Hoffnungsschimmer für die Minnesota Vikings 2019

Die Minnesota Vikings wurden in den vergangenen Monaten wegen der Wunsch-Philosophie ihres Headcoaches Mike Zimmer („Pound the Football!“) auf diesem Blog recht skeptisch betrachtet. Doch es gibt Grund für Hoffnung.

Sie wird geliefert von Robert Mays vom Portal The Ringer. Mays war zu Besuch bei den Vikings und schreibt darüber in seiner NFL-Vorschau – es geht vor allem um das von Gary Kubiak inspirierte Offensiv-Scheme, das Minnesota 2019 spielen will. Mays impliziert darin, dass sich die Verantwortlichen in den Twin-Cities nach der verkorksten letzten Saison nebst Entlassung von „Pass-first“ OffCoord DeFilippo durchaus kritisch mit sich selbst und mit der von Zimmer vorgegebenen Richtlinie auseinandergesetzt haben:

Minnesota’s 37-year-old quarterbacks coach Kevin Stefanski, who’s been on the coaching staff in various capacities since 2006, stepped in last season and acquiesced to Zimmer’s run-heavy decree. But when it came time to pick the offensive staff for 2019, Zimmer wanted to do more than simply retain Stefanski. He also wanted insight from an offensive coach whose scheme had challenged him for years: Gary Kubiak.

In Zimmer’s 20 years calling defenses, Kubiak’s zone-running, play-action-heavy offenses—first deployed when he was the coordinator for the Elway-era Broncos and later as the Texans’ head coach—had consistently given Zimmer fits. If the Vikings were going to remake their offense, he thought, why not pick the scheme that’s always been a thorn in his side? Not to mention, Zimmer’s pricey QB had played in a similar system with the Redskins and has a reputation for being an excellent play-action passer. “I know a lot of it was, it’s got to be based on what Kirk does well,” Spielman says.

Kubiak als Offensiv-Berater für den jungen Coordinator Kevin Stefanski – das kann schief gehen. Doch weil auch Klint Kubiak, Garys Sohn, im Vikings-Trainerstab Mitarbeiter und einer der besten Kumpel Stefanskis ist, gilt das Risiko von zu viel Einflussnahme Kubiaks als gemildert.

Ich habe Stefanski auf diesem Blog wiederholt als „Zimmers Ja-Sager“ bezeichnet. Diese Einschätzung ist auf Basis von der Mays (einem Reporter aus meiner Generation, den ich immens respektiere) nicht zu halten. Stefanski scheint durchaus Rückendeckung von GM Spielman zu haben, der einen passlastigeren Approach verfolgt und Zimmer in die Schranken zu weisen scheint.

Noch mehr Optimismus? Kubiak war durchaus ein passlastiger Play-Caller, wenn es die Umstände erlaubten:

Er wird natürlich nicht die Plays callen. Aber je offener der Berater für das Passspiel ist, desto besser. Vielleicht sollte Kubiak über das Scheme / Grundphilosophie hinaus so viel Einfluss wie möglich auf Stefanski ausüben.

Doch das ist nicht der einzig Grund zur Hoffnung auf einen effizienten Approach im Vikings-Playcalling, denn wir haben nun den Beweis aus erster Hand: Das Analytics-Department der Vikings wird gehört – vom Quarterback Kirk Cousins höchstpersönlich. Cousins‘ Aussagen im Training-Camp sind bemerkenswert:

Sie sind natürlich auch wahr. Und Cousins, der als einer der besten „Play-Action Vortäuscher“ in der NFL gilt, ist tatsächlich einer der effizientesten Play-Action Passer in der NFL, auch letzte Saison, trotz eines desaströsen Vikings-Laufspiels:

  • 2015-2018 die #10 nach QBR, mit 9.0 NY/A in Play-Action Passing
  • 2018 die #11 in Play-Action Passing mit 8.4 NY/A
  • Aber: 2.2 NY/A besser im Play-Action Passing als ohne den Fake, #5 der NFL!

Die (nicht ganz 100%ig effiziente) Einberufung von C Bradburry mit dem 1st-Round Pick begründet man vor allem damit, dass man mit Bradburry noch besser das Kubiak-Scheme spielen kann, das so lange wie möglich verschleiert, ob nun Lauf oder Pass folgen werden (damit ist Kubiak auch sowas wie der geistige Vater der McVay-Offense).

Man scheint sich also etwas dabei zu denken. QB Cousins ist das 28 Mio/Jahr Investment. Man kann sich eh nicht bis nach der Saison 2020 von ihm trennen. Also tut man gut daran, seine größten Stärken bestmöglich in Szene zu setzen – und diese liegen nunmal im Play-Action Passing. Es ist positiv, dass man dafür den richtigen Kopf mit Kubiak geholt hat. Es ist auch wichtig, dass man intern zu wissen scheint, dass man keine 30 Rushes in die Mauer jagen muss um den Lauf zu etablieren und damit Play-Action in die Gänge zu kriegen.

Es ist vor allem auch deshalb wichtig, weil der Pass nicht nur effizienter ist als das Laufspiel, sondern die Vikings mit WR Thielen und WR Diggs auch noch das beste WR-Pärchen in der NFL besitzen. Dieses will gefüttert werden. Ich bin nun deutlich optimistischer, was Minnesotas Aussichten angeht. Eine der besten Defenses in der NFL und Fokus auf Effizienzoptimierung in der Offense mit durchaus vorhandenen Stärken auf Spielerseite.

Minnesota 2019 – dark horse?

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12 Kommentare zu “Hoffnungsschimmer für die Minnesota Vikings 2019

  1. Klasse Übersicht, auch wenn am obersten Ende der Erwartungsskala für die Vikes so ist es dennoch bemerkenswert wie du deine Einstellung gegenüber den Vikings und inbesonderes OC Stefanski überdacht hast. Ist nicht so gewöhnlich. Bin sehr gespannt ob die Vikes das tatsächlich so umsetzen, in diesem Fall könnte ich mir schon vorstellen daß sie den Bears die Division wegschnappen.
    NFC North wird eine umkämpfte Division so viel ist klar. Und die Vikes sind gerüstet!

  2. Pingback: Jinxen wir mal die Detroit Lions 2019 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. Ich verstehe nicht, warum immer alle so negativ gegenüber dem Game-Plan von Zim eingestellt sind. Eine Top-Defense gepaart mit einer Run-lastigen Offense hat – auch in der jüngeren Vergangenheit – schon viele Teams bis in den Superbowl geführt. Und: wenn ich in der Lage bin, dominant zu laufen, dann ergeben sich automatisch auch die Passwege und die Zeit für die Wurf-Offense – und die braucht Cousins offensichtlich, auch mit Receivern eines Kalibers Thielen & Diggs.

    Die viel entscheidendere Frage ist doch: Wie steht es um die O-Line? Egal, welches Offense-Scheme man verwenden will – der Erfolg steht und fällt mit der Line. Und das war auch das große Problem in den vergangenen Jahren. Bestes Gegenbeispiel sind die Rams. Wenn ich jeden Lauf für im Schnitt 8 Yds gehe, dann muss die Defense alles tun, um ihn aufzuhalten und ich habe automatisch Raum für’s Passspiel. Genau das Prinzip kann bei den Vikings auch funktionieren, denn ich glaube nicht, dass ein Cousins ein so viel schlechterer QB ist, als Jared Goff und auch das Receiver-Corps ist bei den Vikings mehr als vorhanden!

    Fazit: Die Vikings brauchen – auch wenn Play-Action funktionieren soll – ein gefährliches und unberechenbares Laufspiel! Dann bin ich mir auch sicher, dass Cousins in seine Wohlfühlzone kommt und die Vikings ein ernsthafter Superbowlcontender werden können! Und mit Cook als RB fehlt dafür eigentlich nur eine stabile O-Line!

  4. In deinem Artikel widersprichst du dir aber in den Punkten 2 und 3 selbst: „Play-Action Passspiel ist am effizientesten dann, wenn die Bedrohung durch Laufspiel am größten ist“. Genau das ist der Punkt! „Bedrohung“ erreiche ich nicht, wenn ich für 1.8 Yds im Schnitt laufe…in diesem Fall habe ich mehr Bedrohung durch die PlayAction, vor allem, wenn sie schon häufiger gezeigt wurde. Als einigermaßn logisch denkender Coordinator würde ich also vermehrt die PlayAction covern und diese somit „angreifbarer“ machen, als wie wenn ich bei meinen Laufversuchen 4 yds mehr machen im Schnitt…

    Natürlich ist es nicht verwunderlich, dass mit Play Action mehr Raumgewinn erzielt wird, als ohne. Allein schon das Antäuschen eines Laufs hat einen gewissen Effekt, was die Statistik ja auch bestätigt. Wie groß dieser aber ist, hängt definitiv aber von der Mannschaft und dem Spiel ab. Oder warum glaubst du ist die PlayAction bei „schwächeren“ Pass-Mannschaften im Schnitt erfolgloser und gleichzeitig auch weniger eingesetzt? Wenn es so einfach wäre, würden es viele Teams anders machen…

    Also sry, auch wenn es vllt Zahlen in gewissen Bereichen belegen bzw. nicht belegen und es die Meinung einiger Reporter ist – das halte ich für ein großes Gerücht (Link funktioniert übrigens bei mir nicht) ;).

  5. Das ist kein Widerspruch. Hier steht nicht „wenn die Offense gut läuft“ sondern „wenn die Bedrohung groß ist“.

    Das sind 2 Paar Schuhe.

    Die 3 Punkte wenn die Bedrohung so hoch ist, sind unter Punkt 2 angeführt.

  6. Das habe ich doch gerade dargestellt. Dass für mich „Bedrohung“ auch heißt, dass ein möglicher Lauf erfolgsversprechend ist. Du wirst mir doch nicht erzählen, dass es für eine Defense nicht relevant ist, wie gut ein Gegner läuft, wenn sie eine mögliche PlayAction verteidigen will?

    Und warum gibt es keine passende Statistik dazu? Weil du das einfach nicht pauschal vergleichen kannst. Das Ganze hängt ja auch noch von einer Vielzahl von anderen Faktoren ab – Qualität der O-Line, des RBs, des QBs, usw., die Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaftsteile im Run, im Pass, etc. , die einzelnen Stärken der Spieler (ob sie schnell sind, eher bullig, etc.). Sry, aber da sind wir wohl unterschiedlicher Meinung ;).

    Was nicht heißen soll, dass ich auch dafür bin, dass mehr PlayAction gelaufen wird. Nur halt, wie gesagt, mit der Voraussetzung, dass de Run zumindest einigermaßn vernünftig etabliert ist…

  7. Ich habe in dem verlinkten Artikel zahlreiche Quellen verlinkt, die genau das zeigen: Dass der Erfolg von Play Action eben NICHT von der Qualität des Laufspiels abhängt.

    Es gibt noch mehrere Studien. Sie alle zeigen das gleiche. Es gibt aber Situationen, in denen die Defense sich von Playaction stärker bedroht fühlt. Ich habe diese 3 angeführt.

  8. @CK: Deine Meinung ist die Meinung, die von den großen US Networks rauf und runtergepredigt wird.

    Sie ist aber falsch. Alle Analysen zeigen deutlich auf, daß PA nicht von der Qualität des Running Games & auch nicht von der Anzahl der Running Plays abhängt (zumindest ist bis jetzt noch nicht abzusehen wie oft ein Team PA pro Spiel zeigen muss, daß die Defense entsprechend darauf reagiert, daß die Effizienz von PA nachlässt).

    Viel mehr ist sie davon abhängig, dass der Fake überhaupt gezeigt wird. Der Grund liegt wohl darin, daß die Defender von Klein Auf dazu gedrillt werden, auf Rushing Game zu reagieren (im High School und College Bereich wird oft mehr gelaufen).

    Klar gibt es PA in verschiedenen Ausprägungen und manche Teams sind besser als andere. Rams sind besser, weil sie im Scheme noch besser sind Rushing und Passing Plays am Anfang gleich aussehen zu lassen, Vikings sind besser, weil Cousins den PA Fake so gut verkauft, u.s.w. Aber grundsätzlich braucht es kein gutes Rushing Game um gutes PA Game zu zeigen.

    Wenn man sich nicht aus Prinzip der Analytics Welt verschließt, ist das nach Durchlesen der verlinkten Artikel nicht zu leugnen. (Bin auch kein Stats Guy, habe aber gelernt ein bisschen offener über das NFL Game nachzudenken auch dank diesem Blog)

  9. @Korsakoff:

    Verstehe ich das richtig:

    – Es ist effizienter, wenn der Quarterback vom Center aus startet und weniger effizient aus Shotgun (die Rams z.B. spielen fast nur vom Center aus).
    —Weil UC Laufspiel wahrscheinlicher ist/besser angetäuscht werden kann als in Shotgun.

    – Play-Action ist effizienter in 1st und 2nd Down als im 3rd Down.
    —Weil die Defense klassisch RRPP gedrillt ist und im 3rd Down mehr Pass erwartet oder das Passing Setup eingewechselt hat.

    – Play-Action ist effizienter, wenn die Offense bereits in Führung liegt.
    —Weil man mit weniger Risiko spielen kann.

  10. Punkt 1 = Man könnte ergänzen, dass der längere Drop-Back aus „Under Center“ den Routen überdies mehr Zeit gibt, sich zu entwickelt. Play-Action ist am tödlichsten mit einem „deep shot“ (10-20 yds Range).

    Punkt 2 = Würde ich so unterschreiben. Vor allem in 2nd & long nach einer Incompletion erwarten viele Defenses den Run. Play-Action ist dort umso überraschender. 3rd Down dagegen wird weithin als „Passing Down“ gesehen mit weit über 80% Pass-Quote.

    Punkt 3 = Hier würde ich widersprechen. Wenn die Offense in Führung liegt, erwartet die Defense noch mehr Laufspiel. Play-Action ist wie gemacht dafür, das zu kontern.

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