Der Mythos Wishbone-Offense und ihre Nachwehen

Die Wishbone-Offense ist ein Mythos – und sie revolutionierte den College Football ab Ende der 1960er Jahre. Lass sie uns ehren mit einer kleinen Geschichte der Wünschelrute.

Die Wishbone-Offense ist die berühmteste Triple-Option Offense, die es jemals gegeben hat. Über zwei Jahrzehnte lang terrorisierte sie gegnerische Abwehrreihen, ehe sie in den 1990ern urplötzlich verschwand.

wishbone texas 53 veer

Wishbone Texas 53 Veer – Quelle: „Blood, Sweat and Chalk“ (T. Layden)

Ihr Trademark ist das 4-Mann Backfield, in dem sich zwei links und rechts gesplittete Halfbacks hinter dem Fullback aufstellen und ein Y (ähnlich einer Wünschelrute = Wishbone) bilden. Der Quarterback nimmt den Snap auf und drückt dem Fullback den Ball in den Schoß. Der Fullback attackiert die Lücke, die der Offensive Guard aufreißt. Doch der Guard lässt den Defensive Tackle ungeblockt.

Der Quarterback „liest“ den Defensive Tackle. Wenn dieser sich auf den Quarterback stürzt, lässt der Quarterback den Ball im Schoße des Fullbacks los, und der schießt durch die Lücke – 1te Option. Doch wenn sich der Defensive Tackle auf den Fullback stürzt, behält der Quarterback den Ball.

In diesem Fall driftet der Quarterback die Line of Scrimmage entlang und „liest“ den ungeblockten Defensive End. Stürzt sich dieser auf den Quarterback, pitcht der den Ball raus zum dahinter laufenden Halfback – 2te Option.

Doch prescht der Defensive End ins Backfield und greift den Halfback an, so behält der Quarterback erneut den Ball und biegt inside downfield ab – 3te Option.

Die Wishbone-Offense war nicht die erste Option-Offense und nicht die letzte. Doch sie war stilprägend und über Jahrzehnte total dominant, und verhalf zahlreichen großen Footballprogrammen zu legendärem Ruf.

Geboren wurde sie wie so viele Innovationen aus der Not heraus an der strauchelnden University of Texas in Austin – und sie gewann nach ihrer Verbreitung zahlreiche National Titles: Texas 1969, Oklahoma 1974 und 1975, Alabama 1978 und 1979 beendeten ihre Spielzeiten mit einer reinrassigen Wishbone Triple-Option Offense an #1, Oklahoma 1985, Notre Dame 1988 und Colorado 1990 gewannen mit leichten Abwandlungen.

Grundprinzipien und Vorgänger

Die Wishbone-Offense wurde zwar in Austin/Texas geboren, doch ihre Grundprinzipien konnte man schon in der „Houston Veer“ Offense der Houston Cougars von Headcoach Bill Yeoman erkennen.

Die Idee hinter jener Offense war simpel: Sie wollte Talent-Nachteil dadurch ausgleichen, dass sie einen Verteidiger ungeblockt ließ und ihn durch reines „Lesen“ seines Verhaltens aus dem Spielzug nehmen wollte – und damit aus einem 11-vs-11 ein 11-vs-10 machte.

Traditionell galten solche Option-Offenses als extrem lauflastig, die mit Ballkontrolle und langen Drives nicht nur die gegnerische Defense mürbe spielten, sondern auch der eigenen Defense lange Verschnaufpausen am Seitenrand erlaubten. Das ging so lange gut, solange man nicht allzu weit in Rückstand lag – in dem Moment wurde es bitter, denn die lauflastigen Option-Offenses waren nicht dafür konzipiert, schnell Rückstände aufzuholen. (Heutige Option-Offenses sind durchaus auch passgewaltig)

Die Option-Offense ist auf Timing, Verschleierung und Entscheidungsfindung in Sekundenbruchteilen aufgebaut, oft unter Druck, und sie verlangt perfekte Ausführungsqualität und Disziplin ihrer Protagonisten.

houston veer

Houston Veer Option – Quelle: „Evolution of the Game“ (F. Francisco)

Markenzeichen von Yeomans ursprünglicher „Veer-Offense“ war die Aufstellung von zwei gesplitteten Halfbacks hinter dem Quarterback, je einer hinter jedem Guard, dazu ein Tight End als Vorblocker an einer der beiden Flanken (meistens an der Seite, über die der Spielzug gespielt wurde) – es gab also nur drei Rückraumspieler.

Die Offensive Line stellte sich möglichst breit auf um die Defensive Tackles auseinanderzuziehen. Der Halfback an der Play-Side preschte downfield in eine Lücke, während der Halfback an der gegenüberliegenden Seite quer in Richtung Play-Side sprintete um einen etwaigen Option-Pitch zu empfangen und Full-Speed nach downfield abzubiegen.

Der Weakside-Nose Tackle wurde von zwei Vorblockern (Play-Side Guard und Center) aus dem Spiel genommen, während man den anderen Defensive Tackle ungeblockt ließ. Der Play-Side Offensive Tackle hatte schließlich die Aufgabe, den Linebacker aus dem Spiel zu nehmen. Des Quarterbacks primäre Aufgabe war es, den ungeblockten Defensive Tackle zu lesen und den Ball entweder an den ersten downfield abbiegenden Halfback zu übergeben, selbst zu laufen oder an den dahinter querlaufenden Halfback zu pitchen.

Die Grundidee hinter der Wishbone-Offense war dieselbe, doch sie stellte drei Runningbacks hinter dem Quarterback auf, und sie las nicht einen, sondern gleich zwei Defensive Linemen. Man kann also folgendes behaupten: Die Wishbone-Offense ist eine Weiterentwicklung der Veer-Offense, weil sie im dritten Runningback einen Lead-Blocker einführte und die Spielzüge in beide Richtungen spielen kann.

Um es wie der Scout, der mit einst die Offense erklärte, pathetischer zu formulieren: Die Veer-Offense war simpel und wunderschön. Doch dann schaute Gott vom Himmel herab und gab dem Football einen Kuss aus dem Himmel, und das Ergebnis war die Wishbone-Offense.

Geburt der Wishbone-Offense

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass diese eigentlich als Underdog-Strategie gedachte Offense in einem der größten Footballteams des Landes entwickelt wurde: Die Texas Longhorns aus der texanischen Hauptstadt Austin waren in den 1960er unter dem Headcoach Darrell Royal eine Macht, der ein Ruf wie Donnerhall vorauseilte.

Royal, der als Student ausgerechnet beim großen Erzrivalen Oklahoma studiert und gespielt hatte, gewann in der ersten Hälfte der Sechziger nahezu jedes Spiel und einen National Title 1963, doch ohne das Recruiting von schwarzen Spielern stagnierten die Longhorns in der zweiten Hälfte und legten zwischen 1965 und 1967 drei enttäuschende Saisons hin: 6-4, 7-4 und 6-4, für Texas eine derart große Blamage, dass Royal im Anschluss an die Saison 1967 sogar eine Einladung in die Bowl-Season ausschlug, weil er sie als nicht würdig empfand.

Die Krise bewegte Royal zu einem unkonventionellen Move: Er beförderte Linebacker-Coach Emory Bellard zum neuen Offensive Coordinator (!). Bellard war fasziniert von der Houston Veer-Offense und begann sofort, sie weiterzuentwickeln und mit seinen eigenen Ideen anzureichern.

Bellard war sich seiner Sache nicht sicher. Er experimentierte mit seinen beiden minderjährigen Söhnen im Garten, als er zum ersten Mal drei Runningbacks ins Backfield stellte – und als die Spielereien im Garten Erfolg zeigten, lud Bellard zurückgetretene Spieler der Longhorns ein um die neue Offense auch mit richtigen Athleten zu testen.

Als auch diese Erfolge fruchteten, holte der stets Pfeife rauchende Bellard seinen „Chef“ Royal aus dem Büro – und jener zeigte sich sofort begeistert!

Man kann vermutlich heute, über 50 Jahre später, gar nicht mehr hoch genug einschätzen, dass Royal ohne allzu großes Zögern ein solch hohes Risiko einging, an einer der landesweit größten Universitäten eine völlig neue Offense auszuprobieren. Zwar hatten die Longhorns in den letzten Jahren einige Probleme gehabt, doch Royal hatte als einstiger National Champion durchaus noch großen Credit unter den Boostern und wäre so schnell nicht von seinem Job geflogen. Er hatte nicht unmittelbare Not, sofort wieder alles in Grund und Boden zu spielen um seinen Job zu behalten.

Royal ließ also die Offense probieren – schließlich hatte er im ultra-athletischen Bill Bradley auch genau den richtigen Athleten auf Quarterback. Theoretisch. Denn im ersten Spiel der Saison schafften die Longhorns nur ein Remis. Das zweite ging sogar verloren.

Die Nervosität stieg. Bradley war zwar der richtige Athlet, hatte aber nicht das richtige Mindset um geduldig alle Options nacheinander auszuführen. Also riskierte Royal ein weiteres Mal Kopf und Kragen und tauschte in einer Nacht-und-Nebel Aktion schon in Woche 3 seinen Quarterback aus Der Neue war James Street – ein Name, heute unter Texas-Fans eine Legende.

Street war nicht der Athlet vom Schlage Bradleys, doch er war diszipliniert. Einmal eingewechselt, blickte er nie mehr zurück, sondern gewann gleich seine nächsten 30 Spiele – „die nächsten“ war dabei auch deckungsgleich mit „die ersten“ 30. Auch der zuerst völlig desillusionierte Bradley fand schnell seinen Frieden: Er bliebt Starter, zunächst als Wide Receiver („Flanker“), später als Defensive Back – als solcher sollte er sogar eine 9-jährige Karriere in der NFL hinlegen.

Die Saison 1968 war nach dem 0-1-1 Saisonstart zwar bereits verloren, doch 1969 gewann Texas schließlich den National Title. Als berühmtester Moment jener Saison galt die Schlüsselszene im „Game of the Century“ zwischen #1 Texas und #2 Arkansas Anfang Dezember in Fayettville – US-Präsident Nixon hatte sich kurz vor dem Spiel in die Titel-Diskussion eingeklinkt und den Sieger dieses Spiels zum angehenden National Champion deklariert.

Arkansas führte 14-0, ehe Texas auf 14-8 verkürzte (und dabei by the way die analytisch richtige Entscheidung traf, bei Touchdown nach 0-14 Rückstand eine 2-pt Conversion zu spielen!!). Im letzten Viertel rollte Texas mit seiner Wishbone-Triple Option Offense erneut an und sah sich einem 4th und 3 gegenüber.

Was folgte, gilt unter der Texas-Anhängerschaft als großartigster oder zweit-großartigster Spielzug der Geschichte – vielleicht nur noch rivalisiert von Vince Youngs 4th-Down Touchdown zum Sieg der Longhorns in der Rose Bowl 2006 gegen USC. Der Spielzug von 1969 nannte sich 53 Veer Pass. Es war eine angetäuschte Ballübergabe zum Fullback, gefolgt von einem tiefen Pass zu Tight End Randy Peschel, der downfield lief.

QB Street schnackelte einen wunderschönen Wurf aus seinem Armgelenk. 44-yds Raumgewinn, neues 1st Down und zwei Plays später der Touchdown zum Ausgleich und Extrapunkt zum 15-14 Sieg von Texas, das einige Wochen später wie auf Geheiß von Präsident Nixon zum National Champion erklärt wurde. Texas 1969 ist bis heute der letzte „reinrassig weiße“ National Champion.

Totale Dominanz

Ein Team, das nicht reinrassig weiß war, war der Erzfeind Oklahoma Sooners, der trotz überlegener Athleten eine schwere Zeit durchmachte und nicht mehr an große alte Zeiten anknüpfen konnte. Oklahoma war in den 1950ern unter dem Disziplin-Nazi Headcoach Bud Wilkinson eine Macht gewesen, doch die Sechziger gestalteten sich etwas schwierig.

Wie das Schicksal es wollte, verhalf ausgerechnet der große Rivale Texas den Oklahoma Sooners wieder zu landesweitem Glanz. Royal fühlte sich als ehemaliger Alumni von Oklahoma seiner Alma Mater gegenüber verpflichtet und wies seinen OffCoord Bellard an, Oklahomas Coaches in Sachen Wishbone-Offense zu unterrichten. Royal leistete damit gewissermaßen „Nachhilfeunterricht“.

Ob das wirklich notwendig war oder ob Oklahomas damaliger OffCoord (und späterer Headcoach) Barry Switzer den Game-Film von Texas nicht dennoch perfekt analysiert hätte, bleibt umstritten. Fakt ist: Die vollständig integrierten, mit den besten schwarzen Athleten auch aus dem Bundesstaat Texas gespickten Oklahoma Sooners boten schon zwei Jahre später eine atemberaubende Offense auf, die mit 472 Rushing-Yards/Spiel einen bis heutige gültigen Rekord aufstellte und 1974 sowie 1975 jeweils den National Title holte.

Dass just jene beiden epischen Oklahoma-Mannschaften von 1974 und 1975 wegen Recruiting-Verletzungen kein einziges Spiel im TV übertragen durften, sorgte hinterher nur noch stärker für die Glorifizierung jener Teams, die alsbald einen Ruf wie Donnerhall hatten („The Best Team You Never See“).

Auch Alabamas epischer Headcoach Bear Bryant stellte in den Siebzigern auf die Wishbone-Offense um und staubte zwei weitere Landesmeisterschaften ab – seine Nummern 5 und 6. Die Triple-Option Offenses aus der Wishbone-Formation war am Höhepunkt, und verbreitete sich im ganzen Land, oft etwas abgewandelt.

Die nächste Innovationsstufe…

…zündete Anfang der Achtziger Nebraskas Headcoach Tom Osbourne, den wir bereits von seinem grandiosen 2-pts Call im de-facto National Championship Game der Saison 1983 (Orange Bowl 1984) kennen: Osbourne stand einer starken Nebraska-Mannschaft vor, doch gegen Oklahoma hatte er keine Chance und spielte somit in der Big 8 Conference in den Rednecks nur die zweite Geige.

Osbourne beschloss schließlich um 1980, auf Option-Offense umzustellen, doch er sah die Wünschelrute als zu limitiert an und mutierte sie zur „I-Bone“ Formation: Eine I-Formation mit Quarterback, Fullback und Halfback in einer Linie hinter dem Center, plus einem Flanker an der Seite. Osbournes Ziel: Noch flexibler zu sein als mit der Wishbone, in der ein großartiger Runningback zu sehr auf eine der beiden Spielfeldseiten limitiert war. Osborne wollte beide Seiten des Spielfelds attackieren.

Tom Osborne understood what made option plays (and other run plays) work and what had stopped them. So, he ran them — he ran almost all of them — but only when they would work. He checked to them versus vulnerable defenses.

His smash mouth runs, run action passes, and QB runs kept defenses from mirroring properly against his options. The result was staggering totals of rushing yards. No matter how successful the options, etc. had been in their individual heydays, they were never better than when Coach Osborne “played a medley of tunes.” What would stop it? The only thing that could stop Bill Walsh’s passing attack, which was retirement of the man who made it work.

Quelle: Trojan Football Analysis

Nebraska überrollte damit in ab Ende der 1980er wirklich den ganzen College Football und staubte in den 1990ern angeführt von Quarterbacks wie dem legendären Tommy Frazier (1992-1995) und Scott Frost (1996-1997 / heutiger Nebraska-Headcoach) drei National Titles ab. Mehr noch: Zwischen 1994 und 1997 scheiterte Nebraska nur haarscharf am Viererpack. Die Nebraska-Teams der Neunziger werden immer wieder genannt, wenn es um die dominantesten College-Football Mannschaften aller Zeiten geht.

Ab den Achtzigern war die „I-Bone Formation“ natürlich der große Renner, doch auch andere Abwandlungen der originalen Wishbone-Offense blieben erfolgreich: Barry Switzers Oklahoma gewann 1985 mit einer modernisierten Wishbone eine dritte National Championship, der ulkige Lou Holtz gewann 1988 mit einer abgewandelten I-Bone Formation die bislang letzte Notre-Dame Landesmeisterschaft. Und Bill McCartney holte 1990 mit einer reinrassigen I-Bone Offense den einzigen National Title, den Colorado jemals gewann.

Der Niedergang der Wishbone

So erfolgreich – und dennoch verschwand die Triple-Option Offense ab Anfang der 1990er fast völlig von der Bildfläche und wurde schon Ende des Jahrzehnts nur noch von Nebraska (QB Eric Crouch gewann 2001 die Heisman-Trophy, doch „I-Bone“ wurde nach Tom Osbornes Rücktritt 1997 nicht mehr in letzter Konsequenz gespielt) und einigen Militärakademien wie Air Force, Army oder Navy gespielt.

Als Grund für das plötzliche Aussterben der Wishbone/I-Bone Option-Offenses auf dem allerhöchsten Level wird fast nie genannt, dass die Offense „ausgeguckt“ worden sei oder dass sie leicht zu verteidigen wäre – im Gegenteil: Man sieht sie nach wie vor nicht bloß als bildhübsches Offensivsystem, sondern auch weiterhin als äußerst effizient.

Doch Wishbone/I-Bone und Triple-Option waren in der NFL völlig unbekannt – und ohne die Aussicht, Star-Recruits auf die NFL vorbereiten zu können, war die Wishbone-Formation zunehmend problematisch beim Versuch, Top-Highschool Athleten an die Colleges zu locken. Nicht selten wurden Top-Prospects abgeschreckt mit Aussagen wie „Du willst zu denen? Wenn du keine Passroute beigebracht bekommen willst, kein Passblocking spielen willst und nie einen Pass werfen willst und damit in der NFL keine Aussicht haben willst – dann bitte. Aber jammer und das hinterher nicht vor.“

Und so wechselten die großen Universitäten wie Alabama, Oklahoma oder etwas später Notre Dame schon in den Achtzigern und frühen Neunzigern ihr Angriffs-System, weg von Wishbone, hin zu Pro-Style.

Das Weiterleben der Option-Offenses

Die Triple-Option Offense ist dennoch nicht tot. Einige Coaches wie Paul Johnson entwickelten sie schon ab ca. 1985 weiter und ließen sie nicht mehr als Wishbone oder I-Bone, sondern aus der „Flexbone-Formation“ spielen – in dem man ganz einfach aus Single-Back (nur ein Runningback hinter dem QB) spielte und die beiden Halfbacks an die Flanken der Offensive Line stellte. Die Flexbone-Formation ist im Prinzip eine Spread-Formation, aus der heraus Johnson sogar die Gefahr des „Four Verticals“-Spielzugs androhen konnte. In Spitzenzeiten hatten Defenses ultimativ Probleme, die richtigen Assignments gegen die Flexbone-Triple Option Offense zu finden.

Nicht bloß schaffte Johnson und sein ganzer Coaching-Tree um Leute wie Ken Niumatalolo damit den Sprung bis hoch in die Atlantic Coast Conference (u.a. mit einem Conference-Titel in der ACC 2009), sondern vor allem galt Johnson damit als Vorreiter der modernen Spread-Offenses. Zahlreiche Spread-Gurus wie ein Urban Meyer weisen immer wieder darauf hin, dass ihre Angriffssysteme von der Flexbone-Offense und damit im weiteren Sinne auch von der Wishbone und I-Bone Formation geprägt wurden.

Man könnte sogar argumentieren, Option-Football ist lebendiger denn je! Er sieht nur etwas anders, und vor allem wesentlich pass-lastiger, aus. Vor ungefähr 10-15 Jahren begannen Coaches wie Art Briles, Run/Pass Options (RPO / damals „packaged plays“ genannt) in ihre Offensivsysteme einzubauen, ehe Innovatoren wie Dana Holgorsen um 2010 herum begannen, diese RPOs mit der atemberaubenden Air-Raid Offense zu verheiraten.

Die Kombination der Spread-Option Offenses, die von Coaches wie Rich Rodriguez oder eben Urban Meyer konzipiert und popularisiert sowie mit dem „Zone Read“ verheiratet wurden, sowie der Options-Offenses und eben der Air-Raid Offense verschmilzt seit Jahren immer stärker zu einem unübersichtlichen, aber brutal explosiven Gemisch aus immer schwieriger zu stoppenden Offensiv-Systemen. Doch wichtig ist dabei immer der alte Triple-Option Gedanke. Er war es, der die Wishbone-Offense einst so dominant machte. Viele dieser alten Ideen leben in heutigen Offenses neu aufgemacht weiter und kommen in den letzten Jahren verstärkt sogar hoch in die NFL.


Weiterführendes Material:

10 Kommentare zu “Der Mythos Wishbone-Offense und ihre Nachwehen

  1. meine herren… ein artikel, wie geschrieben nur für mich! habe schon wieder einiges gelernt und man merkt wen du so ließt.. mehr davon!!!!!
    entschuldigt den laxen schreibstil

  2. Tolle Geschichte.

    Wishbone ist neben der Air Raid die wichtigste Offense im CFB in den letzten 50 Jahren. Schade, dass sie heute niemand mehr spielt.

  3. Mir kommt das Argument mit dem schwierigen Recruiting zu schwach vor.

    Glaubst du wirklich, dass die Wishbone niemand mehr spielt nur wegen der Recruits? Wenn sie so grandios ist, müssten doch mehr Teams in der FBS noch auf Wishbone oder I Bone setzen, denn mindestens 50 Teams werden Jahr für Jahr abgeschossen und haben mit oder ohne NFL Prospects keine Chance. Und sie ist ja so designt, dass man auch mit weniger dominanten Spielern eine Chance hat…

  4. Super Artikel. Ich LIEBE diese Artikel, die es sonst nirgendwo zum Lesen gibt.

    Wishbone ist exotisch, wenn man sie aus heutiger Sicht anschaut. Man kann sich so schwer vorstellen, daß früher jede Mannschaft das gespielt hat, und dass es niemand stoppen konnte. Und dass sie dann so schnell verschwand. Kann mir auch nicht vorstellen, daß Recruiting allein der Grund war. Wenn die Offense ohne Recruits so schlecht funktioniert, liegt es doch bestimmt auch am Scheme.

  5. Also eine Erklärung wurde ja schon genannt: wishbone ist so Lauf fixiert, dass ein einholen von Rückständen schwierig ist. Andersherum genauso, ein mit der wishbone herausgespielter Vorsprung ist selten so groß, dass passlastigeteams den schnell mit explosiven plays wieder aufholen können. Wishbone ist kleiner, kontinuierlicher Erfolg. Es gibt tatsächlich auch ganz Patente Defense Rezeote, wobei diese sehr spezifisch sind. Und: Natürlich gibt es irgendwo Grenzen was das ausgleichen von Qualität der Spieler angeht: wenn du den Nose mit dem Double Team nicht mehr geblockt bekommst, oder deine dbs soviel besser sind, dass sie mit Leichtigkeit die Edge setzen.

  6. Das mit den explosiven Passing Offenses erklärt aber höchstens warum die Wishbone nach dem Aussterben nicht wieder zurückgekommen ist.

    Zum Zeitpunkt des Aussterbens waren noch kaum Passing Offenses vorhanden…

  7. Ich denke wishbone lebt von seiner Klarheit, seiner Einfachheit und Reinheit. Fängst du an zu Variieren, bringst ein paar Pass Plays für 3rd & Long oder wenn du doch mal hinten liegst verändert sich die ganze Dynamik. Hier ein wenig getüftelt und dort ein wenig verändert und schnell ist aus wishbone I bone und Standard offense geworden. – Nur weil einzelne Air raid plays es in die nfl geschafft haben, gab es deshalb ja auch noch lange keine Air raid offense. Quasi die Idee des Verwässerns.

    Noch ein Gedanke: Klingt blöd, aber auch Coaches lassen sich von Moden beeinflussen.

    Vielleicht auch eine Überlegung wert: du benötigst eigentlich zwei gleichgute Rbs um effektiv beide Seiten bespielen zu können, eigentlich nicht so effektiv. Und es besteht das Problem aller option offenses: die Defense kann bestimmen, wer am Ende den Ball hat und wer am Ende die Hits kassiert. Lass ich halt jedesmal den qb laufen, mal sehen, wie der sich nach 30 Tacklings macht…

    Aber das sind nur Überlegungen. Am Ende gibt es ja auch bis heute Mannschaften, die Wishbone oder zumindest flexbone spielen

  8. Ein super Artikel über eines meiner absoluten Lieblingsthemen.
    Zwei kleine Anmerkungen zu Nebraska seien mir erlaubt: Unter Osbornes Nachfolger Frank Solich (zuvor RB-Coach, Osborne war sein eigener OC) wurde die I-Bone / Power I-Option noch genauso weitergeführt. Erst mit dem unseligen Bill Callahan folgte dann der radikale Umbruch Richtung WCO.
    Und auch wenn ich es sonst hasse, wenn jemand auf Rechtschreib- oder Namensfehler hinweist, muss ich bei meinem größten spielerischen Idol im College Football einmal eine Ausnahme machen (v.a. weil man es einfach überall falsch liest): Tommie Frazier!

  9. Super Artikel und interessante Diskussion. Würde anmerken, dass vielleicht auch der Mangel an entsprechenden QBs für die Wishbone oder I-Bone Offenses ein mächtiger Grund sein könnte. Ein Beispiel: In den 90er hatte Frazier vielleicht fünf Schools zur Auswahl, die für seine Talente gemacht waren. Heute könnte er in jeder Spread Offense spielen. Für Nebraska oder eine andere Option School Offense wäre das Recruting immens schwierig, weil es nur wenige Elite QB gibt die das spielen können und sich gleichzeitig dem physischen Punishment aussetzen. Einfacheres Leben hätten sie in einer Spread Option Offense.

    Weiterer Grund wurde schon genannt: Offenses verschmelzen miteinander. Zuerst sind sie klar trennbar, dann werden die wichtigen Ideen aufgenommen und in anderen Offenses eingebaut. Kaum ein Team spielt heute mehr ein reines „System“. Alle spielen alles in verschiedenen Ausprägungen.

  10. Ist nicht ganz korrekt. Tommie Frazier war schon in der Highschool ein absolutes Phänomen, um das sich fast alle großen Programme gerissen haben. Der hätte in verschiedenen Offense-Systemen exzellent ausgesehen (eben auch aufgrund seines starken Arms). Ähnlich erhitzt verlief bereits das Recruiting von Turner Gill in den 80ern.

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