College Football History – Teil 7: Die Weltwirtschaftskrise und ein neues Epizentrum des Sports

Wir lasen am Dienstag: College Football in den 1920ern war Boom total – inklusive aller Folgeerscheinungen wie zunehmender Kommerzialisierung und Aushöhlung des Amateursport-Ideals seitens der großen Colleges.

Es war auch die Zeit, in der erste National-Champions benannt wurden, doch nicht durch den Sieger eines Endspiels, sondern über eine Abstimmung. Zu wichtig war die Wahrung des unscheinbaren Universitätssports. Dafür gewann das erste Bowl-Spiel, die Rose Bowl in Pasadena bei Los Angeles, zunehmend an Bedeutung: Zuerst nur als Begleiterscheinung des alljährlichen Rosenumzugs am Neujahrstag geplant, entwickelte sich jenes Spiel zu einer von allen angestrebten Belohnung für eine starke Footballsaison.

Die Rose Bowl war nicht nur die Vorläuferin der „Bowl-Season“. Das 1924 extra als Austragungsort gebaute Stadion in Pasadena wurde mit seiner Schüssel-Form nicht nur zum architektonischen Vorbild für zahlreiche US-Stadien der nächsten Jahrzehnte, sondern auch Namensgeberin für Endspiele im College Fooball: Bowl. Dabei war das Rose-Bowl Stadion selbst nur eine Replik der 1914 fertiggestellten „Yale Bowl“.

Rose Bowl

Mythisches Stadion: Die Rose Bowl in Pasadena

Die uns bereits bekannten „Four Horsemen of Notre Dame“ beendeten in der Rose Bowl vom Neujahrstag 1925 ihre College-Karriere. Die Zugreise von South Bend/Indiana quer durch die Lande nach Südkalifornien dauerte wochenlang und entwickelte sich zu einem derartigen Triumphzug, dass selbst die Verantwortlichen an der footballgeilen Uni Notre Dame alsbald genug von dem Trubel hatten und hernach für über 40 Jahre jede Einladung in weitere Bowl-Spiele untersagten.

Motto: Football schön und gut, solange es Geld bringt. Aber am Ende bleibt doch noch ein Stückchen Universitäts-Ethos.

S! E! C!

Solcherlei Ethos war in anderen Regionen der USA egal. Zum Beispiel dem deep south, dem US-Süden, in den USA seit den Zeiten des Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert eine zurückgebliebene, ja verspottete Region. Der Süden fühlte sich als Verlierer jenes Bürgerkriegs sozusagen als Abschaum der USA – und er sah im Aufkommen des College Football eine Möglichkeit, wieder Selbstvertrauen zu tanken und eine Art National-Identifikation zurückzugewinnen.

So schossen neue Player in Georgia, Alabama und Louisiana (LSU) aus dem Erdboden – Universitäten, die sich alsbald zur Southeastern Conference, der SEC, zusammenschlossen, und die gewaltige Ressourcen in den Aufbau der Footballmannschaften investierten. Mit Erfolg: Alabama gewann schon früh mehrmals die prestigeträchtige Rose Bowl und galt schon in den 1920ern als eines der besten Teams im Lande.

Doch die SEC war auch Vorreiterin auf einem anderen Gebiet: Sie war schon damals berüchtigt dafür, es beim Rekrutieren der Athleten nicht so genau mit dem NCAA-Regelwerk zu nehmen. Um die Summen, die unter dem Tisch flossen um Superstars an die jeweiligen Unis zu locken, ranken sich viele Mythen.

Unter anderem traute sich die SEC als erste Conference, den Amateurstatus erstmals zu unterwandern und überging offen alle Gebote des Amateurstatus. Die Alteingesessenen im Norden schäumten vor Wut und die NCAA reagierte mit Sanktionen. Doch findige Journalisten zeigten alsbald das Glashaus auf, in dem die alten Eliten saßen, und die NCAA hatte nicht die Ressourcen um ihre Sanktionen durchzusetzen.

Und so festigte sich im Süden der USA schon früh eine Grundhaltung, die es mit dem Amateurstatus nicht so genau nahm. Dem Erfolg alles unterzuordnen, wurde eines der Markenzeichen der SEC. Die Südstaatler würden heute sagen, sie hatten recht. Schließlich steigerte der schnelle Erfolg ihrer großen Unis das Selbstvertrauen des ganzen Bible-Belts. Im Norden ging man den Wahnsinn nicht mehr mit – unter anderem die früher so innovative University of Chicago schloss 1939 ihr Footballprogramm für immer.

Die große Krise

Mitten in den ungebremsten Aufschwung brach 1929 schließlich der Schwarze Freitag und die folgende Weltwirtschaftskrise. Auch College Football fuhr mit Tempo 180 an die Wand: Zahlreiche Kredite für neu errichtete Stadien konnten nicht mehr zurückgezahlt werden, weil die Zuschauer plötzlich ihr Geld nicht mehr für sinnlose Samstagnachmittagsunterhaltung ausgeben konnten.

Ganze Programme riskierten die Pleite – und auch die Anzahl von Verletzungen und sogar Toten am Spielfeld schnellte wieder in die Höhe. Der Grund war so banal wie man es sich heute gar nicht mehr vorstellen kann: Etlichen Teams fehlte schlicht das Geld zur Beschaffung adäquater Schutzausrüstung ihrer Athleten.

Doch Not macht erfinderisch.

Und so begannen einige Feriendestinationen im Süden beim ersten Anzeichen von Aufschwung um 1935 herum, ähnlich der Rose Bowl in Pasadena ein Saisonabschlussspiel zu installieren. In Tulane/Louisiana war es die Sugar Bowl, in Miami/Florida die Orange Bowl. Footballspiele als Wirtschaftsfaktoren und zur Bespaßung der Bevölkerung nach Ende der Rezession. Nebenbei der Beginn der „Bowl-Season“ wie wir sie heute kennen.

Auf gänzlich andere Weise kreativ war man am dem Campus der sportlich längst abgehängten University of Yale: 1936 verkaufte die Universität für 20.000 Dollar die Rechte zur Übertragung ihrer Spiele an eine lokale Radiostation.

Football begann, den Footballstadien zu entwachsen. Die Krisenjahre schienen Mitte der 1930er Jahre überstanden. Doch die Kratzer der Großen Depression waren nichts dagegen, was in Kürze anstehen sollte: Hitler hatte seine Kampfjets gen Osten gerichtet und die Japaner auf Hawaii. Amerika wurde als Retter der Weltordnung gebraucht.

Ein Kommentar zu “College Football History – Teil 7: Die Weltwirtschaftskrise und ein neues Epizentrum des Sports

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