Jinxen wir mal die Detroit Lions 2019

Nach der gelungenen Suche bei den Vikings: Schauen wir uns nach Hoffnungsschimmern für die Detroit Lions 2019 um.

Ich bin Anhänger der Detroit Lions. Als solcher graust mir vor den Aussagen der Verantwortlichen im Vorfeld der Saison, die nur so strotzen vor Laufspiel-Fetisch und Ignoranz gegenüber dem, was in der heutigen NFL zum Erfolg führt: Passspiel.

Ziehen die Lions den verbal angekündigten Scheiß durch und jagen zwei von drei 1st Downs per Lauf in die Mauer, fliegt ihnen der Laden um die Ohren und es wird wie schon letztes Jahr ein Top-10 Pick. Doch heute wollen wir uns nach jedem Strohhalm klammern, der Positives erwarten lässt.

Greifen wir mal danach.


OffCoord Darrell Bevell. Mit dem ideenlosen Jim Bob Cooter konnte es nicht weitergehen. Cooter machte in seinen dreieinhalb Jahren in der Verantwortung in Detroit eines richtig: Er ließ viel werfen. Doch sein Scheme war extrem vorhersehbar selbst für Football-Laien, und als ihm Headcoach Patricia zur letzten Saison mehr Running-Game befahl, kollabierte die Offense, w.z.b.w.

Der Neue ist Bevell, OffCoord der Seahawks während deren Blütezeit um RB Marshawn Lynch. Patricia überschlägt sich mit Erwartungen an Lauf-lastige Offense. Doch bei genauem Hinsehen ist Bevell nicht auf Ground & Pound zu reduzieren. Zu seinen positiven Eigenschaften gehören:

  • Hohe Play-Action Quote (2015: #6, 2016: #8, 2017: #10)
  • Hat die Seahawks-Offense nach dem Lynch-Abgang immer weiter zu einer QB-zentrierten Spread-Offense mit viel Passspiel entwickelt und damit die schwache O-Line so gut es geht negiert.
  • Simpel zu exekutierendes System mit Fokus auf längere Routen und Intermediate-Passspiel (was effizienter ist als das absurde Kurzpassgewichse, in das man Stafford in den letzten 3 Jahren presste)

Neues Skill-Personal. Detroits Offense war 2018 nach dem Verkauf von WR Golden Tate zur Saisonmitte tot, weil es neben dem simpel zu lesenden Scheme nur noch zwei vernünftige Targets gab (WR Golladay, WR Jones). Nun kommt eine Handvoll Neuer in den Kader:

  • Slot-WR Amendola
  • TE Hockenson
  • TE Jesse James

Sie alle sind keine Weltklassespieler. Amendola ist bestenfalls ein Role-Player, James ist solide, aber in keiner Facette seines Spiels eine Matchup-Waffe für sich. Hockenson ist der #8 Draftpick. Er war ein PFF-Liebling, weil er Run-Blocking gleichermaßen kann wie Fangen. Natürlich ist die Tight-End Position gerade für Rookies ziemlich tough. Aber Hockenson hat als eines der kompletteren Pakete der letzten Jahre am ehesten eine Chance, schon in seiner Debütsaison Positives zu bewirken.

Auch wenn der fangstarke RB Riddick nun weg ist: Das ist also wesentlich besseres Offensiv-Personal als noch letzte Saison.


Offensive Line: Die Verschiebung von Frank Ragnow auf Center gilt als Verbesserung von gleich zwei Positionen in der Offensive Line, weil damit Center und Guard gestärkt wird.


Defensive Personnel: So umstritten Patricia als Typ sein mag, und so umstritten seine Footballsicht von Offense („we want to pound the football“) ist, so gilt Patricia in Insiderkreisen nach wie vor als einer der besten Defensive-Minds der NFL. Patricia gilt als einer der wenigen Defensive-Coaches, die wirklich imstande sind, Blocking-Schemes exakt zu lesen und auf sie zu reagieren. Patricia gilt auch als Verfechter der Belichick’schen „multiple defense“.

Patricia konnte sein System 2018 nicht spielen, weil es überall an ausreichend guten Spielern mangelte. Doch als man Mitte der Saison 2018 für DT Snacks Harrison tradete, wurde erste Abhilfe geschaffen und die Defensive-Front nahm in den letzten Wochen verstärkt Form an.

Harrison ist kein überwältigender Passrusher, aber eine Wand gegen den Lauf: In den letzten Jahren war er jedes Mal die #1 in Run-Stop%. Detroits Run-Defense vor und nach seinem Einkauf vor Woche 8 der letzten Saison:

  • Woche 1-7: #26 in PFF Run-Grade, #30 in Run-SR%
  • Woche 8-17: #2 in PFF-Run Grade, #5 in Run-SR%

Harrison ist als perfekter 0-technique nach PFF-WAR fast einen Sieg pro Saison wert und einer der 30 wertvollsten Verteidiger in der NFL, auch wenn er im Pass-Rush fast nix beiträgt.

Doch wie schreibt Football-Outsiders so oft? Eine großartige Run-Defense ist nix wert ohne eine zumindest akzeptable Pass-Defense. Letztes Jahr waren die Lions die #31 in Pass-DVOA, in erster Linie, weil es vorne keinen Punch gab und hinten Lücken auf CB2 und CB3.

Die Lions adressierten die Schwächen mit aggressiver Einkaufspolitik in der Offseason: DE Trey Flowers als athletischer Alleskönner für die D-Line (jeweils über 80 QB-Pressures in den letzten beiden Jahren), Slot-CB Justin Coleman, DL Mike Daniels, CB Rashard Melvin, und vier der ersten fünf Draftpicks:

  • LB Jahlani Tavai (2nd Round) war ein überraschend hoher Pick, doch an ihm schätzt man die bessere Coverage-Fähigkeit im Vergleich zu LB Jarrad Davis.
  • S Will Harris (3rd Round) ist ein guter Manndecker – etwas, das Patricia in jedem Defensive Back sehen möchte.
  • DE Austin Bryant (4th Round) ist kein fabulöser Pass-Rusher, aber vielseitig.
  • CB Amani Oruwariye (5th Round) ist physisch und war für zahlreiche Beobachter ein „Steal“ als 5th-Rounder.

Rookies tendieren zwar meist dazu, erst in Jahr 2 ihrer Karriere signifikanten Impact zu liefern. Doch das Lions-Quintett bringt zumindest mehr Tiefe, und die Free-Agent Einkäufe eröffnen viele Scheming-Möglichkeiten für Patricia.

Das DL-Personal mit Harrison, DT A’Shawn Robinson, Mike Daniels und DT DeShawn Hand ist geradezu exzellent. EDGE Flowers ist eine Konstante an einer Flanke und dürfte mehr Durchhaltevermögen haben als der abgewanderte Ziggy Ansah, der meist verletzt war. Mit einer derartigen Interior-Line sowie Flowers von außen kann man die DEs Okwara/Kennard als #2 und #3 einsetzen, anstatt von ihnen die primäre Gefahr ausgehen zu sehen.

Im Defensive Backfield hat man mit CB Coleman das riesige Loch im Slot etwas geschlossen. CB1 Slay ist einer der besten in der NFL. Damit hat man schonmal zwei Löcher gestopft – gepaart mit besserem Pass-Rush wird das auch der dritten CB-Position helfen.

Letztes Jahr hatte Detroit keinen Outside-Passrush und nur unzureichende Coverage-Fähigkeit in der Secondary. Als Folge dessen traute sich Patricia zu selten, zusätzliche Blitzer wie LB Jarrad Davis zu schicken. Davis wäre ein fantastischer Blitzer. Mit zusätzlicher Absicherung „hinten“ könnte man auch Davis besser einsetzen.


Projections – Die meisten Lions-Projections bewegen sich zwischen 6.5 Siegen (bei Warren Sharp) und 8.3 Siegen (bei Football-Outsiders). Damit ist die Spannweite der Erwartungen relativ groß: Von #13 bei Football-Outsiders bis #25 bei Sharp ist alles dabei, was man an Erwartungen haben kann.

Football-Outsiders sieht die Lions 2019 sogar als beste Wette für „worst to first“. Ist solcher Optimismus übertrieben? Vielleicht ja, denn Stafford wird nicht über Nacht ein Top-QB und die Angst vor konservativem Play-Calling bleibt bestehen.

Doch qualitativ wird die Mannschaft bestimmt stärker als letzte Saison sein, als man (wenn auch von den Packers in Woche 17 unterstützt) 6-10 ging und einen Pythagorean von 7.0 Siegen auflegte und die Patriots schlagen sowie die Rams bis aufs Äußerste fordern konnte.

Und „wettbewerbsfähig“ zu sein, würde schon bedeuten, viele knappe Spiele zu bestreiten (2018 waren es nicht viele: sechs Pleiten mit mehr als einem Score, u.a. von Trubisky abgeschossen). Qualitativ ist man bestimmt kein richtiges Playoff-Kaliber, aber mit einer Glückssträhne in engen Spielen könnte 9-7 oder 10-6 sogar drin sein. Wenn wir nur auf die schönen Seiten dieser Mannschaft schauen.

Bloß wissen wir: Wo Detroit Lions, da ist meistens mehr Schatten als Licht. Ich will also nix gejinxt haben.

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