Tampa Bay Buccaneers 2019 Draft: Dominanz für Defense und Coverage

Der Tampa-Bay Buccaneers-Draft 2019 war Defense-dominiert. Dabei verzichteten die Verantwortlichen darauf, die teuren zu draften, konzentrierten sich dafür mehr auf die Back-Seven.

#5 LB Devin White – Es hatte sich lange vor dem Draftwochenende herumgesprochen, dass Tampa an #5 eben Linebacker White anpeilen würde, und so war es für niemanden eine Überraschung, dass die Buccs White zogen, obwohl mit EDGE Josh Allen oder DT Ed Oliver zwei potenzielle Star-Passrusher verfügbar gewesen wären.

White ist das, was der Common-Sense in den letzten Jahren verstärkt „Off-Ball Linebacker“ getauft hat: Linebacker, die nicht primär Pass-Rush betreiben, sondern als Tackle-Maschinen hinter der Anspiellinie operieren, Tight Ends und Slot-Receiver decken und auf Blitzes geschickt werden. Es ist ein eigentlich abwechslungsreicher Job – mit dem einen Problem, dass die traditionell primäre Linebacker-Aufgabe, Gap-Controlling gegen Laufspiel und Tackling, durch die zunehmende Entwertung des Laufspiels in der heutigen NFL relativ unwichtig geworden sind.

In den letzten Wochen und Monaten geistert jedoch die mittlerweile berüchtigte „Coverage vs. Pass-Rush“ Diskussion durch die Foren und Twitter. Befeuert wurde die Diskussion durch Studien im Stab von Pro Football Focus. Das Argument geht kurz so:

  1. Coverage-Leistung korreliert wesentlich besser mit Siegen als Pass-Rush
  2. Pass-Rush autokorreliert allerdings wesentlich besser mit sich selbst als Coverage
  3. Edge Rush ist wichtiger als Interior Passrush

Anders: Coverage scheint mehr Einfluss auf Sieg und Niederlage zu haben als Pass-Rush, aber Pass-Rush ist stabiler – was die Coverage wieder einen Tick entwertet. Die Messen in dieser Diskussion sind längst nicht gesungen und es gibt noch vieles zu entdecken.

Doch PFF schrieb schon vor einiger Zeit provokativ: Bobby Wagner, ein Coverage-Linebacker, ist wertvoller als DT Aaron Donald. Und so überrascht es nun auch nicht, dass Mike Renner und Steve Palazzolo im PFF-Draft Recap die White-Einberufung an #5 wesentlich weniger kritisch sehen als die meisten Analysten. Denn Coverage-Linebacker / Off-Ball Linebacker ist im Falle von Bestätigung des Arguments „Coverage > Pass-Rush“ eine wichtigere Position als gedacht.

Das Positions-Argument ist allerdings nicht das einzige Problem, das am White-Pick kritisiert wird. Denn White ist bei allen athletischen Wunderwerten kein komplettes Prospect. Seine Spielzugdiagnose lässt auch noch nach zwei Jahren als Starter zu wünschen übrig – es wird kompetentes Coaching brauchen um ihm zahlreiche Flauseln auszutreiben.

Die Buccs wetten mit ihrem 1st-Round Pick nicht nur darauf, dass die Coverage-Linebacker Position an Wert gewinnt, sondern auch darauf, dass ihr Trainerstab das aufregende, aber riskante Prospect White in die Spur bekommt.

Defensive Backfield kam danach

Tag 2 im Buccs-Draft schließlich war reserviert für die Secondary:

#39 CB Sean Bunting (Central Michigan)
#94 CB Jamel Dean (Auburn)
#99 S Mike Edwards (Kentucky)

An Bunting (Größe 6’0) und Dean (6‘1) fällt auf, dass es sich um hoch aufgeschossene Cornerbacks handelt. Beide galten in der Combine als durchaus überraschend beweglich für ihre Größe. Sie kommen in ein Backfield, in dem die Buccs erst vor wenigen Tagen die 5th-Year Option bei CB Hargreaves (bisher enttäuschender Top-15 Pick 2016) zogen – in der Hoffnung, dass es bei Hargreaves doch noch etwas wird, und dass sie schon letztes Jahr mit M.D. Stewart und Carlton Davis zwei Cornerbacks in Runde 2 gedraftet haben. Tampa wird also ein Hort der Cornerbacks.

Problematisch bleibt allerdings der Pass-Rush, denn die Buccs dürften nach dem Autounfall von Jason Pierre-Paul ohne ihren mutmaßlich besten Edge-Rusher in die Saison gehen. Pierre-Paul soll sich einen Wirbel gebrochen haben und monatelang ausfallen. Es ist Pierre-Pauls zweite schwere Offseason-Verletzung, nachdem er sich vor ein paar Jahren einige Finger beim Feuerwerkeln wegsprengte. Football scheint noch das sicherste zu sein, was Pierre-Paul treibt.

Auch DT Gerald McCoy könnte mit seinem mächtigen Cap-Hit (über 13 Mio) noch ein Trade-Kandidat sein.

Es überrascht, dass Tampa so gar nichts auf Defensive Line & Edge-Rush unternahm. Vielleicht glaubt man tatsächlich, dass man durch die neueste Coverage/Passrush-Diskussion der Konkurrenz einen Schritt voraus sein kann. Wenn dem Quintett Hargreaves/Bunting/Dean/Davis/Stewart am Ende des Tages zwei oder drei qualitativ gute Starter entspringen, so ist diese Offseason/Draft dennoch ein Gewinn für Tampa.

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