College Football 2019 Preview: Miami Hurricanes vs. Florida Gators

Das große Kickoff-Weekend der College-Football Saison ist erst nächste Woche, doch quasi als Prolog gibt es heute schon ein Derby zweier Mannschaften aus Florida, die sich auf neutralem Boden in Orlando treffen: Miami Hurricanes vs. Florida Gators (1h / live ESPN-Player).

Eine ausführliche Saisonvorschau auf die beiden Mannschaften.

2019 Preview: Miami Hurricanes

Jede Preview über die Miami Hurricanes beginnt gleich: Ein Programm, nicht das traditionsreichste im College Football, aber eines der wichtigsten, dominantesten, der letzten 40 Jahre. Doch gleichzeitig eines der Programme, die seit nunmehr 15 Jahren verzweifelt versuchen, an die glorreiche Periode von 1980 bis 2002 mit fünf National Titles und zahlreichen Top-10 Finishes anzuschließen:

Miami-FL 2019.png

Die Probleme sind jedes Jahr mehr oder weniger die gleichen, und sie sind nicht im Recruiting zu finden, denn Miami schickt nach wie vor zahlreiche Top-Draftees in die NFL und ist z.B. im 4-Kahres Recruiting Ranking als #23 so schlecht nicht klassiert. Was den Hurricanes jedoch abgeht, ist adäquate Spielerentwicklung und ein höherklassiger Quarterback.

Vor der Saison 2018 war der Tenor bereits ein ähnlicher gewesen: Eine erstklassige Defense, die nur etwas kompetente Unterstützung der Offense braucht um in einer suspekten ACC ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Doch die Unterstützung der Offense kam nie. Der beste Wide Receiver verletzte sich und trat zurück, und weder QB Malik Rosier noch QB N’Kosi Perry boten akzeptable Leistungen.

Freilich galt auch der Coaching-Staff als ernsthaftes Problem. Nicht zwingend war dabei die Kompetenz von Head Coach Mark Richt im Fokus – vielmehr war es Richts Festhalten an seinem Sohn als QB-Coach. Wirklich jeder hatte ihn als das große Problem identifiziert – doch anstatt den Sohn zu feuern, trat Richt selbst nach nur drei Jahren zurück und machte Platz für seinen Nachfolger.

Der heißt Manny Diaz, ist seit vielen Jahren Defensive Coordinator an verschiedenen großen Universitäten in den USA (u.a. Texas und zuletzt drei Jahre Miami) und gilt als Verkörperung des Miami-Lifestyles: Ein Schönling, der auf Wettbewerb und Männlichkeit steht. Diaz‘ Startvorteil: Niemand zweifelt an seiner Kompetenz, nachdem seine Defense seit Jahren zu den attraktivsten, aggressivsten und effizientesten im Lande gehört (Top-15 in den letzten 3 Jahren).

Doch die wahre Aufgabe ist wie schon in den letzten Jahren eine andere: Diaz muss jene Unit ins Rollen bringen, die er eigentlich per se gar nicht beherrscht: Die Offense. Und so setzte Diaz seinen Fokus in der Offseason auf die Verpflichtung von erprobtem Personal. Er holte zum einen OffCoord Dan Enos aus Alabama, einen erfahrenen Mann mit Hintergrund im QB-Coaching.

Auf Quarterback ließ man nichts unversucht, holte QB Tate Martell von Ohio State herunter um QB Perry Feuer unterm Arsch zu machen – doch dann setzte sich im Training-Camp überraschend der Freshman QB Jarren Williams durch! Williams wird heute Nacht starten.

QB Williams hat zahlreiche Waffen in seinem Arsenal zur Verfügung: RB DeeJay Dallas ist einer der besten. Dazu kann man sich den Receiving-Corps mit WR Jeff Thomas, WR K.J. Osborn und TE Brevin Jordan schonmal geben. Wie weit es nach oben gehen kann, hängt allerdings auch an der zuletzt nicht immer sattelfesten Offensive Line.

Die Defense wird, wie eingangs geschrieben, passen. Da sollte es auch gar nicht ins Gewicht fallen, dass in DE Joe Jackson einer der wichtigsten Verteidiger gegangen ist. Für Diaz ist die Ausgangslage eigentlich eine relativ günstige: Letztes Jahr war man nur 7-6, was die Erwartungen dämpft. Mit einem scheinbar übermächtigen Clemson in der ACC erwarte niemand Wundedinge, aber die wichtigsten Advanced-Metrics erwarten 8-4 bis 9-3 Bilanzen, was Diaz sofort als Erfolg verkaufen könnte.

Miami ist 67%-Favorit, seine ACC Coastal Division zu gewinnen und hat in der ganzen Saison nur ein Spiel, in das man als Außenseiter geht: Heute gegen Florida.

2019 Preview: Florida Gators

Die Gators sind ein ähnlicher Fall wie Miami, aber auf höherem Level: Auch sie versuchen verzweifelt, einer glorreichen alten Zeit nachzulaufen. Diese glorreiche Zeit endete mit einem Debakel im SEC-Finale 2009 gegen Alabama – dem Ende der Tim-Tebow Ära, als man unter Headcoach Urban Meyer zwei National Championships gewann.

Danach wurde es harzig. Florida hatte nur noch zwei Top-10 Finishes im S&P+ Ranking, vor allem, weil die Gators-Defense seit Jahren völlig versagte. Doch eines dieser beiden Top-10 Finishes kam just letztes Jahr – dem ersten Jahr von Headcoach Dan Mullen.

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Mullen katapultierte die Offense auf #15 im S&P-Ranking, und damit zum ersten Mal seit zehn Jahren in die Top-40 des College Football. Dabei setzte Mullen, der schon in der Tebow/Meyer-Ära den Offensive Coordinator gegeben hatte, auf bewährtes Spread-Option Rushing, das es seinem Quarterback Feleipe Franks so einfach wie möglich machte.

Franks war nicht perfekt, doch in den letzten Wochen der Saison fing er Feuer. Nun hängt vieles an Franks‘ Entwicklung. Mullens System macht es ihm einfacher und ein Jahr im System und in der Koordination mit den Receivern sollte ihm helfen. Im Hintergrund lauert schon Freshman-QB Emory Jones, der letztes Jahr in vier Spielen in Wildcat-Packages eingesetzt wurde.

Zentral für das Funktionieren der Mullen-Offense sind jedoch nicht nur die Spread-Iso Taktiken, die Receiver draußen gegen Cornerbacks 1-vs-1 stellen, sondern vor allem auch eine funktionierende Offensive Line um den Lauf ins Rollen zu bringen. Hier gibt es für Florida ein paar Fragen, denn beide Offense Tackles gingen in die NFL (u.a. LT Jawaan Taylor, der lange als Top-10 Pick gehandelt worden war).

Wo Florida stark besetzt ist: Skill-Player. RB Lamical Perine ist zwar kein physisches Monster, erzielte aber 6.1 Yards/Carry, davon 3.3 Yards nach dem ersten Kontakt. Und das fangsichere WR-Trio Kadarius Toney / Josh Hammond / Trevon Grimes ist eines der besseren in der SEC.

In der Defense lebt Florida von ultraagressivem Playcalling des streitbaren Defensive Coordiantors Todd Grantham. Grantham lässt vorne volle Pulle gen Quarterbacks anrennen und hinten Pattern-Matching gegen die Receiver spielen. Nun verliert die Defense in DE Jachai Polite den besten Passrusher und in Chauncey Gardner Johnson den besten Safety, doch dafür ist die zuletzt blutjunge Secondary deutlich reifer.

Die Safetys Brad Stewart und Shawn Davis sowie CB C.J. Henderson und CB Amari Burney sollten heuer einen mächtigen Sprung nach vorne machen. Vor allem Stewart und Henderson waren 2018 in limitierter Einsatzzeit durchaus eindrucksvoll.

Florida war letztes Jahr 8-4. Nicht wenige sehen wegen des gewaltigen Leistungssprungs der Offense die Gators schon heuer als echten Rivalen für Georgia im Rennen um die SEC East. Doch aufgrund des brutalen Schedules mit Auswärtsspielen bei LSU und Mizzou sowie einem Heimspiel gegen Florida und neutral site games gegen Georgia und eben heute Miami sind die Sieg/Loss Erwartungen in den Advanced-Stats gar nicht so hoch: 8-4 oder 9-3 gilt als realistisches Ergebnis.


Heute ist Florida mit 67% Siegwahrscheinlichkeit favorisiert.

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Ein Kommentar zu “College Football 2019 Preview: Miami Hurricanes vs. Florida Gators

  1. Das war ein munteres Spiel finde ich!… Interesante Parallele zur Luck-Diskussion. …Die 10 kassierten Sacks des neuen Jarren Williams, werden jedenfalls schon mal in dem einen oder anderen Artikel der Miami O-Line angelastet (Sattelfest ist anders, stimmt!)… dabei zeigte sich Herr Williams eher selbstreflektiert nach dem Spiel: „Those 10 sacks, a lot of them weren’t on my O-line, a lot of them were on me. I felt like a couple times I got pressured and I became a runner instead of remaining a passer [and] keeping my eyes down the field. So, that’s definitely something I’m going to learn from.“

    Schön, dass CFB zurück ist <3!

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