Houston Texans 2019 Draft Recap: Was passiert, wenn alle deinen Plan kennen

Am Sonntag hatten wir die Tennessee Titans in der Draft-Review und sahen dabei eine Draftklasse, die tendenziell als „best player available“ auszulegen ist. Heute das komplette Gegenteil: Houston Texans.

Wir haben in der letzten Wochen immer wieder betont, dass zahlreiche Analytics-Erkenntnisse darauf hinweisen, dass der Wert der Schützengräben im Vergleich zur Pass-Deckung wohl geringer ist als bislang angenommen. Die Erkenntnisse sind noch nicht ausgereift genug um sie als fixe Doktrin zu verfassen, doch hie und da war bereits zu vernehmen, dass Pass-Rush gar nicht so wichtig sei.

Und implizit dadurch auch Pass-Protection an Wert verliert – zumindest was hochbezahlte High-End Protection angeht. Das Ziel sei vielmehr, funktionale Pass-Protection zu bekommen – gerade gut genug, dass es für die Offense nicht zum Problem wird. Um die wesentlichen Ressourcen in andere Positionen wie Quarterback, Wide Receiver oder Pass-Coverage stecken.

Die Houston Texans waren in den letzten zwei Jahren ein Paradebeispiel dafür, dass besagte funktionale Pass-Protection durchaus ihren großen Wert behält, egal in welche Richtung am Ende die Erkenntnisse aus der Analytics-Community deuten, was Offensive und Defensive Line angeht. Denn die Texans hatten in den letzten beiden Jahren eine der Offensive Lines, die mit am meisten QB-Pressures aufgab und am wenigsten Raum und Zeit kreierte um die eigene Offense ins Laufen (und Werfen) zu bringen.

PFF bewertete die Texans-OL im Passblocking in den letzten beiden Jahren als #32 (2017) und #20 (2018) der NFL. Im Run-Blocking war sie #31 und #32. Die Texans-OL gab 2017 und 2019 nach Sports Info Solutions jeweils die höchste QB-Pressure Rate der NFL auf. Nach Football Outsiders war die Texans-Line 2018 die #27 nach Adjusted-Line Yards im Laufspiel und #32 nach Adjusted-Sack Rate im Passspiel. Es geht also nicht viel tiefer.

Nicht zuletzt im direkten Duell mit den Indianapolis Colts in den Playoffs sah man den Unterschied zwischen einer Top-5 und einer Bottom-5 Offensive Line – und nicht unbedingt überraschend setzte sich dabei die stärkere Offensive Line (Colts) durch.


Es war also naheliegend, dass die Houston Texans in der aktuellen Offseason Offensive Line verstärken müssten – Cap-Probleme hin oder her. Es war umso offensichtlicher, dass Houston Offense Line draften musste, als sie daran scheiterten, auch nur einen der besseren OL-Free Agents nach Houston zu locken. Der beste Free-Agent war noch Matt Kalil, einstiger Top-5 Draftpick, der seit Jahren nicht mehr als NFL-tauglich gilt und letzte Saison fast komplett mit Knieverletzung verpasste.

Jeder wusste vor dem Draft: Houston muss an #23 eigentlich Offensive Tackle draften. Sie machten das dann auch – doch ihr 1st-Round Pick an #23 war dann trotzdem ein Lehrstück dafür, was in der NFL abgehen kann, wenn die Konkurrenz exakt einschätzen kann, was du machen wirst.

Denn da Philadelphia an #25 sitzend genau wusste, was Houston an #23 vorhaben würde, gerade weil der hoch gehypte OT Andre Dillard wider Erwarten noch am Board klebte, fädelten die Eagles einen recht billigen Up-Trade mit den Baltimore Ravens an #22 ein um Houston dessen OT-Favoriten Dillard vor der Nase wegzuschnappen. Hätten die Eagles an einen Ausfallplan der Texans glauben können, sie hätten den Up-Trade mutmaßlich vermieden. Doch die Texans waren so klarer Anwärter auf Dillard an #23, dass Philly problemlos vorbeispringen konnte um den Texans die Laune zu versauen.

Die Texans brauchten hernach erstmal ein paar Minuten um sich wieder zu sammeln, ehe sie den völlig unbekannten OT Tytus Howard von der kleinen Alabama State University drafteten – ein Small School Prospect, für das, obwohl athletisch hervorragend, der Sprung von der FCS in die NFL ein relativ großer sein wird. Es gibt Zweifel, ob Howard schon 2019 als Leistungsträger taugt. Houston beließ es nicht bei der einen Adressierung des OT-Needs: In Runde 2 folgt ein weiterer Prospect von einer kleinen Uni in Max Scharping (Northern Illinois).


Mit dem anderen 2nd Rounder im Sandwich holte man CB Lonnie Johnson aus Kentucky. Auch Cornerback war eine Need-Position – und auch hier schaute Houston ein paar Picks zu spät nach dem Sturm enttäuscht aus der Wäsche: Die meisten Cornerbacks gingen zwischen #30 und #46 (deren 7 Stück), nachdem schon in Runde 1 das Offense-Line Board zwischen #11 und #22 geräubert worden war.

In den späteren Runden folgten Tight End, Passrush, nochmal Cornerback und Fullback. Am Ende bleibt jedoch das Malheur an #23 hängen – als man Tackle draften musste, Tackle draftete, aber eben nicht den Wunsch-Tackle, sondern nur die B-Lösung.

Doch Houston blieb keine Wahl. Offense Line mag es nicht wert sein, 5x Pro-Bowl zu verpflichten, aber man braucht wenigstens Durchschnitt um den Boden zu schaffen für eine nutzbare Offense. Die beiden Tackle-Einberufungen sind überfällig – sie kommen eigentlich zu spät, aber nachdem man letztes Jahr keinen 1st Rounder hatte (wegen Trade für QB Deshaun Watson 2017) hatte man kaum Munition um die Lücken früher zu adressieren.

Schwierig anzunehmen, dass Howard/Scharping bereits 2019 allzu positiven Impact haben werden – und danach läuft den Texans die Zeit davon: 2020 ist Watsons letztes Jahr unter Rookie-Vertrag, DE-Legende J.J. Watt wird nicht jünger und EDGE Clowney dürfte bald unbezahlbar sein.

Das „Superstar-Modell“ der Texans ist nahe seines Ablaufdatums – und desaströse Offense Line war einer der Hauptgründe, weswegen es 2018 nicht zu Höherem als Wildcard reichte. Da mit Indianapolis in der AFC South ein schlafender Riese darauf wartet, geweckt zu werden, könnten die Texans die Dummen sein, die am Ende von draußen zuschauen, wenn sich die anderen Granden in der Post-Patriots Ära die Kante geben.

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Ein Kommentar zu “Houston Texans 2019 Draft Recap: Was passiert, wenn alle deinen Plan kennen

  1. Die Ausreden gehen in Houston aber langsam auch aus. OL Personal 2019:

    OT Howard, Schmeling, Henderson, Leonard, Kalil, Rankin
    G Kelemete, Fulton, Mancz, Shakir
    C Martin

    Und der Tackle mit dem sensationellen Namen Steinmetz 🙂
    Texans haben sich sehr bemüht, diese Schwachstelle zu schließen, das sollte schon besser aussehen nächstes Jahr. Kader würde ich sagen trotzdem der schwächste in der AFC South, wenn man von QB absieht. Aber Watson ist klar vor Mariota und Foles die #2 der AFC South QBs und deshalb auch PO Chancen für die Texans.

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