Aus der Analytics-Ecke: QB-Pressures sind vor allem dem Quarterback zuzuschreiben

Wieder ein erstklassiger Artikel bei Pro Football Focus, diesmal von Eric Eager, der weitere Indikatoren liefert für die These: QB-Pressures sind wie Sacks nicht in erster Linie dem Versagen der Offensive Line zuzuschreiben, sondern dem Quarterback selbst:

Die These ist nicht neu: Schon Advanced-Football-Analytics lieferte vor über sechs Jahren recht starke Hinweise auf diese These, und weitere, im PFF-Stück verlinkte, Studien haben im Lauf der Jahre diese Vermutungen bestärkt.

QB-Pressures sind stabiler für einzelne Quarterbacks als für einzelne Offensive Lines. Der Hauptgrund dafür ist, dass sie vor allem von der Time-to-Throw (bzw. Average QB time in pocket) abhängen, der Zeit, die der Quarterback in der Pocket verbringt bis er den Ball wirft. Diese Time-to-Throw (bzw. Average Time in Pocket) hängt zuvorderst vom Quarterback selbst an (Korrelation 0.79, R^2 = 0.62). Man kann 62% der Time-in-Pocket eines QBs mit seiner vorherigen erklären. Man kann nur 32% selbiger mit dem Wissen um die Offensive Line vorhersagen.

Wie stark QB-Pressures von Time-to-Throw abhängen, hat Ben Baldwin im vergangenen März gezeigt:

Was heißt das ganze?

#1 Dass wir Sacks nicht verwenden sollten um Offensive Lines zu bewerten, wussten wir schon lange. Doch wir sollten nun auch darauf verzichten, QB-Pressure Rates zu verwenden. Der Quarterback kontrolliert diese Statistik mehr als die Offense Line.

#2 Offensive Lines sind dennoch nicht nutzlos. Sie sind z.B. neben den Verteidigern in der Box der wichtigste Treiber für erfolgreiches Laufspiel. Und natürlich braucht auch der Quarterback bzw. die Passing-Offense zumindest einen Moment Zeit, den Ball loszuwerden – ESPN verwendet mit seiner „Pass Blocking Win Rate“ z.B. 2.5 Sekunden als Benchmark. So lange sollte die Line halten. Ich habe über dieses Thema schon vertiefend geschrieben:

#3 Als wichtigste aktuell verfügbare Bewertungsmethoden würde ich damit dass PFF-Grading der Offense Lines, das auch saisonübergreifend sehr stabil ist, sowie ESPNs Pass-Blocking Win Rate (PBWR) verwenden.

Du bist der wichtigste Treiber des Laufspiels und nicht hauptschuldig, wenn dein QB unter Druck gerät oder sogar gesackt wird – ob den Offensive Liner so eine Nachricht freut? Eher kaum. Weniger Schuld im Passspiel ist auch weniger Bedeutung im Passspiel – ist auch weniger Wertschätzung, wenn es in die Vertragsverhandlung geht.


Wenn wir uns die PBWR von ESPN sowie das PFF-Grading der Offenisve Lines anschauen, so kann man grob festhalten:

Top-Lines 2018: Rams, Patriots, Chiefs, Bears, Browns, Packers

Schwache Lines 2018: Cardinals, Dolphins, Raiders, Vikings, Giants, Jaguars, Bengals, Broncos

Die Texans scheinen in dieser Aufstellung der schwächsten Offensive Lines nicht auf. Ich habe schon darüber in der Sezierstunde ausführlich geschrieben und weise hier noch einmal darauf hin: Ich halte die Texans O-Line, die als #16 in PBWR und #19 im PFF-Grading rauslief, für lange nicht so schlecht, wie sie überall gemacht wurde. Ihre hohen QB-PRessure Rates sind vor allem deshalb so schlimm, weil QB Deshaun Watson so lange den Ball hält.

Das „lange den Ball halten“ ist sozusagen ein QB-Phänomen. Die Quarterbacks, die 2018 den Ball am längsten in der Pocket hielten und damit auch tendenziell die meiste QB-Pressure anziehen:

  • Josh Allen / Bills 3.2 Sekunden
  • Lamar Jackson / Ravens 3.1 Sekunden
  • Russell Wilson / Seahawks 3.0 Sekunden
  • Deshaun Watson / Texans 3.0 Sekunden
  • Aaron Rodgers / Packers 3.0 Sekunden

5 Kommentare zu “Aus der Analytics-Ecke: QB-Pressures sind vor allem dem Quarterback zuzuschreiben

  1. Ist lange den ball halten ein Problem des QBs oder ein problem der offense, das langsam entwickelnde plays einsetzt? Rams spielen viel play action und die Chiefs viele RB screens. die dauern vergleichsweise lange, haben aber qua design mehr protection. das lässt die line in so einer metrik natürlich gut aussehen.

    ist das in dieser analyse überhaupt zu trennen?
    (und falls das da ausgeführt ist: Ich hab kein PFF account)

  2. @blub: Das war nicht Teil der Studie. Es gibt parallele Bestrebungen bei PFF, die Route-Concepts und WR-Targets besser zu greifen, doch Time-to-Throw war dabei noch kein Thema.

    Die Studie legt jedoch sehr nahe, dass der Quarterback, noch nichtmal die Offense selbst, die zentrale Figur ist.

    @Max: Packers-OL ist bereits eine der Top-Lines. PFFs OL-Grading interessiert sich nicht dafür, wie lange der QB den Ball hält.

  3. Wie viel Einfluss das Scheme auf die Time in Pocket hat wäre in der Tat interessant. In der PFF Studie zu den Target ist ja vor allem der Einfluss aufs Route Design im Zentrum gewesen mit dem Schluss (wenn ich das recht verstanden habe) daß Route Concepts mit den OC mitgehen.

  4. Pingback: Es ist Herbst, Baby! | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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