso noch 15 Jahre lang offen gewesen wäre.

16 Kommentare zu “Seahawks verkaufen Frank Clark nach Kansas City – Gedanken zum Trade

  1. Nachdem klar war, dass Clark nicht unter dem Franchise Tag spielen wollte, hat sich der Trade angedeutet. Trotzdem haben die Seahawks gut was dafür bekommen, auch um mehr aus den vorher nur 4 draftpicks zu machen.
    Würde mich übrigens sehr wundern, wenn sie nicht mindestens einmal runter traden in der ersten Runde, um am zweiten Tag zuzuschlagen.

    Nach all den Abgängen wäre eine zeitnahe Verlängerung von Bobby Wagner doch wichtig, der ebenfalls in seinem letzten Vertragsjahr ist. Vor 4 Jahren hat er einen Tag (oder so) nach Wilson den neuen bekommen. Diesmal konnte es vielleicht noch was dauern. CapSpace sollte aber jetzt da sein

  2. Wagner bekommt fast sicher, was er will.

    Er ist nach PFF als exzellenter Coverage-Linebacker übrigens ein wertvollerer Verteidiger als Aaron Donald.

  3. Ich gehe mit dem meisten mit, nur das die Chiefs nicht „Haus und Hof“ verkauft haben. Die Chiefs hatten 6 picks in den ersten zwei Runden in diesem und im nächsten Jahr. Davon haben sie zwei abgegeben und dafür einen 25 Jahre alten Spieler bekommen, von dem man im Gegensatz zu einem Rookie am Ende der 1. Runde sofortige Produktion erwarten kann. Ein aggressiver Move aber kein blauäugiger.

  4. Ich hätte einige Gegenargumente:

    Die Chiefs haben 2019 zum dritten Mal in vier Jahren keinen 1st Rounder. Gerade die Seahawks sollten als Warnbeispiel herhalten, was passiert, wenn ein Team derart an Top-Picks ausblutet.

    Die Chiefs geben den #29 Pick her. Das ist ziemlich genau der „Sweet-Spot“ mit dem besten Kosten/Nutzen Verhältnis im Draft.

    Sie zahlen Clark mehr Geld als die 49ers an Ford. Und Ford war der produktivere Spieler:

    Die einzige Erklärung für die Denkensweise der Chiefs ist zu glauben, dass Ford nach vier mauen und einem Super-Jahr ein „One-Year Wonder“ war.

  5. Clark ist halt ein DE in einer nun gespielten 4:3 Defense, Ford ist ein Olb in einem 3:4 Scheme. Die Posterboys bei Sea wurden ja häufig nicht nach ihren Talenten eingesetzt (Graham als Blocker; Richardson scheint auch bei Min besser reinzupassen etc.). Ford hatte mehrere Rückenverletzungen und war ein Problem in der unteririschen Chiefs Run-D. Clark war bis jetzt deutlich konstanter als der jetzige 49er. Ich dachte immer Anfang der zweiten Runde wäre der Sweetspot, da die Verträge relativ günstig sind und der Value immer noch sehr gut ist. Gerade die Seahawks sind ja, mit Ausnahme von 2018, häufig aus der ersten Runde rausgetradet. Wenn du dazu noch infos hast, würde ich mich darüber freuen.

  6. Zu den statistischen Spielervergleichen: „I’m not saying Frank Clark is Khalil Mack. He’s not. But I found these numbers over the last 3 seasons to be interesting.
    Frank Clark – 47 games, 32 sacks, 31 TFL, 66 QB Hits;
    Khalil Mack – 46 games, 34 sacks, 39 TFL, 66 QB Hits“ (Brandon Kiley-@BKSportsTalk):
    Ich weiß, der Mack Verglich ist Blasphemie – doch hatte Mack gerade im letzten Jahr deutlich bessere MItspieler in der D-Line als Clark.
    Der Trade ist teuer für KC keine Frage, dennoch bringt Clark auch einiges mit.
    Die 2020 Draftklasse von KC bleibt in allen Runden vollständig- nur der dazugewonnene Draftpick ist wieder weg.

  7. @jon: Nur Erstrunden-Rookies kann man mit der 5th year option noch ein weiteres Jahr binden. D.h. Gehalt und Potential unterscheiden sich Ende der Ersten, Anfang der Zweiten Runde nicht zwingend dramatisch. Aber jeder, der noch unter die ersten 32 Gezogenen fällt, kann eben ggf. ein Jahr länger ans Team gebunden werden.

  8. Ein weiterer Unterschied zwischen Clarke und Ford ist die Gesundheit. Ford ist wohl ein Wrack in Erwartung und die Cheifs habend a recht detaillierte Informationen.
    man bedenke auch das Clarke seine passrush production in weit weniger gelegenheiten geholt hat. (~1/3 weniger als Ford IIRC)

  9. Ein bisschen Kontext darüber hinaus:

    Es ist nicht zwingend so, als ob Clark ein Elite-Passrusher wäre.

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