NFL-Draftvorschau 2019 für den Gelegenheitszuschauer

Kaum 40 Stunden bis zum Start des NFL-Drafts 2019 (Nacht von Donnerstag auf Freitag, 2h). In den letzten Wochen bin ich mit der Detailanalyse der Prospects so tief wie nie gegangen. Heute die Zusammenfassung der Draftklasse 2019 für den Gelegenheitszuschauer.

Die Prämissen 

Pass to score, Run to win ist out.

Oft belegt, ebenso oft bestritten – aber die Erkenntnisse der letzten Jahre lassen im Prinzip keinen anderen Schluss mehr zu: Die NFL ist eine Liga des Passspiels. Laufspiel trägt nur noch in Spurenelementen zum Erfolg bei – und in einer Liga, in der dank Free Agency und Salary-Cap (Gehaltsobergrenze) nur bedingte Ressourcen für jede Mannschaft verfügbar sind, lohnt es sich im Jahr 2019 nicht mehr, wesentliche Ressourcen in die Stärkung des Laufspiels zu investieren.

Also: Nicht wundern, wenn sowohl in Offense- als auch in Defense-Positionen der Fokus in erster Linie auf den Prospect liegt, die wesentliche Beiträge zu Passspiel und Pass-Defense leisten. Sie sind die Talente, in die in der NFL 2019 investiert wird.

Offense wins Games, Defense wins Championships ist out.

Ein zweiter immer stärkerer Trend ist die Verschiebung des NFL-Footballs in Richtung Offense. Nach der großen Offensiv-Explosion zu Beginn der Saison 2018 kehrte zwar in den letzten Wochen der Spielzeit wieder etwas Ruhe ein. Doch wie in der Diskussion Passspiel vs. Laufspiel ist auch in der Gegenüberstellung Offensive vs. Defensive ein Trend erkennbar: Offense schlägt Defense. 13-3 Superbowl hin oder her.

Die grobe Reihung der Prioritäten einer erfolgreichen NFL-Mannschaft sieht im Jahr 2019 also so aus:

  1. Pass-Offense
  2. Pass-Defense
  3. Lauf-Offense
  4. Lauf-Defense

Die Draftklasse von 2019 ist zumindest in Sachen Angriff gegen Verteidigung in year face! in Richtung Offense: Die Stärke des Jahrgangs liegt eindeutig in der Defense. So groß die Quarterback-Not in der NFL auch sein mag, man erwartet sowohl in der 1ten als auch in der 2ten Runde des Drafts ein Übergewicht an Verteidigern, die an Land gezogen werden.

Build through the trenches steht zur Diskussion.

Das über Jahrzehnte gültige Mantra von wegen Offensive Line und Defensive Line sind die Wege zum Sieg steht dieser Tage ernsthaft auf dem Prüfstand. Die Zeichen der Zeit deuten sehr eindeutig in die Richtung, dass man mehr Wert auf Skill-Player (Wide Receiver, Tight Ends) und Coverage-Spieler (Cornerbacks, Safetys, Coverage-Linebacker) legen sollte als auf Elite-Passrush.

Und das macht den Draft 2019 so spannend, denn die stärksten Positionen liegen mit Defensive Tackle und Edge-Rush just in den Pass-Rush Positionen, während Cornerback und Wide Receiver zwar durchaus als in der Breite gut besetzte Positionen gelten, aber auf beiden Seiten absolutes Spitzentalent Mangelware ist.

Die Ausgangslage

Manchmal ist lange vor dem Draft klar, wer mit dem 1ten Pick geht. 2019 ist keines dieser Jahr, denn just an #1 ist alles offen. Die Arizona Cardinals haben das Wahlrecht – und sie haben sowohl mit Josh Rosen einen Quarterback im Kader, den sie schon letztes Jahr mit einem 1st-Round Pick gezogen haben als auch Kaderlücken auf wichtigen Position als auch einen neuen Headcoach Kliff Kingsbury mit potenziell hoher Affinität für QB Kyler Murray.

Weil es trotz relativem Abflauens des wochenlang überhitzten Murray-nach-Arizona Hypes noch unklar ist, was Arizona mit seinem Top-Draftpick plant, und weil nicht klar ist, ob und wer eventuell Rosen oder Murray von Arizona kaufen würde, geht es gleich schwungvoll los.

Lange Zeit gingen alle davon aus, dass die Cardinals Murray draften werden. Doch es gibt in den letzten Tagen in der „Münchhausen-Crunch Time“ Gerüchte, dass es doch nicht Murray werden könnte. Sollte das der Fall sein, können 80% der Mock-Drafts in den Untiefen des Netzes versenkt werden.

An #2 und #3 sitzen mit 49ers und Jets zwei Teams mit gesetzter QB-Position (49ers: Garroppolo, Jets: Darnold). Beide sollen heiß auf Front-Seven sein – aber je nachdem was Arizona an #1 macht, könnten diese beiden Picks heiße Trade-Ware sein.

An #4 draften die Raiders, bei denen man sich von einem Angriff auf #1 und Kyler Murray (wenn verfügbar) bis zu einem Sitzenbleiben und Abstauben des besten verfügbaren Verteidigers alles vorstellen kann. Oakland hätte mit drei 1st Roundern (#4, #24 und #27) sowie einem frühen 2nd Rounder (#35) ausreichen Kapital um den Cardinals ein attraktives Angebot zu unterbreiten.

Beim #5 Pick geht alles davon aus, dass Tampa Bay Defense draften wird. Als Favorit gilt LB Devin White.

Die an #6 hängenden Giants sind eine weitere Wildcard, bei denen niemand weiß was abgehen wird. New York braucht nach einer desaströsen Offseason händeringend Defense, hat mit Eli Manning einen 38-jährigen Quarterback, der aus dem letzten Loch pfeift und nach WR Odell Beckhams Verkauf auch niemanden zum Hinwerfen hat. Die Giants besitzen auch den #17 Pick und könnten damit theoretisch einen aggressiven Trade nach oben inszenieren. Doch in Wirklichkeit weiß niemand, was der kauzige GM David Gettleman („Du musst laufen. Du musst den Lauf stoppen. Du musst den Quarterback unter Druck setzen“) vorhat.

#7 Jacksonville gilt nur als Außenseiterkandidat auf einen QB-Pick, soll seine Augen in erster Linie auf Left Tackle und Wide Receiver gerichtet haben.

#8 Detroit würden sein Wahlrecht am liebsten verkaufen. Ohne Abnehmer wird es wohl Tight End, Passrush oder Cornerback.

An #9 gelten die Buffalo Bills gelten als scharf auf Defensive Tackle und Edge-Rush.

#10 sind die Denver Broncos, die zwar einen Quarterback brauchen, aber mit dem spezifischen Anforderungsprofil von GM John Elway („Mein QB muss mindestens 2m groß sein und den Ball 70m weit werfen können“) als sehr wählerisch gelten. Der neue Headcoach Fangio gilt als sehr Linebacker-affin.

#11 sind die Cincinnati Bengals, die auch im Quarterback-Rennen sind. Mutmaßlich trotz der bald 38 Lenze von Aaron Rodgers kein QB-Anwärter sind an #12 die Packers, deren Traumszenario ein Tight End von Format wäre.

#13 Miami gilt nicht als scharf drauf, in diesem Jahr einen Angriff auf die Superbowl zu starten, doch #14 Atlanta ist ein oft genanntes Team mit Ambitionen auf einen Trade nach oben: Falcons-GM Dimitroff neigt zur Selbstüberschätzung und schüttelte schon in Vergangenheit die Monster-Offerten aus dem Ärmel. Atlanta soll scharf sein auf Front Seven und Edge-Rush – im Fall der Fälle könnte es hochgehen bis an #2.

Schließlich #15 Washington, das nach der schweren Verletzung von Alex Smith durchaus einen weiteren Player im Lechzen nach Quarterbacks spielen könnte.

Quarterbacks

Detailvorschau QB1 Murray/Haskins und QB2 Lock/Jones

Die Leuchtturm-Position in der NFL. Quarterback ist die dominierende Position im American Football, weswegen NFL-Teams ohne mit der Wimper zu zucken auch fragwürdige Prospects mit hohen Draftpicks verpflichten – jede noch so zweifelhafte Aussicht einen Star zu bekommen, ist rechtfertigt hohe 1st-Round Picks.

Der Wert der QB-Klasse von 2019 ist umstritten – und dennoch gehen Auguren von mindestens einem Top-5 und gar drei oder vier Top-15 Picks auf Quarterback aus.

Die beiden Top-Prospects sind in diesem Jahr der Heisman-Trophy Gewinner Kyler Murray (Oklahoma) und Dwayne Haskins (Ohio State). Beide waren nur ein Jahr Starting-QBs am College. Beide sind Schwarze.

Murray gilt als das aufregendere Talent. Er ist der bessere Läufer und der bessere Werfer, doch sein Körper ist so schmächtig, dass man ihn eigentlich lieber nicht dem gegnerischen Passrush zum Fraß vorwerfen möchte.

Haskins ist der Quarterback mit dem besseren Spielverständnis und die bessere Option für traditionellere Offensiv-Systeme. Murray gilt als Favorit auf den #1 Pick, während Haskins in fast allen Mock-Drafts als 2ter Quarterback noch in den Top-10 vom Board geht…

…doch nicht in allen. Manche Zeichen deuten in die Richtung, dass Drew Lock (Missouri) oder Daniel Jones (Duke) noch vor Haskins vom Tablett gehen werden. Beide sind Hoch-Risiko-Picks. Lock ist ein ungestümer Quarterback mit monströsem Wurfarm, von dem Scouts nachts feucht träumen und Stats-Nerds eindringlich warnen. Jones sieht aus wie ein West-Coast QB aus den Achtzigern, unspektakulär, aber fähig, Großmütterchen über die Straße zu führen. Sollten die Giants ihn tatsächlich an #6 draften, ist er Ryan Nassibs Ersatzmann, nicht Eli Mannings.

Ein heimlicher Liebling der Stats-Szene ist Will Grier von West Virginia – klein gewachsen, aber mit hoher Completion-Rate. Alle QBs hinter den Genannten gelten maximal als Backup-Material.

Der spannende Name ist Josh Rosen von den Arizona Cardinals. Wenn Arizona tatsächlich Murray an #1 holt, weiß jeder: Rosen ist auf dem Markt. Und da zahlreiche Beobachter Rosen für ein besseres Prospect halten als Haskins und Murray und Rosen für wesentlich weniger Geld zu haben wäre, könnte die NFL-Landschaft mit einem Mega-Trade durchgeschüttelt werden.

Runningbacks

Greg Cosell über die Runningbacks

Die Experten sind sich einig: Schwache Klasse. In Joshua Jacobs (Alabama) gibt es nur ein Talent, das höheren Ansprüchen genügt. Jacobs ist der einzige, der sowohl mit Verve in die Lücken schießen kann um auf eigene Faust Yards zu kreieren als auch im Passspiel als Receiver einsetzbar ist.

Hinter Jacobs wird es schnell dünn: Sein College-Teamkollege Damien Harris ist athletisch nichts Besonderes, David Montgomery von Iowa ist zwar spielintelligent, aber eher langsam, Devin Singletary ist ein Speedster vor dem Herrn, braucht aber sensationelles Offense-Line Blocking zum Funktionieren.

Für zahlreiche Beobachter ist Miles Sanders von Penn State der zweitbeste Back im Draft. Eine interessante Late-Round Option ist der starke Ballfänger James Williams von Washington State. Mögliche Starting-Qualitäten sagt man auch den beiden Verletzungsrisiken Rodney Anderson (Oklahoma) und Bryce Love (Stanford) nach.

Wide Receiver

Detailvorschau WR allgemein, D.K. Metcalf, Big-WR und Small-WR

Sie sind sich alle einig: Einen wirklichen can’t miss Prospect bietet dieser Draft nicht, doch er entschädigt mit einer breiten Palette an verschiedenen Individualtalenten für spezialisierten Einsatz. Von mir geschätzte Beobachter gehen von rund drei 1st Roundern und obendrauf weiteren 10-12 Wide Receivern in den Runden 2 und 3 aus. Das spricht für eine sehr tiefe Klasse.

Im Rucksack der hoch aufgeschossenen potenziellen X-Receiver ist D.K. Metcalf (Ole Miss) der Hauptpreis: Gebaut wie ein Calvin Johnson für Arme fragt man sich bei Metcalf allenfalls, warum er am College nicht produktiver war und ob sein verletzungsanfälliger Körper hält.

Weitere WR-Hünen mit großem Potenzial sind Hakeem Butler (Iowa State / mein großer WR-Favorit), N’Keal Harry (Arizona), J.J. Arcega-Whiteside (Stanford), Preston Williams (Colorado State) oder Kelvin Harmon (NC State) – bei letzterem gehen die Meinungen zwischen traditionellen Scouts („super gebaut“) und Advanced-Analytics („Hochrisikopick“) am weitesten auseinander.

Die kräftigen WR2-Spielertypen in der Verlosung sind A.J. Brown (Ole Miss), Riley Ridley (Georgia), Miles Boykin (Notre Dame / Favorit vieler Advanced-Stats), Anthony Ratliff-Williams (UNC) oder Stanley Morgan-jr. (Nebraska).

Wendige Slot-Irrwische im Stile eines Wes Welker oder deep threats im Stile eines Tyreek Hill sind Hollywood Brown (Oklahoma), Deebo Samuel (South Carolina), Parris Campbell (Ohio State) oder Andy Isabella (Massachussetts) – bei letzterem sehen viele trotz sensationeller Sprintzeiten hohes Bust-Potenzial.

Alle genannten Kandidaten sind realistische Optionen in den ersten 3-4 Runden. Weitere werden dort gedraftet werden – und weitere nicht Genannte werden es in der NFL schaffen, während nicht alle der genannten Optionen jemals eine produktive NFL-Karriere hinlegen werden.

Tight End

Detailvorschau Tight Ends

Die Tight-End Klasse von 2019 gilt in den meisten Kreisen als eine der besten aller Zeiten, aber es gibt auch Kritiker, die schon nach den besten 1-2 Prospects vor allem eindimensionale Catch-Artisten als verkappte „langsame“ Wide Receiver verspotten.

Als komplettester Prospect gilt T.J. Hockenson von Iowa, den man als #1 sieht. Hockensons College-Teamkollege Noah Fant (auch Iowa) ist für viele die #2: Athletischere Version, aber mit größeren Fragezeichen als Blocker. Im Big-Picture als einem Fant ähnlich beschrieben werden Leute wie Irv Smith jr. (Alabama), Dawson Know (Ole Miss) oder Jace Sternberger (Texas A&M), wobei man letzteren als den mutmaßlich explosivsten Tight End in der Verlosung anpreist.

Offensive Line

Detailvorschau O-Line und O-Line Scouting

Eine der schwierigen zu prognostizierenden Positionen im Vorfeld des Drafts. Auf Offensive Tackle lobt man am meisten Jawaan Taylor (Florida) und Jonah Williams (Alabama) – doch beide sind fragwürdige Prospects: Taylor hat technische Mängel, Williams hängt eine enttäuschende Performance im National Championship Game gegen Clemson nach.

Die Lieblinge der Advanced-Analytics Szene sind Andre Dillard (Washington State – glänzte dort im Pass-Blocking) und Dalton Risner (Kansas State), den manche auch als Guard projizieren. Spannende Optionen für die 1te oder 2te Runde sind auch Cody Ford (Oklahoma / könnte auch Guard spielen), Greg Little (Ole Miss) und Yodney Cajuste (West Virginia).

Guard gilt per se nicht als stark besetzt, es sei denn, einige OT-Prospects wie Ford oder Risner werden umgeschult. Die interessanten Prospects sind Chris Lindstrom (Boston College), Dru Samia (Oklahoma), Nate Davis (Charlotte), Michael Jordan (Chicago Bears) und Michael Deiter (Wisconsin).

Die beiden besten Center-Prospects, die durchaus in Runde 1 oder 2 gehen könnten, sind dem Vernehmen nach Garrett Bradburry (NC State) und Erik McCoy (Texas A&M).

Defensive Interior

Detailvorschau D-Line und Quinnen Williams

Für viele Beobachter das hochwertigste Talent im Draft, wenn man die überwältigende Wichtigkeit von Quarterbacks ausklammert: Quinnen Williams (Alabama), ein 300-kg Bomber von Defensive Lineman, der sich zum Markenzeichen gemacht hat, sich wie Seife durch die Offensive Liner zu schlängeln und gegnerische Gameplans zu zerbröseln.

Eine explosivere, aber etwas eindimensionalere Option ist Ed Oliver (Houston), nicht so universell einsetzbar wie Williams, dafür mit athletisch noch besseren Voraussetzungen als Passrusher. Williams und Oliver gehen ungeachtet des positional value in vielen Mock-Drafts in den Top-5.

Weitere 1st-Round Kandidaten sind das Rundum-Wohlfühlpaket Christian Wilkins von Clemson, dessen College-Teamkamerad Dexter Lawrence (Clemson / 340 Pfund schwerer Nose Tackle) und der 5-tech Jerry Tillery von Notre Dame, der nicht mit Konstanz besticht, dafür ein Spieler für „die Momente“ ist – für brillante Momente!

X-Faktor der Runde ist Jeffery Simmons (Mississippi State): Vielleicht das beste Tape der Gruppe, aber nach einem Kreuzbandriss im Februar keiner, auf den man 2019 zählen kann. Es gibt Hinweise darauf, dass trotzdem jemand einen 1st Rounder locker machen wird, vielleicht Miami, das sowieso mit Blick 2020 operiert.

Auch die „zweite Reihe“ hat es in sich: Ein Dre’Mont Jones (Ohio State) gilt als „Ed Oliver für Arme“ und ist für einen 2nd Rounder bestimmt zu haben, Khalen Saunders ist ein fetter Nose-Tackle um die Mitte dichtzumachen. Optionen wie Armon Watts oder Daniel Wise gelten als wirtschaftlich günstige Mid-Rounder.

Edge Rusher

Detailvorschau Nick Bosa und Edge-Rusher

Wie Defensive Tackle ist auch Edge-Rush hervorragend besetzt und könnte bis zu sechs 1st-Rounder produzieren. Nick Bosa (Ohio State) ist das kompletteste Paket. Er gehört in die Schublade „grundsolide mit Upside zur Pro-Bowl“. Bosa glänzt weniger mit einem überwältigenden Antritt als vielmehr mit perfekt ausgefeilter Technik. Seine Draft-Aktien dürften auch nach Bekanntwerden von Nigger-Beschimpfungen auf Twitter nicht wesentlich leiden.

Ein solider tuttofare eine Stufe unterhalb Bosa für die mittlere bis späte 1te Runde ist Clemsons Clelin Ferrell. Die besten Speed-Rusher im Verbund sind Josh Allen (Kentucky) und Brian Burns (FSU) – beide werden wohl höher gehen als Ferrell, aber erst nach Bosa. In vielen Mock-Drafts sind sie Top-15 Picks.

Die Wildcards für die 1te oder frühe 2te Runde sind im Quartett aus Montez Sweat (Mississippi State), Jachai Polite (Florida), Rashan Gary und Chase Winovich (beide Michigan) zu verorten. Sweat läuft den 40-yds Sprint wie ein Wide Receiver, ist aber technisch unausgegoren und hat Herzprobleme. Polite gilt charakterlich als einigermaßen kritisch. Gary besitzt alles athletische Talent der Welt, machte dafür am College aber zu wenig Produktives daraus – und Winovich ist weiß: Und wo ein schwarzer Quarterback immer unter dem Stigma des Athleten leidet, so muss ein weißer Defensive End immer mit dem Nimbus des Grinders leben – egal, welch fantastischen Athleten Tape und Combine bei Winovich vermuten lassen.

Linebacker

Detailvorschau Off-Ball LB

Es herrscht Einigkeit unter den Beobachtern, dass sich der Jahrgang auf Linebacker hinter dem Top-Duo Devin White (LSU) und Devin Bush (Michigan) nicht lohnt, weiter vertieft zu werden. Doch White und Bush sind legitime 1st-Rounder.

Bush gilt dabei als kompletter und geschliffener. White ist dagegen das athletische Versprechen, für das NFL-Coaches morden würden – doch bei genauem Hinsehen gehen White viele Instinkte eines verlässlichen Ankermanns ab. Man ist sich sicher, dass White trotzdem hoch gedraftet wird, aber sein Erfolg in der NFL wird davon abhängen, ob qualifizierte Coaches an den richtigen Stellen mit ihm arbeiten.

Cornerbacks

Detailvorschau CB und Wert von DB

Eingangs erwähnt: Cornerback ist wohl die wichtigste Position in der Defense. Die heurige Klasse gilt zwar sportlich nicht als die hochwertigste, doch je weniger Teams die Augen vor der Zahlenwelt verschließen, desto mehr gewinnt der Cornerback automatisch an Wert.

Das Top-Trio in diesem Jahrgang besteht aus Greedy Williams (LSU), Byron Murphy (Washington) und Deandre Baker (Georgia). Williams ist der beste Athlet, spielte aber ein mäßiges Jahr 2018 und gilt als Hitzkopf. Murphy ist technisch der feinste Cornerback und lernte in einer der besten Defensive-Back Schmieden im Lande, ist aber etwas langsam für einen Spitzen-CB und hat wenig Manndeckung gespielt. Baker ist das Mittelding zwischen beiden. Alle drei werden in der 1ten Runde an Lande gezogen werden.

Hinter diesem Trio gehen die Meinungen über die nächstbesten Cornerbacks auseinander. Wer auf physische Optionen steht, greift bei Rock Ya-Sin (Temple), David Long (Michigan) oder JoeJuan Williams (Vanderbilt) zu.

Wer an technischen Mängeln vorbeischaut und sich an athletisch feinsten Anlagen aufgeilt, ist bei Sean Bunting (Central Michigan), Justin Layne (Michigan State), Trayvon Mullen (Clemson) oder Jamel Dean (Auburn) richtig.

Die spielintelligente, aber athletisch nicht auf allerhöchstem Niveau operierende Option lautet Julian Love (Notre Dame) – soweit die wesentlichen Namen, die durch den Äther gejagt werden. Zu beachten ist gerade auf der Cornerback-Position allerdings auch, dass oft 15 oder mehr von ihnen in den ersten Runden gedraftet werden – und immer wieder auch aus den hinteren Reihen plötzlich neue Pro-Bowler an die Oberfläche geschwemmt werden.

Safety

Detailvorschau Safety

Die Position, die in der Free-Agency im März einen Boom erlebte und Rekordverträge erntete: Safety. Vielleicht wurde so viel Geld ausgeschüttet, weil die Draftklasse als etwas suspekt gilt. Der am College eigentlich über die meisten Zweifel erhabene Tyler Rapp von Washington sah seine Aktien in Rauch aufgehen, als er in der Combine eine desaströse Sprintzeit von nur 4.78 Sekunden rannte. Rapps 1st-Round Ambitionen sind seither in Gefahr.

Nasir Adderley aus Delaware scheint sich zum neuen Top-Safety hochgearbeitet zu haben, auch weil er durchaus für Hybrid-Rollen in Frage kommt und nicht wie ein Deionte Thompson (Alabama) aufs tiefe Patroullieren beschränkt ist. Chauncey Gardner-Johnson (Florida) ist die etwas schnellere, aber weniger physische Alternative für Adderley.

Für die in den letzten Jahren so gehypten Safety/Linebacker Hybrid-Rollen in der „Big-Nickel Defense“ hat man am ehesten Jonathan Abram (Mississippi State) und Darnell Savage (Maryland) aufgeschrieben.

5 Kommentare zu “NFL-Draftvorschau 2019 für den Gelegenheitszuschauer

  1. Wunderbare Übersicht. Vielen Dank!

    (Nur die kg-Angabe bei Quinnen Williams solltest du nochmal prüfen…)

  2. Super Bericht!! Vielen Dank….auch für die ganzen anderen Artikel, bin immer nur stiller Leser. (die 300kg ließen mich auch zweifeln:-)

  3. Wirklich super!
    Für diese Art Journalismus müsste man eigentlich bezahlen, danke dass Du es in Deiner Freizeit für uns schreibst.

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