Chicago Bears 2019 Draft Rückschau – Der „All-in“ Ryan

Was den NFL-Draft anbelangt, verfolgt Bears-GM Ryan Pace eine eindeutig erkennbare Strategie.

Pace ist kein GM, der via Down-Trades versucht, mehr Draftpicks einzuheimsen. Er ist vielmehr konsequent im Up-Trade, um „seine“ Spieler zu bekommen. Was ihm dabei besonders wenig am Herzen liegt, ist der 4th Round Pick.

2016 hüpfte Pace in seinem Debüt-Jahr von #11 auf #9 hoch um EDGE Leonard Floyd draften zu können. Er bezahlte dafür einen 4th-Rounder an die Buccs.

2017 zahlte Pace zwei 3rd Rounder und einen 4th Rounder um mit den 49ers vom #3 Pick auf den #2 Pick zu springen und QB Mitchell Trubisky zu draften.

2018 zahlte Pace einen künftigen 2nd Rounder und einen 4th Rounder an die Patriots um in die zweite Runde hochzuhüpfen und WR Anthony Miller zu ziehen.

2019 war Pace nach dem monströsen Khalil-Mack Einkauf vom letzten September ohne 1st Rounder dagestanden. Pace pfiff darauf, mehr Draftpicks zu sammeln, sondern strebte einen weitere Up-Trades an, in dem er mal wieder einen 4th Rounder verkaufte: #87 und #162 Pick an die Patriots für den #73 Pick 2019 und einen 4th Rounder 2020.

Pace zog in seinen fünf NFL-Drafts als Chef der Bears natürlich auch den einen oder anderen Down-Trade durch, aber in den höheren Runden dominieren die Einkäufe von höheren Draftpicks zu Lasten der Pick-Quantität.

Pace nutzte seine beiden höheren Draftpicks 2019 um RB David Montgomery (#73) und WR Riley Ridley (#126) zu draften. Die beiden Spieler wurden weithin gelobt.

Montgomery ist alles andere als ein Speedster. Vielmehr ist er ein Grinder und war letztes Jahr mit fast 100 Broken-Tackles einer der brachialsten Runningbacks im College Football. Wie Montgomery ist auch Ridley nicht super-schnell, dafür aber flink im Cutten und ein exzellenter Route-Runner. Montgomery sollte recht schnell die Starter-Rolle im Bears-Backfield bekommen, Ridley könnte einen #3 oder #4 WR hinter Allen Robinson und Anthony Miller geben, so er Tyler Gabriel vom Depth-Chart verdrängen kann.

Man könnte Pace also attestieren, weiter Skill-Players für den jungen QB Trubisky zu beschaffen um Trubisky die bestmögliche Chance auf den Durchbruch zu geben. Doch ich sehe ein Problem an Paces Vorgehensweise: Sie dünnt den Bears-Kader qualitativ soweit aus.

Pace verkaufte erst im Frühjahr RB Howard für einen 6th Rounder an Philadelphia, und strebte nun einen Up-Trade in der dritten Runde an um Howards Ersatzmann zu bekommen. Howard hätte noch unter Rookievertrag gespielt. Pace zahlte also im Prinzip Howard, einen 3rd Rounder und einen 4th Rounder für die Möglichkeit, Montgomery und einen Late-Rounder zu bekommen.

Merke: Hohe Runningback-Picks sind meistens ineffiziente Investitionen. Ein 3rd Rounder ist nun per se nicht zwingend ein „hoher“ Pick. Aber er war der höchste der Bears 2019. Und Pace erhöhte ihn sogar noch einmal für den Preis eines weiteren künftigen 4th Rounders.

2020 stehen die Bears wieder ohne viele Draft-Ressourcen da: Der 1st Rounder ist bereits im Zuge des Mack-Trades (der ebenso zwei 1st Rounder kostete) weg. Chicago hat zwar dann zwei 2nd Rounder in der Tasche, aber keinen 3rd Rounder (Mack-Trade an die Raiders) und nur einen Compensatory-4th Rounder (der originale 4th Rounder wurde im Zuge des Montgomery-Trades an die Patriots verkauft).

Ohne die Möglichkeit, den Kader mit Mid-Round Draftpicks aufzufrischen, wird das Teamgefüge der Bears 2020 oder spätestens 2021 unbezahlbar. Mack ist dieses Jahr gerade noch finanzierbar, aber schon nächstes Jahr kostet Mack die Bears 26.6 Mio Dollar.

CB Kyle Fuller ist dann bei 17.5 Mio. WR Robinson bei 15 Mio. Trubisky hat dann sein letztes Jahr unter der Rookie-Cap. Free-Agency Verstärkungen werden mit einem tendenziell niedrigen Cap-Space dann schwierig – umso wichtiger wäre es, seine Picks sinnvoll zu investieren als einen Up-Trade nach dem anderen zu investieren.

Doch Pace denkt nicht an die Zeit über 2020 hinaus. Pace denkt nur im „Rookie-Vertragsfenster“ für Trubisky. Pace geht „all-in“, nicht beachtend, dass dies durchaus schon jetzt Gefahren birgt: Die Defense wird sich schon 2019 schwer tun, ihren Level zu halten, nachdem DefCoord Fangio, CB Bryce Callahan und FS Adrian Amos die Mannschaft verlassen haben. LB Trevathan und Whitehair sind nächstes Jahr Free-Agents, EDGE Floyd bekam gestern die 5th-Year Tag.

In der Offense machte Trubisky letztes Jahr den dringend notwendigen Schritt nach vorn und 2019 ist der Depth-Chart noch einmal einen Tick tiefer – aber schon nächste Offseason wird es unmöglich, den Laden zusammenzuhalten. Möglich, dass OG Long, TE Burton, WR Gabriel und im Fall der Fälle sogar WR Allen Robinson geopfert werden müssen um das Team zusammenzuhalten – und sollte sich Trubisky doch noch als Erfolg erweisen, wird Trubisky 2021 unter 5th-Year Tag nochmal 10-15 Mio teurer sein. 2021 fliegt der Laden auseinander.

In solchen Fällen möchte man für gewöhnlich gewappnet sein und sich dank einiger bezahlbarer Mid-Round Picks recht sorgenfrei von Starter verabschieden. Doch Pace hat nicht wirklich die Grundlage dafür gelegt, obwohl er durchaus ein Näschen für qualitativ gute Mid-Round Picks bewiesen hätte (FS Eddie Jackson, RB Tarik Cohen als Beispiele) – wenn er sie denn nicht gerade verscherbelt hatte…

Pace wettet, dass die Bears heuer oder nächstes Jahr die Superbowl gewinnen. Pace wettet auf sein „2-Jahres-Fenster“. Danach fliegt ihm der Laden um die Ohren. Ist es sein Misstrauen gegenüber Trubisky, den er für keine Langzeitlösung hält? Oder ist Pace bereits so stark unter Druck, dass er gar keinen mittelfristigen Plan mehr aufstellen kann?

5 Kommentare zu “Chicago Bears 2019 Draft Rückschau – Der „All-in“ Ryan

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