Indianapolis Colts 2019 Draft Review: Das Fenster öffnet sich nächstes Jahr

Gestern hatten wir ein Team mit einer kurzsichtigen Draft-Strategie in der Analyse. Heute folgt das Gegenteil – Die Indianapolis Colts von GM Chris Ballard. Ballard streicht seit ein paar Monaten eine Lobeshymne nach der anderen ein – rein zufällig waren er und Bears-GM Ryan Pace die beiden Top-Kandidaten auf den Preis des „GM des Jahres“.

Sie sind es allerdings nicht, weil sie ähnlich operieren. Denn während Pace maximal noch in einem 2-Jahresfenster denkt, verzichtete Ballard trotz Dutzender Millionen Cap-Space erneut auf eine große Shopping-Tour. Sogar im NFL-Draft blieb er eher vorsichtig.


Das liest sich dann so:

  • 1st Rounder an #26 an die Redskins verkauft für einen 2nd Rounder 2019 (#46) und einen 2nd Rounder 2020
  • Den frisch eingekauften 2nd Rounder (#46) an die Browns weitergereicht für einen 2nd Rounder (#49) und einen 5th Rounder (#144)

Mit dem ersten Move gab Ballard 13.9 Punkte an die Redskins ab und bekommt bei konservativer Schätzung (#48 Pick 2020) 20.1 Draftpunkte zurück – ein Plus von 44%. 2.6 weitere Punkte staubte Ballard durch den anderen Trade ab – macht in Summe einen Gewinn von 8.8 Punkten im Draft-Kalkulator, was dem #57 Pick Overall entspricht, also einem späten 2nd Rounder, den Ballard aus dem Nichts kreierte.

Das ganze kommt on top auf den letztjährigen Sam-Darnold Trade mit den New York Jets drauf, als Ballard die Jets schier über den Tisch zog: #3 Pick hergegeben (27.6 Punkte), dafür den #6, #37 und #49 Pick 2018 und den #34 Pick 2020 zurückbekommen (56.7 Punkte) – mehr als das Doppelte! Was Ballard aus dem Darnold-Trade rausholte, entspricht rückwirkend fast dem Gegenwert des #2 Overall Picks!

Wen draftete Indianapolis?

Ballard hat nicht nur im Down-Trade ein Markenzeichen gefunden, sondern auch in der Gattung der Talente, die er anstrebt: In der Defense sind es Spieler, die groß und schnell sind. PFF.com hat es schon letzten Dezember auf ihrem Blog aufgeschlüsselt – die Colts spielen unter DefCoord Matt Eberflus eine relativ einzigartige Defense. Sie ist nicht komplex in dem, was ihre Spieler tun, aber sie verlangt nach schnellen Spielern, die mit ihren Instinkten und ihrer Physis das Spielfeld kurz halten. Es ist bend but don’t break galore, aber ohne jemals in Prevent-Defense zu verfallen. Eine Art Mischung aus Cover-2 und Cover-3 Defense, wo die Outside-Cornerbacks teilweise Press-Coverage andeuten, um dann doch in Off-Coverage abfallen.

So war Temples CB Rock Ya-Sin an #34 der ideale Pick (5’11 groß, 4.50 schnell): Ein flinker Cornerback, der mit Press-Coverage vertraut ist und am College kaum tiefe Pässe aufgab.

Auch „künftiger Hall of Famer“ LB Bobby Okereke (#89 Pick / 6‘1 mit 4.58 Speed) und Safety Marvell Tell (#144 Pick / 6’2) und mit Abstrichen EDGE Ben Banogu (#49 / 6‘3 mit 4.62 Sekunden) fallen in diese Kategorie der schnellen, großen Spieler. Sie alle sind keine „fertigen“ Spieler im Sinne von sofortiger Einsetzbarkeit in einer beliebigen NFL-Defense, doch Ballard scheint sich mit der Eroberung der NFL noch ein Jahr Zeit zu lassen.

Auffällig: Von den 10 Spielern, die Ballard draftete, waren die 7 der ersten 8 Verteidiger. Nur WR Parris Campbell gegen Ende der 2ten Runde kommt als Verstärkung für die Offense. In der 7ten Runde zog Ballard zweimal athletische Wunderkinder (u.a. OT Jackson Barton / Utah), die spielerisch nicht viel gezeigt haben am College, aber mit einem Jahr Einlernzeit eine Chance bekommen könnten.

Wohin führt das ganze?

Es wird bestimmt Leute geben, die den Colts zu viel Geduld vorwerfen: „Nicht genug getan um Patriots und Chiefs zu verdrängen.“ Doch bei genauem Hinschauen hat Ballard mit smartem Drafting, Horten von weiterem Draftkapital für 2020 und dem Warten auf das endgültige Ende der Ära Brady schon jetzt das Feld bereitet um in einem Jahr das Zepter in der AFC zu übernehmen.

Kansas City bekommt mehr Hype wegen Mahomes. Cleveland ist die hippere Option dank Kitchens / Baker / Beckham. Aber man sollte nicht vergessen, dass die Chiefs gerade suboptimales Roster-Building betreiben und die Browns in zwei Jahren den Cap-Space komplett verbrannt haben werden, während Ballard dann die ganz große Flexibilität haben wird um die NFL zu überrollen.

Indianapolis hat eine starke Basis: Einen echten Franchise-QB in Andrew Luck, der wieder fit ist. Einen der aggressiveren Headcoaches in Frank Clark Reich. Einen GM, der so weitsichtig handelt, dass es Patriots-esk wird. Und eine junge, aufstrebende Defense, die in den letzten beiden Offseasons extrem aufgebolstert wurde. Colts = AFC-Mitfavorit 2019, AFC-Topfavorit 2020.

2 Kommentare zu “Indianapolis Colts 2019 Draft Review: Das Fenster öffnet sich nächstes Jahr

  1. „…um in einem Jahr das Zepter in der AFC zu übernehmen“.
    Wird 2020 eventuell auf eine 2-Kampf mit Cleveland in der AFC hinaus laufen nach dieser 2019 Einspielphase.
    Ob Cleveland schon in dieser 2019 Saison reüssiert, da habe ich so meine Zweifel bei ihrem Hammer-Spielplan.

    Grosses Lob an dich @korsakoff, deine Beiträge zeugen echt von großer fachlicher Qualität, gerade durch die etwas andere Hintergrund-Sichtweise.
    Danke

  2. Pingback: Indianapolis Colts in der Sezierstunde | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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