NFL 2019 Preview: Wichtige Faktoren zur Trennung zwischen Glück und Können

Siege sind in der NFL natürlich das ultimative Ziel, doch bei nur 16 Saisonspielen und relativer Chancengleichheit zwischen allen 32 Mannschaften besteht natürlich eine große Bühne für den Zufall, der in der NFL immer mitspielt.

Die Prognose von künftigen Bilanzen ist traditionell schwierig. Doch lass uns einmal auf ein paar Key-Performance Indicators der Mannschaften blicken.

In der nachfolgenden Tabelle sind Performance-Indikatoren und danach Regressions-Indikatoren aufgelistet.

Zu den Performance-Indikatoren zählen die Faktoren, die unter möglichst großer Herausrechnung des Zufalls das Leistungsvermögen der Mannschaft in der letzten Saison messen:

  • W-L: Sieg/Niederlagen Bilanz
  • One Score: Bilanz in 7-Punkte Spielen, also innerhalb eine Scores
  • Wins: Anzahl Siege
  • Pyth: Pythagorean Win Expectation
  • Net SR%: Netto Success Rate der Mannschaft in Offense und Defense
  • Net EPA: Delta zwischen offensiver EPA/Play und defensiver EPA/Play

Dabei sind die Anzeichen für starke Performance grün gefärbt, während die Anzeichen für schlechte Performance eher rot eingefärbt sind.

In der zweiten Sektion habe ich einige simple, aber effiziente Regressions-Indikatoren gelistet – es handelt sich hierbei um Faktoren, die zu hohen Anteilen vom Zufall bestimmt sind und in der folgenden Saison zu starker Regression zur Mitte tendieren:

  • WL vs. Pyth = Wie viele Siege hat eine Mannschaft letztes Jahr über oder unterhalb des Pythagorean erreicht. Hohe Werte sprechen dafür, dass die Mannschaft „zu viele“ Siege eingefahren hat. Niedrige sprechen dafür, dass es „zu wenige“ waren und es wahrscheinlich eine Verbesserung der Siegbilanz 2019 gibt.
  • One Score = Der prozentuale Anteil an Siegen in engen Spielen. Niedrige Werte sprechen für einen Anstieg der Siegbilanz, ganz einfach, weil enge Spiele traditionell eine relative 50/50 Angelegenheit sind.
  • TO = Turnover-Bilanz in der letzten Saison. Die Bilanz tendiert in der kommenden Saison gegen null zu gehen.
  • Hidden ST = Aus Football-Outsiders’ Special-Teams Ranking. Das Hidden-ST misst grob, wie viele Punkte „Nachteil“ ein Team durch Faktoren hatte, das außerhalb seiner Kontrolle war (z.B. das Kicken gegnerischer Fieldgoals oder Punts und Kickoffs).
  • Fum% = Der prozentuale Anteil an Fumbles in Offense und Defense, die von der jeweiligen Mannschaft recovert wurde. Traditionell ist die Fumble-Recovery ein 50/50 Plays, weswegen besonders hohe oder besonders niedrige %-Zahlen vor allem dem Zufall zugeschrieben werden können.
  • AGL = Adjusted Games Lost. Die Anzahl an verpassten Starts einer Mannschaft. Ich habe über diese Metrik erst vor kurzem geschrieben.
  • SOS = Ranking des zu erwartenden Strength of Schedule. Ich habe dabei Warren Sharps Ranking verwendet.

Achtung: Ich habe die Indikatoren, die für eine Verbesserung in 2019 sprechen (also die besonders „schlechten“ Werte von 2018), grün gefärbt um besser abschätzen zu können, bei welchen Teams eine Verbesserung allein aufgrund von Regressionsfaktoren zu erwarten ist.

Hier die Aufstellung:

Peformance und Regression Indicators - NFL 2019

Peformance und Regression Indicators – NFL 2019

Auf Basis dieser Aufstellung könnte man zum Beispiel geneigt sein, in den Carolina Panthers einen Sleeper zu sehen. Die Panthers waren letzte Saison nur 7-9, aber sie waren nur 2-7 in engen Spielen. Sie haben ihre pythagoreische Erwartung um fast einen Sieg unterboten.

Die Panthers hatten großes Pech in den Special-Teams und bei Verletzungen (u.a. QB Cameron Newton), und sie haben einen der einfacheren Schedules der anstehenden Saison. Vor allem: Die Panthers hatten letzte Saison eine der beste „Net-Success Rates“ der NFL, was dafür spricht, dass sie tendenziell aufgrund einiger „Fluky-Plays“ zu weit nach unten gezogen wurden.


Interessanter Case-Study sind die Chicago Bears: Alle Performance-Metrics von 2018 waren superb, aber das Team war extrem glücklich bei Turnovers und Verletzungen und hat einen der schwierigeren Schedules der NFL. Das alles, bevor wir daran denken, dass Vic Fangio und mehrere Leistungsträger die Defense verlassen haben.

(Über die Bears hatte ich schon detaillierter geschrieben).


Dallas ist auch ein Regressionskandidat: Letztes Jahr war man 10-6 und gewann ein Playoffspiel, doch jener Sieg war ein Glückssieg, weil der gegnerische Offensive Coordinator das Spiel in die Tonne trat. Dallas‘ Record war getrieben von einem 8-2 Record in engen Spielen, und man holte 1.6 Siege mehr als es die Pythagoreische Erwartung vermuten ließ.

Die Cowboys hatten mit nur 49% Net-Success-Rate eine unterdurchschnittliche Success-Ratio, und sie profitierten von relativ großem Fumble-Glück (holten 25 von 44 Fumbles, das sind drei mehr als erwartet).


Auch das Team, das Dallas in der Viertelfinal-Runde rauswarf, ist ein Kandidat für Regression: Die Los Angeles Rams. Sie waren freilich eines der besten Teams in der letzten Saison, mit einigen der besten Effizienz-Kennzahlen überhaupt.

Trotzdem waren die Rams auch glücklich: Sie holten 13 Siege, obwohl der Pythagorean nur 11.2 Siege hergegeben hätte. Sie gewannen sechs ihrer sieben One-Score Games. Sie waren +11 bei Turnovers, hatten das meiste Fumble-Glück aller 32 Mannschaften, waren überdurchschnittlich glücklich bei „Hidden-Points“ in den Special Teams und das Team mit den viert-wenigsten Verletzungen.

Hoffnungsschimmer: Der 6t-einfachste Schedule der Liga, darunter der mit Abstand einfachste in der NFC West.


New England Patriots? Stark in den Effizienz-Stats, dafür glücklich in Turnovers und Special-Teams, aber weil man den drittleichtesten Schedule der Liga hat, sollten die Patriots wieder durch die Saison cruisen… es sei denn, QB Tom Brady geht komplett ein.

Die Oakland Raiders waren letztes Jahr horrend, hatten aber vergleichweise gute Success-Rate. Faktoren wie Turnover-Regression oder Fumble-Pech sprechen dafür, dass sich Oakland verbessern wird, aber andererseits sieht man den schwersten Schedule der Liga.


Die Tampa Bay Buccaneers kennen wir auch schon: Letztes Jahr stellte man keine gute Mannschaft, doch es gibt extrem viele Anzeichen, dass sich die Buccs von 5-11 auf eine bessere Bilanz steigern können:

  • Man war 1.4 Siege unterhalb des Pythagoreans von 6.4 Siegen
  • Man war nur 3-6 in engen Spielen.
  • Man war atemberaubende -18 bei Turnovers. Wenn Bruce Arians bloß das lockere Abzugshändchen bei Jameis Winston etwas in Griff kriegt…
  • Man war unglücklich bei Special-Teams
  • Und man hatte das meiste Verletzungspech in der NFL.

Der kritische Punkt: Man spielt den härtesten Schedule der NFC South. Aber dank neuem Trainerstab und etwas verbessertem Defense-Personal sowie diesen ganzen Regressions-Faktoren spricht vieles für eine gute Buccs-Saison.

Den Rest lasse ich den geneigten Leser selbst studieren. Schönes Wochenende.

8 Kommentare zu “NFL 2019 Preview: Wichtige Faktoren zur Trennung zwischen Glück und Können

  1. Interessant, daß die ganze Liga bei Success Rate innerhalb von 47% bis 53% liegt. Zeigt wieder einmal wie eng es zugeht.

    Finde übrigens die AFC North sehr eng, wenn man sich das Bild anschaut:

    PIT: 9.5 Siege und starke Performance und mögliche Regression bei Turnovers aber schwierig sich bei Verletzungen noch zu verbessern.

    BAL: Bei Performance noch ein Win besser als die Steelers (aber weniger SR und EPA), Regreession Potential bei Close Games und einfacherer Schedule als Steelers. Aber bei Verletzungen noch weniger Spielraum als PIT.

    CLE: Darling überall, aber bei Performance von Pythagorean fast 3 Siege hinter PIT und fast 4 hinter BAL, Net SR und EPA auch noch ein weiter Weg, hat den Pythagorean schon mit 7-8-1 outperformt, hatte schon gutes Turnover Luck und wenig Verletzungen. Klar fehlt jetzt eine halbe Saison HUE und neue Spieler, aber das ist noch ein weiter Weg bis zu den Steelers und Ravs.

    CIN: Nach Performance die No 4 in der Division, aber längst nicht das schlechteste Team der NFL. Regression Potenzial bei Verletzungen und Close Games und Special Teams, und einfachster Schedule der NFL.

    PIT ohne Bell & Brown, BAL mit einer ganzen Saison Lamar auf QB, Browns mit einer ganzen Saison Baker & Odell, und die Bengals kein Push Over… Das wird eine ganze heiße Division!

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