Beißreflexe

Faszinierende Diskussionen auf Twitter zum Thema Analytics.

Mike Tanier (Bleacher Report / @MikeTanier) ist vielleicht mein Lieblings-Schreiber über American Football. Joe Banner (@JoeBanner13 / ehemals hoher Verantwortlicher u.a. in Philadelphia) ist einer der progressiveren Denker in der NFL, einer der ersten, der wirklich große Analyse-Abteilungen in seinen Franchises aufbaute.


Beide lieferten gestern brillante Komik mit ihren Tweets zu Twitter-Analytics. Zuerst Tanier, den wir bereits kennen, der mutmaßlich diesen Artikel von Pro Football Focus zum Thema „Pass Rush vs. Coverage“ als Anlass nahm, zu einem Rundumschlag gegen die Community auszuholen:

Es handelt sich beim angegriffenen Artikel wohlgemerkt um eine dezidierte Auseinandersetzung zum Zusammenspiel Pass-Rush vs. Pass-Deckung, ohne klare Schlussfolgerung, mit dem Schluss-Absatz:

That we are even open to this discussion is a great win for the open-mindedness of the community as a whole. That the initial conclusions upend some of our preconceived notions but leave a ton of space for new and existing data to be collected, analyzed, and interpreted, makes me excited for what’s next.

Tanier likte hinterher Tweets von Banner, der sich engagiert dem Analytics-Mob gegenüberstellte. Banners Argumentation ist so bezaubernd – ich erlaube mir, Auszüge aus dieser Goldgrube auf diesem Blog zu posten:

Subjektive Bewertung ist für die Tonne, auch wenn sie gut darin ist, wichtige Dinge vorauszusagen. Besser sei es, mit etwa der Yards/Carry Statistik (die erwiesenermaßen ein fast reines Zufallsprodukt ist) zu gehen:

Atemberaubende Argumente aus der Milliarden-Liga NFL, die deutlicher denn je auf deutlichen Wissensvorsprung der Twitter-Community schließen lassen. Man muss es für unwahrscheinlich halten, dass die NFL wesentlich bessere Daten zur Verfügung hat – und wenn, dann dass sie diese Daten vernünftig interpretiert. Eine Liga, wohlgemerkt, die weiterhin stur 1st und 2nd Down als Rushing-Down interpretiert, Runningbacks mit 1st Roundern draftet und fleißig 4th Downs in die Endzone des Gegners puntet.


Doch das eigentliche Lehrstück steckt noch nichtmal darin selbst. Vielmehr ist es faszinierend zu beobachten, dass Leute wie Tanier oder Banner, die früher von den Assauers oder Neururers der NFL für ihre (damals) fortschrittliche Denke verspottet wurde, nun völlig überrumpelt dieselben Beißreflexe gegenüber einer Analytics-Community zeigen, die sich anschickt, den Football in der National Football League noch weit aggressiver zu denken als man es bislang für möglich gehalten hatte.

Anders: Früher bellte der US-Assauer. Heute bellt Banner.

Was sagt uns all das?

Wenn schon ein Mike Tanier links und rechts überholt wird – dann vor allem, dass Analytics mit solchen Siebenmeilenstiefeln unterwegs ist, dass kein Ende der Datenrevolution in Sicht ist. Wir sind erstaunlich weit.

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4 Kommentare zu “Beißreflexe

  1. Die Zahl der Bananenkommentare ist wirklich atemberaubend.
    Man kann ja PFF grades scheiße finden, aber dann gleich mit ypC um die Ecke zu kommen. Eieieieieiei.

    Zum Thema Coverage vs Passrush: Ich denke das einen Aggressor es leichter hat mit einem Individualtalent den unterschied zu machen, während es für Verteidiger mehr eine weakest link sache ist.
    DL ist im passrush der Aggressor, d.h. wenn man genau einem Typen der defense 22 Mio per annum zahlt dann besser im Passrush.
    In der Rundefense und in der Coverage geht es mehr darum keine offensichtlichen Löcher zu haben.
    Neben der Frage was denn auf dem Feld wichtiger ist, gibt es noch das Thema der ökonomischen ineffizienz. Solange alle Welt Passrsher hoch bezahlt sind bessere Coveragespieler vergleichsweise günstiger zu bekommen. Teams wie z.B. NE picken immer spät und müssen immer hü machen so die anderen hott sind. sonst läuft das nicht. nur Chandler Jones haben mal auf pick 21 abgestaubt mit einem seltenen up-trade, sonst gibt es in deren Pickregionen selten Superstars.

    Dann gabs noch das Thema das runstopping irrelevant ist weil es wenig zum Gewinn beiträgt. Ich könnte mich irren, aber idR laufen Team weit mehr wenn sie vorne liegen, d.h. es gibt mehr gelegenheit gute run defense grades abzustauben wenn man schon hinten liegt und ich denke das macht hier die korrelation zu win% kaputt.

  2. Ein extrem spannender Artikel für mich, weil diese Diskussionen oft an mir vorbei gehen, danke für den Einblick. Ich musste den Artikel aber 3x lesen um ihn ein bisschen zu verstehen. Die sarkastisch gemeinten Beschreibungen der tweets waren mir nich auf den ersten Blick einleuchtend… Obwohl ich hier jeden blogpost lese, merke ich so it, dass ich vergleichsweise nichts weiß, spannend 😊! Danke dir für die unterschiedlichsten Blickwinkel, die du hier immer wieder auf das Thema wirfst!

  3. Tanier präzisiert seine Kritik an der „Analytics-Diskussion“:

    Aber nicht, warum er zum Rundumschlag ansetzte, weil Grundlagen in dieser wichtigen Diskussion gelegt wurden.

  4. Pingback: Welchen Wert hat subjektive Bewertung? | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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