Buffalo Bills 2019 Draft Rückschau: Brandon Beane gibt alles – doch sein Schicksal liegt nicht in seiner Hand

Ich gebe zu: Es ist nicht einfach, sich von den Buffalo Bills und dem was GM Brandon Beane in dieser Offseason veranstaltet, zu lösen. Daher heute kein erster, auch kein zweiter, sondern ein dritter Blick auf die Bills-Offseason.

Ich hatte schon im Zuge einer kurzen Free-Agency Recap mein Wohlwollen für Beanes Einkaufsstrategie kundgetan: WR Brown und WR Beasley plus TE Kroft, ein neuer Starting-Center in Morse und zwei potenzielle Kurzzeit-Starter in OT Nsekhe und OB Long waren alles gute und vor allem leistbare Verstärkungen.

Ich schrieb kurz darauf in der Sezierstunde über die Notwendigkeit der Bills, in der Defensive Line nachzubessern:

Für ihn gilt nun, Defensive Interior und eventuell Edge-Rush mit hohen Draftpicks aufzubolstern um kurz- und mittelfristige Qualität der Defense zu erhalten.

Ganz auszuschließen ist es freilich noch nicht, dass Beane sich mit seinem #9 Pick in der 1ten Runde einen Tight End oder Offense Liner (oder in der 2ten oder 3ten Runde wahlweise auch Wide Receiver) zieht, sollten die Bills zum Schluss kommen, ein langfristig brauchbares Talent zu finden.

Wie der Zufall es wollte, fiel Beane im Draft Houstons DT Ed Oliver auf dem #9 Pick direkt in den Schoß. Beane zögerte keine Sekunde und schlug zu. Oliver ist der logische Nachfolger vom jahrelangen Ankermann Kyle Williams in der Bills-Line: Ein etwas kleiner gewachsener, aber extrem antrittsschneller Spieler, der am College nur deswegen keine atemberaubenden Statistiken (u.a. nur 25 QB-Pressures) einfuhr, weil er häufig als Nose-Tackle (65% der Snaps spielte er dort) verscherbelt wurde.

Oliver wird in Buffalo seine Traum-Position spielen können: 3-tech Passrusher, mit etwas 5-tech dazwischen gemischt. Er gilt als passabler Run-Verteidiger und sehr guter Pass-Rush Prospect. Sein Antritt ist famos, ebenso sein Bull-Rush.

Immer wieder ist im Zuge der Paarung „Oliver in Buffalo“ zu lesen: „Du musst dich darauf fokussieren, was der Spieler am besten kann – und nicht daran denken, was er nicht kann.“ Der alte Belichick-Spruch für Oliver. Doug Farrar zeichnet beim Touchdown-Wire auf, wie das für Oliver gelten könnte – und wie ein passabler Coaching-Staff verhindern kann, dass Oliver zu häufig ungestüm ins Leere läuft.

Doch der Oliver-Pick an #9 war so logisch, dass man Beane keine besondere Anerkennung dafür zukommen lassen kann. Es ist, als ob man jemandem Credit gibt, weil er 2 + 2 = 4 rechnen kann. Wesentlicher für die Bewertung der Qualität von Beane als GM waren die Picks danach in den Runden 2-4. Festgehalten wurde das Drama in einem sehenswerten 7-min Video, das Einblicke in den War-Room einer NFL-Mannschaft gibt.


Effektiv wurde nicht nur Ford gezogen, sondern noch zwei weitere Picks:

#38 OG Cody Ford (Oklahoma)
#74 RB Devin Singletary (Florida Atlantic)
#96 TE Dawson Knox (Mississippi State)

Wie ich oben schrieb: Offense Line und Tight End bleiben trotz Einkaufstour kritische Positionen in der Offense. Ford ist dabei der „Königspick“ der Mid-Rounds: Ein ultraproduktives Prospect am College, der in der passgewaltigen Oklahoma-Offense kaum QB-Pressures zuließ, bei dem aber Zweifel bestehen, ob er athletisch genug für einen Offensive Tackle ist.

Positiv für Buffalo: Man muss Ford nicht zwingend sofort aufs Feld schicken. Die OL-Positionen wurden in der Free-Agency soweit verstärkt, dass man zumindest für 2019 bereits eine passable Formation aufs Feld schicken kann ohne einen Rookie spielen lassen zu müssen. Ford kann also eingelernt werden, wenn er nicht ganz so weit ist – oder wenn man sich nicht sicher ist, auf welcher Position er am besten ist.

Singletary so früh zu draften war mutmaßlich Produkt des Ansturms auf Runningbacks in der dritten Runde – man könnte ihn langfristig als Nachfolger für Shady McCoy interpretieren. Positiv auch hier: Während die Bills 2019 aus der Combo McCoy/Frank Gore die letzten Carries vor der Rente herauspressen, kann sich der schmächtige Singletary ein paar Kilos anfuttern um 2020 die Starter-Rolle zu übernehmen. Im Idealfall ist dann auch die Bills-OL schon einen Schritt weiter.

Auch Knox ist nicht zwingend „Blick 2019“: Super-athletischer Tight End, bei dem niemand versteht, wieso er in der Mississippi-State Offense kaum angespielt wurde. Altes Tight-End Problem: Sehen zu wenige Targets, als dass man sie vernünftig bewerten könnte. Doch hinter Kroft kann Knox gemächlich eingelernt werden. Erweist er sich als klug genug für schwierige Routen, wird er schnell übernehmen. Ansonsten kann man abwarten.

Conclusio 

Wie ich schonmal schrieb: Unter der Prämisse, dass man letztes Jahr mit QB Josh Allen den richtigen Quarterback gezogen hat, ist die Bills-Offseason 2019 bockstark: Pass-Protection und zahlreiche Waffen geholt, Defense-Lücke mit dem einzig richtigen Moves adressiert.

Doch nicht vergessen: Das Problem ist die Prämisse selbst„dass Allen der richtige QB ist“. Beane höchstpersönlich zeichnet sich am Ende verantwortlich dafür, den umstrittenen Allen mit dem Top-10 Pick 2018 gezogen zu haben. Dass Allens Rookiesaison weniger katastrophal war als befürchtet, entkräftet noch lange nicht die Befürchtung, dass es für diesen Prospect noch ein weiter Weg zu NFL-Spitzenklasse ist.

Beane hat in dieser Offseason alles richtig gemacht, was man richtig machen kann. Man kann in der gegenwärtigen NFL nicht mehr aus einer einzigen Offseason herausholen ohne Haus und Hof und die gesamte Zukunft zu verkaufen. Alle Moves sind dafür gedacht, dem Quarterback zu helfen: Möglichst viel Entlastung durch möglichst viel Schutz und möglichst viele Anspielziele und möglichst wenige zugelassene Punkte der Defense.

Das Problem bleibt aber: Allen muss liefern. Denn stagniert Allen in seiner Entwicklung, wird niemand Beifall klatschend auf Beanes Tätigkeit in Buffalo zurückblicken. Im Gegenteil: Sie werden alle höhnen „er hat den Hochrisiko-QB gezogen, der trotz optimaler Bedingungen untauglich war“.

4 Kommentare zu “Buffalo Bills 2019 Draft Rückschau: Brandon Beane gibt alles – doch sein Schicksal liegt nicht in seiner Hand

  1. Es könnte so schön sein, hätte man letztes Jahr den richtigen Josh gepickt, für ihn und Buffalo.
    Irgendwie sehe ich uns im Rennen um Lawrence 2021, so sehr mich Allen auch teilweise überrascht hat letzte Saison, glaube ich nicht das er auf Dauer ein guter QB wird.

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