Tennessee Titans 2019 Draft Recap: Denke auch an ein Morgen

Viel Lob für den NFL-Draft der Tennessee Titans. GM Jon Robinson habe viel „Value“ abgestaubt.

Tatsächlich war es kein Draft der großen Moves: Robinson blieb in den ersten Runden stets auf seinem angestammten Slot hängen, verzichtete auf teure Up-Trades oder gewinnbringende Down-Trades.

Robinson zog auch nicht besonders zwingende Need-Positionen. Dafür kann der Draft als durchaus „weitsichtig“ gepriesen werden. Nach Big-Board von PFF.com staubte Robinson in den frühen Runden jeweils hoch eingeschätzte Prospects ab:

  • DT Jeffery Simmons: PFF #8, Draft #19
  • WR A.J. Brown: PFF #20, Draft #51
  • OG Nate Davis: PFF #74, Draft #82
  • S Amani Hooker: PFF #44, Draft #116

Alle Picks in den ersten vier Runden waren zumindest nach landläufiger Einschätzung wertvolle Draftpicks der Titans. Eine Schwäche solcher „allgemeiner“ Big-Boards wie jenem von PFF ist natürlich, dass sie sich nur schwerlich an die Needs oder Begebenheiten der einzelnen Mannschaften anpassen lassen und Draftseite für Draftseite teilweise beträchtliche Differenzen aufweisen.

Doch eine Stärke davon ist, dass wir zumindest grob einschätzen können, was verschiedene Mannschaften sich mit einzelnen Picks gedacht haben. Das PFF-Board als Grundlage genommen, dachte Robinson vor allem: „Ich will die bestmöglichen Spieler“.


Scheiß drauf, dass der 1st-Round Pick Simmons (Mississippi State) nach Kreuzbandriss im Februar vermutlich große Teile der Vorbereitung und vielleicht auch Teile seiner Rookiesaison verpassen wird. Rookie-Spielzeiten sind selten die entscheidenden – Draft ist tendenziell immer zumindest ein Jahr in die Zukunft gedacht, und dafür bekommt Robinson mit Simmons ein Talent, das viele als potenziell bestes des Jahrgangs loben. Wäre da nicht die Verletzung gewesen…

Für beide Parteien ist das die Zusammenkunft Simmons / Tennessee eine glückliche: Für Simmons, weil ihn mit der Präsenz von DT Casey im Line-Up niemand dazu drängen wird, ein überhastetes Comeback zu feiern. Für die Titans, weil sie auf einer Position der Stärke schon eine etwaige Zukunftslösung für die Zeit nach Casey gefunden haben könnten.


In Runde 2 zog Robinson WR Brown. Wide Receiver ist seit Jahr und Tag eine Position, mit der man in Tennessee nicht zufrieden ist. Wie viele hohe Draftpicks haben die Titans eigentlich allein in den letzten 6-8 Jahren verscherbelt – von Kendall Wright angefangen, über Justin Hunter bis Dorial Green-Beckham. Der 2017-1st Rounder Corey Davis (#5 Overall Pick) war nur der letzte dieser hohen Receiver-Picks, die bislang nicht wirklich eingeschlagen sind.

Brown ist der nächste in der Linie. Vor einem Jahr war Brown auf vielen „Watchlists“ für einen Top-10 Pick. Er spielte dann auch eine passable Saison als Slot-Receiver von Ole Miss, doch je näher der Draft kam, desto größer wurde der Hype um Browns „Nebenmann“ D.K. Metcalf – ein größerer, schnellerer, monströserer Receiver als Brown – aber auch ein am College weniger produktiver.

Brown beerbte gegen Saisonende Metcalf (der verletzt ausfiel) als Outside-WR in Ole Miss und machte verlässlich seine Yards. Fast alle Beobachter bescheinigen ihm, der bessere „College-Receiver“ als Metcalf gewesen zu sein. Doch Metcalf war der „größere Potenzial“. Im Draft-Prozess wurde die Reihenfolge der College-Beobachter nun aber bestätigt: Brown an 51, Metcalf erst an 64.

Was den Brown-Pick in Tennessee spannend macht: Er ist ein ähnlicher Spielertyp wie Corey Davis, vielleicht weniger downfield-orientiert, dafür besser bei Yards after Catch. Inwiefern passen diese beiden zusammen?

Ebenso spannend: Weil Titans-QB Marcus Mariota partout seinen Durchbruch hinauszögert, sind die Verantwortlichen seit Jahren „gezwungen“, für Mariota Waffen zu draften. Bislang vergeblich: Trotz einiger guter Ansätze war Mariota bis jetzt nicht mehr als ein Innuendo. 2019 ist Mariotas „5th Year Option Saison“. Das Jahr der letzten Chance. Idealerweise wissen die Titans im Winter, ob sie mit ihm weitergehen können (was einen Vertrag um die 25 Mio/Jahr bedeutet) oder ob Zeit für einen QB-Wechsel gekommen ist.


G Davis in Runde 3 ist ein „Tiefen-Pick“. Die Titans-OL war zuletzt nicht horrend, sie war nie ein großes Problem. Davis kann eingelernt werden, in 1-2 Jahren dann als Starter übernehmen, wenn der Plan aufgeht. Positiver Ansatz: Seine große Stärke ist Pass-Blocking.

Von allen Late-Round Picks wird der Hooker-Pick in der 4ten Runde an #116 besonders gepriesen. Hooker galt als einer der besten Coverage-Safetys im Draft – er soll auch als CB/S-Hybrid einsetzbar sein. Eine dieser versatilen Matchup-Verteidiger, die im Idealfall fast unbezahlbar sind, aber oft auch scheitern, weil man für sie kein Einsatzgebiet findet.

Ausblick

Im Prinzip war die Titans-Vorgehensweise „Draft for Fit“. Als Team ohne eklatante Needs konnte Tennessee sich so eine Vorgehensweise leisten. Man bekam zwei der unisono gelobten Verteidiger als Ergänzung für eine schon jetzt exzellent besetzte Defense.

Noch wichtiger: In Brown draftete man einen Receiver, der theoretisch schon als Rookie wichtige Einsatzzeit bekommt und eine Anspielstation für Mariota gibt. Ich bleibe dabei: Das Supertalent Mariota ist es wert, ihm eine letzte Chance zu geben. Dabei ist es auch wert, ihm die notwendigen Waffen zu verschaffen – vor allem mit Blick, dass man nächstes Jahr eventuell einen neuen Quarterback holen muss. Dann ist es immer von Vorteil, bereits etabliertes Skill-Personal im Kader zu haben.

Die wichtigste Frage für 2019 in Tennessee lautet: Ab welcher Qualitätsstufe betrachtet man Mariota tatsächlich als Langzeitlösung? Doch GM Robinson hat es vermieden, die Mariota-Frage zur entscheidenden zu machen. Denn wenn sich Mariota nicht als Franchise-QB entpuppt, so hat man wenigstens mit dem Draft 2019 Weichen für dessen Nachfolger gelegt und gleichzeitig formidable Grundlagen in Offense und Defense geschaffen.

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5 Kommentare zu “Tennessee Titans 2019 Draft Recap: Denke auch an ein Morgen

  1. Was Mariota wirklich braucht sind nicht Waffen sondern mal 2 Jahre in Folge einen vernünftigen OC.

  2. Mariotas letzter OC hat nach nur einer Saison einen HC Job ergattert – der muss gut gewesen sein 😛

    Ob man die Titans für den Simmons Pick lobt hängt von seinen Problemen abseits des Feldes ab. Korsakoff hatte das Dilemma neulich schon gut in Worte gefasst (ich glaube in Bezug auf die Chiefs):
    Ich sehe es ja grundsätzlich sehr kritisch wenn strafrechtlich relevantes Verhalten wie Körperverletzung vom Arbeitgeber ermittelt und sanktioniert wird und bin überzeugt dass zu den Strafen (die es bei Simmons ja gab) in diesen Fällen auch die Möglichkeit gehören muss, beweisen zu können dass man daraus gelernt hat und sich unter Kontrolle hat. Aber bei die Häufung, mit der solche Gewaltdelikte im Football auftreten müsste zu viel mehr Diskussionen innerhalb der NFL über die eigene Kultur führen. Und letztendlich gehört dazu dann auch eine klare Distanzierung von Körperverletzung und Gewalt, die nicht damit vereinbar ist bestimmten Menschen eine öffentliche Plattform zu bieten.

    Den Simmons Fall kenne ich nicht gut genug um zu beurteilen wie die Abwägung bei ihm ausgehen sollte, aber das zB Greg Williams noch DC ist macht wenig Hoffnung auf ein Problembewusstsein in der NFL. Und deshalb habe ich auch bei Simmons Bauchschmerzen…

  3. „Aber bei die Häufung, mit der solche Gewaltdelikte im Football auftreten“
    Das ist ein trugschluss. NFL Spieler begehen wesentlich weniger Straftaten jedweder Art als der durchschnitt der Bevölkerung. Und das trotz dessen das es fast alles junge Männer sind. Der einzige Bereich in dem sie in die nähe des Bevölkerungssschnitts kommen ist Drogen und angesichts der Schmerzmittel die Footballspielern sich sonst so reintun ist Marihuana eine Sinnvolle sache .
    (538 hatte die Zahlen irgendwo)

  4. Ich fände ein Draft Recap der Ravens insbesondere unter dem Aspekt Wechsel Ozzie/ Da Costa
    Merkt man Änderung der Draftstrategie etc.
    richtig gut.
    Gruß

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