Von der Entwicklung der Positionsbezeichnungen im American Football

Auf diesem Blog läuft gerade eine Geschichtestunde zur Entwicklung des American Football. Recht spannend ist dabei die Geschichte der Positionsbezeichnungen. Warum heißt der Quarterback eigentlich „Quarterback“ und warum ist der Guard ein „Guard“?

In der Urzeit des Football (wir sprechen von Ende 19tes Jahrhundert) spielten sieben Mann in der Offensive Line. Sie wurden als „Rushers“ bezeichnet, während die vier Spieler dahinter die „Backs“ waren. In Offense wie Defense sah die Formation dabei relativ ähnlich aus:

Footballformationen in der Urzeit

Footballformationen in der Urzeit

Rushers

Zuerst zur 7-köpfigen Offensive Line. Es war klar, dass die beiden äußersten Jungs „Ends“ genannt wurden, weil sie an den jeweiligen Enden platziert waren. Der an beiden Flanken nächste Blocker war der „Next to End“. Der Mann in der Mitte war der Center – und die Blocker zwischen dem Center und dem „Next to End“ waren die beiden „Next to Center“.

Primäre Aufgabe des Centers war es nach Einführung von Line of Scrimmage und Snap, den Ball nach hinten zu treten (am Anfang wurde tatsächlich noch gekickt!) – es brauchte also zusätzlichen Schutz für den Center, weil er damit im Moment des Anspiels kurzzeitig schutzlos war. Und so wurden die beiden „Next to Center“ alsbald „Guards“ genannt, weil sie den Center eben beschützten.

Weil man schnell sah, dass das Offensivspiel über die Mitte wegen des Überladens der Defense nicht viel brachte, versuchte man, das Spiel über „außen“ zu gestalten – über die Lücke zwischen End und „Next to End“. Die Verteidiger dieser Lücke wurden alsbald „Tackles“ genannt, weil sie die besten Chancen hatten, Tackles zum Stoppen der Offense zu erzielen.

Da in jener Zeit die Spieler noch in Offense und Defense gleichermaßen eingesetzt wurden, und das Ballrecht per Kick (heute Punt) ohne Auswechslungen stattfand, wechselte der Tackle mit einem urzeitlichen Punt nicht die Position, sondern ganz einfach die Seite – er war nun in der Offense. Und so nannte man die Position eben auch in der Offense „Tackle“. Später wurde daraus die Trennung in Offensive Tackle und Defensive Tackle – bis heute hat sich die Bezeichnung gehalten, obwohl der Offensive Tackle gar keine „Tackle / Tackling“-Funktion hat.

Backs

Und damit zu den Backs („Rückraumspieler“). Die balltragenden Spieler wurden hinter der Offensive Line platziert. Eine oft genutzte Formation bestand aus einem Back, der vier Schritte hinter der Line platziert war („Fullback“), zwei Spielern nebeneinander auf halbem Weg dorthin („Half-Backs“) und ein Spieler genau zwischen Line und Half-Backs („Quarterback“).

Der Quarter-Back bekam seinen Namen dabei vor allem aufgrund seiner defensiven Position: Er war auf rund einem Viertel Distanz zwischen Defensive Line und Goal-Line platziert und sowas wie der Vorgänger des heutigen Middle-Linebackers. In der Offense hatte er vor allem die Aufgabe, den Snap des Centers anzunehmen und zu entscheiden, in welche Richtung sich der Spielzug entwickeln sollte – dabei übergab er den Ball an einen der Half-Backs zum Balltragen oder den Full-Back zum Punten.

Half-Backs waren also schon damals die bevorzugten Arbeitstiere, die den Ball versuchten zu bewegen. Der Full-Back war der letzte Verteidiger in der Defense. In der Offense war er u.a. zuständig für die Punts und Drop-Kicks („Field Goals“). Der Full-Back ist damit auch sowas wie der „Ur-Defensive Back“ oder „Ur-Safety“.

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2 Kommentare zu “Von der Entwicklung der Positionsbezeichnungen im American Football

  1. Also mich hat es ja Jahrelang verwirrt das die Defensive Tackles innen stehen, die offensive Tackles aber außen. und das war bevor ich wusste was das Wort „Tackle“ bedeutet und ich verwirrt sein konnte weil offensive tackles ja höchst selten jemand tackeln.

  2. Dazu muss man halt auch wissen dass lange Zeit auch in der Defense guards gespielt haben – die würden halt irgendwann wegrationalisiert, als 6er Lines langsam unpopulär wurden.
    Manchmal wird noch vom Nose Guard gesprochen…

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